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Mehrfachbeauftragung | 09/2006

Umgestaltung des Elisengartens

Lageplan M 1:250

Lageplan M 1:250

1. Preis

Preisgeld: 8.000 EUR

LĂŒtzow 7 MĂŒller Wehberg Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

magma architecture

Architektur

ErlÀuterungstext

Umgestaltung des Elisengartens der Stadt Aachen September 2006


Der alte Klostergarten der Ursulinen ist Ausgangsort und Bezugspunkt der Umgestaltung des Elisengartens. Das historische GrundstĂŒck dieses Gartens wurde im 19. Jahrhundert mit einer zeitgenössischen Gestaltung versehen und der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht. Die QualitĂ€t damaliger Gartenanlagen und der Ursprung im mittelalterlichen Klostergarten lassen eine zeitgemĂ€ĂŸe Umgestaltung des nun grĂ¶ĂŸeren Gartens mit Blick und Bezug auf die Geschichte angemessen erscheinen. Ein Plan aus dem Jahre 1865 zeigt - wie der Plan von 1910 - einen differenziert vorzustellenden kleinen „Park“ mit Pflanzinseln und Wasserspiel, durchzogen von einem Wegenetz zum Flanieren. Die bĂŒrgerlichen AnsprĂŒche an einen innerstĂ€dtischen Freiraum wurden mit den Planungen nach dem Krieg in Form nutzbarer RasenflĂ€chen, Sitznischen und einem Restaurant-CafĂ© fĂŒr den Elisengarten realisiert. Mit dieser heute „durchgewachsenen“ Gestaltung geht die Verbindung des Gartens mit dem Friedrich-Wilhelm-Platz, welche in unterschiedlicher Form in beiden VorgĂ€ngerplĂ€nen erkennbar ist, zugunsten einer baulichen Verbindung des Restaurants mit dem GebĂ€ude des Elisenbrunnens bedauerlicherweise verloren. Diese bedeutende Verbindung des öffentlichen Raumes am Platz mit dem Garten lĂ€sst im Park eine „isolierte Nische“ zurĂŒck, welche nur schwer durch die Außennutzung des Restaurants belebt werden kann. Der „Nischencharakter“ ist - verbunden mit dem weiteren Durchwachsen der Vegetation und dem damit einhergehenden optischen Verschwinden der Anlage aus der Umgebung - Ursache der geringen Wahrnehmung dieses wichtigen Gartens in der Innenstadt. Die vorhandene Topographie verstĂ€rkt durch das unentschiedene Hinabfallen des GelĂ€ndes bis hin zur „RĂŒckseite“ des Elisenbrunnens und in die Nische hinein eine unangenehme Befindlichkeit des Besuchers im Park sowie am GebĂ€ude selbst, welche auch durch die FenstertĂŒren des BrunnengebĂ€udes nicht ausgeglichen werden kann. Infolgedessen sind bereits in der Vergangenheit Versuche unternommen worden, die „RĂŒckfront“ der Brunnenkolonnade zu begrĂŒnen und durch die Anlage von Pflanzbeeten „Abstand“ zu gewinnen. Der Neubau der Deutschen Bank und der damit einhergegangene Teilabriss des Restaurants verschlechterte die zuvor schon schwierige Situation dieses Gartenteiles. Auf Grund des, vom zunehmenden Verkehr vor den Brunnenkolonnaden verursachten, LĂ€rmes hat die Nutzung der SĂŒdseite der Kolonnaden fĂŒr Freiterrassenausschank seit den sechziger Jahren zunehmend an AttraktivitĂ€t verloren.

Ziel der Neugestaltung der Anlagen sollte vor allem sein - unter BerĂŒcksichtigung der jeweils vorhandenen Mittel - eine Konzeption zu erhalten, welche die oben beschriebenen Nachteile der real existierenden Situation kurz- bis lĂ€ngerfristig abzustellen in der Lage ist, und Optionen fĂŒr weitere Verbesserungen offenhĂ€lt.
Der Entwurf ist somit in Phasen entwickelbar angelegt. Die Optionen betreffen den Bereich des Restaurantanbaus mit Verbindungsgang, die Restaurantterrasse und einen weiteren attraktiven Parkzugang vom Friedrich-Wilhelm-Platz in den Garten und durch diesen zum Dom.
Neben dem Auslichten der Vegetation, der Schaffung von offenen Blickbeziehungen in den Garten hinein unter weitgehender Erhaltung wertvollen Baumbestandes zeichnet sich der Entwurf durch eine, den „unteren Gartenteil“ aufwertende, VerĂ€nderung der topographischen Situation aus. Bis zur Mitte des Gartens wird das Niveau des BrunnengebĂ€udeanschlusses fortgefĂŒhrt, sodass ein offenes Tableau die „BedrĂ€ngtheit“ der Kolonnade durch den fallenden Hang nimmt. Der damit deutlicher ausgeprĂ€gte Höhensprung zum MĂŒnsterplatz wird mittels Rasentreppen - auf die Gartenmitte fokussiert - neu angelegt und somit durch ein erweitertes Angebot an den Besucher ergĂ€nzt. Breite barocke Stufen mit einer Höhe von 15 Zentimetern wechseln mit leicht fallenden, vier Meter weiten Rasentreppen ab, und steigen an bis zum Eingangsbereich des Gartens um den „Geldbrunnen“ herum. Zwei begleitende Wege, mit Blick auf das Zitat des historischen Elisengartens mit BlĂŒtenpracht und Springbrunnen, folgen den Linien der Erschießung. Einer dieser Wege ist barrierefrei nutzbar fĂŒr mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte Menschen.
Durch ein großzĂŒgiges vorgelagertes Bassin an der„zweiten“ Vorderansicht der Kolonnaden bietet das Tableau in respektvollem Abstand freie FlĂ€chen mit Kies-Tennenwegen, welche in ErgĂ€nzung der CafĂ©terrasse bespielt werden können und mit „losem Mobiliar“ ausgestattet sind. Der freie Aufenthalt mit Liegestuhl zwischen den BlĂŒten der Pflanzinseln am Springbrunnen und möglicherweise auch Service aus CafĂ© oder Bar bieten dem Besucher bei dezenter Beleuchtung illustren Aufenthalt bis in die spĂ€te Sommernacht hinein.
In Phasen kann das Ensemble des CafĂ©-Restaurants umgenutzt oder auch neu erbaut werden. Eine, durch den Entwurf, neu geschaffene Terrasse wird hierbei zum „Sockel des Neuen“. Die verĂ€nderte, mit einer Rampenanlage an der Tiefgarageneinfahrt der Deutschen Bank ausgestattete, Erschließung des Gartens und der CafĂ©terrasse schafft von Beginn an eine, durch markante BĂ€ume in pyramidaler Wuchsform gut sichtbare, Adresse an der Ursulinenstraße.

