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Einladungswettbewerb | 06/2020

Umgestaltung der Archäologischen Informationsstelle "Basel, 80 v. Chr.Murus Gallicus – Der Keltenwall" (CH)

8

1. Preis / 1. Rang

Preisgeld: 16.000 CHF

LOST Architekten

Architektur

STUDIO MC

Szenographie

ZPF Ingenieure AG · ZPF Structure AG

Bauingenieurwesen

Stephan Zimmermann Lightsolutions

Lichtplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Drei präzise gesetzte Betonkörper deuten auf die unter der Erde verborgenen keltischen Ausgrabungen hin. Im plastisch geformten Erschliessungskörper führt eine kurze Treppe zu einem gut proportionierten Besucherraum, der im direkten räumlichen Kontakt mit den Ruinen des Keltenwalls steht.Die Schichten der Stadtgeschichte lassen sich physisch
und intellektuell aufnehmen.

Ein längsgerichteter schräger Betonkörper, einseitig verglast, genannt «Shed-Viewer», dient der Ausstellung als Lichtquelle, dem Passanten als Blickfenster. Ein weiterer
Viewer im westlichen Perimeter erlaubt weiterhin die Einsicht in die zweite Fundstelle. Die Anordnung dieser beiden Betonkörper lässt den Verlauf des Murus Gallicus, des
Keltenwalls, räumlich spürbar werden, ohne die Pausenhofnutzung stark zu tangieren. Die schrägen Verglasungen ermöglichen einen schnellen Überblick über die archäologische Fundstelle. Mittels Informationstafel auf der geschlossenen Seite ist die Auskunft über Erhaltung, Bauweise so wie zeitliche Kontextualisierung des Keltenwalls gegeben,
auch wenn der Besucherraum geschlossen ist.
Dieser tritt städtebaulich in Erscheinung durch ein massives Eingangsportal, das die Einfriedung des Schulareals durchbricht, um die Aufmerksamkeit auf die Archäologische
Informationsstelle zu lenken. Durch die Platzierung des Zugangs ausserhalb des Schulhofes ist ein reibungsloses Nebeneinander beider Nutzungen möglich. Die Höhe des
Portals lässt die wahre nachgewiesene Höhe des Murus Gallicus erkennen, und zusammen mit den aneinandergereihten Shed-Viewern gibt das Projekt eine abstrakte
räumliche Projektion der damaligen Verteidigungsmauer wieder.
Die Archäologische Informationsstelle befindet sich auf der Ebene der Ausgrabungen in einem höhlenartigen Raum, der angrenzend an die Rittergasse im Perimeter der heutigen zwei ersten Erdfenster liegt. Er bewirkt ohne grosse technische Installationen eine atmosphärische Inszenierung der archäologischen Befunde, die aus unmittelbarer Nähe
betrachtet werden können, und ermöglicht ungestörte Gruppenführungen.

Die einheitliche Verwendung von hellem Beton mit Kalksplit macht oberirdisch den Zusammenhang der einzelnen Eingriffe des Projektes lesbar. Unterirdisch wird, durch die
glatte Oberfläche, im Kontrast mit den Grabungsbereichen, die Unterscheidung von Originalfunden und Rekonstruktionen einfach begreiflich.

Das Projekt orbis alius überzeugt die Jury besonders auf der szenografischen Ebene. Oberirdisch vom Pausenhof her gibt es den ersten Eindruck des Murus Gallicus, einerseits
über seine räumliche Lage in der Stadt, andererseits von oben auf die Mauer blickend. Wer sich vertiefen will, findet den Weg zur Informationsstelle einfach. Beim Betreten des
Erschliessungskörpers werden die ersten Informationen auf unaufdringliche Art vermittelt, die Wände der Treppe werden als Zeitskala benutzt, indem parallel zur Bewegung nach unten die Zeit zurückläuft.

Unten angekommen, steht man in direkter, sinnstiftender Wahrnehmung des Hauptobjekts. Die räumlichen Zusammenhänge, die Materialisierung, die Lichtführung, alles trägt
zu einer klaren Überschaubarkeit bei und unterstützt die gute Dramaturgie. Der Weg vom ersten Eindruck bis zur Vertiefung in die Materie ist geistig wie körperlich eindeutig.
Die unterschiedlichen Besucherformate, von zufälligen Passanten bis zu Fachpersonen, sind berücksichtigt und werden klar getrennt, Führungen können mit diesem Angebot
attraktiv gestaltet werden.