Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026
Umgestaltung Historische Mitte in Leinfelden-Echterdingen
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Visualisierung: David Willner
©adlerolesch GmbH
Anerkennung / Ideenteil
Preisgeld: 4.000 EUR
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
BÀr, Stadelmann, Stöcker Architekten und Stadtplaner PartGmbB
Stadtplanung / StÀdtebau
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Visualisierung
ErlÀuterungstext
1. Ausgangslage und Leitidee
Die Historische Mitte Echterdingen ist kein musealer Stadtkern, sondern ein lebendiger, vielfach ĂŒberformter Ort. Ihre QualitĂ€t liegt nicht in der Unversehrtheit, sondern im Nebeneinander von Jahrhunderten, Nutzungen und MaĂstĂ€ben. Genau darin liegt ihre StĂ€rke â und zugleich ihre Verletzlichkeit. Der vorliegende Entwurf versteht die Ortsmitte daher nicht als abgeschlossene Figur, sondern als rĂ€umliches GefĂŒge, das repariert, geschĂ€rft und neu miteinander verknĂŒpft werden muss.
Der Entwurf formuliert eine klare rĂ€umliche Haltung: Er konzentriert sich auf eine robuste, gut lesbare Struktur, die den öffentlichen Raum stĂ€rkt, Nutzungen bĂŒndelt und die Historische Mitte als zusammenhĂ€ngendes Ganzes erlebbar macht.
Leitmotiv des Entwurfs ist das âGefĂŒge der offenen RĂ€umeâ: PlĂ€tze, StraĂen und GrĂŒnrĂ€ume werden nicht als Einzelprojekte verstanden, sondern als aufeinander abgestimmte Abfolge unterschiedlicher AtmosphĂ€ren. Stein und GrĂŒn, Bewegung und Aufenthalt, Ăffentlichkeit und IntimitĂ€t stehen in einem ausgewogenen SpannungsverhĂ€ltnis. Die Gestaltung ist bewusst zurĂŒckhaltend, dauerhaft und anschlussfĂ€hig â sie sucht keine formale Geste, sondern rĂ€umliche SelbstverstĂ€ndlichkeit.
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2. StÀdtebauliche Struktur und Freiraumkonzept
Die zentrale Erkenntnis der Ăberarbeitung liegt in der klaren Hierarchisierung der RĂ€ume. Die BernhĂ€user StraĂe bildet das urbane RĂŒckgrat der Historischen Mitte. Sie ist GeschĂ€ftsstraĂe, Veranstaltungsraum und alltĂ€glicher Aufenthaltsort zugleich. Ihre Neugestaltung verzichtet bewusst auf eine Ăberinszenierung und setzt stattdessen auf eine ruhige, durchgehende OberflĂ€che, die den StraĂenraum als zusammenhĂ€ngenden Platz lesbar macht. Fahrbahn und Gehbereiche sind nicht strikt getrennt, sondern differenziert ausgebildet â mit klarer PrioritĂ€t fĂŒr den FuĂverkehr, ohne die zwingende Befahrbarkeit fĂŒr Feuerwehr und Anlieferung zu gefĂ€hrden.
Entlang der BernhĂ€user StraĂe werden die Aufenthaltszonen prĂ€ziser gefasst, die Möblierung reduziert und strategisch platziert. KurzzeitstellplĂ€tze und Anlieferung sind klar organisiert, ohne den Gesamteindruck zu dominieren. Die StraĂe wird damit nicht verkehrsfrei, aber verkehrsberuhigt im besten Sinne: langsam, ĂŒbersichtlich und stadtrĂ€umlich gefasst.
