Offener Wettbewerb | 07/2025
Städtebauliche Neuordnung östliches Bahnhofsumfeld in Zossen-Wünsdorf
©G&G
Lageplan "Grüne Mitte" - vom Bahnhof zur Waldstadt
Preis
Preisgeld: 10.700 EUR
häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
Grüne Mitte Wünsdorf
Das städtebauliche Konzept verfolgt den Ansatz, die heterogene Gesamtsituation des östlichen Bahnhofsumfeldes aufzulösen und das störende Nebeneinander von Akteuren, Nutzungen und vorhandenen Baustrukturen mit neuen Bedarfen abzugleichen und neue, unkommerzielle Räume für Gemeinschaft und soziale Nachbarschaft zu schaffen. Dazu werden die Ränder des Plangebietes baulich gestärkt und eine großzügige „Grüne Mitte“ angelegt, die den Bahnhof Wünsdorf mit der östliche gelegenen Waldstadt, dem ehemaligen Kasernenareal verbindet.
Dieser neue Freiraum bietet den Bewohner*innen ein hohes Maß an Lebensqualität. Er integriert große Teile des vorhandenen Baumbestandes.
Er ist biodivers, klimaaktiv und reduziert aufgrund zahlreicher Versickerungsflächen für Oberflächen-wasser die Überhitzung in den Sommermonaten. Prägend sind informelle Räume für Bewegung und Spiel sowie neue Wege zum Flanieren und Verweilen im Park.
Im Gebiet vorhandene Bestandsgebäude werden nach Möglichkeit erhalten, saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Durch multicodierte öffentliche Freiräume, wie z. B. ein Entree östlich des Bahnhofs mit Informationstafeln über die Militärgeschichte von Wünsdorf und ein neues Ortszentrum an der Berliner Allee entsteht ein lebendiges, zukunftsoffenes Quartier, das wohl die Geschichte würdigt, als auch den Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung entspricht. Aufgrund seiner zentralen Lage und der guten Verknüpfung mit der Waldstadt entsteht mit dem Ortszentrum nicht nur ein „Neuer Treffpunkt für alle Wünsdorfer“, sondern auch ein attraktiver Ort für Gäste und Touristen. Vorstellbar sind ein Kulturhaus (Kleinkino, Tanzlokal, Gastronomie, etc.), ein Bürgerhaus im ehemaligen Konsum sowie die Verbesserung der medizinischen Versorgung durch ein Ärztehaus. Vielfältige nichtkommerzielle Erlebnisangebote, wie z. B. ein Wasserplatz mit Fontänen zur Abkühlung im Sommer, Tischtennis oder Schach tragen zur weiteren Attraktivität bei.
Die Verkehrsräume werden zugunsten der Vielfalt von Mobilitätsbedarfen neu geordnet und die Dominanz des Pkw reduziert ohne die Erreichbarkeit einzuschränken. Neue Baumpflanzungen auf ehemaligen Straßenparkplätzen, z. B. eine „Promenade an der Berliner Allee“ verändern den Charakter der Straßenräume positiv und laden zum Flanieren ein.
Grünvernetzung
Mit der „Grünen Mitte“ durchzieht ein linearer Park das Quartier. Als grünes Rückgrat verbindet er Bahnhof und Berliner Allee, schafft durch den Erhalt von Bestandsgrün Erholungsräume, ökologische Korridore und soziale Treffpunkte ohne Konsumzwang.
Merkmale:
• Einbindung in des überörtliche Grünsystem der Landschaftsschutzgebiete „Großer Wünsdorfer See“ und „Jägersberg-Schirknitzberg“
• Vielfältige sekundäre Grünvernetzungen und Grünschneisen in die Nachbarquartiere
• Treffpunkte mit unterschiedlicher Identität und eigenem Charakter, wie z. B.
