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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025

Umbau und Erweiterung Bürgerzentrum Aldenhoven

Perspektive Rathauswiese
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Perspektive Rathauswiese

1. Preis / Zuschlag

Preisgeld: 80.000 EUR

TPMT Architekten

Architektur

glaßer und dagenbach landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

WINTER Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik

TGA-Fachplanung

EiSat GmbH, Engineered Structures

Tragwerksplanung

Müller-BBM Building Solutions GmbH

Bauphysik

Sebastian Kloß Brandschutz

Brandschutzplanung

Erläuterungstext

ENTWURFSKONZEPT
Mit dem Bürgerzentrum für Aldenhoven soll ein offener, einladender Ort geschaffen werden, der vielfältige Angebote aus Verwaltung, Bildung und Kultur unter einem Dach vereint. Unser Konzept basiert auf drei Grundsätzen: Erstens die Situierung des neuen Bürgersaals mit direktem Bezug zur Rathauswiese, um dieser besonderen Qualität des Ortes Rechnung zu tragen und Aussen- wie Innenraum für vielfältige Szenarien gemeinsam nutzbar zu machen. Zweitens das Weiternutzen und Weiterbauen des Bestandes, um den Landschaftsraum der Rathauswiese in möglichst vollständigem Umfang zu erhalten und Abriss zu vermeiden. Drittens das Erweitern im Dialog mit der zeittypischen Architektur des bestehenden Rathauses. Hierzu wird der bisher zweigeschossige Bauteil des Ratssaales um ein Geschoss aufgestockt und in Fortführung der bestehenden Struktur Richtung Rathauswiese erweitert. Der neu entstehende Baukörper nimmt die öffentlichen Funktionen des Bürgerzentrums auf, während das Programm der Verwaltung im bestehenden dreigeschossigen Riegel untergebracht wird.

ERSCHLIESSUNG
Der neue Haupteingang befindet sich an der bisherigen Fuge zwischen beiden Baukörpern an der Dietrich-Mülfahrt-Straße. Ein mehrgeschossiges gemeinsames Foyer erschließt über eine skulpturale Treppe alle Bereiche und leitet über in den Außenraum der Rathauswiese. Eine Achse, die sich durch den Park in Verlängerung des Haupteingangs zieht, endet in einer möglichen Skulptur als Blickfang und ist vom Foyer aus sichtbar.
Im Erweiterungsbau befinden sich im Erdgeschoss Bürgersaal und Jugendzentrum, im 1. Obergeschoss Sitzungsräume und die weiteren Bereiche des zweigeschossigen Jugendzentrums sowie im 2. Obergeschoss die Volkshochschule. Das Jugendzentrum besitzt einen eigenen Eingang von Südosten samt vorgelagertem Außenraum. Alle Ebenen sind über einen zentralen Auszug barrierefrei erschlossen. Neben der gemeinsamen repräsentativen Treppe im Foyer gibt es in beiden Bauteilen je einen geschlossen Treppenraum, wodurch von allen Räumen des Gebäudes zwei bauliche Rettungswege erreichbar sind. Das Jugendzentrum besitzt zudem eine großzügige interne Treppe samt Sitzstufen womit beide Ebenen des Jugendzentrums ineinander übergehen und der Außenraum auf kurzem Wege zugänglich gemacht wird. Hier befinden sich Sitzgruppen und Tischtennisplatten. Die vorhandenen Bäume sorgen hier für angenehmen Schatten und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Die Stellplätze westlich der Dietrich-Mülfahrt-Straße bleiben bestehen. Auch die Parkplätze an der Straße „im Graben“ bleiben erhalten. Ein Abzweig vom bestehenden Fuß- und Radweg, der vom historischen alten Turm im Norden kommt, führt direkt zum Foyer und erschließt somit das Rathaus von der Nordostseite.

