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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2015

Umgestaltung Theodor-Heuss-Platz

ein 3. Preis

Preisgeld: 12.750 EUR

club L94

Landschaftsarchitektur

Sch├╝├čler-Plan

Verkehrsplanung

Erl├Ąuterungstext

Der Theodor-Heuss-Platz ist der zentrale Verkehrsknotenpunkt im Westen von Ulm und ist heute durch ein heterogenes st├Ądtebauliches Umfeld gepr├Ągt. Neben Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen sind es vor allem Wohnquartiere, die im Umfeld des Platzes eine urbane Stadtstruktur ausbilden und den Platz intensiv nutzen. Neben Fu├čg├Ąngern und Radfahrern wird der Knotenpunkt vom ├Âffentlichen Nahverkehr mit Bus und Stra├čenbahn als Umsteigem├Âglichkeit genutzt. Zudem ist die Kreuzung mit ihren 6 Stra├čen extrem vom motorisierten Individualverkehr belastet. Die verkehrliche Funktion des Platzes stand bis dato immer im Vordergrund, so dass es keine qualit├Ątsvollen Aufenthaltsbereiche gab, die ihm die M├Âglichkeiten gegeben h├Ątten, als kommunikativen Quartiersplatzes mit eigener Identit├Ąt zu fungieren.

Konzept
Das landschaftsarchitektonische Konzept nutzt die B├╝ndelung und Neustrukturierung der verkehrlichen Fl├Ąchen zu einem Kreuzungspunkt, der die historische Raumkonfiguration des Platzes von 1926 aufgreift und neu interpretiert. Die B├╝ndelung der Fahrbahnen und die Verlegung der Haltestellen in die Seitenr├Ąume generiert zwei gro├čz├╝gige Platzbereiche, die als qualit├Ątsvolle Freir├Ąume sowohl eine urbane Raumsituation mit angenehmen Aufenthaltsbereichen schaffen, als auch aus der verkehrlichen Wahrnehmung in der Weststadt einen zeitgem├Ą├čen Platzraum mit starker Identit├Ąt und Strahlkraft generieren. Die Dualit├Ąt der beiden gr├╝nen Platzseiten erh├Ąlt ihren Reiz aus den beiden Gestaltungsthemen Bl├Ątterdach und Staudenkissen. W├Ąhrend der Aufenthalt unter dem Kastanienhain vor allem in hei├čen Sommertagen eine hohe Aufenthaltsqualit├Ąt verspricht, ist das bl├╝hende Staudenkissen vor allem von seinen R├Ąndern aus zu bewundern und bezaubert mit seinem Duft und den g├Ąrtnerischen Assoziationen den ansonsten eher emotionslosen steinernen Stadtraum.
Landschaftsarchitektonischer Entwurf
Der Theodor-Heuss-Platz wird auch in Zukunft die verkehrlichen Anforderungen des wichtigen Knotenpunkts im ├ťbergang von der Weststadt nach S├Âflingen erf├╝llen. Dementsprechend sind seine Seitenr├Ąume zwar etwas gro├čz├╝giger ausgebildet aber dennoch werden hier auch die n├Âtigen Fahrradwege, L├Ąngsparker, Ein- und Ausfahrten und die Beleuchtungs- und Abspannungsmasten untergebracht werden m├╝ssen. Hier verfolgt der Entwurf das Ziel, einen offenen und ├╝bersichtlichen Verkehrsraum zu schaffen, der durch seine klare Struktur die Qualit├Ąt des Platzes verbessert.
Kastanienhain
In den zwei gro├čen ├Âffentlichen Platzfl├Ąchen schafft es der Platz aber vorrangig seinem Anspruch als Quartiersplatz mit eigner Identit├Ąt gerecht zu werden. Im ├Âstlichen Platzbereich vor der markanten Platzkante zwischen S├Âflingerstr. und Wagnerstr. wird unter Einbeziehung der wertvollen Kastanien ein Baum ├╝berstelltes Feld aus wassergebundener Decke geschaffen, das wie ein Biergarten von den Bewohnern der angrenzenden Quartiere belebt wird. In der Mitte des Platzes steht ein Brunnen, der von den unterschiedlichen Laufwegen gestreift wird und zu einem kurzen Halt auf der umlaufenden Bank einl├Ądt. Nachts kann das Objekt beleuchtet sein und sowohl von den Menschen am Platz, als auch von den vorbeifahrenden Verkehren, als interessanter Akzent wahrgenommen werden. Der Platz ist mit einigen M├Âbeln ausgestattet, die dem Motiv des ber├╝hmten Ulmer Hockers folgen. Zus├Ątzlich kann der Platz mit kleinen Spielelementen ausgestattet werden, die auch den kleinen Besuchern einen kurzen Spa├č bereiten werden.
Gr├Ąser- und Staudenkissen
Im Kontrast zum Baum ├╝berstellten Platz auf der Ostseite ist der westliche Bereich als niedrige, ├╝berschaubare Gr├╝nfl├Ąche konzeptioniert. Nicht zuletzt weil hier das Bahngleis durchgef├╝hrt ist und das Gefahrenpotential durch B├Ąume und eine potentielle Un├╝bersichtlichkeit minimiert werden soll. Der offene Platzbereich ist den Sonnenanbetern vorbehalten, die auf den R├Ąndern der Skulptur sitzen und Pause machen k├Ânnen. Das Gr├Ąser-und Staudenkissen soll das ganze Jahr ├╝ber ein stimmungsvoller Blickpunkt sein, der mit seinen Bl├╝ten eine Assoziation zu den alten gr├╝nderzeitlichen Schmuckanlagen aufbaut.