Der Echterdinger âKirchplatzâ bildet das historische und emotionale Zentrum der Ortsmitte. Seine Bedeutung liegt weniger in einer klaren geometrischen Figur als in der Dichte der umgebenden Bauwerke: Kirche, Rathaus, Backhaus und Pfarrwette. Der Entwurf reagiert darauf mit einer bewussten Freistellung dieser SolitĂ€re. Die PlatzflĂ€che bleibt offen, multifunktional und robust. Auf feste Einbauten wird weitgehend verzichtet, um MĂ€rkte, Feste und informelle Nutzungen gleichermaĂen zu ermöglichen.
Ein zentrales Element des Entwurfs ist die stĂ€rkere rĂ€umliche Einbindung der Pfarrwette. Sie wird nicht mehr als isoliertes Denkmal behandelt, sondern als Teil des Platzraums lesbar gemacht. Durch eine behutsame Absenkung, Sitzstufen und gezielte Ăffnungen wird das Wasser wieder erlebbar, ohne den denkmalgeschĂŒtzten Bestand zu ĂŒberformen. Der Ort erhĂ€lt damit eine neue AufenthaltsqualitĂ€t und eine sinnlich erfahrbare Tiefe.
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3. Echterdinger Stadtgarten â GrĂŒnraum als verbindendes Element
Der zukĂŒnftige Echterdinger Stadtgarten ist das grĂŒne GegenstĂŒck zur steinernen Ortsmitte. Er ist kein reprĂ€sentativer Park, sondern ein ruhiger, alltĂ€glicher Freiraum â ein Ort zum Durchqueren, Verweilen und ZurĂŒckziehen. Die Gestaltung folgt einer klaren Organisation mit gut lesbarer WegefĂŒhrung und eindeutiger Zonierung.
Die Wege spannen ein einfaches, gut lesbares Netz auf, das den Stadtgarten von mehreren Seiten erschlieĂt und ihn aus der bisherigen Hinterhoflage befreit. Kleine Aufweitungen markieren Aufenthaltsorte, ohne den parkartigen Charakter zu verlieren. Die groĂe zusammenhĂ€ngende GrĂŒnflĂ€che bleibt bewusst offen und flexibel nutzbar.
Die Integration der Energiezentrale und des Erdsondenfeldes wird als selbstverstÀndlicher Bestandteil des Entwurfs verstanden. Wege, Pflanzungen und Aufenthaltsbereiche orientieren sich an den technischen Rahmenbedingungen. Die Energiezentrale wird durch Vorplatz und Bepflanzung in den Park eingebunden und als funktionaler Baustein des Stadtgartens lesbar gemacht.
Die AuĂengastronomie des ehemaligen Schulhauses wird klar gefasst und rĂ€umlich geordnet. Es entsteht ein eindeutig definierter Bereich, der den Park respektiert und zugleich die Gastronomie stĂ€rkt. Die LagerstĂ€tte des Paulaners wird neu strukturiert und bindet sich besser in die Umgebung ein.
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4. Rathausareal und Zukunft technisches Rathaus
Die Frage nach der Zukunft des technischen Rathauses ist keine rein architektonische, sondern eine stÀdtebauliche und gesellschaftliche. Der Entwurf formuliert hier eine klare Haltung. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass die QualitÀt des Ortes weniger im GebÀude selbst als in den durch ihn erzeugten RÀumen liegt.
Die Ăberarbeitung stĂ€rkt daher die PlatzrĂ€ume nördlich und sĂŒdlich des Rathausareals und formuliert klare Anforderungen an eine zukĂŒnftige Nutzung: ein aktives Erdgeschoss, öffentliche BezĂŒge und eine deutliche Ăffnung zum Stadtgarten.
Die zuvor kritisierte kleinteilige Nutzungsstruktur wird durch robustere, zusammenhĂ€ngende Nutzungseinheiten ersetzt. Vorgeschlagen werden Erdgeschossnutzungen mit öffentlichem Charakter, die unabhĂ€ngig vom Tages- oder Wochenrhythmus funktionieren können. Die oberen Geschosse bieten flexible Strukturen fĂŒr BĂŒro-, Praxis- oder gemeinschaftliche Nutzungen.