FUNKTIONALITÄT
Die Anordnung der einzelnen Bereiche des Bürgerzentrums unter einem Dach erlaubt kurze Wege und vielfältige Nutzungen, insbesondere des neuen Bürgersaals. Direkt vor dem Ratssaal liegt eine großzügige Terrasse, die die vorhandenen Bäume integriert und Raum für Veranstaltungen im Freien bietet.
Alle Funktionen des Bürgerzentrum werden zusammenhängend in geforderter Größe untergebracht. Das Jugendzentrum bildet durch seine interne und externe Erschließung ein Haus im Haus. Im Verwaltungsbereich wird durch die Modifikation der bisherigen Mittelgangtypologie eine transparente Arbeitssituation mit vielfältigen Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten geschaffen. Östlich des bestehenden Gebäudes befindet sich der Außenbereich für die Verwaltung, der durch mobile Sonnensegel verschattet wird und somit die Möglichkeit bietet, im Freien zu arbeiten. Streifen aus Pflanzen, die an die rhythmische Gestaltung der Fassade erinnern, verlaufen auf der Rathauswiese und schaffen eine gestalterische Verbindung zwischen Architektur und Landschaft.

MATERIALIEN / KONSTRUKTION
Der bestehende Kopfbau mit dem Sitzungssaal und der öffentlichen Halle wurde als ein 2-geschossiger Stahlbetonskelettbau mit Untergeschoss errichtet.
Für die vorgeschlagene Erweiterung des Kopfbaus sind folgende konstruktive Maßnahmen vorgesehen:
- der bestehende Kopfbau wird um ein Geschoss aufgestockt
- der Kopfbau wird zum Garten hin 3-geschossig erweitert
- ein neuer tragender und aussteifender Stahlbetonkern wird außerhalb der bestehenden Kellerwand angeordnet
Die neue Tragkonstruktion ist überwiegend als Holz-Skelettbau konzipiert. Die Decken aus Brettsperrholzelementen werden von Brettschichtholz-Trägern sowie Brettschichtholz-Stützen getragen. So ist es möglich, die Bauteile präzise vorzufertigen und zügig zu montieren. Die Holzbauteile können, bei einem sehr geringem Eigengewicht, ohne Verkleidung einen Feuerwiderstand von R30 erreichen. Für die Aufstockung wird die bestehende Dachdecke mit einer Geschossdecke ersetzt und ein zusätzliches Geschoss ergänzt. Durch das geringe Gewicht der Holzkonstruktionen in Zusammenhang mit einem leichten Ausbau in Trockenbauweise wird erreicht, dass beide Decken mit Ihren Nutzlasten die Lasten des Bestandes nicht überschreiten.
Die Erweiterung in Richtung Park nimmt die Konstruktionsachsen des bestehenden Kopfbaus auf. Um den großen Bürgersaal im Erdgeschoss stützenfrei zu gestalten sind zwei Fachwerkträger in den Mittelachsen im 2.OG vorgesehen, welche die Lasten der Deckenträger der Erdgeschossdecke über Hängepfosten im 1.OG abtragen. Die Fachwerkträger und Hängepfosten sind aus Stahl vorgesehen, um relativ kleine Bauteilabmessungen zu erhalten. Die Fachwerkträger sind einfach und kostengünstig als verschraubte Stahlkonstruktion herstellbar. So wird ein aufwendiger Transport von übergroßen Bauteilen vermieden.
Der bestehende 3-geschossige Verwaltungsriegel wurde als Skelettbau mit Unterzugdecken errichtet. Das Bauwerk wurde unterkellert und auf Pfählen gegründet. Der Riegel soll in seiner Struktur und Nutzung erhalten werden. Es ist geplant das Dach extensiv zu begrünen sowie mit Photovoltaik-Elementen auszustatten. Für den Fall, dass die Bestandsdecke nicht über ausreichend Lastreserven für die neue Belastung verfügt, können als bewährte und relativ unkomplizierte Verstärkungsmaßnahmen entweder eine Klebebewehrung mit Stahlleisten oder ein verdübelter Aufbeton zur Ausführung kommen.
Für die vertikalen lastabtragenden Bauteile (Stützen und Wände) dürften die zusätzlichen Lasten im Verhältnis zu den ursprünglich geplanten so klein sein, dass genügend Tragfähigkeit vorhanden ist. Ein neuer Ausbau in Trockenbau kann die Bauteile ggf. entlasten. Die bestehende Konstruktion ist auf Stahlbeton-Pfählen gegründet. Die oben beschriebenen Umbaumaßnahmen im Bestandsbau sind so konzipiert, dass eine zusätzliche Belastung der Gründung vermieden wird.
Die Erweiterung des Kopfbaus wird nicht unterkellert. Auf Grund des vorhandenen Luftschutz-Stollens ist davon auszugehen, dass dieses Bauwerk ebenfalls auf Pfählen gegründet wird. In Abhängigkeit von den Ergebnissen des Baugrundgutachtens können für das leichte Holzbauwerk ggf. kostengünstige Mikropfähle zum Einsatz kommen. Für den Kopfbau ist ein umlaufender Laubengang geplant, der als konstruktiver Sonnenschutz für die Glasfassade dient. Der Laubengang wird durch Halbrahmen aus Stahl getragen, die gleichzeitig als außenliegende Fassadenpfosten dienen und seitlich an die Holzdecke angebunden werden. Somit ist eine thermische Trennung gewährleistet.
Die bestehende Gehwegpflasterung entlang der Dietrich-Mülfahrt-Straße, bestehend aus Klinker- und Betonsteinpflaster im Rasterformat, bleibt erhalten und wird auf dem neuen Vorplatz erweitert. In Anlehnung an die vorhandene Gestaltung und Materialien werden die neuen Terrassen und Plätze im Außenraum ebenfalls mit Klinkersteinen gestaltet und die weiteren Wege zur Erschließung werden mit Betonsteinen befestigt, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen.


