Nichtoffener Wettbewerb | 07/2026
Städtebauliche Entwicklung RIBE-Areal in Schwabach
8
Blick auf den Bouleplatz von Osten
©bb22 architekten + stadtplaner
3. Preis
Preisgeld: 16.000 EUR
bb22 architekten + stadtplaner
Architektur, Stadtplanung / Städtebau
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Marie Gunst, Alireza Movahedi Rad, Irem Metin, Cosima Scherbaum
Erläuterungstext
Das neue RIBE-Quartier – Ressourcenschonend Innovativ Bezahlbar Effizient
Städtebauliches Konzept
Der Entwurf knüpft an die erhaltenswerten Baustrukturen des RIBE-Areals an und verdichtet diese zu einem gemischten und vielfältigen Quartier mit einem ganz eigenständigen Charakter, der den Respekt gegenüber der historischen Substanz mit innovativen Bautypologien und Nutzungskonzepten verbindet. Jedes historische Bauwerk erhält sein neubauliches Pendant, wodurch das Areal in mehrere Teilquartiere und Nachbarschaften gegliedert wird. Ein Eingangspavillon mit Ausstellungsraum markiert die neue Adresse des RIBE-Quartiers.
Die charakteristischen Gebäudetypologien spiegeln sich in einer großen Vielfalt an unterschiedlichen Wohnkonzepten und Nutzungsoptionen wider:
Die Bestandsvilla an der Maximilianstraße wird zu einer Reihe von mehrgeschossigen Stadtvillen ergänzt. Diese können z.B. als WEGs für Familien entwickelt und vermarktet werden.
Im Inneren des Quartiers entstehen zwei größere Gebäude, die vor allem für geförderte Wohnungen geeignet sind. Sie sind auf einem Holzmodulbau-Raster geplant und im Wesentlichen über Laubengänge erschlossen. In der Erdgeschosszone des südlichen Gebäudes ist eine Kita angesiedelt. Zwischen Stadtvillen und diesen Familien-affinen Wohntypen liegen großzügige geschützte Spielflächen.
Das ehem. Flakgebäude, erweitert um einen Zwillingsbau und ein Atrium, wird zu einem Ort für altengerechtes, gemeinschaftsorientiertes Wohnen mit Betreuungs- und Therapieangeboten in der Erdgeschosszone.
Das große Bestandsgebäude W1-30 wird in drei Teile gegliedert, die über offene Laubengangzonen miteinander verbunden sind. In der Sockelzone befindet sich eine große Gastronomie mit Sommergarten. Darüber entstehen unterschiedliche Wohnraumangebote, von sehr kompakten Studiowohnungen bis zu komfortablen 3-Zi-Wohnungen.
Ihm gegenüber entsteht ein Gebäudekomplex mit besonderen Wohnungstypen in der Sockelzone, die wahlweise auch als Maisonette-Einheiten geschaltet werden können. Hier sind auch Mischnutzungen von Wohnen und Werken, Atelierräume, Studios, etc. vorstellbar.
Herzstück der Gesamtentwicklung und Fokus des zukünftigen nachbarschaftlichen Zusammenlebens ist die ehemalige Reithalle. Sie lässt sich abschnittsweise seitlich öffnen und flexibel nutzen. In dem wettergeschützter, aber allseits zugänglicher Raum sind zwei Infrastruktur-Boxen platziert, die für unterschiedliche Nutzungsoptionen bestückt werden können.
Freiflächenkonzept
Die Vielfalt der Bewohnerschaft und ihrer Bedürfnisse bildet sich in den unterschiedlichen Freiraumqualitäten ab. Jedes Teilquartier ist um einen charakteristischen Freibereich herum organisiert. Ein Ginko-Hain bildet einen repräsentativen Platz im Übergang zu den zentralen Bereichen und leitet BesucherInnen von der „Adresse“ des Quartiers an der Bahnhofstraße zu der reaktivierten Reithalle im Zentrum mit ihren wechselnden Bespielungen.
Die Wegeführung im Quartier ist insgesamt so gestaltet, dass sie interessante Perspektiven und abwechslungsreiche Raumsequenzen bietet.
