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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Städtebauliche Entwicklung BusinessQuartier Niederfeldstraße in Leverkusen-Wiesdorf

Vogelperspektive
9

Vogelperspektive

3. Preis

Preisgeld: 14.250 EUR

URBANOPHIL.KOELN Stadtplanung

Stadtplanung / Städtebau

oba architektur

Architektur

weihrauch+fischer gmbh

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Leitideen

Das städtebauliche und freiraumplanerische Konzept für das BusinessQuartier Niederfeldstraße in Leverkusen ist geprägt von den folgenden Leitideen:

  • Das BusinessQuartier wird in einer wirtschaftlich effizienten modularen und kompakten Bauweise errichtet.
  • Mit dem BusinessQuartier soll eine räumliche Fassung des markanten Bumerangwegs geschaffen werden.
  • Auf der Südseite des Bumerang-Wegs ist eine freiraumplanerische Qualifizierung des Grünen Bogens vorgesehen.
  • Hierdurch soll eine Inwertsetzung der Kirche St. Antonius als historischer Ursprung Wiesdorfs stattfinden.
  • Zudem soll eine bestandsgerechte Umnutzung des Bunkers einen Mehrwert für das Quartier schaffen.

Bebauungs- und Nutzungskonzept

Das BusinessQuartier konzentriert sich räumlich auf den Bereich nördlich des Bumerangwegs. Zum einen, um diesen baulich zu fassen. Zum anderen, um so ein kompaktes Quartier entstehen zu lassen und den Grünen Bogen südlich des Bumerangwegs als naturnahen Freiraum zu qualifizieren. Es entstehen drei Bereiche mit unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten: Ein Gründerzentrum mit Cafeteria und Co-Working im nördlichen L-förmigen Gebäude, Büros + Business im kleineren südwestlichen Block sowie Forschung, Labore und Werkstätten im größeren südöstlichen Block.

Ziel des BusinessQuartiers war die Entwicklung einfacher Bauformen mit hohem Wiederholungsfaktor in ansprechender Gestaltung, um den gestiegenen Baukosten entgegenzuwirken. Vor diesem Hintergrund ist folgende Bebauungstypologie vorgesehen: Die gemeinschaftlich genutzten Erdgeschosszonen mit repräsentativen Adressen werden in Massivbauweise erstellt, z.B. gefärbter (Recycling-)Beton. Oberhalb dieser Sockelzone entstehen einzelne Baukörper für individuelle Nutzer in serieller Modulbauweise, vorzugsweise aus Holzmodulen für eine übliche Modulgröße von 14,0 m x 3,5 m.

Die Baukörper weisen überwiegend Maße von 21,0 m x 14,0 m auf. Durch unterschiedliche Höhen (III bis V Geschosse), welche auf den benachbarten städtebaulichen Kontext reagieren, sowie die Durchblicke zwischen den Baukörpern ab dem 1. OG entsteht ein vielfältiges Bild, das trotz seiner Dichte eine Lockerheit beibehält und Durchlüftung und Belichtung ermöglicht.

Im Sockelgeschoss finden sich gemeinschaftliche Nutzungen wie Konferenzräume, Cafeteria, Fahrrad- oder Müllräume. Die modularen Aufbauten lassen sich sowohl vertikal untereinander als auch horizontal über das Sockelgeschoss zu Einheiten von über 400 m² verbinden.

Der bereits geplante nördliche Baustein für einen sozialen Wohndienst integriert sich in das Konzept und erhält durch einen ergänzenden L-förmigen Baukörper des BusinessQuartiers einen städtebaulichen Abschluss nach Süden.

Eine alternative Variante beinhaltet eine Fortführung des L-förmigen Baukörpers nach Norden, welcher das Gründerzentrum um einen Startup-Inkubator erweitert. Hierfür wird die oben beschrieben Typologie aus massiver Sockelzone und modularen Aufbauten angewandt.

Der Bunker erhält durch eine Nutzung zur Kletter- und Boulderhalle eine neue attraktive Nutzung. Innerhalb der beiden hohen Geschosse entstehen Boulderwände, Ninja-Parkours und Calisthenics-Geräte. Mit vereinzelten Deckendurchbrüchen können auch höhere Kletterwände mit entsprechenden Sicherungen entstehen. Als besonderes Highlight sollen auch an der Außenwand des Bunkers einzelne Kletterwände entstehen. Auf der Südspitze des Bunkers verleiht ein Aufbau dem Gebäude eine städtebauliche Dominante. Hier entsteht eine Roof-Top-Bar mit Außengastronomie, welche über die vorhandenen Treppenhäuser und einen zu ergänzenden Aufzug erschlossen ist. Ganz Sportliche können sich die wohlverdiente Pause auch erklettern! Als weitere Nutzung auf dem Dach des Bunkers dient eine Sportfläche als Freizeitmöglichkeit für die Mitarbeiter*innen des BusinessQuartiers.

Im Süden des Plangebiets entsteht eine Quartiersgarage in Split-Level-Bauweise. Durch eine lamellenartige Fassade soll sie ein möglichst leichtes Erscheinungsbild erhalten.