Beurteilung durch das Preisgericht

Durch die als Fuge ausgebildete Erschließung zwischen dem Verwaltungstrakt im Süden und den Bürgereinrichtungen im Norden gelingt es dem Entwurf in überzeugender Weise den Eingangsbereich an der Dietrich-Mülfahrt-Straße mit dem östlich gelegenen Park und der hier befindlichen Rathauswiese zu verbinden.
Die Verbindung ist zwar barrierefrei gestaltet, vermag das Preisgericht jedoch noch nicht gänzlich in Bezug auf die Berücksichtigung der Belange mobilitätseingeschränkter Menschen zu überzeugen.
Die dargestellte Neuorganisation des Verwaltungstraktes nutzt das vorgefundene Potenzial nahezu vollständig aus, lediglich die natürliche Belichtung der Erschließungszone und die weitere Ausdifferenzierung der „Arbeitswelten“ scheint noch ausbaufähig.
Die Erschließung und Zuordnung von Funktionen wie dem Bürgersaal zum Park hin und den Jugendeinrichtungen zum sozial kontrollierten Straßenraum hin, wird als konsequent und überzeugend beurteilt. Hierbei stellt das Preisgereicht eine gute Erweiterbarkeit der Nutzungsmöglichkeiten für den ebenerdig an den Park angebundenen Bürgersaal fest und sieht ihn zusammen mit der einladenden Erschließung des Gesamtgebäudes als baulichen Ausdruck eines offenen und bürgernahen Rathauses als Bürgerzentrum.
Zugleich wird die Möglichkeit die allgemeinen Einrichtungen für die Bürger sowie die Einrichtungen für die Jugend einfach abtrennen zu können anerkannt. Hierdurch entsteht die Chance die besonderen Einrichtungen des Bürgerzentrums getrennt vom Bürotrakt auch außerhalb der Bürozeiten nutzen zu können. Hierzu trägt insbesondere das raffinierte Erschließungssystem der Einrichtungen rund um die Jugend bei, dessen Stufen-Treppenanlage eine besondere Atmosphäre verspricht.
Durch die Überdeckelung des Garagenhofes gelingt es, die Parklandschaft bis an das Gebäude heranzuführen und der Verwaltung als Außenbereich zur Verfügung zu stellen.
Der Ansatz, die vorhandene Gebäudesubstanz soweit wie möglich weiter zu nutzen, wird im Sinne der Nachhaltigkeit mit einem sehr geringen „Fußabdruck“ positiv bewertet. Die hierbei beschriebenen Konstruktionsdetails wirken überzeugend.
Das Preisgericht würdigt den Ansatz eines Low-Tech-Konzeptes. Vor dem Hintergrund der dargestellten großflächigen Glasfassaden des südlichen Baukörpers mit entsprechendem Wärmeeintrag ist der Nachweis des Funktionierens ohne künstliche Lüftung zu führen. Dies gilt auch für die Lüftung der Büroeinheiten.
