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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2017

St├Ądtebauliche Neuordnung der Illenauwiesen

4. Rang / Anerkennung

M├╝ller + Huber Architekten

Architektur

ECHOMAR

Architektur

w+p Landschaften

Landschaftsarchitektur

LINK3D

Visualisierung

Erl├Ąuterungstext

1 _ HISTORISCHE INSEL ILLENAU

Der Nervenheilanstalt Illenau lag die Konzeption der ÔÇ×InselÔÇť im Gr├╝nen zugrunde. Die sehr repr├Ąsentativen eher urbanen architektonischen Motive wurden im Geist der Zeit mit geordneten Landschaftsmotiven kombiniert. Die Erschlie├čung der Insel erfolgte ├╝ber eine zentrale Achse, die als Allee ausgef├╝hrt wurde.

Diese Grundkonzeption der Insel ist auch im heutigen st├Ądtischen Gef├╝ge, das durch mehr oder weniger gelungene Erg├Ąnzungsbauten gepr├Ągt ist, noch klar erkennbar. Die Inszenierung der Allee in der Sichtachse zur ikonografisch regional bedeutsamen Hornisgrinde verst├Ąrkt diesen Ansatz noch.



2 _ NEUE URBANE INSELN

Unsere Konzeption kn├╝pft an dieses Inselmotiv an. Wir verstehen die Illenauwiesen tats├Ąchlich als besonderen Gr├╝nraum, der in Achern einzigartig ist. Dieser wertvolle Raum wird daher als Grundlage betrachtet in den dann urbane Inseln gesetzt werden. Die Art der Bebauung wertet den Gr├╝nraum dadurch auf, dass er ihn als Standartsetting f├╝r den Ort betrachtet, in dem die urbanen Inseln die Ausnahme sind.

Die Erschlie├čung der Inseln erfolgt analog zur st├Ądtebaulichen Historie durch Stichstrassen. Dieser Ansatz ist nicht nur konzeptionell konsequent, sondern geht auch sehr nachhaltig mit der Ressource ÔÇ×IllenauwieseÔÇť um.



3 _ QUARTIERSIDENTITÄTEN

Das Motiv der urbanen Inseln erlaubt auch eine klare Ausbildung der einzelnen Quartiersidentit├Ąten. Die Inseln funktionieren als Einheit und sind doch in ihren Strukturen klar voneinander abgrenzbar. Die klare Identifizierbarkeit wird die Wohn- und Lebensqualit├Ąt der einzelnen Bereiche verbessern und stellt einen klaren Mehrwert im Vergleich zu den eher koventionellen Acherner Stadterweiterungen auf den Arealen Lott-, S├╝wag- oder Glash├╝tte dar.

Die Reithalle als gro├čer Identit├Ątsanker erf├Ąhrt durch die Umgestaltung zur Markthalle bzw. zum Ort f├╝r landwirtschaftlichen Direktverkauf eine Aufwertung, die mit begrenzten Mitteln leistbar ist und zusammen mit der Gastronomie einen wesentlichen Beitrag zur Quartiersqualit├Ąt leistet.



4 _ ENDLICH STADTEINGANG

Ein weiteres wesentliches Merkmal des Entwurfs ist die eindeutige Ausbildung des Stadt Die in zweiter Reihe gelegene Illenau bringt ihr Identifikationspotenzial nur sehr bedingt zur Geltung. Duch die Ausgestaltung eines st├Ądtebaulichen Hochpunktes und einer gro├čen urbanen Freifl├Ąche wird dieser Raum in seiner Wahrnehmung vom Durchgangsraum zum Aufenthaltsort. Er wird durch die Ausbildung seiner R├Ąnder und die Fortf├╝hrung der Bepflanzung der Illenauallee als R├╝ckgrat zum erkennbaren Stadteingang. Durch diese Massnahme kommt auch der Achse Reithalle/Illenau neue Bedeutung zu und die Illenau erf├Ąhrt durch die neue Konfiguration die Aufmerksamkeit, die sie verdient.



5 _ STRUKTURELLE ├ťBERG├äNGE

Die st├Ądtebauliche Umgebung der Illenauwiesen ist ├Ąu├čerst heterogen. Wir sehen in dieser Heterogenit├Ąt ein wesentliches Charaktermerkmal des Ortes. Die neuen Strukturen m├╝ssen zwischen den unterschiedlichen K├Ârnungen, Typologien, Funktionen und Stadtr├Ąumen vermittlen. Durch dieser Adapterfunktion integrieren sich die ÔÇ×InselnÔÇť in den Kontext und wirken selbstverst├Ąndlich. Um den Platz an der Reithalle sind Bebauung, Erschlie├čung und Stadtr├Ąume urban, in Richtung S├╝den (Oberachern) und Westen (Wohngebiet) wird die Bebauung kleinteiliger, die Erschlie├čung, die Typologien und die Stadtr├Ąume suburbaner.



