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Einladungswettbewerb | 10/2009

Studentisches Wohnen, Lauk'sche GĂ€rtnerei

Modell

Modell

2. Preis

Preisgeld: 8.580 EUR

Kauffmann Theilig & Partner, Freie Architekten BDA, Partnerschaft GmbB

Architektur

Eurich Gula Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Idee

Mit dem Neubau der Studentenwohnheime „Lauk’sche GĂ€rtnerei“ werden die vorhandenen Potentiale des GrundstĂŒcks ausgeschöpft. Im Zentrum Erlangens entsteht so wertiger Wohnungsbau, der stĂ€dtebaulichen, aufenthaltsqualitativen und energetischen AnsprĂŒchen gerecht wird.


StÀdtebau

Das zu bebauende GrundstĂŒck liegt an der Henkestrasse, einer stark befahrenen Verkehrsachse in Erlangen. Der Umgang mit dieser LĂ€rmquelle war eines der entwurfsbestimmenden Themen. Die Appartements der neuen Wohnheime sind fĂŒr optimale Tageslichtausnutzung ALLE Ost-West orientiert. Somit ergab sich die Möglichkeit die Fassaden zur Henkestrasse zu schließen, bzw. die Erschliessung der HĂ€user auf die lĂ€rmbelastete Seite zu legen und somit die Belastung der Appartements auf ein Minimum zu reduzieren.
Die teilweise Schliessung der Bauflucht entlang der Henkestrasse wird durch den westlichen Baukörper (stÀdtebaulicher Teil) konsequent fortgesetzt.
Durch die großzĂŒgigen AbstandsflĂ€chen zwischen den einzelnen GebĂ€udeteilen ist ein optimale Belichtung auch der erdgeschossigen Appartements gewĂ€hrleistet.
Durch die Aufteilung der Appartements in drei GebĂ€udeteile wird gleichzeitig mit der gewĂŒnschten Realteilung die Kommunikation der Bewohner auf mehreren Ebenen gefördert. Es findet eine Identifikation mit der Wohngruppe auf dem Stockwerk, aber auch stockwerkĂŒbergreifend im gesamten Haus statt.
Die große QualitĂ€t diese Anordnung liegt darin, dass auf der Nordseite, zwischen den schon bestehenden Studentenwohnheimen und den Neubauten ein sehr großer GrĂŒnbereich erhalten bleibt. Durch die Öffnung des Gartenhofes nach Westen wird eine optimale Belichtung gewĂ€hrleistet. Der Gartenhof ist KommunikationsflĂ€che, Treffpunkt, Grillstelle aber auch RĂŒckzugsort. Hier ist Platz fĂŒr Studentenleben und FreizeitaktivitĂ€ten.


Entwurf

Das GebĂ€udeteil Maussbau West ist mit seinen 94 Appartements am grĂ¶ĂŸten und verteilt sich auf zwei Baukörper. Im Norden ist an die Brandwand des bestehenden GebĂ€udes Henkestrasse II angebaut. Das GebĂ€ude fasst 19 Appartements. Die ĂŒbrigen 75 Wohneinheiten verteilen sich auf die vier Geschosse des GebĂ€udes im Westen. FĂŒr die Bewohner gibt es auf jedem Geschoss einen gemeinschaftlich genutzten Balkon mit Blick auf den Gartenhof.

Das Erdgeschoss des GebÀudes Studentenwerk beinhaltet neben den 12 Appartements den Gemeinschaftsraum mit seinen Nebennutzungen. Ebenfalls im Erdgeschoss liegen der Technik- und der Putzraum.
Über das Treppenhaus gelangt man in die drei Obergeschosse mit jeweils 16 Appartements. In jedem Obergeschoss gibt es einen gemeinschaftlich genutzten Balkon, der sich zum Gartenhof orientiert. Das GebĂ€ude ist ĂŒber sein Treppenhaus mit der Tiefgarage verbunden.

Im GebĂ€ude Maussbau Ost liegen im Erdgeschoss die öffentlichen Nutzungen des WohnbĂŒros und des Begegnungszentrums. Die BĂŒros und GruppenrĂ€ume orientieren sich zur Wald- / Henkestrasse bzw. um den großzĂŒgigen Innenhof. Nach Nord-Westen orientiert sich die KĂŒche des Begegnungszentrums mit einem schönen Freibereich und Blick auf den Gartenhof.
Über das Treppenhaus mit Aufzug gelangt man in die Obergeschosse, die insgesamt 56 Appartements beinhalten. Alle Appartements orientieren sich auch entweder nach Osten oder nach Westen bzw. zum Innenhof. Neben einem gemeinschaftlich genutzten Balkon auf jeden Stockwerk befindet sich im Dachgeschoss eine große Dachterrasse. Das GebĂ€ude verfĂŒgt ĂŒber ein Untergeschoss in dem sich neben Technik und LagerrĂ€umen Abstellabteile fĂŒr alle Appartements befinden.

Die Bestandsbrandwand im Nord-Osten wird mit Fassadenöffnungen attraktiviert.

Die Tiefgarage mit 99 StellplĂ€tzen verbindet die GebĂ€udeteile Maussbau-West und Studentenwerk im Untergeschoss. Sie wird ĂŒber eine Zu- und eine Ausfahrt im SĂŒden erschlossen, die ĂŒber die im Bebauungsplan festgelegten Zufahrten funktioniert.

