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Einladungswettbewerb | 03/2026

Städtebauliche Entwicklung Kodak-Areal in Stuttgart-Wangen

Kodak Carré
4

Kodak Carré

Anerkennung

a+r Architekten

Stadtplanung / Städtebau

faktorgruen

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Kodak-Gebäude und die Wangener Höhe als die wesentlichen Identitätsträger des Areals tragen und prägen gemeinsam die Mitte des neuen Quartiers. Gegenüber der Haltestelle an der Hedelfinger Straße öffnet sich das große U des Kodak-Gebäudes, baulich erweitert durch eine begleitende, flexibel zu nutzende, allerdings kontrovers diskutierte Regalstruktur und freiräumlich verstärkt durch einen Baumhain. Aus dem Westen greift die Wangener Höhe ein, zwei Durchwegungen im Erdgeschoss erlauben die Verschränkung von Stadt- und Freiraum. Ein Wohnturm mit Fernwirkung überragt das Karree und bietet qualitätvollen Wohnraum.

Weitere Bauten an der Hedelfinger Straße treten etwas zurück und unterstützen räumlich die hervorgehobene Position von Kodak, der Straßenraum erhält damit eine Gliederung, eine zukünftige Entwicklung des Bildes der Straße jenseits einer Verkehrstrasse ist damit denkbar. Im Norden des Areals entsteht durch ein Entree ein Akzent und Quartierseingang, Zugang zu einem Gewerbekamm und dem Hotel. Räumlich ist dieses Entree akzentuiert durch eine turmartige Erweiterung einer Blockstruktur. Dieser schlanke Hotelturm wäre in seiner Dimension auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Verkehrs- und Nutzfläche hin zu überprüfen.

In zweiter Reihe – dabei nicht degradiert, sondern als Adresse erlebbar - entwickelt sich parallel zur Hedelfinger Straße eine sogenannte Quartiersader von Nord nach Süd. Gassen und Plätze wechseln sich ab, die Raumsequenz verbindet das tiefe Baufeld im Norden und erschließt über die hervorgehobene und aktive Mitte den schmalen südlichen Bereich. Hier ist ebenfalls der Bestand des F-Baus gut integriert in einen neuen baulichen Zusammenhang eines Forschungsgebäudes – dieser Substanzerhalt ist allerdings fraglich. Drei freiräumliche Schwerpunkte werden an dieser Ader von unterschiedlichen Programmen unterstützt: im Norden sind Gewerbe, Bildung und Wohnen Anrainer des Eastman-Platzes, im Süden prägt das Bild des Werkhofes zwischen dem Haus der Forschung, einer gemischten Wohn- und Arbeitstypologie und dem südlichen Mobilitätshub – hier rückt allerdings der Mobilitätshub an einer Gebäudeecke deutlich zu nahe an die ansteigende Topographie. Auch wurden die Dimensionen der Freiraumzäsuren zwischen den Gebäuden senkrecht zur Hedelfinger Straße sowie Höhe und Dimension der Hochpunkte in Bezug auf die Frischluftversorgung des Talraumes und auf die Klimaverträglichkeit kritisch diskutiert.

Im Norden, in der Nähe zum Aktivspielplatz und am Übergang zur bestehenden Wohnbebauung wird in sechs neutralen Punktbauten gewohnt. Gemeinsam mit dem schon benannten Wohnturm und einem auch zur zentralen Mitte aktiven Bibliotheksbau entsteht ein eigener Schwerpunkt im Quartier, der aber in Körnungen und Durchwegung gut vernetzt ist mit den großformatigeren Dienstleistungs- und Gewerbebauten. In ihrer additiven Gruppierung lassen die Punktbauten allerdings nachbarschaftliche Zuordnung und verbindend gestaltete Freiflächen vermissen.

Die städtebauliche Struktur erinnert an eine Collage: in der Körnung orientiert an der Großformatigkeit des ursprünglichen Industriequartiers und dem heute noch gültigen Umfeld am Neckar sind Kamm- und Blockstrukturen, Z-förmige Gebäude oder Atriumsbauten zwischen Quartiersader und dem Bestand platziert. Das damit einhergehende Versprechen nach Nutzungsflexibilität und Robustheit in diesen Kubaturen muss durchgängig nachgewiesen werden. Teilweise sehr differenzierte Ergänzungen der Baukörper durch Pergolen, außenliegende Treppen und andere Gerüste lenken von dieser übergeordneten Zielsetzung ab. Zwischen bestandsaktivierender, aber eher architektonisch gedachter Baustruktur und robuster, ordnender und qualitätvoller Freiraumstruktur ist das Projekt ein relevanter Beitrag zur Transformation eines Industrieareals im Neckartalraum.
Der Werkhof an der Quartiersader

Der Werkhof an der Quartiersader

Der Kodak Park trifft auf die Quartiersader

Der Kodak Park trifft auf die Quartiersader

Lageplan

Lageplan