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5. MaterialitÀt, Nachhaltigkeit und AtmosphÀre
Die Materialwahl folgt konsequent den Vorgaben des Gestaltungshandbuchs und wurde in der Ăberarbeitung weiter prĂ€zisiert. Stein dominiert die zentralen RĂ€ume, GrĂŒn ĂŒbernimmt dort, wo Ruhe und Klimawirkung im Vordergrund stehen. Recyclingmaterialien werden gezielt eingesetzt, nicht als technisches Statement, sondern als selbstverstĂ€ndlicher Bestandteil einer zukunftsfĂ€higen Freiraumgestaltung.
Nachhaltigkeit wird nicht ĂŒber technische Add-ons definiert, sondern ĂŒber Dauerhaftigkeit, AnpassungsfĂ€higkeit und einfache Pflege. Die EntwĂ€sserung folgt dem Prinzip der Schwammstadt, Entsiegelung wird dort vorgenommen, wo sie rĂ€umlich sinnvoll ist. Der Baumbestand wird kritisch geprĂŒft, nicht romantisiert â erhaltenswerte BĂ€ume werden integriert, nicht zukunftsfĂ€hige ersetzt.
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6. Fazit
Der Entwurf ist eine bewusste Setzung: Er erfindet die Mitte neu â nicht als spektakulĂ€re Geste, sondern als prĂ€zises rĂ€umliches Versprechen. Aus StraĂen werden AufenthaltsrĂ€ume, aus RestflĂ€chen klare Orte, aus dem âHinterhofâ ein Stadtgarten. Stein und GrĂŒn bilden ein lesbares GefĂŒge, das Alltag, Markt und Fest gleichermaĂen trĂ€gt.
Die Historische Mitte gewinnt damit eine neue, zeitgemĂ€Ăe IdentitĂ€t: robust, barrierefrei, klimawirksam und langfristig wandelbar. Sie bleibt erkennbar Echterdingen â aber mit einer Mitte, die wieder funktioniert und wieder erzĂ€hlt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Freianlagen
Die Historische Mitte als zusammenhĂ€ngendes Ganzes ist in seiner Konsequenz nachvollziehbar und ĂŒberzeugt in seiner klaren Haltung, die die StadtrĂ€ume eindeutig dem grĂŒnen Garten auf der einen, oder dem zusammenhĂ€ngenden, belebten und befestigten Stadtboden auf der anderen Seite zuordnet. Diese konsequente Grundhaltung einer klaren Aufteilung der RĂ€ume verleiht dem Entwurf StĂ€rke.
Das alte Rathaus, umspĂŒlt vom stĂ€dtischen FuĂboden, wird unaufgeregt freigestellt. Die qualitĂ€tvollen architektonischen und historischen Elemente dĂŒrfen in dieser Ruhe wirken.
Die BernhĂ€user StraĂe wird als Teil dieses Stadtraums, ĂŒber den der hochwertige Bodenbelag weiterflieĂt, entwickelt. Die regelmĂ€Ăige Gliederung fĂŒr FuĂgĂ€nger, Parkierung und Baumstandorte ist stimmig. Das Konzept der Schwammstadtstrategie ist in diesem Raum nachvollziehbar und gut ausgearbeitet. Die Breite der Fahrspur von unter 6 Metern wird dabei fĂŒr die Bedarfe des Begegnungsverkehrs und der Feuerwehr kritisch gesehen.
Die Zufahrt Zehtscheuer wird als reiner FuĂgĂ€ngerzugang umgestaltet. Dies wird positiv gesehen und stĂ€rkt den Entwurf. Die ZugĂ€nglichkeit zur Pfarrwette wird in die Gesamtgestaltung integriert.
Der hohe GrĂŒnanteil und die Verwendung von ĂŒberwiegend Naturstein verspricht eine hohe QualitĂ€t.