„Entree am Bahnhof“ – Auftakt mit Information über die Militärgeschichte Wünsdorf,
„Zentraler Quartiersplatz“ an der Berliner Allee – als lebendiger Ort und Treffpunkt für Alle,
„Platz am alten Militärbahnhof“ – aktiver Skatertreff mit Calisthenics für Jugendliche und junge Leute
Ökologie und Klimaresilienz
Die Klimaresilienz entwickelt sich aus der stark begrünten „Grünen Mitte“, die naturnah und ökologisch und unter Beachtung des Schwammstadtprinzips gestaltet wird.
• Reduktion der Flächenversiegelung
• Erhalt des Baumbestandes, wo immer möglich
• Anlage von neuen Micro-Forests
• Blau-Grüne Dächer zur wohnortnahen Rückhaltung und Verdunstung von Niederschlagswasser
• Umsetzung des Schwammstadtprinzip durch „Blaues Band im Park“, insbesondere Anlage von Versickerungsflächen für Starkregenereignisse
• Gute bioklimatische Durchlüftung der Quartiere zur Vermeidung von Überwärmung durch eine aufgelockerte Bebauung, nicht zu hohe Bebauung
Mobilität und Vernetzung
Die Vernetzung des östlichen Bahnhofsumfeldes erfolgt primär über neue Rad- und Gehwege die durch die „Grüne Mitte“ geführt werden und vielfältige Wegebeziehungen zu den Nachbarquartieren bieten. Die verkehrliche Erschießung ist flächenoptimiert, autoreduziert und sparsam.
Merkmale:
• Autoreduzierte Gestaltung der Straßenräume, z. B. Promenade Berliner Allee
• Schaffung von Fahrrad-Infrastruktur (Bike-Sharing, Fahrrad-Hub am Bahnhof, dezentrale Fahrradabstellplätze im gesamten Quartier
• Stärkung ÖPNV, neue Bushaltestellen
• Wohnungsnahes Parken ohne Tiefgarage, wenn räumlich möglich
Darüber hinaus schlagen wir vor, den Nachweis der erforderlichen Kfz-Stellplätze durch eine stark begrünte Stellplatzanlage nördlich der Straße „Am Bahnhof“ zu gewährleisten (Städtisches Grundstück). Bei einem sehr hohen Stellplatzbedarf ist auf dieser Fläche optional auch ein Mobiltiy-Hub/ Quartiersgarage umsetzbar
Wohnen und vielfältige Nutzungsmischung
Die Quartiersentwicklung ist wohngeprägt. Die Wohnangebote sind vielfältig und progressiv als Klimahöfe organisiert. Die neuen Gebäudetypen sind maßstabsgerecht und im Kontext des Bestandes gestaltet.
Die Dächer sind begrünt (blau-grüne Dächer) und für eine PV-Nutzung ausgelegt.
Merkmale:
Wohnangebote
• Familienquartier (Klimahöfe Süd)
• Mehrgenerationenwohnen am Park (Klimahöfe Nordwest)
• Neues Wohnen/Single/junge Leute an der Promenade Berliner Allee
• Fahrrad-Hostel am Bahnhof
Nutzungen am zentralen Quartiersplatz:
• Kulturzentrum (Kleinkino, Tanzlokal und Gastronomie) mit Stadtteilbibliothek
• Bürgertreff (Beratungsangebote, Volkshochschule) oder Haus für Vereine sowie
• Gesundheitsdienstleistungen, u. a. Ärztehaus, Apotheke, Fitness
• Läden mit Wohnen in den oberen Geschossen
Beurteilung durch das Preisgericht
Das städtebauliche Konzept, die Quartiersränder entlang der Straße Am Bahnhof zu stärken bzw. an der Straße Zum Bahnhof urban zu verzahnen, um einen mittigen Grünzug als Verbindung vom Bahnhof zur Berliner Allee zu entwickeln, wird von der Jury positiv bewertet.
