Städtebauliches und landschaftliches Konzept
Mit dem neuen S-Bahn-Anschluss rückt Stahnsdorf in das unmittelbare Einzugsgebiet der Metropole Berlin und wird zum Schauplatz einer visionären städtebaulichen Erweiterung. Der Entwurf nutzt diese Chance, um ein zukunftsweisendes, nachhaltiges Quartier zu etablieren, das die Infrastruktur einer Großstadt mit der erholsamen Ruhe und Weite des ländlichen Raums synergetisch vereint.
Das städtebauliche Gerüst folgt dem Leitbild des „Stadtteils der kurzen Wege“. Durch die gezielte Verlagerung des motorisierten Verkehrs in dezentrale Mobilitätshubs entsteht ein nahezu autofreies Kerngebiet, das den öffentlichen Raum als hochwertige Lebens- und Aufenthaltsfläche zurückgewinnt. Den repräsentativen Auftakt bildet die Mobilitätsdrehscheibe, deren „Visitenkarte“ zwei urbane Quartiersplätze sind. Eine Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Gleise stellt die barrierefreie Verbindung zum Bürgerzentrum und den angrenzenden Wohngebieten her und leitet Bewohnerinnen wie Besucherinnen direkt in das neue, bisher in Stahnsdorf nicht vorhandene Naherholungsgebiet.
Das Herzstück bildet die Grünraumvernetzung – ein Naherholungsraum und Biodiversitätskorridor, der sich in Form von „grünen Fingern“ tief in das Gebiet hineinzieht und die Wohnhöfe unmittelbar mit der freien Landschaft verknüpft. Ein multifunktionaler Begegnungsboulevard fungiert hierbei als soziale Klammer: Er bündelt Angebote wie Calisthenics-Anlagen, Tischtennisbereiche und großzügige Aufenthaltszonen, während er gleichzeitig ökologische Trittsteine für die Biodiversität schafft. Das Freiraumangebot ist dezentral organisiert – von gemeinschaftlich genutzten Gemüsegärten und Obstoasen in den durchgrünten, gering versiegelten Höfen bis hin zum Jugendpark mit einem neuen Dirtbike-Park, der strategisch lärmverträglich entlang der Bahngleise verortet wurde.
Im Sinne einer klimaresilienten Schwammstadt ist das gesamte Gebiet von einer blau-grünen Infrastruktur durchzogen. Ein integrales Regenwassermanagement aus Rigolensystemen unter versiegelten Flächen und weitläufigen, dezentral verorteten Retentionsmulden sorgt für eine vollständige Versickerung vor Ort. Schattenspendende Alleen und Baumgruppen mit klimaangepassten Arten wie Gleditsia triacanthos ‚Sunburst‘, Quercus frainetto oder Fraxinus ornus sowie essbare Landschaften in Form von Naschgärten prägen das Mikroklima und den gemeinschaftlichen Charakter des Entwurfs.
So entsteht ein Wohnquartier, das ökologische Schutz- und Entwicklungsziele mit einer modernen urbanen Lebensqualität verbindet und Stahnsdorf als attraktiven Wohnstandort zwischen Natur und Metropole neu definiert.