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Ideenwerkstatt | 01/2026

Städtebauliche Weiterentwicklung Münchner Norden

Strukturplan
10

Strukturplan

Teilnahme

rheinflügel severin

Stadtplanung / Städtebau

pan m

Stadtplanung / Städtebau

Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

IBV Hüsler AG

Verkehrsplanung

STUDIO I STADT I REGION - Förster Kurz Architekten & Stadtplaner Partnerschaft mbB

Stadtplanung / Städtebau

Erläuterungstext

Im Archipel der Landschaften – präzise städtebauliche Entwicklung auf Basis nachhaltiger Mobilität


Der Landschaftsraum im Münchener Norden bildet die Grundlage jeglicher Entwicklung. Er ist nicht nur Natur- und Erholungsraum – als offene Kulturlandfläche stellt er seit Generationen einen produktiven Wert für die Region dar, der über die Münchner Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Diese Mischung aus Natur, Kulturland und Erholung in der offenen Fläche ist das Bild der Landschaft heute und in Zukunft. Die Siedlungsfelder fügen sich in diese Gesamtstruktur selbstverständlich ein – die netzartige Figur der Landschaft lassen sie wie in einer Art „Archipel“ erscheinen – heute und morgen eine hohe Qualität für die Siedlungsentwicklung.

Bei der Weiterentwicklung dieser Kulturlandschaft soll nicht nur die Charakteristik einzelner Bestandteile als landschaftlicher oder baulicher Teilbereiche erhalten bleiben, sondern auch deren Beziehungsgefüge untereinander. Beispielhaft sei hier das Verhältnis vom historischen Ortskern Feldmochings, der untrennbar mit seiner landwirtschaftlichen Tradition verbunden ist, zum unmittelbar westlich angrenzenden Landschaftsraum genannt. Das erste Entwicklungsziel lautet daher: Erhalt der immateriellen Werte! Dazu zählen Ebenen des Kulturellen (Traditionen), Sozialen und Ökologischen. Materielle Werte oder konkrete Lebensgrundlagen werden ebenso berücksichtigt, genießen sie doch in der gültigen Rechtssprechung aufgrund ihrer Quantifizierbarkeit ohnehin ein hohes Maß an Berücksichtigung.

Eine weitere hohe Qualität der Landschafts- und Siedlungsstruktur ist das bereits vorhandene dichte Netz der Straßen- und Wegräume. Oft als Strassendörfer entwickelt sind sie dazu ein inhärenter Teil der Siedlungsstruktur im Münchner Norden. Dieses bestehende Netz kann von morgen an durch die Führung neuer Busschleifen und die Aktivierung von Fahrradverbindungen neu interpretiert und intensiver genutzt werden. Das bestehende Strassennetz sowie die bestehenden Anknüpfungspunkte an den öffentlichen Verkehr bilden im vorliegenden Konzept die Basis für die Siedlungsentwicklung.
Die Erweiterung der U-Bahnlinien U1 und U2 sind grundsätzlich wünschenswert, sie bilden jedoch nicht die zwingende Basis der Siedlungsentwicklung.

Das Landschaftgerüst sowie das vorhandene Straßen- und Mobilitätsnetz bilden für uns Regeln und Grenzen der Siedlungsentwicklung. Mit den Schrederwiesen, Feldmoching West und Feldmoching Nordwest werden 3 von 6 Suchräumen nach dem Erhaltsprinzip für eine bauliche Entwicklung ausgeschlossen. Die vorgeschlagenen neuen Siedlungsbausteine in Feldmoching Nord, im Fasanenfeld sowie in Ludwigsfeld sind durch Landschafts- oder Mobiliätsstrukturen klar begrenzt und definiert.