Freiraumplanerisches Konzept

Das Plangebiet unterteilt sich in den südlichen Bereich, der innerhalb der SEVESO-Planungszone I liegt, und den nördlichen Bereich, der in der Planungszone II liegt. In Planungszone I sind keine Anreize für einen dauerhaften Aufenthalt im Freien herzustellen. Stattdessen sollen in diesem Bereich vor allem naturnahe und ökologisch hochwertige Freiräume entstehen. Der Grüne Bogen, welcher den räumlich prägnanten Bumerangweg begleitet setzt zum einen die Kirche St. Antonius als historische Keimzelle Wiesdorfs neu in Wert und behält zum anderen eine Frischluftschneise für die Leverkusener Innenstadt bei. Durch die Pflanzung von Wildblumenwiesen sowie die Ausbildung grüner Mulden zur Regenwasserrückhaltung und -versickerung, wird ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt, zum nachhaltigen Wasserhaushalt sowie zum Mikroklima geleistet.

Anschließend an den Bumerangweg entsteht der begrünte Quartiersanger, welcher eine Sicht- und Wegebeziehung zum umgenutzten Bunker als Highlight des Quartiers entstehen lässt. Vor dem Bunker endet dieser in einer naturnah gestalteten Wasserfläche.

Der Platz am Bunker ist geprägt vom umfangreich erhaltenen Baumbestand. Er liegt zum überwiegenden Teil in der Planungszone II und soll daher auch als Aufenthaltsfläche für das BusinessQuartier dienen. Ein Kiosk im südlichen Erdgeschoss des Bunkers sowie der Außenbereich der Cafeteria im Gründerzentrum bespielen die Fläche.

Neben der intensiven Dachbegrünung auf dem begehbaren Sockelgeschoss, kann auch auf den obersten Dachflächen der Gebäude eine extensive Dachbegrünung entstehen. Auch eine bodengebundene Fassadenbegrünung ist für die Neubauten vorstellbar. Beim Bunker wird die vorhandene, wild gewachsene Fassadenbegrünung geschätzt und soll weitgehend beibehalten werden.

Verkehrskonzept

Das BusinessQuartier wird als autofreies Quartier konzipiert. Die Haupterschließung für den Pkw-Verkehr erfolgt über die südliche Hauptstraße. Hier wird der ruhende Verkehr in einer Quartiersgarage mit über 300 Stellplätzen untergebracht.

Die Quartiersgarage wird nördlich der querenden Kanaltrasse positioniert und als Split-Level konzipiert. Ein ebenerdiger Hauptzugang neben der Zufahrt an der Ostseite stellt eine direkte Wegeanbindung an das BusinessQuartier sicher. Zusätzlich entsteht ein weiterer ebenerdiger Zugang aus dem westlichen Neuland-Park. Der höher gelegene Park wird ebenerdig direkt an das erste Split-Level des Parkhauses angebunden. So besteht perspektivisch die Möglichkeit in der Quartiersgarage auch öffentliche Stellplätze anzubieten.

Südlich angrenzend an die Quartiersgarage werden auf der bestehenden Parkplatzfläche 50 ebenerdige Stellplätze für die Firma Currenta angeboten. Im Vorbereich des Parkhauses wird zudem eine Mobilitätsstation mit Car- und Bikesharing-Angeboten angeordnet.

Die Verlagerung der vorhandenen Parkplätze an der östlichen Straße Kreuzhof von der westlichen Straßenseite auf die östliche Straßenseite entlang der dortigen Grundstücksrückseiten ermöglicht angemessene Adressen für das BusinessQuartier.

Das BusinessQuartier wird zudem von einem großzügigen Fußwegenetz durchzogen. Der Bumerangweg stellt weiterhin die übergeordnete Radwegeverbindung sicher. Neben Fahrradstellplätzen für Besucher im öffentlichen Raum sind in der Sockelzone zwischen den einzelnen Baukörpern gemeinsame Fahrradräume vorgesehen.

Energie und Nachhaltigkeit

Die Gebäude sind aus möglichst nachhaltigen Baustoffen geplant. So kann der Sockel aus Recycling-Beton entstehen. Die Baukörper sind in Holzmodul-Bauweise vorgesehen. Ein integrierter Sonnenschutz ist hier vorgesehen, um eine sommerliche Überhitzung zu verhindern.

Auf den Dachflächen sollen Photovoltaikmodule für eine Energieversorgung aus regenerativen Energien sorgen. Zudem wird auf den obersten Dachflächen eine extensive Dachbegrünung, auf den Dachflächen des Sockelgeschosses eine intensive Dachbegrünung vorgesehen. Ebenfalls soll, insbesondere bei der Quartiersgarage, eine Fassadenbegrünung vorgesehen werden.

Retentions- und Versickerungsmulden im Quartiersanger und im Grünen Bogen sorgen für ein nachhaltiges Regenwassermanagement und leisten einen mikroklimatischen Beitrag. Zudem ist auch die Nutzung von Regen- oder Grauwasser für die Gebäude denkbar.