Dass das Konzept über das Wettbewerbsgebiet hinaus im Sinne einer Vernetzung des städtischen Umfelds gedacht wird, ist eine weitere besondere Stärke der Arbeit.
Der Vorschlag, im Abfertigungsgebäude des ehem. Militärbahnhofs einen Jugendtreff zu entwickeln und im Umfeld einen Skatertreff, Fahrradwerkstätten etc. wird sehr begrüßt.
An der Berliner Allee wird ein zentraler Quartiersplatz mit öffentlichen Nutzungen z.T. in Bestandsbauten, ergänzt durch einen relativ großen Neubau, vorgeschlagen.
Die Lage des neuen Quartierszentrums an der Nahtstelle zwischen Wettbewerbsgebiet und Waldstadt wird aufgrund einer zu erwartenden gemeinsamen Nutzung begrüßt, auch wenn die Dimension des vorgeschlagenen Kulturzentrums im Preisgericht kontrovers diskutiert wird.
Am Bahnhof wird ein kleiner Platz als Parkentree mit angemessener öffentlicher Nutzung (Café) entwickelt.
Dieser wird das Bahnhofsareal für Fahrgäste erheblich aufwerten.
Die Arrondierung der bestehenden Eckgebäude an der Berliner Allee mit hofartigen Bebauungen, hier urbanes Quartier genannt, ist gut gelöst.
Zu begrüßen ist, dass einige Bestandsgebäude erhalten und in die städtebauliche Struktur integriert werden.
In den neu vorgeschlagenen Quartieren im Nordosten und Südwesten sind die Bautypologien nachvollziehbar, aber bislang noch relativ gleichförmig und unspezifisch.
An der Straße Am Bahnhof ist die Entwicklung des Generationenquartiers nur durch Abriss eines privaten Bestandsgebäudes möglich.
Zu versuchen ist, dieses zu integrieren.
Die Freiraumplanung hat eine hohe Qualität und ist sehr differenziert durchgearbeitet.
Die Dimension der Grünen Mitte wird als angemessen beurteilt. Die Abfolge von großen, weiten Freiflächen und kleineren Grünzügen mit differenzierten Nutzungsangeboten in unterschiedlicher Gestaltung überzeugt.
Das Angebot von wegebegleitenden linearen Retentionsflächen auch über das Wettbewerbsgebiet hinaus wird ebenfalls positiv bewertet. Auch die Vorschläge zur äußeren Erschließung finden Anerkennung. Die Erschließung der einzelnen Quartiere bleibt z.T. jedoch noch etwas unklar. Die vorgeschlagene Wegeverbindung vom Bahnhof zur Berliner Allee mit Bushaltestelle durch die grüne Mitte als Verknüpfung der öffentlichen Verkehrsmittel ist gut gelöst. Die Unterbringung des gesamten ruhenden Verkehrs in ebererdigen Stellplatzanlagen wird allerdings kritisiert, da hierdurch viel Fläche versiegelt wird und Störungen des Umfelds die Folge sind.
Die vorgeschlagene großzügige grüne Mitte mit hohem Erhalt von Bestandsbäumen ist hinsichtlich der Klimaanpassung positiv zu bewerten. Auch die Retentionsflächen, die das gesamte Quartier durchziehen sind zu begrüßen. Abzuwägen ist ein eventueller Konflikt zwischen Retentionsflächen und Baumerhalt. Problematisch sind die versiegelten Flächen, insbesondere für den ruhenden Verkehr. Hier besteht Nachbesserungsbedarf.
Die Arbeit überzeugt durch ihre ruhige, ordnende Konzeption, die auf Dauer sehr anpassungsfähig sein kann. Hervorzuheben ist die Vernetzung der Freiräume mit dem städtebaulichen Umfeld.
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Perspektive "Grüne Mitte"
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Konzept
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Grünvernetzung und Schwammstadt
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Autoarme Nachbarschaftsquartiere
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"Grüne Mitte" im Kontext