Die neuen Quartierstandorte schmiegen sich feinfühlig und differenziert mit präzisen Setzungen an die bestehenden Siedlungsränder an. Der kleinteiligen und zum Teil dörflichen Struktur der Siedlungsräume wird darüber Rechnung getragen. Bestehende Quartiere und Nachbarschaften genießen nicht nur Bestandsschutz, hierfür werden eigens Freiräume als Puffer entwickelt. Der Blick in die Weite, nur unterbrochen von kleinen Waldflecken oder teilweise historischen Alleen, bleibt als prägendes Bild erhalten. In diesem Bild verstreut finden sich die örtlichen Schätze: Hügelgräber, alte Mühlen, Gärtnereien, Bäche und Naturwerte. Die formulierte Entwicklungsperspektive setzt daher auf den Erhalt großer zusammenhängender Landschaftsräume in Verbindung mit dem bestehenden Landschaftsschutzgebiet Schwarzhölzl und verzichtet auf eine maximale bauliche Ausnutzung.


Wesentliche Anpassung der Entwurfsidee seit Ideenwerkstatt

Hallo Ludwigsfeld – Ergänzende Entwicklung
In Ludwigsfeld-Ost wird in Ergänzung zur bestehenden Planung eine gemäßigte bauliche Entwicklung mit Gewerbe und Trambetriebshof als Lärmpuffer zur Autobahn im Süden und Wohnbebauung im Osten vorgeschlagen. Im östlichen Dreieck ergänzt eine Bezirkssportanlage den nordwestlichsten Münchner Stadtteil

Reduzierte Ausdehnung Fasanenfeld – Integration Südspange
In Fasanenfeld wird die Ausdehnung des neuen Quartiers nach Norden zugunsten der Landschaft zwischen den Seen reduziert. Neu bildet die Langsamverkehrsverbindung der „Südspange“ einen Abschluss der Bebauung zum Landschaftsraum. Das Baufeldgefüge verdichtet sich, sodass sich die grünen Fugen zur Verzahnung mit der Landschaft auf die Nord-Süd-Achsen beschränken, wo sie klimatisch wirksamer sind und auch einen Mehrwert für die BewohnerInnen der Fasanerie darstellen.

Optimierung der Flächenreserven – Pufferzonen am Autobahndreieck
In Feldmoching-Nord ergeben sich nur kleinere Änderungen in der Struktur. Hier wird der Zwischenraum zur Autobahn durch einen Bus- und U-Bahnbetriebshof sowie durch einen Wertstoffhof konsequenter genutzt. Die MIV-Erschließung erfolgt nun unabhängig vom Tunnel Hasenbergl und seinem Anschluss an die Autobahn.

Entfall der Siedlungsentwicklung am Mühlbach - Erhalt des Patchworks
In Feldmoching Nordwest werden aufgrund der wertvollen Böden keine baulichen Ergänzungen mehr vorgesehen, zumal das Nachverdichtungspotential äußerst gering ausfällt.

Entwicklungsschritte und konzeptionelle Flexibilität im Zusammenwirken mit Mobilitätsangeboten
Prinzipien der Schrittfolge – Beginn mit Phase 0

Die vorgeschlagene Phasierung beinhaltet ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, sodass die dargestellte Schrittfolge als Beispiel zu verstehen ist. Dennoch gibt es Prinzipien, die dem Konzept zugrunde liegen und hier benannt werden sollen. Die vorgesehene zeitliche Entwicklung fußt wie die grundsätzliche Fragestellung der Siedlungsentwicklung auf der Frage nach vorhandenen Potentialen, die es aufzugreifen gilt. Die Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen den Gebieten vor allem in Bezug auf die Erschließung. Um die Dominanz der rein praktischen Argumente zu brechen und die Landschaft in die Entwicklung einzubeziehen, wird der rein baulichen Tätigkeit eine Phase 0 vorgeschaltet, in der bestehende Frei- und Landschaftsräume qualifiziert werden. Ein eingebetteter Langsamverkehrsloop stellt ein besonderes Angebot für alle bestehenden und neuen BewohnerInnen her.