Verkehrsregelung Knotenpunkt S├Âflinger Stra├če / Einstein- / Wagnerstra├če, MIV und Strab:
Die beiden Hauptverkehrsachsen ÔÇ×S├Âflinger Stra├čeÔÇť sowie ÔÇ×Einstein- / Wagnerstra├čeÔÇť werden in einem 4-armigen Knotenpunkt zusammengefasst. Hierbei erh├Ąlt die S├Âflinger Stra├če eine gemeinsame Signalisierung (Blocksignal), der Rechtsabbieger erh├Ąlt zus├Ątzlich einen Pfeil mit der Schaltung Gr├╝n / Dunkel. Es ist dadurch m├Âglich, in der Regel den Fu├čg├Ąnger bedingt vertr├Ąglich zu f├╝hren.
Die Einstein- / Wagnerstra├če erh├Ąlt eine separate Signalisierung f├╝r die Linksabbieger.
Somit wird der Knotenpunkt ├╝ber eine erweiterte und verkehrsabh├Ąngige 3-Phasen-Regelung gesteuert.
Die Stra├čenbahn aus der Wagnerstra├če erh├Ąlt ├╝ber Anforderung vorrangig Einfahrt in die Haltestelle, in dem Sie die Wagnerstra├če sperrt und vor dem MIV in die Haltestelle zieht. Hierbei wird die Wagnerstra├če im Haltestellenbereich ebenfalls in den Knoten hinein freigegeben, so dass der Haltestellenbereich ger├Ąumt wird. Nach dem Fahrgastwechsel erm├Âglicht eine weitere Stra├čenbahn-Phase die z├╝gige Weiterfahrt in die S├Âflinger Stra├če West.
Die Stra├čenbahn aus der S├Âflinger Stra├če erh├Ąlt ├╝ber Anforderung ebenfalls vorrangig Einfahrt in die Haltestelle.

Busverkehr: In der Regel k├Ânnten ggf. geplante Buslinien ebenfalls ├╝ber die Stra├čenbahnhaltestellen verkehren. Nicht ├╝ber die Haltestelle verkehrende Linien (z.B. eine Verbindung von und in die S├Âflinger Stra├če) ist in den Zul├Ąufen am Fahrbahnrand anzuordnen.

Radfahrer: Der Radfahrer wird grunds├Ątzlich im Seitenraum und auf Einrichtungsradwegen gef├╝hrt. Er ist daher an einigen Stellen signalisierungsfrei f├╝hrbar (z.B. an Furten). An den signalisierten ├ťberg├Ąngen ist es m├Âglich, den Radfahrer an den entsprechenden Furten entweder mit dem Fu├čg├Ąnger oder auch mit eigenem Radfahrerabfahrtsignal ├╝ber die Furten zu f├╝hren.

