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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2024

Städtebauliche Entwicklung Bahnbogen Leutzsch in Leipzig

Lageplan 1:1000
6

Lageplan 1:1000

3. Preis

Preisgeld: 9.000 EUR

Kunst + Herbert Architekten

Stadtplanung / Städtebau

RABE LANDSCHAFTEN | ARGE STUDIO URBANE LANDSCHAFTEN

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Das Konzept zur Neugestaltung der östlichen Flächen des Bahnbogens Leutzsch integriert das brachliegende Gelände des Bahnbogens mit einem vielfältigen Programm und gezielt gesetzten Neubauten in den unterschiedlichen Abschnitten in den Stadtteil. Der Entwurf kombiniert Wohnen, Arbeiten und Bildung in einer städtebaulichen Vision, die den Charakter des Ortes aufgreift und bestehende Elemente wie Biotope und denkmalgeschützte Bauwerke behutsam einbezieht. Im Westen von Leipzig entsteht damit ein neues, lebendiges und autofreies Quartier, das auf Fußgängerfreundlichkeit setzt und die vorhandenen ökologischen und industriellen Strukturen wirkungsvoll in Szene setzt.

Das Areal gliedert sich in die Teilbereiche des Quartierskopfs und der infrastrukturellen Anbindung, des Campus der Schule am Bahnbogen, des Wohnquartiers sowie der Kulturmeile mit dem ZUGkunftsDEPOT und dem öffentlichen Freiraum des Gartenparks. Mit dem neuen Quartier wird ein passendes, stadträumliches Gegenüber zu der bestehenden Nachbarschaft südlich der Philipp-Reis-Straße entwickelt und mit einem neuem am westlichen Abschluss des Areals angeordneten Quartierskopf ein lebendiger Auftakt und ein einladendes Entrée zu dem vielfältigen, neuen Viertel am Bahnbogen geschaffen. An der geplanten Wendeschleife der Straßenbahn entsteht vor dem Gebäude des Quartierskopfes ein neuer Verkehrsknotenpunkt mit der Haltestelle, direkter fußläufigen Anbindung an die S-Bahnstation und Park+Ride Stellplätzen. Ein zusätzliches, den Ort aufwertendes und den Ankunftsort belebendes Angebot ist hier mit nahversorgendem Gewerbe und Büroflächen geplant. Auch vom S- Bahnhof führt eine neue, fußläufige Verbindung direkt zu dem Platz Straßenbahnschleife als einladendes Entrée des neuen Quartiers. Die Dachflächen des Neubau des Quartierskopfes sind begrünt und bieten den Anwohnenden als zusätzlicher Freiraum mit Ausblick.

Die geplante Setzung der neuen Gebäude etabliert eine markante Identität des neuen Quartiers und bildet eine räumliche Kante zum Straßenraum der Philipp-Reis-Straße. Durch die Verschneidung der beiden Wohnblocks und der Teilvolumen des Schulgebäudes entstehen entlang der Philipp-Reis-Straße in den Zugangsbereichen der beiden Quartiersabschnitte jeweils kleine Vor- und Eingangsplätze. Am Quartierskopf ankommend werden BesucherInnen durch den hochwertigen, sich anschließenden hochwertigen Straßenraum entlang der Schule und der Wohngebäude bis zum Gewerbecampus der Kulturmeile mit Gartenpark geleitet – der Bahnbogen Leutzsch erwacht aus seinem langen Stillstand.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das neue Stadtquartier zeichnet sich durch eine rationale und wirtschaftlich effiziente Gestaltung aus, obwohl sich die großflächige Bebauung mit solitären Strukturen nur eingeschränkt an den Charakter der angrenzenden Philipp-Reis-Straße anpasst. Besonders auffällig ist die strikte, geschlossene Hofbildung der Wohnanlage. Die hohe Bebauungsdichte begünstigt eine wirtschaftliche Wohnbebauung, führt jedoch dazu, dass die Gebäude im Bereich des Bahnbogens zu nah an die Gleise heranrücken und die Ost-West-Durchlässigkeit des Quartiers eingeschränkt wird. Dies beeinträchtigt die Wohnqualität erheblich und erschwert eine flexible Nutzung der Bebauungstypologie.

