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Nichtoffenes Verfahren | 12/2012

Stadtumbau Ostkreuz – Frankfurter Allee 14a

Lageplan M 1:250

Lageplan M 1:250

Zuschlag

LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Mitarbeiter:
Heidrun Fehr, Rike Kirstein, Johanna Kahabka, Jan Gordon

Der Pablo Neruda Platz

Bibliothek und Schule befinden sich quasi in der zweiten Reihe der Frankfurter Allee. Wie ein Fenster öffnet sich die HĂ€userfront und gibt den Blick frei auf die Bibliothek. Deren Zedernholz-Lamellenfassade ist eine eindrucksvolle Setzung in diesem von den stalinistischen Prachtbauten geprĂ€gten Umfeld. Die Verlegung des Eingangs in die Straßenflucht erhöht die PrĂ€sens des GebĂ€udes im Stadtraum und erfordert eine neue Anordnung der dienenden Funktionen. WĂ€hrend diese sich heute auf der westlichen Seite des Vorplatzes befinden, schlagen wir vor, die Fahradabstellanlage und die PKW-StellplĂ€tze im Zuge der Neugestaltung auf der östlichen Platzseite anzuordnen. Die großzĂŒgige westliche PlatzflĂ€che dient dem Warten und Verweilen sowie der Feuerwehr-Erschließung der Schule. Die östliche dem Ankommen und der Erschließung bzw. Andienung der benachbarten Kita (s. Piktogramme Lage und Bezug zum Stadtraum).

Die Gestaltung der FreirĂ€ume und Ausstattungselemente ist bewusst zurĂŒckhaltend und nimmt Bezug auf MaterialitĂ€t und Farbgebung der sie umgebenden Architektur. Der Platz besteht aus einem beigen Werksteinpflaster, das den Farbton der Travertinsockel der Karl-Marx-Bauten aufnimmt. Drei Sitzelemente aus weißem Werkstein setzen hierzu kontrastierende Akzente.

Zwei mit GrĂ€sern bepflanzte PflanzflĂ€chen gliedern den Platz und ĂŒbernehmen einen Teil der PlatzentwĂ€sserung. Die vorhandene Ahornreihe bleibt erhalten und wird durch zwei raumbildende Ginkgo Reihen (Ginkgo biloba ‘Fastigiata’) ergĂ€nzt. Westlich der Ahornreihe und dem Pflanzbeet befindet sich der Standort fĂŒr den BibliotheksmĂŒll. Der Graben an der östlichen Vorderseite des GebĂ€udes wird angefĂŒllt und Teil der PlatzflĂ€che. Hier befindet sich die Ausleihstation Biblio24.

Der Patz ist autofrei und wird zur Straße hin durch drei Poller begrenzt. Die Erschließung fĂŒr Lieferfahrzeuge und die Feuerwehr erfolgt ĂŒber einen herausnehmbaren Poller. Die StellplĂ€tze sind an der Straße angeordnet und auch bei geschlossener Zufahrt jederzeit erreichbar.

Die Beleuchtung des Platzes erfolgt ĂŒber Leuchtstelen an der westlichen und östlichen Platzseite. Eine mittlere Stelenreihe akzentuiert den Zugang zur Bibliothek. Die portalartig angeordneten Pollerleuchten am Fuße der Treppe werden entfernt.


Der Pablo Neruda Garten

Der Garten ist eine kleine versteckte Oase im dicht besiedelten Quartier. Wie der Vorplatz so ist auch er geprĂ€gt durch die warme Austrahlung der Fassade mit Ihren großen Öffnungen. Hinzu kommen der eindrucksvolle Pappelbestand und die vorhandene Baumgruppe. Die GrĂ¶ĂŸe und die versteckte Lage des Gartens berĂŒcksichtigend schlagen wir eine gut ĂŒberschaubare, den Bestand einbeziehende Gestaltung vor. Dieser Bestand wird ergĂ€nzt durch eine leicht bewegte RasenflĂ€che und einen Rundweg. Die prĂ€genden Elemente sind der Apfelhain, die lange Gartenbank und die nach SĂŒden orientierten Liegen. Die Bankauflagen sind aus lasiertem Holz. Auf einigen befinden sich Gedichte und Balladen von Pablo Neruda. Insbesondere die beiden Balladen Rebellion und Der Einsame erscheinen uns wie fĂŒr diesen Ort geschrieben und sollen den Besucher unaufdringlich und quasi en passant auf das Werk des Namensgebers des Gartens aufmerksam machen. Eine platzartige Aufweitung im Rundweg steht fĂŒr Lesungen bzw. als GrĂŒnes Klassenzimmer zur VerfĂŒgung. Die vorhandene Baumgruppe erhĂ€lt eine Unterpflanzung aus StrĂ€uchern.

Der Schulvorplatz

Anders als die Bibliothek befindet sich die Georg-Friedrich-HĂ€ndel Oberschule vollstĂ€ndig im Abseits und fĂŒhrt durch den Großbaumbestand vor dem GebĂ€ude noch zusĂ€tzlich ein stĂ€dtebauliches Schattendasein. Parkende Autos verstellen den Durchgang von der Frankfurter Allee zur Schule. Nicht Teil der Aufgabenstellung, dennoch wĂŒnschenswert wĂ€re hier eine gestalterische KlĂ€rung und ein Freihalten dieser Eingangsituation.

