Das städtebauliche Konzept für das neue Quartier Bergäcker wird von kubischen Wohngebäuden bestimmt, die sich entlang der Topographie auf dem Grundstück positionieren und spielerisch in die angrenzende Feldflur überleiten. Der Freiraum umgibt die einzelnen Solitäre teppichartig, ein geschwungenes Wegenetz fließt zwischen den Wohngebäuden hindurch, die VerfasserInnen definieren es als Wechsel von verschiedenen privaten und halböffentlichen Räumen, lassen die genaue Zuordnung aber offen. Der Ortsrand kann locker ausgebildet werden, so dass sich die Bebauung an den Rändern mit dem Naturraum verzahnen kann, hier ist auch zukünftig eine teilweise Rückhaltung des Regenwassers zu erwarten. Die südlichen Baukörper liegen überwiegend im Überflutungsbereich bei Starkregenereignissen. Diese Aufgabe ist noch nicht zufriedenstellend gelöst.
Eine Ringstraße schließt im Osten an die Carl-Spitzweg-Straße und die Hans-Holbein-Straße an und erschließt das künftige Wohngebiet. Das Herzstück bildet die „Grüne Mitte“, die von fünf Wohngebäuden umgeben ist und mit einer Freitreppe und Gemeinschaftsgärten einen verkehrsfreien Treffpunkt bilden soll. Die Jury hinterfragt, ob durch die freie Anordnung der Gebäude Räume entstehen, die als Quartiersmitte wirksam werden, zumal weitere 10 Gebäude nicht an dieses Gemeinschaftsangebot angebunden sind. Der grüne Hof wird vollständig von der Tiefgarage unterbaut, so dass die Antwort offen bleibt, wie grün sich diese Mitte in Zukunft darstellen wird, auch muss die Topographie baulich gefasst werden, was deutlich massiver wirken wird, als es derzeit in den Plänen dargestellt ist. Die Unterbringung des ruhenden Verkehrs unter der Quartiersmitte in einer mehrgeschossigen Tiefgarage wird hinsichtlich der Nachhaltigkeit, der Unterbauung des gesamten Platzraumes und der Wirtschaftlichkeit stark in Frage gestellt.
Die freie Stellung der Gebäude im Hang wirft in den zahlreichen schrägen Gebäudeanschlüssen noch Fragen auf. Durch die lockere Anordnung ergeben sich aus den Einzelbaukörpern immer wieder Blickbeziehungen in die Landschaft. Das Prinzip der gleichmäßigen Anordnung und einheitlichen Höhe der Häuser kann jedoch nicht überzeugen, eine Differenzierung in der Höhe wäre wünschenswert. Sehr kritisch wird die Maßstäblichkeit der bis zu fünfgeschossigen Baukörper diskutiert, die an die kleinteilige Nachbarschaft angrenzen und der Maßstabssprung an dieser Stelle nicht nachvollziehbar ist.
Die einzelnen systemfähigen und modular konzipierten Wohnbausteine können hinsichtlich ihrer Flexibilität und der Holzbauweise überzeugen, jedoch wäre eine größere Dimensionierung der einzelnen Baukörper hinsichtlich einer größeren Bandbreite an Wohnungen sinnvoll. Die Einbindung der Baukörper in die Topographie kollidiert mit der Hanglage und führt zu einer massiven Sockelzone, die sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt. Das hier vorgeschlagene Erscheinungsbild des neuen Quartiers mit den vorgeschlagenen Holzfassaden findet großen Anklang und verspricht eine hohe Akzeptanz in der Nachbarschaft.
Das neue Wohnquartier Bergäcker bietet ein interessantes städtebauliches Konzept mit Atmosphäre, kann aber in Bezug auf Maßstäblichkeit und Wirtschaftlichkeit nicht ganz halten, was es verspricht.