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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Städtebauliche Entwicklung Teilfläche Süd im Projektverbund Blankenburger Süden in Berlin

Fußgängerperspektive

Fußgängerperspektive

1. Preis

STUDIO RW | Landschaftsarchitektur + Stadtplanung

Stadtplanung / Städtebau, Architektur

Erläuterungstext

Entwurfsleitende Idee

Ziel unseres städtebaulich-freiraumplanerischen Entwurfs für den „Blankenburger Süden – Teilfläche Süd“ ist es, ein zukunftsfähiges, autoarmes und vielfältiges Stadtquartier mit hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Das Quartier wird als zusammenhängender Stadtkörper mit unterschiedlichen Nutzungscharakteren und räumlichen Prägungen verstanden. Die Leitidee beruht auf der Synthese zweier prägender linearer Strukturen: dem naturnahen Schmöckpfuhlgraben und der geplanten Tramtrasse, die als Rückgrat der verkehrlichen und funktionalen Erschließung fungiert.
Das neue Quartier verbindet verdichtete urbane Räume mit landschaftlich eingebetteten Wohnlagen. Es schafft eine vielfältige Mischung aus Wohnen, Arbeiten, sozialer Infrastruktur, öffentlichen Freiräumen und Angeboten für die Nachbarschaft. Dabei wird besonderer Wert auf den Erhalt und die Integration bestehender Natur- und Freiraumstrukturen gelegt, insbesondere des Schmöckpfuhlgrabens und der angrenzenden Waldränder.

Städtebauliche Struktur

Wohnen im Norden
Im Norden entstehen urbane Baublöcke mit klarer Raumkante zur Tramtrasse. Durch Hochparterrelösungen wird ein lärmrobuster Übergang geschaffen. Zu den grünen Rändern öffnen sich die Höfe großzügig in Richtung Landschaft.

Wohnen im Süden
Im Süden löst sich die formale orthogonale Struktur auf. Die Baukörper sind zueinander verschoben, bilden abwechslungsreiche spannende Räume und öffnen sich zu den baumbestandenen Flächen des Schmöckpfuhlgrabens. Zum Gewerbegebiet hin stehen die Blöcke auf einem Hochparterre und markieren klar den Übergang zwischen privaten und öffentlichen Freiflächen. Über kleine Treppenanlagen und barrierefreie Rampen sind die Höfe nicht nur von den Gebäuden sondern auch vom öffentlichen Raum aus erschlossen. Zum Schmöckpfuhlgraben hin befinden sich die Gebäude auf Gehwegsniveau und die öffentlichen und privaten Freiflächen gehen in die Grünräume des Schmöckpfuhlgrabens über.
Im Inneren der Höfe befinden sich neben privaten Gärten auch Gemeinschaftsgärten mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen. Schmale Wege führen durch die Höfe und bilden ein Netz aus nachbarschaftlichen Wohnwegen und Begegnungszonen.
Das städtebauliche Grundgerüst des südlichen Quartiers wird auf die sogenannte ‚Insel‘ übertragen. Der Schmöckpfuhlgraben wird dabei funktional und gestalterisch in die Struktur integriert. Durch die allseitige Einbettung in Grünräume erhalten alle Gebäude reguläre Erdgeschosse mit direktem Übergang in die angrenzenden Freiflächen.

Mobilitätstrasse
Die neue Mobilitätstrasse erschließt das Quartier für den öffentlichen Nahverkehr sowie für den Rad- und Fußverkehr. Sie bildet das zentrale Rückgrat der verkehrlichen Infrastruktur und verbindet alle Teilbereiche des Quartiers miteinander. Durch eine beidseitige Bebauung wird der Straßenraum städtebaulich klar gefasst.
Gezielte Rücksprünge einzelner Baukörper schaffen großzügige, offen gestaltete Zwischenräume – sogenannte „Spielfelder“. Diese bieten vielseitige Nutzungsmöglichkeiten: wohnungsnahe Spiel- und Sportflächen, gemeinschaftliche Gärten sowie – im gewerblich geprägten Bereich – Aufenthalts- und Pausenräume für Mitarbeitende.
Die Quartiersmitte wird durch gezielte Gebäudesetzungen räumlich gefasst und als grün gestalteter Stadtplatz zum identitätsstiftenden Zentrum des öffentlichen Lebens.
Durch die Renaturierung und partielle Verlegung des Schmöckpfuhlgrabens im Bereich der Quartiersmitte entstehen zusätzliche Baufelder. Diese schließen den Stadtplatz räumlich ab und stärken die Raumfigur der Mobilitätsachse. Gleichzeitig wirkt dieser Übergang wie ein verbindendes „Trittstein“-Element, das die unterschiedlichen Teilbereiche miteinander verknüpft und zu einem zusammenhängenden Quartier verschmelzen lässt.