Die heutige Gliederung in eine abgesenkte Fahrbahn mit seitlichen Gehwegen schrĂ€nkt die Nutzbarkeit des Vorplatzes sowie den barrierefreien Zugang zum SchulgebĂ€ude ein. Durch Anheben der Straße (Feuerwehrzufahrt) auf das heutige Gehwegniveau und eine einheitliche Pflasterung kann diese Situation verbessert werden. Ein hieran angelagerter etwa 4 Meter breiter und gelb gepflasterter Streifen mit SitzbĂ€nken dient als Aufenthalts- und Pausenbereich. Durch die Forderung nach einer neuen Fußwegverbindung entlang der nördlichen GrundstĂŒcksgrenze rĂŒckt die Einfriedung um ca. 2,5 Meter Richtung Schulhaus. SĂŒdlich davon ist die neue Fahrradabstellanlage mit 86 FahrradbĂŒgeln vorgesehen. Diese ist durch eine Hecke und lange Sitzmauern von der neuen PlatzflĂ€che abgegrenzt. Durch zwei DurchgĂ€nge gelangt man von der Fahrradabstellanlage ĂŒber den Platz in das SchulgebĂ€ude. Durch die verĂ€nderte rĂ€umliche Situation, die funktionalen Anforderungen (FahrrĂ€der, Feuerwehr) sowie die starke Verschattung erscheint uns dieser Bereich nicht gut geeignet fĂŒr eine Spielnutzung. Ähnlich wie den Pablo Neruda Platz sehen wir diesen Raum als zurĂŒckhaltend gestalteten Platz zum Verweilen (fĂŒr die Ă€lteren SchĂŒler). FĂŒr die vom Auslober gewĂŒnschten Spielangebote fĂŒr 5.-6. KlĂ€ssler besser geeignete FlĂ€chen befinden ich auf der Wiese westlich des SchulgebĂ€udes (optionale AulaflĂ€che). Auch die FlĂ€che östlich der Turnhalle, auf der sich heute die Weitsprunganlage befindet, erscheint hierfĂŒr gut geeignet.

Die Schulhoferweiterung

Der bestehende Schulhof wird durch eine weitere SchulhofflĂ€che nach SĂŒd-Osten erweitert. Auf dieser FlĂ€che befinden sich vier 100-Meter-Bahnen, eine Weitsprunganlage mit drei Anlaufbahnen sowie BewegungsgerĂ€te, die als Spielelemente in den Pausen sowie als TrainingsgerĂ€te im Sportunterricht genutzt werden können. Östlich der Turnhalle ergĂ€nzt ein Beachvolleyballfeld das sportliche Programm (optional ist diese FlĂ€che auch als Spielbereich fĂŒr die 5.-6. KlĂ€ssler denkbar). Die Laufbahnen bestehen aus hellgrauem Kunststoff. Um Kollisionen mit den LĂ€ufern zu vermeiden und die Laufwege der Turnhallennutzer neben der Laufbahn entlang zu fĂŒhren, erfolgt der Zugang zu der Turnhalle ĂŒber eine seitlich angelagerte Treppe und eine neue Behindertenrampe. Deren Einfassungsmauer dient gleichzeitig als Sitzelement an der 100-Meter-Laufbahn. Ebenfalls um die Laufwege um die 100-Meter-Bahn zu fĂŒhren, wurde der Eingang des Kleinspielfeldes nach Osten verlegt und die bestehende Pflanzung entfernt. Der Zugang zur Turnhalle erfolgt ĂŒber einen neuen gepflasterten Weg, in einer 3 Meter breiten SchotterrasenflĂ€che (Feuerwehr, Rettung). Von hier ist auch ein direkter Zugang in den Garten denkbar. Ein Rasenband mit BĂ€umen und Holzplateaus formuliert die Fuge zwischen dem neuen Schulhof und dem Pablo Neruda Garten.



REBELLION
Ausgepeitscht vom Regen und vom Wind
richten die Pappeln sich auf und klagen wild,
stehen am schwarzen Firmament und sind
mit zottiger MĂ€hne aus grĂŒnem Astwerk ein Schild.

Doch bald sind sie mĂŒde, das Unerreichbare zu wollen,
nur einmal noch zeigt Rebellion ihre Statur,
wenn sie an dem verzweifeln, was sie sollen,
und in ihrem Wunsch nach GrĂ¶ĂŸe zeigt sich die Natur.

Der Kampf ist wild und gilt allen Gewalten,
und in Schönheit können sie ihre GrĂ¶ĂŸe halten,
die allen gehört, die eine Rebellion erhebt.
Doch immer wird man sich zu den Besiegten zÀhlen,
und mit bösem Zischen wird der Wind sie quÀlen,
der Sieger, unter dessen Hand der fĂŒgsame Ast erbebt.
(Pablo Neruda, 1919)
Perspektive Vorplatz Bibliothek

Perspektive Vorplatz Bibliothek

Ansicht Bibliothek mit Vorplatz

Ansicht Bibliothek mit Vorplatz

Lageplan M 1:500

Lageplan M 1:500

Perspektive Vorplatz Schule

Perspektive Vorplatz Schule

Perspektive Schulhof mit Sportanlage

Perspektive Schulhof mit Sportanlage