Siedlungsentwicklung in 4 Abschnitten – Taktgeber Verkehr
Erst im Anschluss erfolgt die Erschließung erster Baufelder im Osten und Westen von Feldmoching-Nord als Phase 1. Die ÖV-Erschließung erfolgt durch eine Busanbindung mit hoher Taktfrequenz zum leistungsstarken Knoten von U- und S-Bahn des Haltepunkts Feldmoching. Die MIV-Erschließung wird durch eine Anbindung der Feldmochinger Straße im Übergang zur Sonnenstraße an die A92 sichergestellt. In Phase zwei setzt sich die Entwicklung von Feldmoching-Nord mit gleicher Anbindung fort. Zusätzlich beginnt eine Entwicklung in Ludwigsfeld-Ost mit Tramanschluss aus Richtung Moosach und in Fasanenfeld mit Busanbindung zum S-Bahnhof Fasanerie. In Phase 3 entwickeln sich alle 3 Siedlungsbereiche weiter, wobei die beiden nördlichen Gebiete ihr Ausbauende erreichen. Optional kann die Tram von Ludwigsfeld nach Dachau und die U2 nach Feldmoching-Nord verlängert werden. In Phase 4 findet nur noch eine finale Entwicklung in Fasanenfeld statt. Ergänzend zum Busverkehr wären als öffentliche Erschließung hier eine Verlängerung der U1 sowie eine Verlängerung der Y-Tram wünschenswert.

Mobilität
Effizient und zukunftsoffen bleiben – Verknüpfung von Nahmobilität mit ÖV
Das Mobilitätskonzept sieht autoarme Quartiere vor, deren Erschließungssuffizienz auf der Mikroebene von Nahmobilität beginnt. Kurze Wege, komfortable Fuß- und Radverbindungen sowie Sharing-Angebote ermöglichen ein freies Bewegen innerhalb der Quartiere. Von Feldmoching-Nord und Fasanenfeld aus sind die bestehenden Knotenpunkte des schienengebundenen Nahverkehrs in wenigen Minuten erreichbar. Neben der Endhaltestelle U2 sind hiermit die beiden S-Bahn-Stationen Feldmoching und Fasanerie gemeint, die nach Fertigstellung der 2. Stammstrecke in einem höheren Takt bedient werden können und somit als leistungsstark einzustufen sind. Dazu werden die bestehenden Buslinien zu einem modularen und skalierbaren System weiterentwickelt. Dies geschieht durch gezielte Umleitungen, Verlängerungen und Taktverdichtungen und ermöglicht ein organisches Wachstum des bestehenden Netzes. So entsteht ein attraktives und leistungsstarkes Angebot, das eine barrierearme und flexible Erschließung der Hauptknoten sowie eine effiziente Bewegung innerhalb des Münchner Nordens gewährleistet. Lediglich für Ludwigsfeld wird die momentan in der Machbarkeitstudiephase Verlängerung der Tram-Linie 20 von Moosach nach Ludwigsfeld als schienengebundenes System im Projekt integriert, zumal im Kontext der Autobahn ein idealer Standort für einen neuen Trambetriebshof identifiziert werden konnte. Die Fortführung der Tram nach Dachau wird optional betrachtet.

Konsequente Entlastung innerörtlicher Straßen - MIV-Vermeidung durch Bündelung der Stellplätze
Die MIV-Erschließung der neuen Quartiere erfolgt so weit es geht von außen, um die bestehenden Quartiere so wenig wie möglich zu belasten. Für Feldmoching-Nord wird unabhängig von der Fragestellung einer Tunnellösung unter dem Stadtteil Hasenbergl über die Feldmochinger Straße eine Anbindung an die A 92 angestrebt. Die vollständige Unterbringung der Stellplätze in Quartiersgaragen trägt zur allgemeinen MIV-Vermeidung bei. In den neuen Quartieren werden Tiefgaragen ausgeschlossen und nur wenige Stellplätze im Straßenraum für Kurzzeitparker vorgehalten.