Bauabschnitte

  • Phase 1: Errichtung des bereits geplanten Gebäudes für den sozialen Wohndienst.
  • Phase 2: Errichtung der Quartiersgarage zum Nachweis der erforderlichen Stellplätze für das Quartier
  • Phase 3: Bau des Gründerzentrums sowie Ausbildung des Blocks für Büros + Business
  • Phase 4: Errichtung des östlichen Blocks für Forschung + Entwicklung
  • Phase 5: Umnutzung und Aufstockung des Bunkers (je nach Nachfrage, auch bereits früher möglich)

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Preisgericht beurteilt das Konzept der Verteilung der Baumasse und Freifläche grundsätzlich positiv. Im Norden entsteht ein kompaktes ggf. zu dichtes BusinessQuartier, im Süden eine großzügige, zusammenhängende baumbestandene Freifläche. Im nördlichen Wettbewerbsgebiet bleibt ein angemessen großer Platz mit guter Aufenthaltsqualität unbebaut. Der Sportbunker, eine Cafeteria mit südlich ausgerichteter Aussengastronomie und ein kleines Bürgerzentrum werden den Platz sinnvoll beleben können. Der Antonius-Platz markiert weiterhin das Ende sowie den Anfang des Bumerangwegs und stellt die denkmalgeschützte St. Antonius Kirche räumlich in den Fokus.

Das BusinessQuartier ist im Bedarfsfall über den Kreuzhof anfahrbar. Einige Stellplätze befinden sich in angemessener Anzahl als Querparker an dieser ruhigeren Straße. Die Fuß- und Radwegeerschließung von Süden ist über den Weg neben der Bürgerhalle gesichert. Positiv werden die zahlreichen Fahrradabstellmöglichkeiten im Sockel beurteilt. Die Quartiersgarage wird unmittelbar von der Hauptstraße erschlossen, eine sinnvolle Fußwegebeziehung zum Quartier wird nicht dargestellt. Die Garage, ohne prägnante Wegebeziehung zum BusinessQuartier wird der Rolle der Adressbildung an der Hauptstraße nicht gerecht.

Die Verteilung der Baumassen in Sockel und Aufbauten wird kontrovers diskutiert. Positiv wird die solitärhafte Wirkung der aufgelockerten Aufbauten beurteilt. Der ca. 8 Meter hohe, repräsentative Sockel ist zwar raumbildend, wird teils aber mit untergeordneten Nutzungen belegt. Auf die unterschiedliche Geländehöhen reagiert der Sockel leider nicht. Die Gebäudetiefe der Büroeinheiten ist mit 14 Metern eher schmal, dennoch entstehen an der ein oder anderen Stelle bereits Überlagerungen der Abstandsflächen. Die nur 210 qm großen Nutzflächen je Etage wird als deutliche Einschränkung der Flexibilität und Wirtschaftlichkeit beurteilt.

Freiraum
Der Bumerangweg und die Wegeverbindungen zum Aussichtsteg bilden einen grünen Retentionspark mit vielen neuen Bäumen vor der Kirche St. Antonius aus. Dadurch wird die ursprüngliche Konzeption des Neuland-Parkes gewürdigt und überzeugend bis zur Kirche St. Antonius fortgeführt.

Die städtebauliche Struktur erzeugen zudem eine grüne Fuge, zwei halboffene Innenhöfe und ein Platz, der insbesondere den Bunker an den Kreuzhof anbindet. Die entstehenden Freiräume sind in ihren Proportionen angemessen und bieten eine gute Orientierung. Lediglich der Platz vor dem Bunker erscheint etwas überdimensioniert, was allerdings durch die dichte Baumpflanzung kompensiert wird.

Die Wegeverbindung vom bzw. zur relativ weit entfernten Quartiersgarage wirkt unentschlossen und kompliziert. Insbesondere dadurch erhält das neue BuisenessQuartier keine adäquate Adresse an der Hauptstraße.

Die Bestandsbäume des Quartiers werden weitestgehend erhalten. Maßnahmen zum Hitzeschutz, zur Entsiegelung und zum Regenwassermanagement sind in den unterschiedlichen Räumen durch viele Baumpflanzungen, Grünflächen und Retentionsmulden getroffen. Die Nutzungsangebote der Freiräume reagieren folgerichtig auf die SEVESO Thematik.

Fazit
Insgesamt stellen die Entwurfsverfasser ein gelungenes städtebaulich-freiraumplanerisches Konzert dar. Bezüglich der Dichte, der mangelnden Adressbildung und Wegebeziehung an der Hauptstraße, und den vergleichsweise kleinen Nutzungseinheiten je Etage bleiben beim Preisgericht Zweifeln an der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit.
Lageplan

Lageplan

Schwarzplan

Schwarzplan

Fußgängerperspektive

Fußgängerperspektive

Typologieschema

Typologieschema

Schemagrundrisse Erdgeschoss

Schemagrundrisse Erdgeschoss

Schemagrundrisse Regelgeschoss / Dachgeschoss Bunker

Schemagrundrisse Regelgeschoss / Dachgeschoss Bunker

Geländeschnitte

Geländeschnitte

Modellfoto

Modellfoto