Einladungswettbewerb | 02/2026
Städtebauliche Neuordnung Bereich Hammerstätter Hof und Umfeld in Bayreuth
5
Isometrie Gesamtareal
©zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH
1. Preis
Preisgeld: 8.000 EUR
zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH
Stadtplanung / Städtebau
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Frank Feuchtenbeiner, Maria Ladygina, Patricia Marter, Sophia Moll
Erläuterungstext
SIEBEN AUF EINEN STREICH
Die Bodenwertsteigerung durch maßvolle Verdichtung und Qualitätssteigerung des Bestandes ermöglicht der Genossenschaft neue Bauten zu errichten und dabei das Baukostenrisiko zu minimieren. Durch die Genossenschaftsidee bleibt die Bodenwertsteigerung in der Hand der Gesellschaft bzw. der Genossenschaft und wird nicht kapitalisiert. Eine Mitbestimmung der Bewohner und ein lebenslanges Mietrecht knüpfen an die sozialreformerischen Ideen der Gartenstädte an.
Die Renaissance des ehemaligen Textilquartiers Hammerstatt: Neue Heimat für viele tapfere Schneiderlein
Die dreifache Innenentwicklung in Hammerstatt - Nachverdichtung, Grün und Mobilität - stärkt die Lebensqualität für die Bewohner: Mehr Einwohner für bessere Infrastruktur, Stärkung der Durchgrünung und Verknüpfung der Wege der vielfachen Mobilität. So wird aus einer Siedlung ein Quartier, sozial, ökologisch und ökonomisch.
Viele kleine Maßnahmen lassen etwas Großes aus dem Quartier werden:
- Erhaltung der wertvollen Bausubstanz.
- Abriss und Neubau der maroden Bausubstanz. Hier kann eine wirtschaftliche und maßvolle Nachverdichtung stattfinden. Eine Sanierung dieser Gebäude birgt aus unserer Sicht zu viele finanzielle Risiken und Unwägbarkeiten für die Genossenschaft.
- Sinnvolle Verknüpfung der Wege, Stärkung des Radverkehrs und attraktivere Anbindung des Quartiers und der Sportanlagen an die Innenstadt und den Roten Main. So wird der öffentliche Raum sinnvoll belebt.
- Baumüberstellte PKW-Stellplätze verteilt über das Quartier, die mehrfach über den Tag genutzt und im Bedarfsfall auch rückgebaut werden können.
- Stärkung des Grünbandes und des grünen Charakters des Quartiers auch in den Erschließungsstraßen.
- Schallschutzmaßnahmen direkt an den sanierten und den neuen Gebäuden, übergreifende Schallschutzbausteine. Abwenden vom Lärm in die grünen Fugen zwischen den Gebäuden bei den Neubauten.
- Es entsteht ein Miteinander von Wohnen und Sport/Freizeit mit sozialen Strukturen (Hammerstätter Hof) und kleinen geförderten Gewerbeeinheiten an den Schnittstellen. Die Sportanlagen sind auch für die Bewohner des Quartiers geöffnet. So entsteht ein gemischtes Quartier für Wohnen, Freizeit und Arbeit.
- Die offene Baustruktur entlang der Friedrich-Ebert-Straße ermöglicht eine Blickbeziehung in die grünen Höfe und weite Blicke hangabwärts in Richtung des Roten Mains.
Die Bodenwertsteigerung durch maßvolle Verdichtung und Qualitätssteigerung des Bestandes ermöglicht der Genossenschaft neue Bauten zu errichten und dabei das Baukostenrisiko zu minimieren. Durch die Genossenschaftsidee bleibt die Bodenwertsteigerung in der Hand der Gesellschaft bzw. der Genossenschaft und wird nicht kapitalisiert. Eine Mitbestimmung der Bewohner und ein lebenslanges Mietrecht knüpfen an die sozialreformerischen Ideen der Gartenstädte an.
Wir beobachten einen Perspektivwechsel beim Entwerfen, Planen und Bauen von Wohngebäuden. Die Besinnung auf eine stringente konstruktive Logik, das Hinterfragen von gewohnten Standards und die Forderung nach einfacheren Wegen zur Baurechtsschaffung führt zwangsläufig zu anderen Erscheinungsbildern in der Architektur.
