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Offener Wettbewerb | 06/2026

Städtebauliche Neuordnung Luisenblock Ost II in Berlin-Mitte

Perspektive aus Westen
9

Perspektive aus Westen

Anerkennung

Machleidt GmbH

Stadtplanung / Städtebau

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Winkelmüller Architekten GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Erläuterungstext

Leitidee und Städtebau

Von den Bahnbögen an die Spree
In enger Verzahnung mit dem benachbarten LBO I bildet die Kombination aus Wohnen und Bundestagsnutzung in einem großzügigen Block eine klare städtebauliche Figur, die den vielfältigen Anforderungen des Ortes gerecht wird. Die daraus resultierende Minimierung der Erschließungsflächen ermöglicht es, die hohen Flächenanforderungen des Standorts zu erfüllen und zugleich großzügige, nutzungsgerechte und klar zonierte Freiräume zu schaffen, die die Sicherheitsanforderungen der Bundestagsnutzungen wahren.
Die heute aus gestalterischer und funktionaler Sicht bestehende Leerstelle entlang des Ufers – zwischen dem Panoramaweg durch das Regierungsviertel und der belebten Gastronomiemeile östlich der S-Bahn-Trasse – wird durch eine großzügige Promenade mit differenzierten Aufenthaltsqualitäten entlang der Spree neu besetzt. Die ruhige, geschlossene Raumkante am Schiffbauerdamm nimmt eine dem Ort angemessene Körnung auf und orientiert sich am historischen Stadtgrundriss. Platzartige Aufweitungen betonen die Zugänge ins Quartier und werden durch Treppenanlagen bis an das Spreeufer fortgeführt – als maßstäbliche Weiterführung des Motivs des Bertolt-Brecht-Platzes.
Im Sinne einer attraktiven Raumfolge wird das Potenzial der Stadtbahnbögen aktiviert. Ein langgestreckter Platz entlang der Bögen ergänzt das Freiraumangebot und gibt den neuen nachbarschaftlichen, sozialen, kulturellen und kleinsthandwerklichen Nutzungen eine klare Adresse sowie einen Außenraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Hier treffen die Nutzungen des neuen Quartiers zusammen; auch ver.di und der Bundestag sind präsent. Die Planstraße stellt die direkte Verbindung dieses Quartiersplatzes zur Spree und zu den angrenzenden Aufenthaltsräumen her.
Dieser Platzdreiklang aus dem Eingangsplatz zwischen LBO I und II, dem Vorplatz des ver.di-Gebäudes und dem Quartiersplatz an den S-Bahnbögen bildet das räumliche Gerüst des Entwurfs. Er verbindet die aktivierten Stadtbahnbögen selbstverständlich mit dem Spreeufer und belebt das neue Stadtquartier in seiner gesamten Tiefe.

Repräsentanz und Zugänglichkeit
Die geplanten Bundestagsnutzungen liegen in direkter Nachbarschaft zum westlich angrenzenden LBO I. Im Sinne von Vielfalt, Nachhaltigkeit und Beständigkeit politischen Handelns wird das gründerzeitliche Gebäude Schiffbauerdamm 19 in die Neubebauung integriert. Auf Höhe des Baudenkmals des ehemaligen Maschinen- und Werkstattgebäudes verspringt der mittlere Baukörper des Bundestagsensembles und bildet so einen weiteren abgeschirmten, zugleich repräsentativen Eingang sowie eine prägnante Adresse der neuen Bundestagsnutzungen. In Verbindung mit dem angrenzenden Eingangsplatz entsteht ein gemeinsames repräsentatives Bundestagsforum. Der Sitzungssaal befindet sich im Vis-à-vis zur S-Bahn und gewährt den passierenden Fahrgästen Einblicke in den politischen Alltag. Als höchster Punkt des Ensembles schafft er zudem eine visuelle Verbindung zum Band des Bundes.