Die beschriebene Brunnenkühlung kann am Standort Aldenhoven aufgrund des tagebaubedingt extrem abgesenkten Grundwasserhorizontes in den kommenden Jahrzehnten leider nicht zur Anwendung kommen und sollte durch eine der im detailliert beschriebenen Energiekonzept aufgezeigten Alternativen ersetzt werden.
Die Aussagen zur Nutzung des Parks bleiben noch unverbindlich, lassen jedoch in Verbindung mit den erdgeschossigen Nutzungen des Bürgerrathauses weitere Nutzungen denkbar werden. Somit stellt diese Konstellation von Gebäude und Park einen Möglichkeitsraum dar, der den Standort zusätzlich aufwertet und zu einer Potenzialfläche werden lässt. Im Hinblick auf eine möglichst vielfältige Parknutzung wird angeregt, die z. T. stark gliedernde Heckenbepflanzung im Sinne multifunktional nutzbarer Flächen zu überdenken.
Die Abtrennung der Parkwiese durch die Regenwassermulden von der Erschließung im Osten wird im vorgenannten Zusammenhang hinterfragt und es wird auch hier eine alternative Lösungsfindung angeregt.
Insgesamt stellt die Arbeit aufgrund der gelungenen Inwertsetzung des Gebäudebestandes in Verbindung mit der überzeugenden Nutzungszuordnung einen sehr wertvollen Beitrag zur Lösungsfindung der gestellten Aufgabe dar.

Energiekonzept:
Die Energieerzeugung erfolgt über eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit Brunnenwasser zur Temperierung der Zuluft, zur Vorkonditionierung von thermisch aktiven Lehmdecken und zur adiabaten Abluftkühlung.
Im Wesentlichen ist eine natürliche Fensterlüftung vorgesehen. Räume mit hohen Anforderungen an Raumluftqualität und thermischen Komfort erhalten eine mechanische Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung. Das Regenwasser der Dachflächen wird zur adiabaten Abluftkühlung sowie zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt.
Die Stromerzeugung erfolgt über eine Photovoltaikanlage. Eine intelligente, schlanke Gebäudeautomation dient der Steigerung des Komforts, der Energieeffizienz sowie der Nutzerzufriedenheit.

Empfehlungen des Preisgereichtes:
Optimierung der Zugangssituation für mobilitätseingeschränkte Menschen
Überprüfung von Wärmeeintrag und Lüftung
Optimierung der Lichtführung im Verwaltungstrakt
Weitergehende Diversifizierung der „Arbeitswelten“
Nutzungsmöglichkeiten des Parks weiter ausarbeiten und die Gestaltung an die hieraus resultierenden Anforderungen anpassen
Lageplan

Lageplan

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss 1. Obergeschoss

Grundriss 1. Obergeschoss

Grundriss 2. Obergeschoss

Grundriss 2. Obergeschoss

Schnitt Erweiterungsbau

Schnitt Erweiterungsbau

Energiekonzept

Energiekonzept

Sanierung Bestandsfassade

Sanierung Bestandsfassade