modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Wettbewerblicher Dialog | 02/2023

Städtebauliche Gesamtentwicklung Campus Charité Mitte in Berlin

Perspektive Robert-Koch-Platz

Perspektive Robert-Koch-Platz

2. Rang

Nickl & Partner

Architektur

Machleidt GmbH

Stadtplanung / Städtebau

SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

TRADITIONSBEWUSST & ZUKUNFTSGEWANDT
Die neue klinische Mitte am Standort CCM wird als ein Stadtbaustein gestaltet, der sich
sensible in die gewachsene Struktur des Campus und des Quartiers einfügt, indem er
die Höhenentwicklung der umgebenden Bauten respektiert und fortführt. Das weithin
sichtbare Landmark des Bettenhauses bleibt in seiner Einzigartigkeit bestehen. Die
hochflexiblen Flächen der Klinikneubaus bilden gleichzeitig die neue, zukunftsoffene
Adresse am Robert-Koch-Platz.

DER RICHTIGE MASSSTAB
Die Entwicklung des CCM muss in sinnvollen Phasen realisierbar sein, welche jede für
sich ein stimmiges Gesamtbild des Campus ergibt. Die Gliederung des Klinikneubaus in
drei Gebäudeteile entspricht dieser Phasierung. Gleichzeitig bricht sie das Volumen in
Baukörper auf, die eine angemessene Maßstäblichkeit im städtischen Kontext wahren.

ÖFFENTLICHKEIT SCHAFFEN
Der Campus soll nicht nur ein Ort des Heilens, Lehrens und Forschens sein, sondern ein
lebendiger Ort einer pulsierenden Stadt, der die Charité angemessen repräsentiert. Um
Öffentlichkeit zu stärken, werden die Zugänge Nord, Süd und Luisenstraße neu definiert
und gestärkt. Durch gezieltes Aufbrechen der Campusgrenze an der Luisenstraße wird
der Campus erlebbar gemacht, ohne eine Kontrolle über die Zugänglichkeit zu verlieren.

GRÜN & NACHHALTIG = GESUND
„Klimaresiliente, ökologische und soziale Umwelten sind gesunde Umwelten.“
Dieses Bewusstsein soll Ausdruck in einem üppig begrünten, entsiegelten und
verkehrsberuhigten Campus finden. Verschiedene öffentliche und halb-öffentliche
Raumangebote – grüne Dachlandschaft, Campusplatz, Apothekergarten, Healing
Landscape und historische Vorgärten – verbinden sich auf unterschiedlichen Ebenen
zu innerstädtischen Orten mit höchster Aufenthaltsqualität.

FREIRAUMKONZEPT
Der Gesundheitscampus Charité Mitte begreift sich als zukunftsfähiges Klinikgelände mit
landschaftsarchitektonischen Maßnahmen, die sinnbildlich für die „healing landscape“
stehen. Neben der „heilenden“ Wirkung von Grünräumen werden in den Freianlagen
auch Mobilitäts- und Transitfunktionen zusammengebracht. Das Areal öffnet sich
zu seinen Nachbarschaften und verknüpft sich mit den umliegenden Quartieren und
Landschaftsräumen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Städtebauliches Konzept
Die konsequente Haltung, das Bettenhaus als Wahrzeichen der Charité am Campus Mitte zu stärken und die Transformation zur „Neuen Charité“ mit einem in drei Baukörper gegliederten Stadtbaustein zu gestalten, der sich in seiner Höhenentwicklung in die städtische Struktur einfügt, wird gewürdigt. Vermisst wird jedoch ein stadträumlich wirksamer Auftritt der „Neuen Charité“. Es entsteht ein sehr großer Baukörper, die rund 160 Meter lange Bauflucht als Pendant zur psychiatrischen Klinik stört das harmonische Zusammenspiel von Gebäuden und Freiräumen der historischen Struktur empfindlich. Die baulichen Ergänzungen entlang der Bahntrasse und der viergeschossige Solitär an der südlichen Luisenstraße bieten eine überzeugende räumliche Arrondierung. Insgesamt erfordert die flächige Anordnung der neuen klinischen Nutzungen große Eingriffe in die historische Substanz, was nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht sehr kritisch gesehen wird.

