Nichtoffener Wettbewerb | 08/2025
Umgestaltung Alter Markt und Johann-Peter-Boelling-Platz in Mönchengladbach
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Blick auf den Alten Markt
©NUWELA
1. Preis / Los 1
NUWELA Büro für Städtebau und Landschaftsarchitektur
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Der öffentliche Raum als Taktgeber
Als Treffpunkte einer offenen und lebendigen Gesellschaft wird den öffentlichen Räumen ein kaum zu überschätzender Wert zuteil. Es sind die (physischen!) Räume, wo wir einander begegnen, uns verabreden, wo wir miteinander kommunizieren, diskutieren, uns austauschen und über die wir neue Städte, Dörfer, Quartiere, Nachbarschaften und Orte kennenlernen und erkunden.
Sie sind unabdingbarer Bestandteil unseres täglichen Lebens, stehen allerdings vielerorts unter Druck. Zunehmende Privatisierung und ökonomische Interessen buhlen mit den öffentlichen Bereichen um begrenzten Raum. Umso wichtiger ist es, das zusammenhänge Netzwerk öffentlicher Räume qualitätvoll und niederschwellig, bewusst und präzise zu entwerfen, damit sie ihren Wert für die (Stadt-)Gesellschaft bestmöglich entfalten und repräsentieren.
Das neue alte Zentrum von Mönchengladbach
Der Alte Markt, die angrenzenden Straßenräume, die heutige Einkaufsmeile Hindenburgstraße sowie der Bereich hin zum Johann-Peter-Boelling-Platz bilden das historische und kulturelle Zentrum der Stadt Mönchengladbach.
Der südlich angrenzende ortsbildprägende Kulturberg mit dem weitläufigen städtischen Grünband weist für die Stadt bedeutende hochbauliche, freiräumliche und auch ökologische Strukturen auf. Der Entwurf verfolgt die im Rahmenplan festgehaltene Revitalisierung des Abteiberges als Stadtbalkon aus dem Zentrum herkommend vorangetrieben.
Die freiräumliche Planung der Hindenburgstraße zwischen dem Alten Markt und dem Bahnhofsplatz im Westen wird ebenfalls aufgegriffen und in das neue Strukturkonzept integriert.
Plätze als Knotenpunkte im Netzwerk des öffentlichen Raums
Bei der Zentrumsentwicklung kommt den Plätzen als Knotenpunkte eine besondere Bedeutung zu. Hier bündelt sich das öffentliche Leben und Treiben. Zeitgemäße Plätze müssen „Vieleskönner“ sein. Die Gestaltung soll dabei ein robustes Rahmengerüst sein und einen vielfältig erleb-, nutz- und erinnerbaren Ort für alle Menschen schaffen und sowohl sozialen, ökologischen als auch ökonomischen Ansprüchen genügen.
Darüber hinaus müssen öffentliche Räume innerhalb des städtischen Gefüges Orientierung geben, verschiedenste Einrichtungen und Orte akzentuieren sowie erreichbare Adressen bilden. Ein lebendiger Platz nährt sich aus seiner näheren und weiteren Umgebung, den angrenzenden Erdgeschossen, naheliegenden Grün- und Freiräumen sowie den an ihn anschließenden Bewegungs- und Verbindungsräumen der Straßen, Gassen, Wege und Pfade. Im Gegenzug gibt der Platz seiner Umgebung einen zentralen Ort zurück, einen Ort zum Treffen, Versammeln, Diskutieren, Verweilen, Aneignen und Passieren. Eine gemeinsame Mitte.
Der Alte Markt - eine Bühne des städtischen Lebens
Mönchengladbach erhält und sichert sich eine solche neue Mitte am Alten Markt langfristig. Der historisch wie aktuell wichtigste Platz im Zentrum der Altstadt wird auch das Stadtherz genannt. Er stand immer und soll auch künftig im Mittelpunkt der Gesellschaft und des Stadtlebens stehen.
Als hochfrequentierter Verbindungs- und Verweilort wird er als schlichtes, präzise definiertes Tableau entworfen. Die entstehende, locker baumbestandene Fläche wird zur vielfältigen Bühne des städtischen Treibens. Der Platz als „Vieleskönner“ wird sämtlichen Anforderungen des alltäglichen (Treffpunkt, Gastronomie, Einkauf) und nicht alltäglichen (Veranstaltungen, Weihnachtsmarkt etc.) Bedarfs gerecht.
Das grüne Stadtherz für Mönchengladbach
Die große zentrale Figur des Alten Marktes innerhalb des Stadtgrundrisses löst den bisher primär verkehrlich genutzten Transitraum auf und definiert einen neuen, barrierefrei erschlossenen, durchgrünten Stadtplatz: Das grüne Stadtherz für Mönchengladbach.
Durch die Baumpflanzungen und den entsiegelten, durchlässigen Untergrund werden Schattenbildung und Kaltluftentstehung gefördert. Die Baumgruppen definieren die neue Mitte räumlich und laden zum Verweilen und Aufhalten ein. Anfallendes Niederschlagswasser wird oberflächig in die Grünflächen geleitet, über die Vegetation gefiltert und dann versickert oder zurückgehalten.