Die Neubauten in Hammerstatt sind in ihrer Typologie auf den Ort bezogen und in ihrer Größe gleich, sodass eine intensive Planung und wirtschaftliche serielle Umsetzung möglich sind. Die Standards der Wohnungen werden in der weiteren Planung auf ein gesundes Maß reduziert. Es werden nur Qualitäten entworfen, die dem Bewohner zu Nutze kommen. Dabei sind die Prinzipien Gebäudetyp E, „Einfach (Stadt) Bauen" und Hamburg-Standard geeignete Werkzeuge. Vor etwa hundert Jahren sind aus ähnlicher Konstellation Gebäude entstanden, die wir heute der „Neuen Sachlichkeit" zuordnen. Aus einer Notwendigkeit heraus ist damals eine neue Strömung entstanden.
Hier kann die weitere Entwicklung von Hammerstatt anknüpfen und erneut eine Architekturströmung prägen, damit mit gutem Wohnungsbau ein besseres Stück Stadt entsteht, was das Grundbedürfnis „Wohnen" mit Freizeit und Arbeit verknüpft und auch in den kommenden Generationen eine Wertschätzung erfährt.
Reduzierung und ganzheitliches Denken: In der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekt:innen, Fachplaner:innen, Wissenschaftler:innen und der Genossenschaft entsteht ein innovativer und nachhaltiger Mehrwert für die Gemeinschaft und ein ökonomischer für die Genossenschaft.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die städtebauliche Situation und die freiräumlichen Qualitäten der Gartenstadt „Hammerstatt“ werden durch geringe und gezielte Eingriffe minimalinvasiv aufgewertet. Es erfolgt eine dezente Nachverdichtung, die sich stadträumlich kaum bemerkbar macht, da sie den punktuellen Footprint der Bestandsbauten lediglich nach Süden erweitert und so einen moderaten Zugewinn an Wohnfläche generiert. Die Ausrichtung der Wohnbauten in Ost-West-Richtung ermöglicht ein hohes Maß an Grundrissflexibilität und trägt den Herausforderungen des Schallschutzes in der Nachbarschaft des Stadions Rechnung. Zudem sind im Erdgeschoss Nutzungen vorgesehen, die die Wohnnutzung ergänzen und Konflikte mit dem öffentlichen Raum vermeiden.
Die neuen Baukörper fügen sich nicht nur aufgrund der Weiterführung des punktuellen Rhythmus in den historischen Bestand ein, sondern setzen auch dessen Gestaltungsprinzipien fort. Insbesondere die neu interpretierten Mansarddächer erfordern jedoch einen sorgfältigen Umgang mit Dimension und Materialität. Die Gestaltung der konstruktiven Details wird entscheidend sein, um den ästhetischen Ausdruck des Bestands mit den neuen Wohnhäusern erfolgreich in die Zukunft zu führen. Dieser Aufwand scheint gerechtfertigt, da dem verfassenden Büro ein prototypisches Haus vorschwebt, das sechs- oder siebenmal wiederholt werden kann.
Der Regiebetrieb bleibt am bisherigen Standort, wird dort jedoch deutlich besser organisiert.
Der Entwurf nutzt die Stärken des bestehenden Freiraums und ergänzt diese behutsam. Es werden kaum neue Flächen versiegelt. Das Quartier wird weitgehend von Such- und Quellverkehr freigehalten, die Gebäude sind aber dennoch zum Be- und Entladen mit dem PKW erreichbar. Im Rahmen des behutsamen Gesamtkonzepts bleibt die Erschließung im Wesentlichen unverändert. Neu geschaffen wird eine fuß- und radläufige direkte Verbindung in die Hammerstatt über die Verlängerung des Ellrodtweges nach Norden. Der Ansatz, Stellplätze durch Senkrechtparker in der Friedrich-Ebert-Straße anzubieten, ist nicht umsetzbar. Hier ist gemeinsam mit dem Auslober und der Stadt eine Alternativlösung zu suchen. Der Vorschlag, ein modulares System mit seriellen Grundrissen zu schaffen, lässt – ebenso wie die Wiederholung der Baukörper – eine wirtschaftliche Lösung erwarten.
Übersichtslageplan
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Grundriss Erdgeschoss
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Abwicklung Friedrich-Ebert-Straße
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Piktogramm Nachhaltigkeit und Vorfertigung
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