Mit einem Neubau, welcher hier als zweigeschossiges Orangerie-CafĂ© skizziert ist, ergeben sich gleichsam drei Adressen - an der Ursulinenstraße, am Garten sowie vermittelt am Platz. Der freiwerdende Teil des BrunnengebĂ€udes erhĂ€lt eine neue Nutzung - beispielsweise als Shop, Bar oder Eisdiele. Die Anlieferung erfolgt – wie bereits jetzt - seitens des Freigeschosses der Deutschen Bank, fĂŒr die eine Aufwertung im Rahmen eines Fassadenwettbewerbes vorgeschlagen wird.
Die Ursulinenstraße ist als MischflĂ€che/FußgĂ€ngerzone vorgesehen; am kleinen Platz vor dem Haus der Kohle bilden flach geschnittene Platanen ein lichtes Dach, pyramidal wachsende BĂ€ume - zum Beispiel Eichen - nehmen die Straßenflucht der Buchkremerstraße auf, bilden Raum und leiten ĂŒber zum Elisengarten.

Elisengarten und Elisenbrunnen wenden sich dem historischen Stadtzentrum zu, bilden in Umkehrung der Perspektive eine neue Adresse als Garten und Ort des Wassers.

Beurteilung durch das Preisgericht

PROTOKOLL PREISGERICHTSSITZUNG


ANHANG
BEURTEILUNG DER ARBEITEN

LÜTZOW 7, BERLIN
Das Konzept greift die vorhandenen Strukturen des Ortes auf und schafft mit zwei krĂ€ftig formulierten Eingriffen eine neue Idee fĂŒr den Park. Sitzterrassen aus Rasenstufen gegen den MĂŒnsterplatz und ein grosses, langgezogenes Wasserbecken hinter dem GebĂ€ude Elisenbrunnen, prĂ€gen die Neugestaltung.

Die Konzeption fĂŒr die Umgestaltung des Elisengartens wird zudem mit einer Vielzahl an Massnahmen verfestigt. Die vorhandene Vegetation wird in den Randbereichen punktuell ausgelichtet und gewĂ€hrleistet eine bessere Sichtbeziehung zwischen Innen und Aussen. Gleichzeitig bewirken niedrige Hecken eine klarere FĂŒhrung der Wege entlang der Hartmannstrasse und akzentuieren die Wegeverbindungen. Im Inneren werden vielfĂ€ltige neue Pflanzungen vorgeschlagen, die dem Projekt seinen neuen Charakter geben. Die hohe NutzungsintensitĂ€t des Aussenraums wird durch die terrassierten RasenflĂ€chen und dem niveaugleichen ÂŽTableau` hinter den Elisenbrunnen erreicht.

Das Freiraumkonzept orientiert sich an dem Typus des Stadtgartens. Ein Garten, der fĂŒr alle BĂŒrger offen ist. Die hier fast schon intime gĂ€rtnerische AtmosphĂ€re wird ĂŒberlagert durch die Nutzung, die eine öffentliche ist.

Der Entwurf bedingt in der Weiterbearbeitung ein noch feineres austarieren der einzelnen Teile gegenĂŒber dem Ganzen.

Dabei ist insbesondere die Beleuchtung fĂŒr einen Garten viel zu opulent geraten. Die Lichtstimmung erinnert eher an einen Platz als einen Garten. So gelingt es dem Projekt nicht, die Stimmung des Ortes bei Nacht zu transportieren.

Ferner widersprechen die intensiven gĂ€rtnerischen Pflanzungen der angestrebten hohen GebrauchsfĂ€higkeit fĂŒr den stĂ€dtischen Freiraum.

Insgesamt wird der vorgeschlagene Parktypus als tragfĂ€hige Konzeption fĂŒr die Umgestaltung erachtet. Die Vielzahl der Einzelelemente muss fĂŒr die QualitĂ€t des Ganzen in der Folge ĂŒberprĂŒft werden.
Lageplan M 1:250

Lageplan M 1:250

Beleuchtungskonzept

Beleuchtungskonzept

Beleuchtungskonzept

Beleuchtungskonzept

Im Garten

Im Garten

Im Garten

Im Garten

Blick entlang des Wasserbeckens

Blick entlang des Wasserbeckens

Blick entlang des Wasserbeckens

Blick entlang des Wasserbeckens

Blick von Aussen

Blick von Aussen

Blick von Aussen

Blick von Aussen

Blick ĂŒber die Rasenstufen

Blick ĂŒber die Rasenstufen

Blick ĂŒber die Rasenstufen

Blick ĂŒber die Rasenstufen