Typologie und Architektur
Bei der gewählten Gebäudetypologie handelt es sich entsprechend der damaligen Stadtstruktur um eine geschlossene Blocktypologie. Dadurch wird sowohl dem erforderlichen Schutzbedürfnis der Bundestagsnutzung Genüge getan als auch eine städtebauliche Einheit geschaffen, die klare Raumkanten bildet. Die Blockstruktur ermöglicht es, einen großzügigen Blockinnenbereich zu schaffen, der zwar streng getrennt genutzt wird, jedoch eine übergreifende atmosphärisch Qualität und Großzügigkeit bietet. Dies kommt der Wohnqualität der Wohnungen zugute, die größtenteils Ost-West-orientiert sind.
Die Blockseite des Bundestags orientiert sich zum Luisenblock des ersten Bauabschnitts. Eine moderne und nachhaltige Holzständerfassade, die sich farblich in den Kontext der benachbarten Klinkerbauten einbindet, prägt den Charakter des Gebäudes. Über eine Eckauskragung, die sich den Besuchenden und Mitarbeitenden des Bundestags als einladende Geste präsentiert, betritt man das Gebäude. Die Modularität der Konstruktion begünstigt eine flexible und ökonomische Bauweise.
Die Nahtstelle am Schiffbauerdamm zwischen Bundestagsnutzung und Wohnnutzung befindet sich am Bestandsbau. Das Bestandsgebäude wird über eine stegartige Anbindung mit dem Neubau verbunden und formuliert einen Patio, der für Veranstaltungen und den Außenbereich der Cafébar genutzt werden kann.
Die seitliche an die Brandwand des Altbaus anschließende Wohnbebauung formuliert eine klar definierte Fuge in Form des Spreebalkons aus. Durch den subtraktiven Einschnitt entsteht eine Dachterrasse, die als Dachgarten für Gemeinschaftsnutzungen der Wohnblockbebauung genutzt wird und dem Prospekt entlang der Spree einen lebendigen Akzent verleiht.
Das neue ver.di-Gebäude am Schiffbauerdamm positioniert sich selbstbewusst und selbstverständlich am Brückenkopf zur S-Bahn. Die moderne, terrassenartige Architektur bietet vielfältige Dachterrassen mit Ausblick auf die Spree und zum S-Bahnhof Friedrichstraße.

Mobilität und Erschließung
Die verkehrsberuhigte Organisation der Erschließung dient der Förderung nachhaltiger Mobilität, der Die verkehrsberuhigte Organisation der Erschließung dient der Förderung nachhaltiger Mobilität, der Erhöhung der Aufenthaltsqualität und der Klimaanpassung der Straßenräume.
Die bestehende Einbahnregelung im Schiffbauerdamm westlich der S-Bahn-Brücke wird fortgeführt. So kann die Fahrspur zugunsten einer großzügigen Promenade auf 3,50 m reduziert werden. Nördlich der Fahrspur befindet sich ein Funktionsstreifen mit barrierefreien Kfz-Stellplätzen und Fahrradstellplätzen.
Die Planstraße wird nördlich des LBO I als Trennprofil im Zweirichtungsverkehr ausgebildet. Die Durchfahrt des Zwischenraums zwischen den Bundestagsnutzungen LBO I und LBO II dient vor allem den Fahrdiensten des Bundestags. Die geforderten Halteplätze sind von Norden nach Süden anfahrbar. Der Bereich zwischen dem ver.di-Block und dem Wohngebäude wird als befahrbare Promenade ausgebildet. Als Einrichtungsverkehr von der Spree Richtung Norden ist das Verkehrsaufkommen hier deutlich reduziert. Auch in diesem Abschnitt sind barrierefreie Stellplätze und Fahrradstellplätze angeordnet, sodass die verschiedenen Nutzungen fußläufig gut erreichbar sind.
Die Tiefgarage sowie die weiteren unterirdischen Flächen des Bundestags werden über die geplante Erweiterung des UES angebunden. Um den Flächenbedarf abzubilden werden vier unterirdische Geschosse auf dem Grundstück des Bundestags und unterhalb der Planstraße erschlossen. Aus wirtschaftlichen Gründen ist zu prüfen, ob die unterirdischen Geschosse ebenfalls unter dem Bundeswohnen-Innenhof erschließbar sind. Dadurch ließen sich die Anzahl an benötigten Geschossen reduzieren.
Sollte eine Anfahrbarkeit der ver.di-Tiefgarage von Norden über die Luisenstraße erforderlich sein, kann die Planstraße nördlich des LBO II für den Zweirichtungsverkehr erweitert werden; die Tiefgarageneinfahrt ließe sich dann zwischen Stadtbahnbögen und ver.di platzieren. Im Sinne einer höheren Aufenthaltsqualität des Quartiersplatzes und einer besseren Nutzbarkeit der Außenräume südlich der aktivierten Stadtbahnbögen wird jedoch eine Anfahrt der ver.di-Tiefgarage von Süden vorgeschlagen. Die benötigten barrierefreien Stellplätze der Bundestags- und Ver.di-Nutzung sind in den Tiefgaragen verortet. Sind die benötigten Stellplätze zwingend oberirdisch zu erschließen, besteht die Möglichkeit diese in der Planstraße auf Höhe des LBO I sowie unterhalb der S-Bahn-Brücke vorzuhalten.
Dem Prinzip des Mischverkehrs folgend, wird der Radverkehr auf den Erschließungswegen geführt. Für Radfahrer ist der Schiffbauerdamm in beide Richtungen befahrbar. Fahrradstellplätze sind den jeweiligen Eingängen zugeordnet und zusätzlich auf der Promenade angeordnet. Private Fahrradstellplätze sind in den Höfen verortet, teilweise überdacht, sowie für das Wohnen ergänzend im Untergeschoss als Fahrradtiefgarage vorgesehen.
Im Rahmen des Rettungskonzepts wird davon ausgegangen, dass der ver.di-Block über einen zweiten baulichen Rettungsweg verfügt und ein Anleitern daher nicht erforderlich ist; Gleiches gilt für die Nutzungen des Bundestags. Das Wohnen wird über die Anleiterbarkeit entlang der Planstraße gesichert. Alle Erschließungswege sind für Feuerwehr und Sonderverkehre befahrbar.

