Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026
Umgestaltung Historische Mitte in Leinfelden-Echterdingen
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Perspektive 1
©faktorgruen
Anerkennung / Realisierungsteil Freianlagen
Preisgeld: 8.000 EUR
Landschaftsarchitektur
Stadtplanung / Städtebau
Erläuterungstext
Historische Mitte Echterdingen – Die grünen Perlen
Die historische Mitte von Echterdingen wird neu gedacht – und zugleich in ihrer Identität gestärkt. Der dörflich geprägte Charakter mit seinen gewachsenen Gassen, prägnanten Platzräumen und ortsbildprägenden Gebäuden wie dem Alten Rathaus, der Stephanuskirche und dem Pfarrhaus bildet das Fundament für eine behutsame, aber kraftvolle Weiterentwicklung. Ziel ist es, diese Qualitäten wieder stärker sichtbar und erlebbar zu machen – als lebendiges Zentrum für alle Generationen.
Mit dem neuen Stadtgarten entsteht eine grüne Oase im Herzen des Ortes. Gemeinsam mit dem Kirchplatz, dem Rathausvorplatz, dem Pfarrgarten und den Freiräumen der evangelischen Kirchengemeinde bildet er eine zusammenhängende, differenziert gestaltete Platzfolge – die „grünen Perlen von Echterdingen“. Jeder Ort erhält seinen eigenen Charakter, eingebettet in ein einheitliches, hochwertiges Gestaltungskonzept aus Natursteinbelägen, subtil zonierten Platzflächen und einer klaren, ruhigen Materialität.
Die Bernhäuser Straße wird als zentrale Stadtachse gestärkt und in einen klimagerechten, grün betonten Aufenthaltsraum transformiert. Neue Baumstandorte, flexible Multifunktionsstreifen, Außengastronomie und großzügige Platzflächen schaffen Raum für Begegnung, Märkte und Veranstaltungen. Der Rathausplatz wird mit einem flachen Wasserbecken neu inszeniert und erhält damit eine identitätsstiftende Mitte.
Das Klima- und Wasserkonzept folgt dem Prinzip der Schwammstadt: Regenwasser wird gesammelt, zurückgehalten, gereinigt und den Bäumen sowie Brunnenanlagen wieder zugeführt. So entstehen kühlende Orte mit hoher Aufenthaltsqualität – auch in heißen Sommermonaten. Zukunftsfähige Baumarten, Staudenflächen und grüne Inseln sorgen für Biodiversität und ein lebendiges Wechselspiel aus Licht und Schatten.
Barrierefreie Wege, dezente Beleuchtung, neue Entreeplätze und eine behutsame Weiterentwicklung angrenzender Quartiere – vom Schafrain bis zur Plieninger Straße – vernetzen die historische Mitte mit ihrem Umfeld. Gleichzeitig ermöglicht die Umnutzung des Technischen Rathauses zum Bürger- und Gemeindehaus eine nachhaltige Stärkung der sozialen Infrastruktur im Herzen der Stadt.
Die „grünen Perlen von Echterdingen“ stehen für eine zukunftsfähige Ortsmitte, die Geschichte bewahrt und zugleich neue Impulse setzt. Ein Ort, der Identität stiftet, Gemeinschaft fördert und den öffentlichen Raum als wertvollen Lebensraum neu definiert.
Beurteilung durch das Preisgericht
Freianlagen
Die Verfasser*innen entwickeln die Freiflächen als eine Abfolge öffentlicher und halböffentlicher Räume von der Bernhauser Straße im Süden bis zur Plieninger Straße im Norden, gekennzeichnet durch einen einheitlichen Stadtboden, der nur sehr unterschwellig zwischen befahrenen und begangenen Bereichen unterscheidet. Dieser Ansatz ist klar und überzeugend, wird jedoch geschwächt durch das Einfügen von Belagsintarsien im Bereich des Rathaus- und Kirchplatzes, deren Ausdehnung und Geometrie beliebig wirken und die hinsichtlich Ökologie oder Nutzbarkeit gegenüber dem sonstigen Stadtboden keinen Mehrwert liefern.
Die gestalterische Einbindung der Bernhauser Straße in den durchgängigen Stadtboden wird begrüßt; die teilweise Überpflasterung der Plieninger Straße wirkt in Anbetracht der angrenzenden Nutzungen und Wegeanschlüsse überambitioniert. Die Zahl der Pkw-Stellplätze im öffentlichen Straßenraum erscheint unter Abwägung stadtgestalterischer Aspekte und den Erreichbarkeitsanforderungen durch die angrenzenden Läden und Gastronomien angemessen. Ein Angebot von Lieferzonen wird vermisst.