Nachhaltigkeits- und Energiekonzept
Das neue RIBE-Quartier bietet alle Voraussetzungen, um zu einem Modellprojekt in Sachen nachhaltiger Quartiersentwicklung zu werden. Folgende Aspekte werden zu einem integrierten quartiersübergreifenden Nachhaltigkeits- und Energiekonzept miteinander verknüpft:
- weitreichender Erhalt, Umbau und Reaktivierung von Bestandsgebäuden (ehem. Produktionsgebäude W1-30, ehem. Reithalle, ehem. Flak-Gebäude), somit Erhalt der grauen Energie sowie Reduzierung der Baukosten um geschätzte 20-30%
- Neubauten mit einem hohen Vorfertigungsgrad - wenn möglich als Holzmodulbauten,
- Aufbau eines integralen Quartiers-Energiesystems mit PV-Fächen, Batteriespeichern in der TG, Wallboxen, Ladepunkten in den Außenbereichen sowie V2Grid-Technologie, ua.
- klimagerechte Ausgestaltung der Außenanlagen und Dachflächen:
Angestrebt wird eine Maximierung der unversiegelten Freiflächen mit Baumbestand, Gehölzen, Gräsern, etc. Fassadenbegrünungsmaßnahmen sind z.B. an der Südseite der ehem. Reithalle und der Nordfassade des Bestandsgebäudes W1-30 vorgesehen. Flachdächer und Oberflächen der Tiefgaragen werden als Retentionsflächen ausgebildet. Rigolen entstehen entlang der Bahnhofstraße, auf dem Ribe-Platz, unter den Tiefgaragen, etc.
Ziel muss die 100%ige Versickerung von Regenwasser auf den Grundstücken sein. Überschüssiges Regenwasser kann in Zisternen, ebenfalls als Teil der TG-Bereiche gesammelt werden.-Wohngebäude im Osten sind bereits auf einem Modulraster geplant. Neubauten werden möglichst in sortenreinen Materialien als „Materiallager“ und CO2-Senken konzipiert.
Mobilitätskonzept
Das neue RIBE-Quartier ist in seinen zentralen Bereichen autofrei. Drei „Mobilitäts-Taschen“ bilden die Schnittstelle zu den anschließenden Verkehrsräumen. Hier finden sich Sharing-Angebote, Ladestationen, Fahrrad-Abstellmöglichkeiten und Packstationen. An zwei dieser M-Taschen sind auch Abfahrten zu den beiden Tiefgaragen angeordnet, die den ruhenden Verkehr zu überwiegenden Teilen aufnehmen.
Stellplätze / Haltepunkte für Lieferverkehr, Kurzzeitparker und Menschen mit Beeinträchtigungen finden sich oberirdisch an ausgewiesenen und für die Erreichbarkeit sinnvollen Stellen.
Kennzeichnend für die Mobilität im Quartier sind eine hohe Durchlässigkeit für Fußgänger und Radfahrer sowie kurze Wege zu allen Nutzungsangeboten in der Nachbarschaft („5-Minuten-Quartier“)
Die Birkenstraße und die Walpersdorfer Straße werden in den Abschnitten, die nicht für die reguläre PKW-Anbindung genutzt werden, zu einem shared space umgewandelt, der am Übergang zum Stadtpark einen vielfältig nutzbaren und attraktiven Freiraum darstellt.
Die Bahnhofstraße wird zu einer Allee mit baulich getrennten Fahrradstreifen umgebaut. Straßenbegleitend sind Längsparker und bepflanzte Retentionsstreifen angeordnet. Die Bushaltestelle bleibt in ihrer bisherigen Lage - am Haupt-Quartierseingang - bestehen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf berücksichtigt den erhaltenswerten Gebäudebestand und ergänzt den heterogenen Bestand durch ein jeweiliges Pendant. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches, aber auch in der konkreten Ausformulierung unruhiges Quartier.
Eine vielfältige Formensprache der Fassadengestaltung verstärkt dies zusätzlich.
Die Struktur des Gewerbeareals wird übernommen und durch die Neubauten stimmig ergänzt. Städtebaulich fügt sich der Entwurf sehr gut in die Umgebungsbebauung ein und untergliedert durch geschickte Wegebeziehungen das Quartier.
Durch das angemessene Schließen der Straßenflucht in der Bahnhofstraße wird die Möglichkeit eröffnet, den entstandenen Platz mit Ginko-Hain auch für Veranstaltungen im Quartier zu nutzen. Das Volumen des angedachten Baukörpers sollte sich jedoch stärker an der Umgebungsbebauung orientieren.
Der Erhalt der Reithalle wird begrüßt. Die Nutzung dieser Halle erscheint jedoch herausfordernd, da sie aus dem öffentlichen Raum schwer wahrgenommen wird.