Siedlungsstruktur, Nutzungen und Dichte

3 behutsame Ergänzungen – Gestufte Grade der eigenen Identität
In allen 3 von uns vorgeschlagenen Siedlungsstrukturen handelt es sich um vollwertige Quartiere, wenn auch das Verhältnis zum Bestand oder zu bestehenden Planungen jeweils unterschiedlich ausfällt. Je nach Situation entwickeln die neuen Quartiere eine mehr oder weniger ausgeprägte Eigenständigkeit im Sinne einer Identitäts- und Adressbildung.
Antizipierte Anpassung in Ludwigsfeld – Einheit mit bestehender Planung 
In Ludwigsfeld wird eine bestehende Planung mit einhüftig geplanter Strassenführung “komplettiert” - das vervollständigte Wohnquartier erhält auf diese Weise einen attraktiven Anschluss an den Landschaftsraum und erreicht eine sinnvolle Größe mit einer gleichmäßig hohen Dichte und einer Gestalt, welche sich aus der bestehenden Planung ableitet. Am Platz mit Tramwendeschleife findet in Ergänzung zu Wohnen und Gewerbe eine Nahversorgung auf Mikroebene statt.

Differenzierte Höhenentwicklung in Fasanenfeld – Öffnung nach Norden 
Das neue Quartier Fasanenfeld setzt sich über eine Landschaftsfuge aus Krautgärten und Retentionsbereichen von der sehr kleinteiligen Siedlungsstruktur der Fasanerie ab, ist jedoch durch direktes Anknüpfen an die Wegeverbindungen direkt mit dem neuen Quartier verbunden. Zentrales Verbindungselement bildet die historische Pappelallee, die Fasanerie, Fasanenfeld und das Seefeld verbindet. Über die Pappelallee erreicht man auch den zentralen Quartiersplatz mit umfangreichen Nahversorgungsangeboten, der von der höchsten Dichte umgeben ist. Von dort aus staffelt sich die Bebauung in alle Richtungen herab, sodass sie im Übergang zur Fasanerie nur noch 3-4 Geschosse erreicht. Die neue Langsamverkehrsverbindung der Südspange bildet die Grenze des Siedlungsraums nach Norden zum Seefeld und sorgt für eine ideale Anbindung in Richtung Feldmoching.

Weiterbauen in Feldmoching-Nord – Innere Freiräume schaffen Luft
In Feldmoching Nord wird der heute offene Siedlungsrand zur Autobahn geschlossen. Das Zentrum des neuen Quartiers knüpft über einen Platz mit vorgelagertem Anger an das Dorfzentrum von Feldmoching an. Der historisch gewachsene Kern wird so gen Norden erweitert. In den Anschlussbereichen reagiert das neue Quartier mit einer mittleren Dichte auf den Bestand. In den anschließenden Bereichen verdichtet sich das Quartier immer stärker, bevor es sich nach Norden über die Betriebshöfe für Bus- und U-Bahn entlang der Autobahn einschließlich eines Wertstoffhofs in der Höhenentwicklung wieder herunterstaffelt. Durch den Anschluss an die Autobahn entsteht ein neuer Stadteingang von Norden, der die landschaftliche Charakteristik des Münchner Nordens vermitteln soll.

Landschaft und Landwirtschaft

Archipel der Landschaften - Das Landschaftsgerüst als Basis der Siedlung

Anders als in der Kernstadt München ist der Münchner Norden geprägt durch eine Vielzahl individueller Siedlungen mit oft dörflichen Zentren. Sie alle eint der Zusammenhalt über den Landschaftsraum. Bereits früher bildeten Landschaftselemente Zentren und auch Grenzen. So soll es auch in Zukunft sein. Vergleichbar mit einer Art “Archipel der Landschaften” sind die Landschaftsräume keine abgeschlossenen Kammern – sie sind netzartig miteinander verbunden und bilden so vernetze Räume für Mensch, Tier und Klima.

