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Einladungswettbewerb | 10/2025

Städtebauliche Entwicklung Kempf-Areal in Göppingen

8

1. Preis

Preisgeld: 36.000 EUR

dauner rommel schalk architekten

Stadtplanung / Städtebau

Erläuterungstext

Die stadtbildprägende klassizistische Blockstruktur der Göppinger Innenstadt soll bei der Neubebauung des Kempf- Areals gleichermaßen fortgeführt wie auch neuinterpretiert werden. Basierend auf den Vorgaben der Gestaltungssatzung wird eine Blockrandbebauung mit drei ablesbaren Gebäudeeinheiten je Blockseite vorgeschlagen. Damit werden auch die drei Bestandsbauten an der Kellereistraße harmonisch in das neue Quartier eingebunden. Die häufig von Baukörper zu Baukörper wechselnden Firstrichtungen in der Göppinger Innenstadt verleihen den Blockrändern ein lebendiges Erscheinungsbild. Auch die neuen Baukörper thematisieren dieses Gestaltungsmittel und schaffen zusätzlich durch die Anordnung von Gaupen und Zwerchgiebel eine abwechslungsreiche Dachlandschaft. Auch die in der historischen Bebauung ursprünglich vorgesehenen Brandgänge bzw. Bauwiche zwischen den Gebäudeeinheiten sind für die kleinteilige Struktur der Altstadt prägend und sollen für die Neubebauung neu interpretiert werden. Sie werden nun breiter angelegt und dienen zukünftig als Zugang ins Blockinnere. Je nach Nutzung sind die Erschließungen strikt getrennt. Alle gewerblichen Nutzungen - sowohl in Bestandsbauten wie auch in der Neubebauung - erhalten einen öffentlichkeitswirksamen Zugang direkt vom Straßenraum. Im Gegensatz dazu werden alle Wohneinheiten durch die verbreiterten Bauwiche über den Innenhof des Blockquartiers erschlossen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf folgt mit seiner städtebaulichen Setzung einer strengen Grammatik, die den klassizistischen Block neu interpretiert. Je drei Gebäudeeinheiten säumen die Blockseiten, nehmen in ihrer Körnigkeit Bezug auf die drei Bestandsgebäude und die Blöcke in ihrer Nachbarschaft und variieren spielerisch die Fristrichtungen in ihrer klaren Grundstruktur. Auch die Bauwiche werden neu interpretiert als Zu- und Eingänge in die Wohnungen und ins Blockinnere. Die innere Erschließung erweist sich als intelligenter Schritt, denn die umlaufendende Verbindung der neuen Wohnungen ist kein Laubengang, sondern verknüpft die vertikale Erschließung der Wohnungen mit wohnungsbezogenen privaten Freiflächen zum gemeinsamen grünen Hof. Das Bestandsgebäude in der Pfarrstraße 24 wird über den Umbau des Treppenraums angebunden. Die Kirchstraße 25 erhält über einen rückwärtigen Anbau eine neu barrierefreie Erschließung. Gewerbliche Flächen werden direkt von der Straße aus erschlossen, die Wohnungen vom Innenbereich aus. Der Innenhof selbst wird als kleiner Lichthof räumlich mit einer partiellen grünen Berankung gefasst. Der Blick vom Straßenraum führt über die Tore und die Fugen bis zu dieser grünen Fassung, die mit der umlaufenden Sekundärstruktur ein ganz neues Element im Stadtraum von Göppingen bildet. Der kleine Hof selbst hätte sicherlich gestalterisch und stadtklimatisch einen großen Baum, wie gezeichnet, verdient.

Die klare Struktur liest den Ort und interpretiert ihn neu. In der inneren Erschließung und in den Grundrisstypologien wird eine stimmige Umsetzung der städtebaulichen Setzung sichtbar und eine Vielfalt spürbar, die im Kontext der Blöcke wünschenswert ist. Die feine Detaillierung in der Fassadengestaltung unterstreicht diesen Anspruch.