Als attraktiv und schlüssig wird das Wegekonzept im Quartier beurteilt, die Zufahrten zu den Tiefgaragen sind richtig verortet, der Shared Space in der Birkenstraße ist jedoch nicht angemessen. Die Anbindung des Quartiers an den Stadtpark ist gelungen.
Die Durchgrünung der Quartiere und das Angebot an Spiel- und Freizeitplätzen ist großzügig und abwechslungsreich, aufgrund der Anordnung abseits der Tiefgaragen auch gut mit schattenspendenden Bäumen bepflanzbar. Ergänzt werden die Freiflächen durch Fassadenbegrünungen, schattenspendenden Pergolen und Urban-Gardening Angebote.
Der geforderte Wohnungsmix wurde nachgewiesen, Wohnflächen und Grundrissgestaltungen könnten jedoch noch optimiert werden.
In der Verbindung mit maximalem Substanzerhalt wird das dargestellte Klima- und Nachhaltigkeitskonzept und auch das Mobilitätskonzept mit vielfältigen, geschickt verteilten Angeboten und guter Anbindung und damit kurzen Wegen positiv bewertet.
Die Anzahl möglicher Wohnungen und die erreichbare Geschoßflächenzahl bei gleichzeitig niedriger Grundflächenzahl lassen eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten und durch die Unterteilungsmöglichkeit in mehrere Bauabschnitte erscheint der Entwurf realisierbar.
Insgesamt handelt es sich um einen guten Beitrag zur gestellten Aufgabe.
Eine vielfältige Formensprache der Fassadengestaltung verstärkt dies zusätzlich.
Die Struktur des Gewerbeareals wird übernommen und durch die Neubauten stimmig ergänzt. Städtebaulich fügt sich der Entwurf sehr gut in die Umgebungsbebauung ein und untergliedert durch geschickte Wegebeziehungen das Quartier.
Durch das angemessene Schließen der Straßenflucht in der Bahnhofstraße wird die Möglichkeit eröffnet, den entstandenen Platz mit Ginko-Hain auch für Veranstaltungen im Quartier zu nutzen. Das Volumen des angedachten Baukörpers sollte sich jedoch stärker an der Umgebungsbebauung orientieren.
Der Erhalt der Reithalle wird begrüßt. Die Nutzung dieser Halle erscheint jedoch herausfordernd, da sie aus dem öffentlichen Raum schwer wahrgenommen wird.
Als attraktiv und schlüssig wird das Wegekonzept im Quartier beurteilt, die Zufahrten zu den Tiefgaragen sind richtig verortet, der Shared Space in der Birkenstraße ist jedoch nicht angemessen. Die Anbindung des Quartiers an den Stadtpark ist gelungen.
Die Durchgrünung der Quartiere und das Angebot an Spiel- und Freizeitplätzen ist großzügig und abwechslungsreich, aufgrund der Anordnung abseits der Tiefgaragen auch gut mit schattenspendenden Bäumen bepflanzbar. Ergänzt werden die Freiflächen durch Fassadenbegrünungen, schattenspendenden Pergolen und Urban-Gardening Angebote.
Der geforderte Wohnungsmix wurde nachgewiesen, Wohnflächen und Grundrissgestaltungen könnten jedoch noch optimiert werden.
In der Verbindung mit maximalem Substanzerhalt wird das dargestellte Klima- und Nachhaltigkeitskonzept und auch das Mobilitätskonzept mit vielfältigen, geschickt verteilten Angeboten und guter Anbindung und damit kurzen Wegen positiv bewertet.
Die Anzahl möglicher Wohnungen und die erreichbare Geschoßflächenzahl bei gleichzeitig niedriger Grundflächenzahl lassen eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten und durch die Unterteilungsmöglichkeit in mehrere Bauabschnitte erscheint der Entwurf realisierbar.
Insgesamt handelt es sich um einen guten Beitrag zur gestellten Aufgabe.
Lageplan 1:500
©bb22 architekten + stadtplaner
Städtebauliches Konzept
©bb22 architekten + stadtplaner
Freiflächenkonzept
©bb22 architekten + stadtplaner
Klima- und Nachhaltigkeitskonzept
©bb22 architekten + stadtplaner
Mobilitätskonzept
©bb22 architekten + stadtplaner
Grundriss EG 1:200
©bb22 architekten + stadtplaner
Schnittansicht A-A' 1_500
©bb22 architekten + stadtplaner