Die Landschaft des Münchner Nordes ist geprägt von sich stetig wandelnden Kulturlandschaften
Landschaft und Landwirtschaft sind im Münchner Norden unzertrennlich verbunden. Die Landwirtschaft bestimmt nicht nur die Nutzung der Flächen, durch sie hat der Münchner Norden im Kontrast zu den südlichen- und westlichen Säumen eine einzigartige Offenheit und Weite. Hochqualitative Böden sind heute ein nicht ersetzbarer Wert – sie werden wo immer möglich erhalten und bilden auch in Zukunft aktive Bewirtschaftungsflächen. Die intensive Nutzung der Landwirtschaft und das damit verbundene Bild der offenen Landschaft muss erhalten bleiben. Mit dem steigenden Grundwasser wird sich die Landwirtschaft jedoch insbesondere im Bereich des Seefelds wandeln müssen. Dies führt mit Entwässerungsgräben und lokalen Feuchtgebieten zu einer Diversifizierung des Landschaftsbildes – dazu auch zu einem Wandel der Bewirtschaftung vor Ort. So wird das Seefeld zu einer Art “Landwirtschaftslabor” für neue Anbautechniken und Produktionen. Hier werden Flächen gebündelt und geschützt vom Durchgangsverkehr und dem Druck der Erholungsuchenden.

Synergien suchen und fingen - voneinander profitieren!

Gemüseanbau und manchen Tierarten wollen das gleiche: feuchte Böden. Das heisst, dass sich hier Synergien schliessen lassen – mehr Feuchte zieht Vögel an, ermöglicht Gemüseanbau, kleinteilige Landwirtschaft ist ökologisch wertvoll. Möglichkeiten für die Landwirte Neues zu probieren und auf Fördergelder für Ökologie und Innovation zuzugreifen.

Die Landschaft des Münchner Nordens als Naturraum erhalten und vernetzen

Die Seenlandschaft sowie die historischen Hügelgräber sind nicht nur attraktive Landschaftsräume – sie haben auch als Naturelemente für den Lebensraum im Münchner Norden einen unschätzbaren Wert. Das Landschaftsgerüst nimmt dies auf und schützt diese Räume vor Entwicklung und steigenden Nutzungsdruck. Zusätzlich entstehen im Saum der Siedlungs- und Kulturlandfelder blau- grüne Pufferräume die als Vernetzungskorridore zwischen den grossen Naturstandorten dienen.
Den Nutzungsdruck an ausgewählten/präzisen Orten bündeln
Der Landschaftraum im Münchner Norden ist keine große Parklandschaft. Er ist ein Natur- und Kulturlandraum heute und morgen. Bereits heute steigt jedoch die Zahl der NutzerInnen der Seen im Sommer zum Baden sowie der Feldwege für den Spaziergang mit Hund. Im Landschaftsgerüst sind die Orte der Erholung sowie der Durchwegung präzise gesetzt. So werden die bestehenden Werte und Betriebe geschützt – gleichzeitig ein Raum definiert damit der Landschaftsraum des Münchner Nordens auch in Zukunft für alle offen steht.

Stadtklima

Den netzartigen Landschaftsraum als Klimainfrastruktur aktivieren

Die vernetzte Landschaftsraum ist die Basis für den Lebensraum im Münchner Norden heute und morgen. Auch auf stadtklimatischer Ebene hat er eine Schlüsselfunktion. Die Öffnung und Vergebung des Siedlungsraumes mit der Landschaft hat so nicht nur qualitative Aspekte – der Landschaftsraum wird so gemeinsam mit den siedlungsinternen Freiraum zu einer zusammenhängenden Klimainfrastruktur.

Südspange als Teil der Blau-Grünen Infrastruktur

Die Südspange hat nicht nur auf der Ebene des Langsamverkehrs eine wichtige Funktion. Zwischen Fasanerie- und Feldmochingersee spannt sich ein Landschaftsband in dem das Oberflächenwasser der angrenzenden Siedlung gebündelt und gespeichert wird. Als wechselfeuchtes Biotop fügt es sich in die Kette der Naturräume um die bestehenden Seen ein – dient dazu durch die lokale Verdunstung wie ein feuchter Schwamm, der sich um die Siedlung legt.