Kritisch diskutiert wird die vorgeschlagene Nutzung der Erdgeschosszone in der Pfarr- und Freihofstraße: In einer kleinteiligen Struktur soll über eine innenliegende Erschließung Raumeinheiten für HausbewohnerInnen, Selbstständige oder externe Nutzende angeboten werden. Inwieweit dieses Angebot eine attraktive Erweiterung zu den klassischen Wohnungstypologien darstellen kann oder inwieweit es eine schwierige Hypothek für die zukünftige Nutzung ist, gilt es nachzuweisen. Die Vielzahl der Zugänge im Erdgeschoss und die Flexibilität in der Nutzung dieser Einheiten werden hinterfragt.

Die Wohnungen in der Erdgeschosszone zum Innenhof sind zwar über Süden bzw. Westen gut belichtet. Ein Querlüften ist allerdings nicht mehr möglich.

Die Wohnungen in den Obergeschossen bieten ein vielfältiges Gemenge von ein- bis vier Zimmerwohnungen an. Die Sanitärräume sind weitgehend natürlich belichtet und belüftet.

Die Untergeschosse sind nicht dargestellt, und auch die Technikflächen fehlen im Nachweis. Fahrradstellplätze sowie Müllräume sind ebenfalls nicht nachgewiesen.

Der Wettbewerbsentwurf überzeugt durch eine sehr konsequente Umsetzung der Neubaustrukturen in Holzbauweise, mit einer Gründung in STB. Massivholzplatten als Wand- und Deckenelemente im Erdgeschoss und eine Konstruktion aus Holzrahmenelementen in den Obergeschossen. Die Verfasser vermeiden konsequent hybride Bauteile auch bei den Geschossdecken. Diese sind einschichtig in Brettsperrholz schalltechnisch richtig ausgeführt.

Die straßenseitigen Außenwände der Neubauten betonen im EG mit einer Vorsatzschale aus Recyceltem-Beton das Thema der massiven Sockelzone, während eine differenzierte Ornamentik in der Gestaltung der Holzfassaden aufgezeigt wird, die eine schöne Maßstäblichkeit zu ihren klassizistischen Nachbarn bildet.

Die Arbeit liegt mit ihren wirtschaftlichen Zahlen im mittleren Bereich der eingereichten Arbeiten. Der Hochpunkt an der Freihofstraße, der durch den Neubau in der Blockmitte gesetzt wird, überschreitet die Abstandsflächen und ist doch zugleich in diesem Konzept im Blick auf die Wohnflächen unverzichtbar.

Das in den Grundrissen erkennbare, holzbaugerechte Raster lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Jedoch müssen noch im Erdgeschoss insbesondere über den Gewerbeeinheiten die Lasten aus den Obergeschossen abgefangen und schlüssig weitergeführt werden.

Die Konstruktion der Laubengänge ist im Wettbewerbsentwurf noch nicht erkennbar. Sie muss noch hinsichtlich der Materialisierung und ihrer Konstruktionsart entwickelt werden.

Der Erhalt von Bestandsgebäuden wird im Blick auf Ressourcenschonung und den Erhalt grauer Energie gelobt. Im Blick auf den Anteil der Hüllflächen und die energetische Performanz wird kritisch diskutiert, inwiefern das Thema der Erschließungsfugen und Treppenhäuser zumindest an der Freihofstraße weiterentwickelt werden könnte. Die Tageslichtversorgung der Wohn- und Gewerbeflächen ist zu überprüfen.

Der Entwurf besticht durch die präzise städtebauliche Setzung und die Qualität in der inneren Erschließung. Fragen bleiben offen in der Nutzung der Erdgeschosszone und in der Weiterentwicklung der Bauwiche in erlebbare Baufugen, die Blockstruktur und grünes Hofinneres verbinden.