Freiraumkonzept
Die Freihaltung der historischen Mitte von weiterer Bebauung und die Aufwertung der Grünräume wird gewürdigt. Die Gestaltung der Uferpromenade als landschaftlich geprägter Parkraum mit Bootsanleger und die Einbindung über den Uferpark am Nordhafen wird als Beitrag zur stadträumlichen Vernetzung begrüßt. Die Differenzierung zwischen Aufenthaltsflächen am Wasser und Radweg durch Gehölzreihen ist überzeugend. Der Eingang vom Uferpark im Bereich des Medizinhistorischen Museums ist richtig platziert, der Brückenschlag bietet eine interessante Zukunftsoption. Das ergänzende Angebot von begrünten Patios und großzügigen Dachgärten wird gewürdigt, wenn auch in den Darstellungen auf den Dachflächen erforderliche Technik ausgeblendet ist.

Nutzungskonzept
Die flächige Anordnung der klinischen Neubauten ermöglicht funktionsgerechte Grundflächen, die gute Grundrissorganisation und hohe Nutzungsflexibilität bieten. Die drei miteinander verbundenen Bausteine gewähren effiziente Betriebsabläufe. Die Verbindung zwischen neuem Klinikkomplex und den klinischen Einrichtungen im Osten über das Brückenhaus ist wenig überzeugend. Der „Sky-Park“ mit Nutzungsangeboten für Öffentlichkeit, Patienten und Mitarbeitende stellt eine Bereicherung dar, wird aber in seiner Größe und dem damit verbundenen Pflegeaufwand hinterfragt. Die öffentlichen Nutzungen in den EG-Zonen an der Luisenstraße leisten einen positiven Beitrag zur Aktivierung des Stadtraums. Das Flächenangebot liegt im unteren Bereich, der Anteil von Flächen im UG ist hoch.

Erschließungskonzept
Die Campuserschließung baut auf dem bestehenden Wegesystem auf und wird sinnvoll ergänzt. Die Erweiterung des bestehenden Tunnelsystems zum neuen Logistik-Hub im Westen ist nachvollziehbar. Tiefgaragenzufahrt und Mobilitäts-Hub an der Hannoverschen Straße liegen günstig und halten den Campus von Individualverkehr frei. Der Zugang Nord ermöglicht eine kurze Anbindung an den ÖPNV.

Nachhaltigkeit
Die Neubauten weisen einen großen Fußabdruck auf. Die vorgeschlagene Dachbegrünung wird begrüßt. Der hohe Anteil an Rückbaumaßnahmen wird sehr kritisch beurteilt.

Prozessgestaltung und Wirtschaftlichkeit
Die Gliederung des Gesamtkomplexes in drei Einzelbaukörper erlaubt eine flexible Anpassung einzelner Entwicklungsstufen. Die Darstellungen zur Phasierung sind nicht konsistent. Die flächige Anordnung der klinischen Bereiche verspricht geringere Kosten für Errichtung und Betrieb und zukunftsgerichtet geringeren Aufwand für mögliche Umnutzung und Sanierung. Die horizontale Organisation der Klinikbauten erfordert einen hohen Flächenverbrauch bei vergleichsweise geringer Bebauungsdichte.
Gesamt-Lageplan M 1:2000

Gesamt-Lageplan M 1:2000

Axonometrie- Verortung der öffentlichen Räume

Axonometrie- Verortung der öffentlichen Räume

Schnittansichten Historischer Campus (oben) und Synthese Bestand - Neubau (unten) M 1:2000

Schnittansichten Historischer Campus (oben) und Synthese Bestand - Neubau (unten) M 1:2000