modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 11/2024

Städtebauliche Entwicklung zwischen Janup und Löhrstraße in Herford

Modellfoto
7

Modellfoto

Anerkennung

Preisgeld: 5.000 EUR

rheinflügel severin

Stadtplanung / Städtebau

SPOT architektur + stadt

Stadtplanung / Städtebau

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Der Entwurf sieht eine kompakte wie integrative bauliche Struktur vor, die den Kontext selbstverständlich ergänzt und den nördlichen Rand der westlichen Herforder Altstadt deutlich aufwertet. Der Entwurf zeichnet sich durch eine wohldosierte Urbanität aus, welche die Komponenten, Adressbildung, Freiraumbezug, Gemeinschaft und Vernetzung nach dem Prinzip „Harte Schale, weicher Kern“miteinander verknüpft und hieraus eine unverwechselbare Identität entwickelt. Zentrales Element ist ein halböffentlicher Gartenhof als weicher Kern, der alle großen Bestandsbäume aufnimmt und primär ein Angebot für die neue Nachbarschaft darstellt. Durch die schmalen Zugänge entsteht eine eindeutige Zonierung und Abstufung von öffentlich zu privat.Die Struktur der denkmalgeschützten Hotelfassade wird aufgegriffen und dient im Bereich der Löhrstrasse als Vorlage für die Gestaltung des Ensembles.

Die Gebäude erzeugen hinsichtlich der Geschossigkeit ein Spektrum von III – VI, wobei sich die 6-geschossige Bebauung auf den nördlichen Abschluss beschränkt. Sonst dominiert eine drei- viergeschossige Bebauung, welche behutsame Übergänge zum Bestand formuliert. Zwischen den insgesamt 4 Gebäudeeinheiten wechseln sich verschiedene Dachformen und Fassadenmaterialien ab, wobei das Wohn- und Geschäftshaus im Norden solitärartig hervortritt. Die Höhenstaffelung des Solitärs stellt Übergänge zu den Nachbargebäuden und attraktive Dachgärten und Dachterrassen für die Bewohner her.

Die Gliederung der Bauabschnitte erfolgt entsprechend der zeitlichen Verfügbarkeit der Grundstücke, sodass die Bebauung im Norden später erfolgen kann. Bis auf den südlichen Baukörper gegenüber der Kirche verfügen alle Gebäude über eine vertikale Mischung. Die Häuser entlang des Janup und der Löhrstraße haben aktive Erdgeschosszonen mit gewerblichen oder gemeinwohlorientierten Nutzungen. Im nördlichen Solitärbau wird zusätzlich das 1. Obergeschoss gewerbliche genutzt, um der besonderen Lage und und der Lärmbelastung Rechnung zu tragen. Die neuen Erdgeschossnutzungen entlang des Janup ergänzen das Angebot zum Gänsemarkt ohne zu stark in Konkurrenz zu diesem zu treten.

Das neue Quartier ist im Innern autofrei, sodass alle neu angelegten Verkehrs- und Aufenthaltsflächen Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sind. Ermöglicht wird dies durch eine konsequente Unterbringung aller Stellplätze in einer Tiefgarage, welche von der Löhrstraße angefahren wird. Die Garage kann alle Stellplätze der Bewohner einschließlich der Besucher aufnehmen, jedoch keine weiteren Stellplätze aus der Nachbarschaft. Die Fahrradstellplätze sind zu gleichen Teilen im Außenraum, im überdeckten Erdgeschoss sowie im Untergeschoss untergebracht. Eine Mobilitätsstation bietet neben der Tiefgaragenrampe Platz für Sharingangebote und Lastenräder, wodurch sich die Anzahl der Stellplätze in der Tiefgarage reduzieren lässt.

