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Mehrfachbeauftragung | 01/2018

Umgestaltung Rathausplatz

Platzeingang vom Postberg / Reichsstadtring

Platzeingang vom Postberg / Reichsstadtring

1. Rang

silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten PartG mbB

Landschaftsarchitektur

DAY & LIGHT LICHTPLANUNG

Lichtplanung

Architektur & Zeichnung Wolfram Gothe

Visualisierung

Erläuterungstext

ORT & KONTEXT

Als r√§umliches und gesellschaftliches Zentrum ist der Marktplatz seit der Stadtgr√ľndung durch die Staufer Herzst√ľck der Giengener Stadtanlage. Im geschichtlichen Kontext wird dies deutlich beim Betrachten der historischen Stadtgrundrisse und Stiche. In der Gegenwart zeugt davon die Vielfalt an Nutzungen und Veranstaltungen, denen der Marktplatz eine Heimat bietet - von Stadtkonzerten und M√§rkten √ľber die Rathausserenade bis hin zum j√§hrlichen Kinderfest und Panschertreff.

Dazwischen - und damit ist vor allem das 20. Jahrhundert gemeint - leitete sich der Anspruch an dem Platz vor allem aus den Bed√ľrfnissen der Automobilit√§t ab. Das Ausma√ü der damit verbundenen Eingriffe in den Stadtk√∂rper - der Postbergdurchbruch, der Abbruch des Brunnenhauses und die Errichtung der Alten Post - wird deutlich, wenn man den heutigen Stadtgrundriss mit jenem aus dem Jahr 1830 vergleicht. Mit der √Ėffnung der ehemals fast geschlossenen Marktplatzbebauung Richtung Burgstra√üe und Steiff-Museum ist am Postberg ein neues ‚ÄěPortal zur Stadt‚Äú entstanden. Verbunden war mit der Ver√§nderung des Stadtgrundrisses jedoch auch ein Eingriff in die urspr√ľngliche Proportion der historischen Platzanlage.

IDEE & UMSETZUNG

Der Entwurf verfolgt das Ziel, mit einer zur√ľckhaltenden, die wertvolle Platzkulisse respektierenden Gestaltung den vielf√§ltigen Anforderungen an diesen zentralen Stadtraum gerecht zu werden. Dabei steht zum einen die multifunktionale Nutzbarkeit des Platzes im Vordergrund. Zum anderen existiert der Wunsch der B√ľrgerinnen und B√ľrger nach einem attraktiven, pr√§gnanten und dauerhaften Aufenthalts- und Verweilangebot, sowohl im gastronomischen als auch im nichtkommerziellen Bereich.

Stadtr√§umlich erfolgt die Umsetzung des Entwurfsgedankens in Anlehnung an die historische Platzanlage. So wird vorgeschlagen, die Platzfl√§che vor dem Rathaus und dem Schreibwarengesch√§ft S√ľ√ümuth als vielf√§ltig nutzbaren Stadtraum offen zu halten und somit den regelm√§√üig stattfindenden M√§rkten in der Mittleren Marktstra√üe einen Erweiterungsraum und Auftakt zu geben. Demgegen√ľber soll am Standort des historischen Brunnenhauses ein neues ‚ÄěStadtm√∂bel‚Äú in Form eines Brunnentisches entstehen, das im Rahmen von Veranstaltungen (bei Nichtbetrieb des Brunnens) als ‚ÄěStadtb√ľhne‚Äú bespielt werden kann.

Dieses neue Stadtm√∂bel soll Begegnungsort und Kristallisationspunkt des zuk√ľnftigen Platzes sein. Mit einer Sitzbank im Westen und dem ‚ÄěHerauswachsen‚Äú der Fl√§che aus dem topografischen Gel√§ndeverlauf im Osten entstehen vielf√§ltige Sitz- und Verweilm√∂glichkeiten mit Blick auf das Wasser und in die Marktstra√üe. Kinder werden durch Wasserfont√§nen und einen Brunnen√ľberlauf in Form eines kleinen Wasserfalls zum Spielen und Erleben animiert. Die Bronzeguss-Plastik von Prof. Karl-Ulrich Nu√ü erh√§lt einen ganz selbstverst√§ndlichen Platz inmitten der Wasserfl√§che, die bei Nichtbetrieb der Font√§nen als Himmelsspiegel sowohl Richtung Rathaus als auch Richtung Alte Post funktioniert. Brunnenplastik und Wasserfont√§nen sind sowohl in der Blickachse der Marktstra√üe als auch in der Blickachse des Postbergs erlebbar und geben der historischen Platzbebauung ein kr√§ftiges und gleichzeitig angemessenes ‚ÄěVorgelege‚Äú.