Fassaden

Die Fassaden der Neubauten werden öffnen sich folgerichtig in den Bereichen, in denen Tageslicht benötigt wird. Jedes Appartement ist auf der jeweiligen Ost- oder Westseite großzĂŒgig verglast. Die geschlossenen Fassadenteile beinhalten einen ÖffnungsflĂŒgel fĂŒr individuelle LĂŒftung. Die Fassadenseiten nach SĂŒden und Norden bleiben im Bereich der Appartements geschlossen. Auf der SĂŒdseite wird der Laubengang mit einer Einfachverglasung versehen um den Schallschutz fĂŒr den Innenhof herzustellen.


Energie

Die Heizung der GebĂ€ude wird ĂŒber die bestehende FernwĂ€rmeversorgung abgedeckt. Zur Heizung und KĂŒhlung des GebĂ€udes (Grundlast) ist eine Betonkernaktivierung denkbar.

Auf den DachflĂ€chen der Neubauten wird eine großflĂ€chige sĂŒdorientierte Photovoltaikanlage installiert. Weiter Maßnahmen werden in AbhĂ€ngigkeit ihrer Wirtschaftlichkeit zu ĂŒberprĂŒfen sein.

Die konsequente Tagesbelichtung der Appartements reduziert den elektrischen Energiebedarf.

Keiner der AufenthaltsrĂ€ume orientiert sich zur Strasse, d.h. dass in allen Appartements FensterlĂŒftung möglich ist.

Richtige Dimensionierung der verglasten FlĂ€chen sowie ein leistungsfĂ€higer, außenliegender Sonnenschutz vermeiden eine sommerliche Überhitzung.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit besticht durch die Interpretation der Studentenwohnheime als Stadtvillen in offener Blockrandbebauung, ein wirkungsvoller LĂ€rmschutz ist dadurch allerdings nicht gegeben, da der Innenbereich zur lauten Henkestraße offen liegt.

Das EckgebĂ€ude zur Waldstraße schafft den gewĂŒnschten Abschluss und reagiert geschickt im Übergang zur bestehenden Bebauung. Das Begegnungszentrum ist hervorragend gelöst, die öffentlichen Bereiche, Verwaltung und die darĂŒber liegenden Studentenzimmer separat erschlossen, gleichzeitig werden sie durch einen Innenhof zusammengeschlossen.

Die vorgeschlagene VerlĂ€ngerung des bestehenden Studentenwohnheims (WestflĂŒgel) ist akzeptabel, mit der Konsequenz eines erhöhten Erschließungsaufwandes.

Der im Bebauungsplan verankerte 5m-RĂŒcksprung der Baugrenze zur Henkestraße wird fĂŒr die TGRampen genutzt, diese Lösung fĂŒhrt zu gefĂ€hrlichen Situationen besonders bei der Ausfahrt. Es sind 99 STPl nachgewiesen, ohne konstruktives System. Auch die Unterbringung aller FahrrĂ€der im UG mit
ungelöstem Zugang ist unrealistisch, fĂŒr das Wohnheim des Studentenwerks sind ĂŒberhaupt keine AbstellplĂ€tze vorhanden.

Alle Zimmer sind nach Osten bzw. Westen orientiert, die gewĂŒnschte Mindestanzahl ist erreicht, zu einer noch besseren wirtschaftlichen Ausnutzung bietet der Entwurf noch einiges Potential. Erkauft wird dieser Spielraum durch zu geringe InnenhofgrĂ¶ĂŸen und entsprechenden BelichtungsbeschrĂ€nkungen der dahin orientierten RĂ€ume in EG und 1. OG.

Die GrĂ¶ĂŸe der Einzelzimmer liegt an der unteren Grenze, der nachgewiesene Wohnraum unterschreitet die in den Förderrichtlinien geforderten 13 m2. Die niedrige Ausnutzung fĂŒhrt im Verbund damit zu entsprechend geringen Kenndaten bei BRI und NutzflĂ€chen.

Das GrundstĂŒck wird großflĂ€chig begrĂŒnt mit zahlreichen Nutzungsangeboten, notwendige Möblierungen wie MĂŒllplatz und FahrradstellplĂ€tze fehlen allerdings. Feuerwehrzufahrten und SpartenfĂŒhrung funktionieren ohne EinschrĂ€nkung, eine Anleiterung als 2. Fluchtweg ist immer gewĂ€hrleistet.

Das konstruktive System ist einfach und gĂŒnstig erstellbar, der Anteil an FassadenflĂ€che und der Glasanteil sind deutlich zu hoch mit entsprechendem Erstellungs- und Unterhaltsaufwand.

Der Nachweis fĂŒr getrennte Lager- und TechnikrĂ€ume der Bauteile fehlt.

Die Stadtvillen sind ein eigenstĂ€ndiger Vorschlag mit hohem Identifikationswert fĂŒr die Bewohner, die GrĂŒnanlagen integrieren die Einzelbauten, die Anlage schafft geschickt den Anschluss an die Bebauung sĂŒdlich der Henkestraße und den Übergang aus der Blockbebauung zu einer offenen Bauweise.
Lageplan

Lageplan

Ansicht SĂŒd + West, Schnitt

Ansicht SĂŒd + West, Schnitt

Grundriss Ebene -1/ EG

Grundriss Ebene -1/ EG

Grundriss Ebene 2 + 3

Grundriss Ebene 2 + 3

Zimmer + Ausschnitt Fassade

Zimmer + Ausschnitt Fassade