Gewerbe
Herkömmliche Gewerbegebiete werden von der Stadtgesellschaft häufig als abgekoppelte oder wenig attraktive Räume wahrgenommen. Im Gegensatz dazu sind die Gewerbeflächen in diesem Entwurf integraler Bestandteil des Stadtquartiers. Sie treten nicht als isolierte Inseln in Erscheinung, sondern bilden lebendige, durchmischte Stadträume mit vielfältigen Bezügen zum Wohnumfeld.
Insbesondere in den Übergangsbereichen zwischen Gewerbe- und Wohnnutzung entstehen programmatische Schnittstellen. Hier fördern Angebote wie Werksverkäufe, Urban Services, Repair- und Upgrade-Werkstätten, Second-Hand-Läden, offene Werkstätten, Workshops und Kursräume eine produktive Nachbarschaftsvernetzung. Ergänzt werden diese durch soziale und gesundheitliche Infrastruktur wie kleine Nahversorger, Apotheke, Proberäume für Musik und gemeinschaftlich genutzte Spiel- und Sportflächen. So entstehen öffentlich zugängliche Räume, die sowohl für die ansässigen Unternehmen als auch für die Quartiersbewohner*innen attraktiv sind.
Die Bebauung schafft prägnante Adressen an der Blankenburger Straße und am Netzelement N2. Ein besonderer Fokus liegt auf der Transformation der bestehenden Halle im Süden: Sie wird als identitätsstiftender Baustein in die Neubaustruktur integriert und mit ergänzenden Solitären zum „Gewerbecampus“ weiterentwickelt. Die Bestandshalle übernimmt eine zentrale Vermittlungsfunktion zwischen Quartier und Nachbarschaft – sie beherbergt gastronomische Angebote, Räume für Urban Services, Kursformate, Werkstätten sowie einen stadtteilversorgenden Discounter.
Der Standort zeichnet sich durch eine hohe funktionale Vielfalt und städtebauliche Diversität aus. Die Grundstruktur erlaubt flexible Grundstückszuschnitte, die je nach Bedarf kombiniert oder geteilt werden können. Im Rahmen sogenannter „Gemeinsamstätten“ organisieren sich mehrere Unternehmen kooperativ: Sie teilen Logistikflächen, Kantinen oder Technikräume und sparen so Ressourcen und Flächen. Gewerbe, Dienstleistung, Handwerk, soziale Einrichtungen und öffentliche Nutzungen bilden gemeinsam ein dichtes Netzwerk urbaner Angebote – für Mitarbeitende, Nachbarinnen und Besucherinnen gleichermaßen.
Obwohl die Gewerbeareale im Norden und Süden infrastrukturell getrennte Erschließungssysteme aufweisen, werden sie im Bereich der Tramtrasse funktional miteinander verknüpft. Ein übergreifender Infrastrukturloop überspannt diesen Bereich, bildet eine neue Adresse für die angrenzenden Gebäude und schafft einen einheitlichen gestalterischen Rahmen. Ein gemeinsamer Freiraum im Inneren dieses Rahmens wird zum grünen Zentrum für die Beschäftigten – als Ort der Pause, Bewegung, Begegnung und informellen Arbeit.

