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Einladungswettbewerb | 10/2025

Städtebauliche Entwicklung Kempf-Areal in Göppingen

Perspektive
7

Perspektive

2. Preis

Preisgeld: 23.000 EUR

BANKWITZ beraten planen bauen

Stadtplanung / Städtebau

PIRMIN JUNG

Tragwerksplanung, Brandschutzplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Wie lässt sich in einer Situation bauen, in der das Verhältnis der Gebäude untereinander mindestens ebenso wichtig ist wie ihre architektonische Qualität? Wie können in der kleinteiligen Struktur im Zentrum der historischen Stadt die heutigen Bedürfnisse nach qualitätsvollem Wohnen umgesetzt und zugleich die Aspekte der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden? Wie ist mit der vorhandenen Substanz umzugehen, und wie kann sie in ein neues Ensemble integriert werden?

Diesen Fragen geht der Beitrag nach - und findet bemerkenswerte Antworten.

Städtebaulich überzeugt die Arbeit durch die Übernahme des Maßstabs des Umfelds. Die Häuser erscheinen als einzelne Baukörper, ihre Fassaden zeigen eine städtische Physiognomie, ihre geneigten Dächer fügen sich behutsam und präzise in das Bild der Stadt. Besonders gelungen ist die Ausbildung der Bauwiche, die in der seitlichen Wahrnehmung des Straßenraumes das für die Stadt so prägende Motiv bilden.

Die Gebäudetypologie ist in Orientierung, Adressbildung und Erschließung nachvollziehbar. Durch die Verschränkung zweier gegeneinander gedrehter Baukörper werden die Ecken an Pfarr- und Kellereistraße sowie an Kirch- und Freihofstraße betont und durch den Wechsel zwischen Giebel- und Traufseiten prägnant herausgearbeitet. Die Zugänglichkeit der Häuser über die Bauwiche ist klug gewählt. Zwei zusätzliche Durchgänge zum Innenhof sollen die Qualität des grünen Raumes stärken, der jedoch insgesamt etwas knapp bemessen ist. Dies ist dem vorgeschlagenen Hofgebäude an der Ecke Pfarr- / Freihofstraße geschuldet: Während seine innere Organisation überzeugt, wird seine Dimension vom Preisgericht kritisch gesehen.

Die als verbindendes Element eingesetzten Treppenlösungen sind nachvollziehbar, erscheinen etwas sparsam.

Die Geschossverteilung entspricht den Intentionen der Auslobung: Im Erdgeschoss sind Gastronomie und Gemeinschaftsflächen vorgesehen, in den Obergeschossen das Wohnen. Die Organisation der Gewerbeflächen ist kleinteilig und wenig flexibel. Die Qualität der Wohnungen wird ausdrücklich gewürdigt. Sie sind klar gegliedert, mit in der Mittelzone angeordneten Bädern, die Wohnen und Schlafen sauber trennen.

Kritisch hinterfragt wird hingegen die Nähe der zum Hof orientierten Balkone, insbesondere an den Gebäudeecken.

Die Grundrisse sind gut strukturiert und lassen eine wirtschaftliche Umsetzung in Holz- Hybridbauweise erwarten. Die von den Verfassern vorgeschlagenen HBV-Decken sind mit 120+140 mm Gesamtaufbauhöhe sehr leistungsfähig und erfüllen problemlos die Anforderungen an den erhöhten Schallschutz und an die Brandsicherheit. Die zentralen Erschließungskerne sind für die Aussteifung im Massenschwerpunkt sehr gut platziert.

Zwei Bestandsgebäude werden weitgehend erhalten. Beim Eckgebäude Pfarrgasse 24 wird die Bestandsstruktur teilweise rückgebaut und mit der Neubaustruktur gut verwoben. Dies zeigt eine konsequente Haltung im Umgang mit dem Bestand.

Die Darstellung der Fassaden wirkt noch abstrakt. Dennoch ist die Absicht klar erkennbar: Geputzte Oberflächen, großflächige Öffnungen in den Erdgeschossen und Lochfassaden mit vertikal betonten Fenstern sollen den Ausdruck der Häuser prägen. Diese Haltung erscheint richtig, auch wenn eine Konkretisierung notwendig ist.

Die wirtschaftlichen Kenndaten der Arbeit liegen im Vergleich der eingereichten Arbeiten bei den Wohn- und Nutzflächen im mittleren, bei den Freiflächen ungünstigen, heißt niedrigem Bereich.

Die Themen Energie und Nachhaltigkeit bewegen sich im üblichen Rahmen.

Insgesamt würdigt das Preisgericht eine Arbeit, die durch ihre eigenständige Erschließungstypologie und ihre klare städtebauliche Haltung überzeugt. Sie schafft ein Ensemble, das der Stadt angemessen ist und zugleich qualitätsvolles Wohnen verspricht. Kritisch bleibt die hohe Dichte im Bereich des Hofgebäudes im Nordosten.
Lageplan

Lageplan

Erdgeschoss

Erdgeschoss

UG-DG

UG-DG

Ansicht Ost

Ansicht Ost

Fassadenschnitt

Fassadenschnitt

Wohnungsgrundrisse

Wohnungsgrundrisse