6 _ ACHERNER GR├ťNR├äUME

Die Illenauwiesen werden einen wichtigen Baustein im Gr├╝nraumger├╝st Acherns spielen. Wichtig wird dabei sein, die Rolle des neuen Gr├╝nraums in seinem Verh├Ąltnis zu den existierenden Gr├╝nr├Ąumen zu definieren um so das Angebot zu erg├Ąnzen und Konkurenzen und Dopplungen zu vermeiden. Der Stadtgarten als wichtigster Gr├╝nraum ist ein klassicher urbaner Erholungsraum und ein gezielt gestalteter und gepflegter Landschaftspark. Der Freiraum um die Illenau ist dagegen eher von repr├Ąsentativem und geometrischem Charakter.

Die Illenauwiesen werden unserem Vorschlag nach diese R├Ąume durch eine rauhere und naturlandschaftliche Komponente mit hohem Freizeit- und Aktivit├Ątswert erg├Ąnzen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Leitidee des Entwurfs mit der Akzentuierung der gro├čen Freifl├Ąche und einer kompakten Geb├Ąudegruppe wird begr├╝├čt. Es entsteht eine gute Proportion zwischen freigehalten und ├╝berbaut. Die Reithalle wird in der Achse zur Hauptzufahrt zur historischen Illenau freigestellt und ├╝ber einen gro├čen befestigten Platz im Vorfeld betont.
Der urban befestigte Platz wird mit einer ÔÇ×StreetbarÔÇť unter dem Dach der ehemaligen Tankstelle best├╝ckt. Eine diskussionsw├╝rdige Idee: allerdings wird die Prominenz der Achse zur Illenau durch diese Ma├čnahme geschw├Ącht.

Die zwei- bis viergeschossigen Wohngeb├Ąude sind block├Ąhnlich mit gro├čen Zwischenr├Ąumen gestaltet, ein orthogonales Raster wird vermieden durch eine vielgestaltige Aufl├Âsung der Blockrandbebauung. Zwei Quartiere werden ├╝ber die Innenh├Âfe erschlossen, was Wohnruhe und Aufenthaltsqualit├Ąt beeintr├Ąchtigt. Der n├Ârdlich gelegene Block wird vom Vorfeld der Reithalle erschlossen, was unn├Âtig Verkehr in diesen hochwertigen Stadtraum verlagert. Unverst├Ąndlich ist f├╝r das Preisgericht der vollst├Ąndige Verlust der wertvollen Lindenreihe.
Ost-West orientierte Gr├╝nzonen zwischen den drei Blocks anzulegen ist schl├╝ssig.
Die s├╝dliche Zone k├Ânnte auf die sch├Âne Fassade des Heizhauses orientiert sein, was aber nicht gelingt. Allerdings f├╝hrt das Gr├╝n dort zur ehemaligen Schwimmsch├╝ssel, die jetzt jedoch als gro├čes ÔÇ×Flussbad und BiotopÔÇť ausgebildet werden soll.
Die heterogene Anordnung der Geb├Ąude entlang der Illenauer Stra├če und die ├ľffnung der zwei s├╝dlichen Blocks zur Stra├če hin sind unverst├Ąndlich und nicht begr├╝ndet.

Die gew├╝nschte Mischung der Wohnarten f├╝hrt zu unterschiedlichen Geb├Ąudeh├Âhen ÔÇô von zwei- bis zu viergeschossigen Geb├Ąuden ÔÇô, die von S├╝den nach Norden ansteigen. Verst├Ąndlich w├Ąre hier eher eine Schutzbebauung zur Stra├če hin. Die Anordnung von viergeschossigen Geb├Ąuden zur Reithalle hin und um sie herum erscheint willk├╝rlich. Der ├ťbergang zum Park mit den Reihenh├Ąusern im Westen stellt eine unverst├Ąndliche Aufwertung der schon privilegierten Wohnform dar.

Die neue Verkehrsf├╝hrung mit einem kleinen Kreisel an der Illenauerstra├če plus neuer Bushaltestelle kann angenehm und verkehrsberuhigend wirken.

Der neue Reithallenplatz erh├Ąlt durch seine Gr├Â├če und durch die gestalterische Einbeziehung der Parkpl├Ątze eine geringe Aufenthaltsqualit├Ąt. Das Erschlie├čungssystem im Park ist schl├╝ssig, die Umgestaltung des Sch├╝sselbades mit gro├čer Freitreppe und Flussbad und Biotop m├╝sste ├Âkologisch, gestalterisch und hydraulisch gel├Âst werden. Attraktiv ist dieses Angebot. Die beiden vorgeschlagenen Br├╝cken sind gut positioniert.

Das Nutzungskonzept f├╝r die ehemalige Reithalle mit einer Markthalle wird generell und besonders durch die r├Ąumliche N├Ąhe zu bestehendem Lebensmitteleinzelhandel f├╝r problematisch angesehen. Die Angebote verschiedener Wohnformen incl. Seniorenwohnen sind angemessen.

Der vielf├Ąltige und attraktive Galeriesaum am M├╝hlbach wird erhalten und zu einem gro├čen Gr├╝nraum erg├Ąnzt, was positiv gesehen wird.

Das Grobkonzept des Entwurfes wird den Anforderungen gerecht. Jedoch erscheinen das Umfeld der Reithalle mit den gro├čen Parkplatz als Endpunkt der historischen Achse wie auch die Ausformung der Wohnblocks mit der ins Innere f├╝hrenden Erschlie├čung als zu wenig durchdacht.
Wettbewerb St├Ądtebauliche Neuordnung der Illenauwiesen

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