Neben dem halböffentlichen auf die Nachbarschaft ausgerichteten grünen Hof, prägen die qualifizierten Straßenräume das neue Geviert. Der Erhalt der großgewachsenen Bestandsbäume verleiht dem durchgrünten Hof einen stimmungsvollen Charakter und sorgt für eine angenehme Verschattung. Spielbereiche für unterschiedliche Altersgruppen sowie Sitzbänke und Nachbarschaftstische sorgen für Treffpunkte entlang der alltäglichen Wege. Die Grünflächen sind naturnah gestaltet und mit einer offenen Regenwasserführung versehen, welche auf Rückhaltung, Versickerung und Verdunstung setzt. Die Versickerung erfolgt über Rigolen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit 1018 überzeugt mit einem schlüssigen städtebaulichen Gesamtkonzept. Die Erschließung der einzelnen Baukörper wird ausschließlich von außen über bestehende Straßen geführt, so dass größere zusammenhängende Grünflächen im Innenhof geschaffen werden. Es entstehen neue Adressen, die Bezug zum öffentlichen Raum haben und eine kompakte städtebauliche Weiterentwicklung ermöglichen.
Die Körnigkeit der vorgeschlagenen Bebauung greift weitestgehend vorhandene Strukturen auf. Ebenso ist die Höhenentwicklung in weiten Teilen an die örtliche Situation angelehnt. Allerdings bricht der nördlich vorgeschlagene sechsgeschossige Baukörper aus dem bestehenden System aus und versucht eine neue städtebauliche Setzung zu formulieren. Die vorgeschlagenen sechs Vollgeschosse wirken hier deutlich zu hoch und lassen einen Fremdkörper entstehen, der nicht an den Ort angepasst ist. Bei einer Weiterverfolgung des Projektes wäre hier eine deutliche Reduktion der Höhe notwendig.
An der Löhrstraße entsteht durch die tief ins Grundstück herein gezogene Mobilitätsstation eine schlechte Belichtungsituation für die angrenzend geplante Wohnbebauung.
Die klare Adressierung der einzelnen Baukörper lässt aktive Erdgeschosszonen zu, so dass eine breite Nutzungsmöglichkeit möglich scheint.
Der nördliche Baukörper an der Straße auf der Freiheit hat sowohl das Potenzial für gewerbliche als auch für wohnbauliche Nutzung, insbesondere durch die Expansion der Innenbereiche nach Süden.
Die Erschließung der Gebäude wird von außen über bestehende Straßen geführt. Es wird eine zusammenhängende Tiefgarage mit einer Einfahrt von der Löhrstraße vorgeschlagen. Die vorgeschlagenen Gebäude werden mit den Garagen verbunden. Der Ansatz, den Janup mit privaten Tiefgaragenstellplätzen zu unterbauen, überzeugt nicht und ist vermutlich auch nicht realisierbar.
Das Stellplatzangebot erscheint angemessen. Die vorgeschlagenen unterschiedlichen Bauprojekte können schrittweise realisiert werden, so dass bis auf weiteres der vorhandene nördliche Parkplatz an der Freiheit bestehen bleiben kann, ohne die ersten Bauabschnitte zu behindern.
Insbesondere durch die ausschließliche Erschließung von außen entstehen ruhige Grüne Innenräume, die eine hohe Qualität für die Anwohnern möglich macht. Auf die Art und Weise können vergleichsweise viele Bestandsbäume erhalten werden.
Vom denkmalgeschützten ehemaligen Hotelgebäude wird lediglich die Fassade erhalten. Damit sind die minimalen Forderungen des Denkmalschutzes erfüllt. Gleichzeitig wird auf gleichem Grundriss ein ähnlich großer neuer Baukörper ausformuliert. Es bleibt fraglich, warum bis auf die Fassade der Rest des Gebäudes als Abriss vorgeschlagen wird.
Die vorgeschlagene Dachlandschaft, welche eine Anlehnung an Sheddächer formuliert, ist in ihrer Herleitung nicht nachvollziehbar und weiß mit Bezug auf die umliegende Bebauung nicht zu überzeugen. Die energetische Nutzung dieser Dachflächen erscheint ebenfalls nicht idealtypisch geeignet.
Der Entwurf schlägt vier separat voneinander realisierbare Baukörper vor, die Erschließung der Baukörper mit anliegenden Treppenhäusern und Verbindung einzelner Baukörper miteinander weiß jedoch nicht zu überzeugen. Der nördliche verpachtete Parkplatz kann unbebaut sicher noch länger genutzt werden, ohne die Umsetzung des restlichen Projektes zu behindern.
Das Preisgericht würdigt die Arbeit als guten Diskussionsbeitrag. Es wird ein robustes und urbanes Konzept vorgeschlagen. Die Wirtschaftlichkeit und Realisierungsfähigkeit des Projektes, lässt sich durch die vorgeschlagenen einzelnen Projekte positiv beurteilen. Jedoch sind viele einzelne entwurfsabhängige Entscheidung getroffen, die wiederum kein stimmiges nach Herford passendes Gesamtkonzept entstehen lassen. Der vorgeschlagene Brückenkopf des Gebietes an der Straße auf der Freiheit ist zu hoch. Die Tiefgaragenplanung ist zu überarbeiten, was auch zu Verlust von Grün und Freiflächen im Innenbereich führen könnte. Die Belichtung in den Innenhöfen ist an einigen Stellen so schwierig, dass Wohnungen mit Nachteilen entstehen.
Südostseite des Janup

Südostseite des Janup

Lageplan 1:1000

Lageplan 1:1000

Einbindung

Einbindung

Nutzung

Nutzung

Freiraum

Freiraum

Lageplan 1:500

Lageplan 1:500