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Offener Wettbewerb | 10/2014

Umgestaltung Schillerplatz und Remsanlagen

RaumbezĂŒge

RaumbezĂŒge

Anerkennung

Preisgeld: 3.000 EUR

silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten PartG mbB

Landschaftsarchitektur

LIMA architekten | Lisa Bogner und Tobias Manzke

Architektur

ErlÀuterungstext

Die Erlebbarkeit der Rems, der Zugang und die Interaktion mit dem Wasser, die Verbindung der Quartiere sĂŒdlich des Flusses mit der Innenstadt sind sicher die grĂ¶ĂŸten Defizite aber auch die besonderen Potenziale im bestehenden Stadtraum rund um das BĂŒrgerhaus Schillerschule. Die regionale Gartenschau ist dabei das Instrument, die Rems in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rĂŒcken. Eine prĂ€gnante Gestalt zu finden, die diese Potenziale aufgreift und in sich bĂŒndelt, die zentrale Herausforderung im Entwurf.

Der neue FLUSSMÄANDER , bildhafter Ausdruck der Dynamik der Auenlandschaft, bindet als Klammer beide Seiten des Remsufers gleichwertig zusammen. Der Fluss als Trennlinie und Barriere wird aufgehoben. Das ZurĂŒcknehmen der dichten Ufervegetation und die Schaffung von ZugĂ€ngen zum Wasser machen die zu ĂŒberwindende „Infrastruktur“ zum Ort, zum erlebbaren Stadtraum und Treffpunkt fĂŒr seine Anwohner. Das neue CafĂ© unterstĂŒtzt diese Umdeutung und profitiert von ihr gleichermaßen.

Die Öffnung des Götzenbachs wird sĂŒdlich des BĂŒrgerhauses fortgesetzt, der MĂŒndungsbereich aufgeweitet und renaturiert. In Verbindung mit der Aufweitung der Rems sĂŒdlich der Sitzstufen entstehen EntspannungsflĂ€chen im Hochwasserfall und gleichzeitig hydrodynamische Orte mit differenzierten Mikrobiotopen von Brenne bis Flachwasserzone. Die spielerische Erlebbarkeit dieser besonderen Landschaft wird durch die Stufen zur Rems und die Aufwertung des Flussbetts fĂŒr Kinder gefahrenlos ermöglicht.

Der Schillerplatz verfĂŒgt ĂŒber große QualitĂ€ten, der Baumbestand und der renaturierte Götzenbach verleihen dem Platz seine besondere AtmosphĂ€re. Auf diesen Bausteinen baut der Entwurf auf. Eingriffe beziehen sich vor allem auf die rĂ€umliche Ordnung und die Reduktion der OberflĂ€chen und Elemente. Es entsteht ein Ort großer Klarheit und Ruhe. Inmitten der geordneten Strukturen kommen die alten Kastanien und der Götzenbach klar und krĂ€ftig zur Geltung. Ein neuer Weg, der gleichzeitig als Sitzkante zum Götzenbach fungiert, vermittelt zu den sĂŒdlich des BĂŒrgerhauses gelegenen Remsanlagen und gibt ihnen durch die Aufnahme der MaterialitĂ€t des FlussmĂ€anders eine PrĂ€senz am Schillerplatz. Das Kriegerdenkmal wird nach Norden unter die alten KastanienbĂ€ume verlegt und damit rĂ€umlich und atmosphĂ€risch eingebunden. Entlang der August-Wilhelm-PfĂ€ffle-Straße werden die Haltebereiche der Linienbusse und der Schulbusse zusammengelegt. Die FortfĂŒhrung des Platzbelags ĂŒber die August-Wilhelm-PfĂ€ffle-Straße bindet den Schillerplatz fĂŒr FußgĂ€nger an die historische Innenstadt an und fĂŒhrt zu einer Reduzierung der Geschwindigkeit der querenden Fahrzeuge.

Die versiegelten FlĂ€chen des Pausenhofs der Stauferschule werden zugunsten von grĂŒnen RĂŒckzugsrĂ€umen fĂŒr die SchĂŒler im östlichen Teil zurĂŒckgenommen. Ein grĂŒnes Klassenzimmer, BĂ€nke zum Lesen und Tischtennisplatten liegen eingebettet in differenzierten PflanzenbĂ€ndern. Der Sandspielbereich wird vergrĂ¶ĂŸert und mit neuen Spielangeboten ergĂ€nzt.