Mobilität und Erschließung

Gemäß den Zielen des Mobilitätskonzepts für den Blankenburger Süden setzt der Entwurf auf die Förderung des Umweltverbunds. Die Erschließung erfolgt primär über zwei Hauptzufahrten (Blankenburger Straße und Netzelement N2). Innerhalb des Quartiers sind Quartiersgaragen am Rand angeordnet, sodass die Wohnbereiche weitgehend frei von motorisiertem Individualverkehr bleiben. Eine neue Mobilitätstrasse verknüpft alle Quartiersbereiche, bindet ÖPNV, Fuß- und Radwege und schafft „Spielfelder“ mit öffentlichen Freiräumen, urbanem Grün, Sport und Aufenthalt.
Ein zentrales City-Terminal dient als Umschlagplatz für Lieferverkehre, die über den Infrastrukturloop per E-Lastenrad oder Kleinlogistik verteilt werden. So wird der Verkehr reduziert und die Aufenthaltsqualität im Quartier erhöht.

Freiraum und Landschaft

Der Entwurf integriert den Schmöckpfuhlgraben als durchgehende grüne Promenade, die sowohl ökologische als auch soziale Funktionen erfüllt. Dabei wird die vorhandene Vegetation weitgehend erhalten, der Biotopverbund geschützt und renaturiert. Intensive kommerzielle Nutzungen entlang des Grabens werden bewusst vermieden.
Grünräume entstehen auf mehreren Ebenen:
öffentliche Grünfinger als Verbindungselemente,
wohnungsnahe Höfe mit Spiel- und Aufenthaltsflächen,
landschaftlich geprägte Ränder mit naturnahen Wegeverbindungen,
begrünte Dächer und Fassaden als Beitrag zum Mikroklima.
Ein Leitbaumkonzept unterstützt die Klimaanpassung und stärkt die Quartiersidentität:

Grüne Finger & Neupflanzungen am Schmöckpfuhlgraben:
Salix caprea, Salix alba, Populus tremula, Populus alba, Alnus cordata, Alnus incana, Ulmus RESISTA, Fraxinus angustifolia, Juglans regia, Quercus cerris
Der Charakter des Bestandwaldes wird entlang des Schmöckpfuhlgrabens gestärkt und mittels der blau-grünen Finger im südlichen Bereich ins neue Quartier aufgenommen. Es entsteht eine naturräumliche Verknüpfung mit der nahgelegenen Malchower Auenlandschaft.

Bäume entlang der Tram & im öffentlichen Raum (Quartiersmitte, Wohnwege im nördlichen Teilquartier und Haupterschließungen):
Quercus frainetto, Quercus pubescens, Tilia tomentosa ‚Brabant‘, Ostrya carpinifolia, Corylus colurna, Acer campestre
Die Bäume werden mit extensiv zu pflegenden Blüh- und Gräserstreifen unterpflanzt, die Biodiversität fördern und als Trittstein-Biotope dienen.

Hofgehölze & Pflanzungen in Vorzonen:
Sorbus aria, Sorbus domestica, Sorbus intermedia, Sorbus torminalis, Acer opalus, Fraxinus ornus, Pyrus pyraster, Prunus mahaleb, Cotinus coggygria, Amelanchier lamarckii, Hippophae rhamnoides, Syringa vulgaris
Die Höfe bilden durch eine Vielzahl an Gehölzen mit auffälliger Blüte und zierendem Fruchtschmuck einen eigenen Charakter aus, der sich deutlich von anderen Grünräumen des Quartiers unterscheidet.

Im Gewerbegebiet:
Pinus nigra ssp. laricio, Ostrya carpinifolia, Corylus colurna
Das Gewerbegebiet nimmt Bäume, die entlang der Tram auftauchen, ebenfalls auf. Eine Besonderheit bildet hier jedoch die Inklusion von Nadelgehölzen. Als besondere Leitbaumart im Straßenraum schafft die klimafeste Korsische Schwarzkiefer einen eigenen Charakter im Gewerbegebiet. Auch hier werden die Gehölze mit extensiven Stauden- und Gräserstreifen unterpflanzt.