Der Alte Markt als konsumfreier, demokratischer Ort
Trotz der hohen Dichte an konsumorientierter Außengastronomie strebt das Konzept nach einem demokratischen Ort für Alle. Ruheinseln als Rückzugsort und Treffpunkt, Sitzbänke im Schatten, der Brunnen als Umschlagsort und bedarfsgerecht zonierte Nischen schaffen dringend benötigte Orte des zwanglosen, konsumfreien Aufenthalts. So entsteht ein städtisches Zentrum, das den sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen der Gegenwart sowie der Zukunft gerecht wird.
Johann-Peter-Boelling-Platz - das Tor zum Stadtbalkon
Von der Hindenburgstraße kommend nach Süden gelangt man auf den Johann-Peter-Boelling-Platz. Dieser liegt am zentralen nördlichen Eingang zum weitläufigen Parkband Mönchengladbachs, dem sogenannten Kulturhügel. Begrenzt wird der Platz durch öffentlichkeitswirksame bauliche Strukturen wie dem Museum Abteiberg, dem Stiftischen Humanistischen Gymnasium Mönchengladbach (HUMA) und dem Haus der Erholung. Er fungiert als räumliches Scharnier innerhalb des kulturellen und grünen Ensembles des Kulturhügels, indem er sich nach Westen zum Hans-Jonas-Park hin öffnet, im Westen zum Abteiberg führt und über die Krichelstraße an die Einkaufspassage Hindenburgstraße und den Alten Markt grenzt. Aus seiner räumlichen Relevanz heraus, soll der von Verkehr und Erschließung geprägte Ort im Entwurf eine neue Definition als alltagsgerechter Vorplatz der angrenzenden öffentlich-repräsentativen Nutzungen erhalten und gleichzeitig den Eingang zum Kulturhügel der Stadt akzentuieren.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Arbeit gelingt es ein schlüssiges Konzept für das vorgefundene Altstadtkonglomerat zwischen Alter Markt und Johann-Peter-Boelling-Platz zu entwickeln. Sie forciert eine Transformation hin zu einem "urbanen, zukunftsfähigen Takt“ und berücksichtigt dabei vorhandene Qualitäten sowie bestehende Planungen. Beide Plätze sind durch das Motiv des Rahmengerüsts mit teilentsiegelter Mitte gestalterisch klar verbunden.
Der Alte Markt wird als urbane Bühne im Gegenüber zum Kirchplatz konzipiert. Eine Intarsie aus wassergebundener Decke mit locker verteilten Pflanzbereichen erzeugt ein großzügiges, belebendes und zukunftsweisendes Bild. Vielfältige, klimawirksame Geh ölzpflanzungen gliedern den Raum in lichte und schattige Zonen, deren räumliche Qualität sehr positiv bewertet wird. Die Pflanzbereiche unterstützen mit ihrer gärtnerischen Anmutung glaubhaft die Aufenthaltsqualität und tragen zur Biodiversität bei. Kontrovers diskutiert wurden dabei jedoch ihre sanft topografischen Ausformulierungen, insbesondere ihr Beitrag zur Regenwasserversickerung.
Sowohl die südlich situierte Stufenanlage als auch die Belagswahl der Wassergebundenen Decke bei Regen wurden hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit diskutiert.
Der die Intarsie umschließende funktionale Rahmen überzeugt mit der Materialwahl des barrierefreien Plattenbelags als Laufzone und dem bestehenden und wiederverwendeten Kleinsteinpflaster in den restlichen Bereich. Der vorgeschlagene Rahmen wirkt ausreichend dimensioniert, um alle Verkehrsteilnehmenden auf dem Platz aufzunehmen und zu leiten. Die Lage des Fahrbereichs wird in Bezug auf die Abstände zur Bestandsbebauung als stimmig empfunden; er fügt sich ein, ohne den Raum zu dominieren.
Die vorgesehenen Flächen für Außengastronomie erscheinen in Dimensionierung und Anordnung überzeugend; einzig die Positionierung über den Belagswechsel hinweg wurde kritisch angemerkt. Sehr positiv bewertet wird der Ansatz, den bestehenden Kunstbrunnen zu belassen und durch Ergänzungen zu einem erlebnisreicheren Ort zu transformieren. Das Kunstwerk am nördlichen Platzzugang schafft einen zusätzlichen Identitätspunkt. Darüber hinaus stärken ausreichend vorhandene, nicht-kommerzielle Sitzgelegenheiten die Aufenthaltsqualität für die Stadtgesellschaft.
Die Hindenburgstraße wird im Duktus der angrenzenden Planungen weiterentwickelt und insbesondere durch ihre vielfältigen Gehölzpflanzungen positiv hervorgehoben. Der als Stadtterrasse gestaltete Abstand vor dem Durchbruch zum Museum Abteiberg wird ebenfalls gewürdigt.
Insgesamt gelingt es der Arbeit, auf dem Alten Markt eine ausgewogene Balance zwischen den Nutzungsangeboten für Aufenthalt, Gastronomie und Veranstaltungen herzustellen und mit ihrer räumlich konsequenten Haltung eine angemessene Bühne für die Stadtgesellschaft zu schaffen. Trotz Optimierungspotenzials im Regenwassermanagement vermittelt der Entwurf durch zahlreiche Gehölzpflanzungen und Staudenbeete eine glaubhaft positive klimatische Wirksamkeit.
Lage im Stadtraum
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Lageplan
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Blick auf den Johann-Peter-Boelling-Platz
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Schnitt Alter Markt
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