Freiraum und Nachhaltigkeit
LBO I und II markieren den östlichen baulichen Abschluss des „Band des Bundes“. Im Freiraum setzt sich die markante Allee, die die Bundesbauten entlang der Spree begleitet, über das Wasser hinweg fort und findet ihren räumlichen Abschluss im neu geordneten Eingangsbereich des Luisenblocks Ost. Ein baulich gefasster Gelenk- und Auftaktplatz vermittelt zwischen dem parlamentarischen Kontext und dem entstehenden gemischten Stadtquartier.

Lebendige Spreeuferpromenade
Zur Spree hin entfaltet sich der Schiffbauerdamm als lebendige Promenade, die an die bestehenden gastronomischen Nutzungen im Abschnitt zur Friedrichstraße anknüpft und diese qualitätsvoll weiterführt. Eine Baumreihe begleitet das Ufer und schafft eine klare räumliche Fassung. Großzügige Gastronomieterrassen öffnen sich zur Spree und laden zum Verweilen am Wasser ein. Gegliedert werden die Terrassenbereiche durch Tiefbeete mit wechseltrockener Staudenbepflanzung. Diese verträgt sowohl trockene Sommermonate als auch temporären Wassereinstau und fungiert zugleich als Versickerungsfläche für die Oberflächenentwässerung – ein wirksamer Beitrag zur Pufferung von Starkregenereignissen und zur Grundwasseranreicherung im Sinne des Schwammstadtprinzips.
Zur Spree hin bildet die Promenade eine grüne Böschung mit naturnaher Wiesenansaat aus. Eingelassene Liegebereiche laden zum Sonnen und Erholen direkt am Ufer ein. Zwei Freitreppen mit breiten Sitzstufen unterbrechen die Böschung und verbinden die obere Promenade – auch barrierefrei über Rampen – mit dem unteren Uferweg.
Gegenüber den Freitreppen leiten zwei Auftaktplätze in das neue Stadtquartier und erschließen es bis zum baumbestandenen Quartiersplatz an den S-Bahnbögen. Der verbindende Straßenraum vor dem ver.di-Gebäude nimmt vier barrierefreie Stellplätze auf; Baumreihen spenden auf beiden Seiten Schatten und mindern die urbane Überhitzung.
Entlang der S-Bahnbögen entstehen Verbindungen zur Luisenstraße sowie zu den angrenzenden Stadtquartieren und zur Charité. Durch die S-Bahnbögen hindurch sind die Albrecht- und Reinhardtstraße fußläufig angebunden. So entsteht trotz der erheblichen räumlichen Barriere des Stadtbahnviadukts eine visuelle und funktionale Durchlässigkeit des Quartiers.

Wohnhof – grüner Innenraum des Quartiers
Der Wohnhof wird als üppig begrünter gemeinschaftlicher Freiraum ausgebildet. Eine zentrale Fahrradabstellanlage mit 400 Stellplätzen ist als Grenzbebauung zum Baukörper des Bundestagsensembles verortet. Gartenterrassen in den Erdgeschossen verzahnen Innen- und Außenraum; eine vielfältige Strauch- und Staudenbepflanzung schafft Aufenthaltsqualität und Biodiversität. Durch den vollständigen Bodenanschluss kann das gesamte anfallende Regenwasser im Hof versickern und muss nicht abgeführt werden.

Lageplan M 500

Lageplan M 500

Lageplan M 2.000

Lageplan M 2.000

Isometrie aus Südosten

Isometrie aus Südosten

Isometrie aus Südwesten

Isometrie aus Südwesten

Räumliches Leitbild

Räumliches Leitbild

Nutzungskonzept

Nutzungskonzept

Nachhaltigkeitskonzept

Nachhaltigkeitskonzept

Quartiersschnitte

Quartiersschnitte