Nichtoffener Wettbewerb | 09/2024
Städtebauliche Neuordnung Areal Kieler Straße / Volksparkstraße in Hamburg Stellingen
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Lageplan
©GKKS / schoppe+partner
Anerkennung
Preisgeld: 3.267 EUR
schoppe + partner freiraumplanung, Inhaber Jochen Meyer
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
STADT IN SICHT!
Stellingen befindet sich im Umbruch. Der Autobahndeckel über der A7 ist in Stellingen kurz vor der Fertigstellung. Die Neue Mitte Stellingen ist im Werden und füllt eine wichtige städtebauliche Lücke: ein Stadtteilzentrum entsteht. Zudem wird die neue U-Bahn-Linie 5 Stellingen an das U-Bahnnetz an- schließen und zusätzlich zum S-Bahn- und Bus-Verkehr den ÖPNV in Stellingen erheblich stärken: die Stadt kommt näher. Diese, vor allem verkehrlich Veränderungen, bieten optimale Voraussetzungen ais der Randlage Stellingens eine zentrumsnahe Lage zu machen. Es ist Stadt in Sicht!
Höhe und Dichte
Die Dichtekennzahlen werden im gesamten Wettbewerbsgebiet gegenüber der heutigen Situation erhöht.
Raumkanten und Lärmschutz
Das Zusammenspiel zwischen neuen und Bestandsgebäuden bildet mit dem Baumbestand ein Gefüge von aufgelockerten Stadtkörpern, welche sich in ihrer Maßstäblichkeit der benachbarten Bebauungsstruktur annähern. Die dadurch entstehenden stadträumlichen Fugen erzeugen vielfältige Blickbeziehungen durch das neue Quartier.
Die Nutz- und Wohneinheiten werden so organisiert, dass straßenzugewandte Einheiten immer durchgesteckt organisiert werden, so dass Aufenthaltsräume und Freisitze straßenabgewandt möglich sind.
Freiraumkonzept und Baumerhalt
Unmittelbar hinter der großen Kreuzung wird in Verlängerung der Melanchthonstraße ein urbaner, aber grüner Stadtplatz geschaffen als Auftakt zum ruhigen Grünraum Johann-Wenth-Park und dem Stellinger Friedhof. Dieser Platz hat für den Fuß- und Radverkehr eine Gelenkfunktion analog dem Kreuzungsraum für den mobilisierten Verkehr. Die Grünräume Friedhof und Johann-Wenth-Park im Südwesten werden ange- bunden und im größeren Maßstab in das Grünraumsystemen Richtung Nord-Osten eingegliedert. Hierbei wird das Gelände der Freiwilligen Feuerwehr dem Johann-Wenth-Park zugeschlagen und der öffentliche Grünraum als auch die beschriebene Grünraumachse gestärkt.
Die privaten Frei- und Grünräume binden an die öffentlichen Grünräume an und führen diese Systeme auf privaten Grund fort. Die bereits vorhandene und sehr starke durch grün geprägte Räume zwischen Volks- parkstraße und Johann-Wenth-Straße sollen weiter gestärkt werden.
Der Straßenraum der alten Volksparkstraße mit seinem Allee-Charakter soll weiter gestärkt werden. Durch die Adressierung der Neubauten zur Alten Volksparkstraße und ergänzende Baumpflanzungen wird der bestehende Charakter weiter gestärkt. Es entsteht eine attraktive Fuß- und Radwegverbindung, die in Verlängerung über den Dörpkamp an die neue Mitte Stellingen anbindet.
Versiegelte Flächen werden weitestgehend entsiegelt und Retentionsflächen als vertiefte Grünflächen angelegt. Alle Neubau-Dachflächen werden als aktive und grüne Dächer ausgebildet, wo unter Anderem Urban Farming betreiben werden kann.Durch das konsequente Ausbilden von min. zwei baulichen Rettungswegen in den neuen baulichen Struktu- ren, können die Grünräume weitesgehend freigehalten werden von Feuerwehraufstellflächen. Somit mit wird die Qualität der Freiräume zusätzlich gestärkt.
Die Lichtinstallation markiert den Kreuzungsraum und gewährt zugleich dem fußläufigen Verkehr visuellen Schutz. Auf diese Weise werden die verschiedenen Verkehre, motorisiert und nicht motorisiert, gleich- gestellt. Dadurch soll eine Verzahnung des neuen Quartiers mit der östlichen Seite der Kieler Straße, wie auch den künftigen U5 Haltestellen erreicht werden. Eine derartige Installation könnte ein (schnel- ler) Auftakt für die weiteren Entwicklungen sein.