Gewerbe und Nutzungsmischung

Das Gewerbe wird als integraler Bestandteil des Quartiers entwickelt. Zwei getrennte Teilbereiche (Nord und Süd) werden durch den Infrastrukturloop, gemeinschaftliche Freiräume und flexible Erdgeschossnutzungen funktional miteinander verbunden. Der Entwurf strebt eine positive Integration des Gewerbes in die Stadtstruktur an – durch kleinteilige Angebote, offene Werkstätten, Urban Services, Reparaturangebote und soziale Infrastruktur.
Die südliche Bestandshalle wird erhalten und als Gewerbe-Campus neu interpretiert – mit Gastronomie, Stadtteiltreff, Veranstaltungsflächen und einem Discounter. Flexible Zuschnitte und Kooperationsmodelle (z. B. gemeinsame Nutzung von Logistik und Kantine) fördern Synergien.

Gebäudenutzung und sozialer Zusammenhalt

Die städtebauliche Struktur des Quartiers unterstützt eine vielfältige soziale Mischung und ermöglicht unterschiedliche Wohnformen für verschiedene Lebensphasen und Haushaltsgrößen. Angeboten werden Wohnungen für Einpersonenhaushalte, klassische Familienwohnungen, barrierefreie Einheiten sowie Flächen für gemeinschaftliches Wohnen und alternative Wohnformen.
Ein wesentliches Element zur Förderung des sozialen Zusammenhalts sind die über das gesamte Quartier verteilten Gemeinschaftsflächen. Diese sind sowohl innenräumlich – in Form von gemeinschaftlich nutzbaren Räumen in Erdgeschossen – als auch freiraumbezogen organisiert. Zu den geplanten Angeboten zählen unter anderem ein Quartierstreff, eine kleine Bibliothek, Räume für Jugend- und Nachbarschaftsangebote sowie mehrere Kindertagesstätten.
Diese Einrichtungen sollen als niedrigschwellige, nicht-kommerzielle Begegnungsorte fungieren und unterschiedlichen Gruppen im Quartier Zugang zu Austausch, Teilhabe und Mitgestaltung bieten. Damit wird der Rahmen geschaffen, um soziale Netzwerke im Alltag zu stärken und ein lebendiges nachbarschaftliches Miteinander zu etablieren – im Sinne der in der Auslobung geforderten sozialen Infrastruktur für resiliente Quartiere.

Nachhaltigkeit und Klimaanpassung

Das Quartier ist als klimaresilientes Stadtgefüge konzipiert und setzt auf eine zukunftsweisende Energie- und Umweltinfrastruktur. Grundlage bildet der Einsatz eines Anergienetzes, das verschiedene regenerative Quellen – insbesondere Abwärme, Geothermie und Photovoltaik – kombiniert, um den Wärme- und Kältebedarf weitgehend lokal und CO₂-arm zu decken. Die Dächer werden umfassend begrünt und mit PV-Anlagen ausgestattet. Begrünte Fassaden tragen zusätzlich zur Reduzierung von Hitzebelastung bei und verbessern das Mikroklima im Quartier.
Ein zentrales Anliegen des Entwurfs ist der verantwortungsvolle Umgang mit Regenwasser. In Übereinstimmung mit den Zielstellungen des GK² (Grundlagenkonzept Klimaanpassung) wird ein dezentral organisiertes, sichtbares und gestalterisch integriertes Regenwassermanagement verfolgt. Der geringe Versiegelungsgrad ermöglicht eine weitgehende Versickerung des Niederschlagswassers vor Ort.
Ergänzend übernehmen Mulden-Rigolen-Systeme mit naturnaher Gestaltung die Aufgabe der Zwischenspeicherung und Retention. Diese Flächen werden als Bestandteil der öffentlichen Freiräume ausgebildet und tragen sowohl zur Verdunstung als auch zur Reduzierung von Abflussspitzen bei. Insbesondere bei Starkregenereignissen sorgen sie für ein robustes und anpassungsfähiges System.
Durch diese Maßnahmen wird Regenwasser nicht als zu entsorgendes Abfallprodukt behandelt, sondern als Gestaltungs- und Kühlungselement aktiviert – im Sinne der Berliner Regenwasseragentur und der Strategie „Schwammstadt Berlin“.
Lageplan 1:1000

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Lageplan 1:500

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Vogelperspektive

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