Vom Postberg aus erhalten Marktplatz und Marktstraße einen prägnanten Auftakt. Vom Marktplatz aus fungiert das Brunnenelement mit Fontänen und Wasserfall als akustischer und transluzenter räumlicher Filter Richtung Reichsstadtring. Das Befahren des Platzes vom Reichsstadtring aus wird ohne zusätzliche Poller verhindert.

MATERIAL & WIRTSCHAFTLICHKEIT

Der Bedeutung des Ortes und dem Wunsch nach einer langlebigen, werthaltigen und angemessenen Oberfl√§che Rechnung tragend, wird f√ľr die Neugestaltung des Marktplatzes ein Granitpflaster unterschiedlicher Formatigkeit und leicht variierender Nuancierung vorgeschlagen. Die Verlegung erfolgt in Reihen; die Ausrichtung des Pflasters bezieht sich auf die Geometrie des raumpr√§genden Rathauses. Um den Reichsstadtring einzubinden und dem Platzgedanken gestalterisch unterzuordnen, wird f√ľr die Ausf√ľhrung der Fahrbahn das Material des Platzes vorgeschlagen, jedoch mit Verlegung quer zur Fahrtrichtung.
Die Positionierung und Ausgestaltung des neuen Brunnens erlaubt einen Weiterbetrieb der vorhandenen Brunnenstube.

Die Beibehaltung der Platztopografie gewährleistet eine wirtschaftliche Herstellung sowohl im Hinblick auf die Wiederverwendung der vorhandenen Tragschichten als auch hinsichtlich der Unwägbarkeiten archäologischer Grabungen.

Die Wirtschaftlichkeit im Unterhalt wird durch die Wahl langlebiger und robuster Oberflächen und Ausstattungselemente gewährleistet.

LICHT & ATMOSPH√ĄRE

Die Beleuchtung folgt der Aufweitung des Marktplatzes durch eine zweireihige Anordnung von ca. 4,5 m hohen Lichtstelen, ohne diesen r√§umlich zu untergliedern. So wird die Platzfl√§che f√ľr flexible Nutzungsm√∂glichkeiten freigehalten. Gestalterisch setzen die Leuchten die schlichte, unaufdringliche Formensprache der Beleuchtung der Marktstra√üe fort, bieten jedoch mehr Funktionalit√§t: Neben optionalen Stromanschl√ľssen f√ľr Markt- und Weihnachtsbeleuchtung sowie E-Mobilit√§t k√∂nnen modular zus√§tzliche Lichtk√∂pfe gegen√ľber dem Rathaus f√ľr eine Fassadenakzentuierung hinzugef√ľgt werden. Neben der Grundbeleuchtung schafft eine dezente Aufhellung der Fassade des alten Postgeb√§udes visuell einen Raumabschlu√ü nach Westen, unterst√ľtzt durch eine Anstrahlung der bestehenden Linde. Durch die Akzentuierung der Panscher-Skulptur sowie der Wasserkante an der √∂stlichen Seite des Brunnentischs entsteht ein visueller Anker in der westlichen Platzmitte. Die atmosph√§rische, in warmer Lichtfarbe gehaltene Beleuchtung definiert durch ausgewogene Kontraste das Platzvolumen im n√§chtlichen Stadtbild und unterst√ľtzt eine belebende Au√üengastronomie.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf besticht durch seine konsequente Einfachheit und sein rundum durchdachtes Design.
Marktplatz Giengen Nacht-Perspektive

Marktplatz Giengen Nacht-Perspektive

Lageplan

Lageplan

Marktplatz Giengen Nacht-Plan

Marktplatz Giengen Nacht-Plan

Platzeingang von der Marktstraße / Reichsstadtmeile

Platzeingang von der Marktstraße / Reichsstadtmeile

Detail

Detail

Längsschnitt

Längsschnitt