Verkehr
Der Neubau der neuen U-Bahn-Linie 5 wird Stellingen näher an die Stadt bringen und den ÖPNV an dieser Stelle erheblich stärken. Die Haltestelle Sportplatzring befindet sich unmittelbar in der Nähe des Wettbewerbsgebietes und nur über Straßenquerung entfernt. Von dort aus in einer Viertelstunde am Hauptbahnhof. Nicht zu vergessen sind die vier Bushaltestellen, an den mehrere Buslinien halten, die in alle Himmelsrichtungen führen. Die Haltestellen im Wettbewerbsgebiet sollen als attraktive Trans- ferorte die Betrieblichkeit des Knotenpunktes gewährleisten. Vor allem die gewerblichen und öffentli- chen Nutzungen in den Erdgeschosszonen der Hochpunkte dienen hierbei als stadträumliche Kulisse dieses belebten Ortes.
Das Wettbewerbsgebiet ist über die Alte Volksparkstraße als auch über die Johann-Wenth-Straße für den mobilisierten Verkehr erschlossen. Über diese beiden Straßen werden Tiefgaragen im südlichen und nördlichen Gebiet erreicht.
Der neue Standort für die Feuerwehr ist so gewählt worden, dass diese in alle Richtungen herausfahren können und somit so schnell wie möglich das Einzugsgebiet erreichen. Die Lage an der Kreuzung Volks- parkstraße – Kamerbalken ist daher ideal.
Nutzungen
Im südlichen Teilareal können sich mehrere Praxen, Kanzleien und andere Büros ihren Sitz finden. Dieses Gebäude bildet einen zentralen Anlaufpunkt für alle Anwohner, aber auch ̧überörtlich. Mit einer Stadtteilbibliothek und eventuell einem Bürgerbüro für das Bezirksamt Eimsbüttel erhält dieser Ort eine zentrale Rolle in Stellingen. Hier ist ebenfalls ein Supermarkt untergebracht für den täglichen Bedarf.
Für den MIV werden Tiefgaragen gebaut, die zentral den Bedarf an Stellplätzen abdeckt. Hier Anwohnende auch dauerhaft parken. Die Feuerwehr erhält ein neuen Standort im Norden an einer günstigeren Lage. Das Haus der Feuerwehr wird gemeinschaftlich genutzt und verbindet Menschen. Durch das FabLab und der Förderwerkstatt kommen auch Menschen von außerhalb des Quartiers hierher.
Insgesamt lassen sich hier durch sehr flexible Nutzungen realisieren, denn alle Neubauten basieren auf eine gerasterte Skelettbauweise, die eine 2-Zimmer-Wohnung zu einer 5-Zimmer-Wohnung oder ein Büro werden lässt, in dem lediglich Leichtbauwände umgestellt werden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der städtebauliche Entwurf fokussiert sich auf eine stadträumliche Ausformulierung des Kreuzungsbereichs an der Kieler Straße und der Volksparkstraße. In der Absicht, eine prägnante Setzung zu finden, werden an der Kieler Straße zwei achtgeschossige Hochpunkte geplant, die durch ihre gleichartige Ausrichtung und gleiche Höhe ein Tor nach Westen, in die Volksparkstraße hinein, andeuten. Diese Torbildung verleiht der westlichen Volksparkstraße im Vergleich zur Magistrale 3 eine sehr große, wenn nicht zu große Bedeutung. Im Rückraum dieser symbolhaften Baukörperfügung werden weitere Baumassen angeordnet. Im Nordteil greift ein überdimensionaler Bügel Raum. Im Südteil entwickelt sich eine enge, mäanderförmige Figur.
Das Preisgericht beurteilt die Konstellation der Gebäude an beiden Ecken als zu komplex und überinstrumentiert und ist der Überzeugung, dass der Ort stadträumlich eher eine ruhigere und lesbare Entwurfshaltung benötigt. Nördlich der Volksparkstraße entwickelt sich eine Blockrandstruktur, die bezüglich der Ausformung der Gebäudetiefen und der damit zusammenhängenden Erschließung Fragen offenlässt.
Im Süden der Volksparkstraße zeigen die Verfasser ebenfalls im westlichen Teil eine kräftige Blockrandstruktur, die sich im östlichen Teil bedauerlicherweise auflöst. Das Preisgericht stellt sich die Frage, ob die Raumkanten nördlich und südlich der Volksparkstraße in einem zusammenhängenden Kontext erlebbar werden können.
Das Preisgericht begrüßt den sorgfältigen Umgang mit den vorhandenen Bäumen und ihre Ergänzung in attraktiven Vegetationsstrukturen. Insgesamt würdigt das Preisgericht das große Engagement für den Ort und die gut gewählten Detailansätze, bedauert aber gleichermaßen, dass die vielfältigen Einzelmaßnahmen nicht zu einem ganzheitlich stimmigen städtebaulichen Gefüge zusammenfinden können.
Schwarzplan
©GKKS / schoppe+partner
Isometrie Nutzungen
©GKKS / schoppe+partner
Kieler Straße / Volksparkstraße
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Kieler Straße von Norden
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Kieler Straße Lageplanausschnitt EG
©GKKS / schoppe+partner