Die Erschließung des Quartiers erfolgt über die Philipp-Reis-Straße, die auch die Radwegeführung aufnimmt und zur Adressbildung beiträgt. Der „Quartierskopf“ im Westen stellt ein neues Gebäude dar, das die bestehende Einzelhandelsnutzung fortführt und neben der Verkaufsfläche von 1.200 m² zusätzlichen Raum für Einzelhandel und Büros bietet. Oberirdische Stellplätze sind nicht vorgesehen.

Vom Preisgericht besonders gewürdigt wird das Kreativquartier im Osten des Areals mit seiner Kulturmeile und dem ZUGkunftsdepot. Es umrahmt das Gartendenkmal und öffnet es als Freiraum und Gartenpark für Ideen und öffentliche Nutzung. Diese Gestaltung schafft im Osten des Areals großes Potenzial für eine zukunftsweisende Nutzungsvielfalt aus technologieaffinem Gewerbe, Kultur und Gastronomie. Die Nachverdichtung ist gelungen, und die Erweiterung des denkmalgeschützten Straßenbahndepots eröffnet Möglichkeiten für eine gestalterisch, funktional und wirtschaftlich attraktive Weiterentwicklung. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist es jedoch wichtig, den historischen Charakter zu bewahren und neue Elemente behutsam zu integrieren. Die Tramhalle, das Zackenwerk und die Ideenfabrik prägen diesen Bereich deutlich durch ihre Maßstäblichkeit und Raumwirkung. Das Zackenwerk wird jedoch aufgrund seiner Gebäudetypologie sowie seiner Größe und Nähe zur Wohnbebauung kontrovers diskutiert.

Das Kreativquartier am Bahnbogen hat das Potenzial, dem Standort über Leutzsch hinaus neue Bedeutung zu verleihen. Das vorgegebene Raumprogramm der verschiedenen Nutzungen wurde übererfüllt, was jedoch zulasten der Durchlässigkeit sowie der Quantität und Qualität der Freiflächen geht. Das Preisgericht hebt dennoch die präzise und hochwertige Gestaltung der Freiräume im Inneren des Bahnbogens positiv hervor. Die Außenanlagen der Schule schaffen durch ihre Verbindung mit dem Biotop im Westen spannende Synergien zwischen öffentlicher und schulischer Nutzung, und die Wohnhöfe sind angemessen dimensioniert. Kritisch wird die vollständige Unterkellerung mit einer Tiefgarage betrachtet, die der Möglichkeit einer blau-grünen Gestaltung des Wohnumfelds entgegensteht.

Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung der Philipp-Reis-Straße als grüne, lebenswerte Wohnstraße und neues Rückgrat des Quartiers mit starkem Fokus auf den Radverkehr. Eine verstärkte Ausarbeitung dieses wichtigen Freiraums im Plan wäre wünschenswert gewesen.

Die geplante Bahnüberführung östlich der Wohnbebauung, die einen Freiraumbaustein integriert, wird vom Preisgericht positiv bewertet. Das Gartendenkmal im Osten, die Gehölzbestände und Biotopräume bilden mit den umliegenden Baukörpern ein spannungsvolles Ensemble. Die Arbeit erreicht eine ansprechende Randausbildung, die den Bestand wertschätzt und einen Quartierspark mit starker Ausstrahlung entstehen lässt. Die durchdachte Ausarbeitung des Regenwasserkonzepts und das umfangreiche Angebot an klimapositiven Freiräumen tragen erheblich zur Qualität des Quartiers bei.

Die Planung berücksichtigt die Gleisschleife an der Philipp-Reis-Straße, und die getrennte Führung für Park-and-Ride und die Anlieferung des Norma-Markts ist vorteilhaft gelöst. Die Verlagerung der Busendstelle auf die Ostseite des Areals wird jedoch kritisch gesehen, da sie nachteilig für die betriebliche Funktionalität wäre und mit einem möglichen Ausbau des Fußgängertunnels an der Rathenaustraße kollidieren würde. Die Einordnung der Busendstelle, wie in der Auslobung gewünscht, wäre grundsätzlich möglich, würde jedoch den Wegfall der geplanten Wildblumenwiese bedeuten.
Visualisierung

Visualisierung

Konzept Städtebau

Konzept Städtebau

Konzept Freiraum

Konzept Freiraum

Vertiefung 1:500

Vertiefung 1:500

Längsschnitt

Längsschnitt