Mit der vorgeschlagenen neuen Brunnenanlage westlich des historischen Rathauses wird ein ansprechendes nichtkommerzielles Aufenthaltsangebot geschaffen, das eine Frequentierung und Belebung des öffentlichen Raums verspricht. Das Angebot von Sitzstufen entlang des östlichen und südlichen Ufers der Pfarrwette wäre aus Sicht des Denkmalschutzes zu überprüfen.
Der Stadtgarten wird nachvollziehbar gegliedert und durch ein Netz an Fußwegen mit dem umgebenden öffentlichen Raum verknüpft. Die Einbindung des Paulaner-Gasthauses und seiner Außenbewirtungsflächen in den Stadtgarten wird grundsätzlich begrüßt, wenngleich die hierzu vorgeschlagene massive Sitzstufenanlage im dörflichen Kontext unangemessen erscheint. Die Freistellung der Südfassade des bestehenden Garagengebäudes zu Zwecken der Anlieferung wirft die Frage nach der räumlichen Integration dieses Bauwerks in die Gestaltung des Stadtgartens auf.
Insgesamt wirkt der Stadtgarten übererschlossen; das Angebot mehrerer Entree- und Gelenkplätze wirkt im örtlichen Kontext überzogen. Dies schlägt sich nieder in einem überproportional hohen Anteil befestigter, nicht versickerungsfähiger Flächen im Gesamtgebiet.
Städtebau und Architektur
Im Realisierungsteil schlagen die Verfasser den Erhalt des technischen Rathauses vor. Die bauliche Verbindung zum historischen Rathaus wird entfernt. Das dadurch freigestellte Gebäude wird
grundlegend saniert, seine „robuste“ Tragstruktur bleibt erhalten und die Fassaden werden demontiert, gereinigt energetisch ertüchtigt und wieder verwendet.
Dieser grundsätzliche Umgang mit vorhandener Gebäudestruktur wird, im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit Gebäudebestand, als positiv bewertet. Zumal die somit runderneuerte Gebäudehülle durch hinzugefügte Holzelemente (Fassade, Fenster, an Untersichten und Durchgängen) deutlich an Qualität gewinnt. Allerdings spiegeln die Bandfassaden die dahinterliegende Nutzung nicht. Auch die Dachaufbauten wirken eher adaptiv und nicht aus der Gebäudestruktur heraus entwickelt.
Die Neuinterpretation dieses ortsbildprägenden Gebäudes an gleicher Stelle mittels ertüchtigter Hülle wird im Preisgericht positiv diskutiert und als guten Beitrag von Bauen im Bestand bewertet.
Allerdings bleiben mit dem Erhalt der Gebäudesetzung auch strukturelle Probleme ungelöst: Mangelhafte Anbindung zur Bernhäuser Straße, räumliche Zwänge, die für die zukünftige Nutzung nicht optimal sind, Zugänglichkeit und fehlende angemessene Adressbildung nach Norden zum öffentlichen Raum, etc. Die Ausformulierung der Grundrisse bleibt schematisch. Die fehlenden Aussagen in den Ansichten, insbesondere im städtebaulichen Gesamtzusammenhang, überzeugen nicht.
Die vorgeschlagene städtebauliche Setzung an der Ecke Bernhauser Straße / Bismarckstraße ist grundsätzlich vorstellbar, rückt die freiräumliche Verbindung vom Stadtgarten in den öffentlichen Straßenraum jedoch in die zweite Reihe. Die Größe des verbleibenden Freiraums für die KiTa-Nutzung wäre zu prüfen.
Im nördlichen Ideenteil zwischen Plieninger Straße und Schafrain erscheinen die vorgeschlagenen Baukörpersetzungen schlüssig gewählt; wenngleich an manchen Punkten die Dichte zu hoch erscheint. Die sich aus dem städtebaulichen Gefüge ergebende Abfolge aus Wohnhöfen und dem Bauerngarten am Knickpunkt des Schafrains verspricht eine attraktive und abwechslungsreiche Wegeverbindung in Richtung Ortsmitte und einen Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft. Begünstigt wird dies durch die Anordnung der notwendigen Stellplätze in einer Tiefgarage.
Insgesamt handelt es sich um eine Arbeit, deren Auseinandersetzung mit der bestehenden Bausubstanz zu würdigen ist, die jedoch im Bereich des Freiraums und dessen Vernetzung mit den vorgeschlagenen zukünftigen Nutzungen im technischen Rathaus Schwächen aufweist.
Perspektive 2
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PIKTO 01
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Lageplan 500
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Lageplan 200
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PIKTO 01
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PIKTO 02
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PIKTO 03
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PIKTO 04
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PIKTO 05
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PIKTO 06
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Schnitt 200
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