Öffnung des Siedlungsraums - Integration von Durchlüftungskorridoren

Der offene Landschaftsraum sowie die kleinteilige Siedlungsstruktur im Münchner Norden wirkt sich bereits heute positiv auf die Durchlüftung der Quartiere aus. Mit den neuen Siedlungsflächen soll dieses System weiterentwickelt und gestärkt werden. Beispielsweise ist die Siedlungsstruktur des Fasanenfeldes in Ost-West Richtung durch Landschaftskeile gegliedert. Im Netzwerk der Freiräume kann hier die Kaltluft des Seefeldes bis tief in den Siedlungsraum eindringen. Dies dient nicht nur dem neu entstehenden Quartier – auch der Kaltlufanschluss der bestehenden Fasanerie im Süden ist weiterhin gesichert.



Siedlungsräume mit Fokus Stadtklima

Durch die Bündelung des Erschliessungsverkehrs auf zentrale Achsen werden sie Straßen und Wegräume der Quartiere freigespielt, um auf stadtklimatischer Ebene einen grossen Beitrag zu leisten. Durch einen hohen Baumkronenanteil entstehen wichtige Schattenkorridore – ebenfalls tragen sie mit Schwammstadtflächen zur lokalen Verdunstung und Kühlung bei.

Wasser
Sanfte Infrastruktur – den Kulturlandraum des Seefelds als Puffer für das Grundwasser aktivieren

Das bereits heute hoch anstehende Grundwasser insbesondere im Bereich der Fasanerie und des Seefelds zeigen ein grundsätzliche Problemstellung im Münchner Norden auf – neue Baufelder müssen zwingend sensibel mit dem Eingriff in den Boden umgehen. Um die Siedlungsbereiche im Bestand zu entlasten sowie neue Siedlungsflächen zu ermöglichen dient das Seefeld zukünftig als insgesamt aus Pufferraum für das steigende Grundwasser. In Entwässerungsgräben sind die Anbauflächen strukturiert – die Auswahl der Bewirtschaftung kann auf temporäre Überflutung reagieren. Das hoch anstehende Grundwasser ist dazu per se für die Landwirtschaft nicht schlecht. Durch die Nutzung von Senkbrunnen kann das Grundwasser Grundlage für durstige Anbauformen sein.

Grüne Blaue Infrastruktur – Speichervolumen in grossem Schwamm im Übergang zum Siedlungsraum

Zentrales Speichervolumen für das steigende Grundwasser sowie des dazu anfallenden Oberflächenwassers sind die Säume des Siedlungsraums zum Seefeld. Sie sind durch das hoch anstehende Grundwasser grundsätzlich feuchte Habitatstandorte – nehmen dazu in Starkregenereignis das anfallende Volumen mehrheitlich auf.

Gräben und Wasserläufe strukturieren den Siedlungsraum
In den neuen Siedlungsgebieten ist der Stadtraum vom Kreislauf des Wassers bestimmt. Wie das Seefeld sind die Baufelder und Strassenräume gesäumt von Entwässerungsgräben welche das steigende Grundwasser sowie das anfallende Oberflächenwasser aufnehmen. Sie bestimmen das Bild des Quartiers als Infrastrukturelement.