Durch den Abbruch der disponiblen GebĂ€ude entlang der Schießhausstraße ergibt sich die Möglichkeit, die Stadthalle visuell und ĂŒber ihren neuen Vorplatz an den neuen FlussmĂ€ander anzubinden. Sportler, SchĂŒler und andere Besucher der Stadthalle werden einladend in Empfang genommen. Der Hang im RĂŒcken der Stadthalle wird „repariert“, das GebĂ€ude in einen landschaftstypischen Obstbaumhain eingebettet. Die notwendigen StellplĂ€tze befinden sich ganz selbstverstĂ€ndlich zwischen den ObstbĂ€umen.

Die Realisierung der Baumaßnahme ist entsprechend den gegebenen PrioritĂ€ten abschnittsweise möglich. Der FLUSSMÄANDER als ĂŒbergreifendes und verbindendes Freiraumelement schafft dabei im Vorfeld die Vernetzung und Aktivierung von Schillerplatz, Rems, Stauferschule und Stadthalle – unabhĂ€ngig von der Neugestaltung der jeweils gebĂ€udebezogenen FreiflĂ€chen. Dies ist vermutlich sein grĂ¶ĂŸtes Potenzial.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Verfasser schlĂ€gt zwei grundsĂ€tzliche gestalterische und rĂ€umliche Methoden vor, die Stadt Lorch im Bereich des Schillerplatzes an die Rems zu bringen: Erstens durch einen durchgĂ€ngigen Pflasterbelag, ausgehend von der Innenstadt ĂŒber den Schillerplatz bis hin zur Rems. Zweitens entwickelt der Verfasser mit dem entwurfsnamengebenden FlussmĂ€ander eine gestalterische und rĂ€umlich starke Klammer zwischen dem SĂŒdbereich des BĂŒrgerhauses und dem SĂŒdufer der Rems mit der angrenzenden Staufferschule und der Stadthalle.

Der Schillerplatz hat eine klare auf das BĂŒrgerhaus ausgerichtete Formensprache. Die multifunktionalen AktionsflĂ€chen auf dem Platz sind aus wassergebundenem Belag abgesetzt, der Baumbestand wird grĂ¶ĂŸtenteils erhalten und der Götzenbach in diesem Bereich renaturiert und erlebbar gemacht. Der sĂŒdliche Bereich des BĂŒrgerhauses bleibt in seiner Topographie erhalten und hat durch den Remsstrand und seinen Funktionen einen klaren urbanen Charakter. Durch steile Sitzstufen wird der direkte Kontakt zum Wasser hergestellt. Die Ausrichtung der Stufen und die Ausformulierung und Lage des CafĂ©s werden an dieser Stelle als kritisch gesehen, da der Blickbezug zum Ufer und Spielplatz an der Staufferschule verstellt wird.

Die Anbindung der Schule und der Stadthalle wird ĂŒber den MĂ€ander, als Verteiler, hergestellt und gestalterisch gelungen ausformuliert. Die rĂ€umlich starke Gestaltung des Schulhofes mit MultifunktionsflĂ€che, Gartennischen und Spielplatz zur Rems wird positiv gewertet. Kritisch gesehen wird der undefinierte Übergang zur Innenstadt mit durchlaufendem Bodenbelag. Ebenfalls kritisch gesehen wird die urbane Ausformulierung des Platzes sĂŒdlich des BĂŒrgerhauses, welcher in seiner GrĂ¶ĂŸe nicht angemessen erscheint und den direkte Sichtbezug und die Erlebbarkeit der Rems reduziert.

Im Bereich der GötzenbachmĂŒndung wird das Bachbett renaturiert, aber nicht in das Gesamtkonzept integriert und erlebbar gemacht. Der Steg ĂŒber die Rems kann erhalten bleiben.

Der Entwurf ĂŒberzeugt mit seiner konsequenten Haltung die Stadt rĂ€umlich und funktional an die Rems zu bringen.
Strukturkonzept

Strukturkonzept

Lageplan

Lageplan

Perspektive Sitzstufen am Remscafé

Perspektive Sitzstufen am Remscafé

Schnitt Nordufer Rems

Schnitt Nordufer Rems

Schnitt SĂŒdufer Rems

Schnitt SĂŒdufer Rems

Belagsdetail Schillerplatz

Belagsdetail Schillerplatz