modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025

Städtebauliche und landschaftsplanerische Entwicklung Wohnpark Ost in Nördlingen

Perspektive
6

Perspektive

1. Preis

Preisgeld: 25.000 EUR

H|G Hähnig | Gemmeke Architekten und Stadtplaner Partnerschaft mbB

Stadtplanung / Städtebau

landstrich – zeichnung & visualisierung

Visualisierung

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser*innen formulieren ein neues Wohnquartier am östlichen Ortsrand von Nördlingen, das ein sensibles Zusammenspiel aus dichten urbanen Strukturen und kleinteiligen Nachbarschaften gestaltet. Der Freiraum knüpft an bestehende Grün- und Freiraumstrukturen sinnhaft an und wird im Inneren des Quartiers zu einem qualitätvollen Grünen Band weiterentwickelt. An der Wemdinger Straße markiert selbstbewusst ein neuer Hochpunkt einen Auftakt, der bereits im Straßenraum fernwirksam eine Adresse bildet. Die klare und störungsfreie Trennung von Gewerbe und Wohnen ist überzeugend. Nach einer gemeinsamen Ankunft an einem Platz an der Wemdinger Straße wird der Verkehr aufgeteilt und zur zukünftigen Wohnbebauung nach Süden geführt. Ein separater Ring erschließt sinnhaft das Gewerbegebiet. Die zukünftig erwarteten Bewegungsflächen für größere LKWs im Straßenraum wären jedoch zu prüfen.

Interessant ist der Vorschlag, das Parken auch im Gewerbegebiet zentral an der Straße in einem Parkhaus abzufangen und damit die Gewerbegrundstücke selbst von flächigem, ebenerdigen Parken zu entlasten und hochwertiger nutzbar zu machen. Die Arbeit zeigt dabei für die einzelnen Parzellen interessante Gewerbetypologien für eine dichtere, höhere Bebauung auf, die zukünftig dieses Gebiet zu einem attraktiven Ort entwickeln könnte. Die Gewerbeflächen gehen dabei mit kleinem Flächenverbrauch verantwortungsvoll mit der wertvollen Ressource der hochwertigen landwirtschaftliche Böden um.

Das Wohnquartier überzeugt mit einer sensiblen und feingliedrigen Körnung und einer hohen Flexibilität an Haustypen vom kompakten, wirtschaftlich realisierbaren Geschoßwohnungsbau bis hin zu kleinteiligen Einfamilienhausstrukturen. Die Jury begrüßt das vielseitige, robuste Konzept und die kleinräumige soziale Durchmischung. Durch die Setzung der Baukörper entstehen attraktive Nachbarschaften und gute Innenbereiche. Die Dachlandschaft ist bewegt, ohne unruhig zu wirken.

Nach Osten wird eine zusätzliche Lärmschutzbebauung gesetzt, die das innenliegende Quartier abschirmt. Zur Nachbarbebauung sind die Übergänge respektvoll, nur das Parkhaus im Südwesten wird kritisch diskutiert. Den Verfasser*innen gelingt es, innerhalb des Quartiers eine vielseitige und stark auf Gemeinschaft ausgerichtete Struktur zu gestalten. Schule, Kita, betreutes Wohnen, Pflegheim und die Aktivierung von punktuellen Erdgeschossen an markanten Eckgebäuden lassen ein lebendiges und soziales Quartiersleben erwarten. Die Grundrisse versprechen attraktive, effiziente und flexible Wohnungen.

Im Süden situieren die Verfasser*innen ein attraktives Bindeglied zum bestehenden Schulcampus mit Kita, Schulerweiterung und Sporthalle. Hier gelingt es, sich in das Wemdinger Viertel angemessen einzubinden und neue Nachbarschaften zu entwickeln. Am Grünen Band ist mittig im Quartier ein „Wohnzimmer im Park mit Kita" gestaltet, das über das Quartier hinaus ein einladendes Angebot an gemeinschaftliches Leben für alle macht.

Die klare und reduzierte ringförmige Erschließung im Wohnquartier ist flächensparend und erzeugt Straßenräume mit eindeutigen Adressen. Das Parken wird in drei zentralen Garagen oberirdisch kostensparend gefasst, so dass das Quartier im inneren verkehrsreduziert ist. Nur das Parken der Einfamilienhäuser ist den Grundstücken direkt zugeordnet und teilweise in das Wohnanger Prinzip eingebunden. Bisher können allerdings nicht alle geforderten Parkplätze nachgewiesen werden. Kritisch hinterfragt wird auch die Anbindung an die Christian-Ewig-Straße und Riomer Straße, die nur eine begrenzte Mehrbelastung aufnehmen können. Welche Verkehrsmengen hier vorgesehen sind, ist nicht klar ablesbar. Für den Fuß- und Radverkehr sind gemeinsame Wege vorgesehen, die mit entsprechenden Querverbindungen kurze Wege ermöglichen. Sharing-Angebote können in den Quartiersgaragen platziert werden, die im Quartier richtig verortet sind. Der Radschnellweg wird am südlichen Rand geführt. Die weitere Vernetzung nach außen erfolgt bisher noch entlang der Verkehrsachsen. Die Verkehrsanbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist für das Quartier schlüssig und attraktiv geplant.

Die Freiflächen sind minimal versiegelt, es gelingt eine stimmige intuitive Zuordnung von privatem, gemeinschaftlichen und öffentlichem Grün. Die drei kleinen Quartiersplätze sind im Maßstab und am Ort gut gesetzt. Das Grüne Band bietet in unmittelbarer Nähe zu den Wohnquartieren maßvolle Aktivierungen für Freizeit, Spiel und Bewegung. Im Wesentlichen wird die grüne Fuge aber für Retention, Durchgrünung und zur Stärkung der Biodiversität genutzt. Die stark formale Wegeführung im Grünzug kann nicht überzeugen, sie wirkt im umgebenden Landschaftsbild fremd und artifiziell. Die Arbeit zeigt auf, dass Durchlüftung, Entsiegelung, Kühlung, Verschattung, Retention, Baumstandorte und Biodiversität nicht nur als Wording benutzt werden, sondern im Konzept mitgedacht und mitgestaltet sind. Eine Energiezentrale und Geothermie sind am östlichen Ortsrand vorgesehen. Die Flachdächer werden begrünt und mit PV bestückt. Der Ortsrand des neuen Quartiers ist mit Grünstrukturen ausformuliert, nach Süden müsste der Übergang noch etwas deutlicher eingegrünt werden, sollte der Siedlungsbereich hier zukünftig enden.

Das Verhältnis zwischen Nettobaulandflächen und sonstigen Flächen (Grünflächen, öffentlichen Erschließungsflächen und Plätzen) ist ausgewogen. Die Zahl der möglichen Wohneinheiten liegt im Vergleich aller Arbeiten leicht über dem Durchschnitt, was begrüßt wird. Der von den Planer*innen aufgezeigte erste Bauabschnitt funktioniert nur mit der zusätzlichen nördlichen Erschließung, kleinere Entwicklungsschritte wären zu prüfen.

Insgesamt würdigt die Jury den Beitrag als innovativen und zukunftsfähigen Ansatz, der mit einer hohen Flexibilität auf die langen Realisierungszeiträume angemessen reagieren kann. Der Entwurf geht dabei sensibel auf den Ort ein. Die auf Gemeinschaft basierende Haltung lässt ein lebendiges Quartier für die Zukunft erwarten.
Lageplan

Lageplan

Strukturkonzept

Strukturkonzept

Piktogramm Grünraum

Piktogramm Grünraum

Konzept Icons

Konzept Icons

Modell

Modell