Energie

Solarer Strom als Basis – Wärme aus der Tiefe

Für einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen konsequent mit Photo-voltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden durch eine Kombination mit intensiver Begrünung oder der Nutzung von Mäanderplatten bzw. samenfreiem Substrat erreicht. Bei freistehenden Südlagen sollen auch Fassaden zur Stromproduktion herangezogen werden. Der lokal erzeugte Solarstrom wird z.B. blockweise im Rahmen von Mieterstromprojekten zur Deckung des elektrischen Strombedarfs verwendet. Der lokal erzeugte Strom soll über ein quartiersübergreifendes Energiemanagementsystem für die Gebäude und für die Mobility-Hubs nutzbar gemacht werden. Energiespeicher in den Mobility-Hubs sorgen für eine hohe Stromeigenversorgung und genügend Leistung für die E-Mobil-Ladeinfrastruktur. Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien können im Busbetriebshof zur Wasserstoff-Herstellung in einem Elektrolyseur genutzt werden. Grüner Wasserstoff steht als emissionsfreier Treibstoff für die Buslinien zur Verfügung oder kann durch Wasserstoff-Tankstellen auch für den Individualverkehr zugänglich gemacht werden. Neben der Nutzung der Sonnenenergie, wird Wärme aus Tiefengeothermie erschlossen. Die Wärmeversorgung der Gebäude erfolgt von der Geothermiezentrale über Niedertemperaturnetze (VL < 70°C). Diese bilden die Basis für eine bedarfs- und potentialabhängige, modulare Integration weiterer regenerativer Wärmeerzeuger bei der sukzessiven Umsetzung der Bauabschnitte.

Emissionen

Puffernutzungen entlang der Autobahn – Städtebaulicher und hochbaulicher Lärmschutz

Die stärksten Emissionen gehen im Münchner Norden von der Autobahn aus. Abstands- und Restgrünflächen fungieren an diesen stark belasteten Orten lediglich monofunktional und die Lärmschutzfunktion ist gering. Daher reagiert das Konzept im Bereich von angrenzenden Quartieren mit unempfindlichen Puffernutzungen auf diese Situation. Es handelt sich dabei in Ludwigsfeld um einen Trambetriebshof und um Gewerbe und in Feldmoching-Nord um technische Flächen von Geothermie und Umspannwerk, einem Wertstoffhof, sowie um einen Bus- und U-Bahnbetriebshof. Selbstverständlich verursachen die Betriebshöfe ebenfalls Lärm, jedoch lässt sich dieser durch gezielte Maßnahmen, beispielsweise über die Stellung von Gebäuden in Kombination mit Lärmschutzwänden entsprechend abfangen.Die Wohnungen entlang der Bahntrasse verfügen über lärmschutzoptimierte Grundrisse. Dazu werden alle schutzbedürftigen Aufenthaltsräumen um eine zentrale verglaste, jedoch natürlich belüftete Loggia angeordnet. Bahnseitig kann über eine Spaltbegrenzung auf 40 mm eine erhöhte Lärmminderung erreicht werden, sodass in den schutzbedürftigen Räumen mit natürlicher Lüftung ein Innenpegel von unter 35 dB gewährleistet werden kann.

Mehrwert für den Bestand

Angebote in Wohnumfeld und Stadtteil für Alle - Kürzere Wege

Durch eine städtebauliche und freiräumliche Entwicklung lassen sich an verschiedenen Stellen im Münchner Norden ungeahnte Synergien erzeugen oder lokal vorhandene Defizite beheben, welche die örtliche Versorgung verbessern, ob bei der sozialen Infrastruktur, Sporteinrichtungen, Nahversorgung oder mit Flächen für Spiel und Freizeit. Die alltäglichen Wege zum nächsten Supermarkt, der nächsten Grund- oder weiterführenden Schule lassen sich erheblich reduzieren. In der Freizeit bieten parkartige Freiräume in der Nähe der Seen nutz- und aneignungsbare Flächen zur Erholung, sowie für Spiel und Sport. Durch die Integration von Buslinien mit einer hohen Taktung sowie der Installation von Fahrrad-Schnellrouten, können die bestehenden verkehrlichen Engstellen mit präzisen Maßnahmen arrondiert werden.
Modell

Modell

Verkehr

Verkehr

Phasierung

Phasierung

Lageplanauschnitt

Lageplanauschnitt

Fasanenfeld

Fasanenfeld

Platz Fasanenfeld

Platz Fasanenfeld

Übergang Stadt–Landschaft

Übergang Stadt–Landschaft

Fachplan Landschaft

Fachplan Landschaft

Schnitt

Schnitt