Der GrĂŒnraum des Stadtgartens kann dabei allerdings als unterentworfen betrachtet werden und bleibt zuweilen ein Versprechen. AuĂerdem wird die rĂŒckwertige Lage des Stadtgartens kritisch hinterfragt. Wegeverbindungen bleiben beginnen und enden an nicht definierten Orten. Hier fehlt die Gewichtung der Vernetzungen.
Die Einbettung der Gastronomie ins GrĂŒne wird als Idee positiv bewertet, in ihrer Umsetzbarkeit aber in Frage gestellt. Die FunktionalitĂ€t mĂŒsste bewiesen werden. Besonders die Modellierung an die Garagen bei gezeitigtem Fortbestand als Anlieferung ist nicht nachvollziehbar.
StÀdtebau und Architektur
Der Neubau fĂŒr das Gemeindehaus auf dem GrundstĂŒck des technischen Rathauses gibt mit der L-Form die richtige Antwort auf den Kirchplatz. Die Nutzung in direkter NĂ€he zur Stephanuskirche wird ebenfalls positiv gesehen. Es stellt sich die Frage, ob die Gemeindehausnutzungen fĂŒr eine ganztĂ€gige Belebung des Kirchplatzes ausreichen, oder ob sie durch weitere Nutzungen ergĂ€nzt werden sollten.
Die Klarheit der Architektursprache mit dem Eingang zu BernhĂ€user StraĂe und der Ăffnung des Saals zum Kirchplatz mit einer inneren Durchwegung durch das GebĂ€ude wird lobend hervorgehoben; das Bogengewölbe fĂŒr den Gemeindesaal und die JugendrĂ€ume im Dach als rĂ€umlich spannend gewĂŒrdigt. Der architektonische Ausdruck ist im Zusammenspiel mit dem Rathaus richtig gewĂ€hlt.
Die zur BernhĂ€user StraĂe ausgerichtete Fassade - mit etwas zu klein erscheinenden Fensteröffnungen mit massiven Leibungsumrahmungen - ĂŒbernimmt die Lochfassadencharakteristik
des alten Rathauses. Der robuste Betonsockel entlang der BernhĂ€user StraĂe sowie der geschlemmte Klinker in den darĂŒberliegenden FassadenflĂ€chen gibt dem Gemeindehaus seinen ortspezifischen Charakter. Die Belichtungssituation der im Untergeschoss liegenden GruppenrĂ€ume wird allerdings kritisch gesehen. Ebenso erscheint die Belichtung fĂŒr den östlich gelegenen Gruppenraum deutlich zu gering. Die klare innere ErschlieĂung mit zwei TreppenhĂ€usern entspricht der GebĂ€udetypologie.
Die FortfĂŒhrung der Winkeltypologie nach Osten mit klarer Vorder- und RĂŒckseite ergibt in ihrer Nutzungsaufteilung Sinn und unterstĂŒtzt das Gesamtkonzept durch die klare Unterscheidung
zwischen Wohnen am GrĂŒn im Norden und GeschĂ€fts- und LadenflĂ€chen an der BernhĂ€user StraĂe im SĂŒden. Die erforderlichen KitaflĂ€chen sind im Erdgeschossgrundriss nicht zu erkennen, ebenfalls fehlen die entsprechenden AuĂenflĂ€chen. Die Kubaturen dieser stĂ€dtebaulichen Setzung im Ideenteil bieten keine zufriedenstellende Antwort auf die historische Mitte, die HeterogenitĂ€t der Bausteine an der BernhĂ€user StraĂe oder die kleinteilige Bebauung an der BismarckstraĂe.
Insgesamt wird die Arbeit fĂŒr ihre freiraumplanerische Klarheit und den architektonischen Ausdruck gewĂŒrdigt.
Lageplan 500
©adlerolesch GmbH
Visualisierung: David Willner
©adlerolesch GmbH
Lageplan 200
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Piktos
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Schnitte 200
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Schnitt 50
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Ansichten
©adlerolesch GmbH/BSS Architekten