Fu├čg├Ąnger: Die Fu├čg├Ąnger erhalten an den Furten in der Regel eine Aufstellung an der Fahrbahnkante zwischen MIV und Radfahrer. Dadurch sind die Konflikte mit dem Radfahrer und die ├ťberwegs- / R├Ąuml├Ąnge reduziert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Bewertung zum historischen Stadtplan von 1926 mit den stadtbildpr├Ągenden Pl├Ątzen wird im Entwurf wieder aufgenommen und ├╝berzeugt.

Die Raumkanten des Ideenteils sind Konsequent in das Stadtbild eingef├╝gt. Die Raumkanten der S├Âflinger Stra├če und Wagner- /Einsteinstra├če werden aufgenommen. Die leichte R├╝cknahme der Bauflucht gegen├╝ber der Wagnerstra├če wird durch die Verbreiterung der Gehwegfl├Ąchen positiv gewertet. Der dadurch entstehende Platzbereich wirkt dahingehend eher n├╝chtern.

Die beiden entstehenden Pl├Ątze im Osten und Westen werten den Stadtraum positiv auf. Der ├Âstliche Platz besticht durch die Begr├╝nung mit Gro├čb├Ąumen. Die Baumsorten bed├╝rfen einer ├ťberpr├╝fung. Die wassergebundene Decke und der Brunnen bieten Qualit├Ąten, sind jedoch im Unterhalt aufw├Ąndig.

Der westliche Platz mit dem gr├╝nen Sitzkissen ist von der Idee interessant, wird jedoch von den Betriebsgleisen durchschnitten und weist dadurch deutliche Schw├Ąche auf. Der Platz k├Ânnte besser genutzt werden, er wirkt st├Ądtebaulich leer.

Die durchgehende Baumreihe in der S├Âflinger Stra├če, Einsteinstra├če und Wagnerstra├če sind in ihrer Erscheinung zu dominant und wirken unangemessen.

Die Stra├čenverkehrsfl├Ąchen werden auf ein Minimum reduziert. Die Seitenr├Ąume werden deutlich aufgewertet und erhalten gro├čz├╝gigere Fl├Ąchen.

Die Stra├čenbahnhaltestelle wird in der Wagnerstra├če an die Gehwegkante verlegt, die Gleisanlagen werden gleichzeitig vom Kfz-Verkehr genutzt. Die gemeinsame Signalisierung der Haltestelle mit dem Kfz-Verkehr ist aus der Fahrtrichtung S├Âflinger Stra├če Ost und Einsteinstra├če in die Wagnerstra├če problematisch. Die Zufahrt zur Moltkestra├če ist in der dargestellten Form nicht m├Âglich. Die Machbarkeit des Gesamtkonzepts h├Ąngt an der neuen Stra├čenbahnhaltestelle, ein verkehrlicher Nachweis mit der Stra├čenbahnhaltestelle fehlt.

Die Fu├čg├Ąnger werden ├╝berall auf kurzem Wege gef├╝hrt, die Haltestelle ist gut erreichbar. F├╝r die Radfahrer sind in allen Hauptachsen eigenst├Ąndige Radwege vorgesehen, die Radwegf├╝hrung ist gut durchdacht.

Die im Knotenpunktbereich geplanten L├Ąngsparkst├Ąnde k├Ânnen zum Erhalt der Verkehrsqualit├Ąt nicht realisiert werden.

Insgesamt ist der Entwurf st├Ądtebaulich interessant und bietet Potenzial f├╝r die Entwicklung. Die R├╝ckf├╝hrung zum historischen Konzept ist ein vielversprechender Ansatz. Es erfolgt eine ausgewogene Aufteilung der Fl├Ąchen auf die verschiedenen Nutzungen. Die Atmosph├Ąre des Gesamten st├Ądtischen Raums kann nicht ├╝berzeugen, die Setzung der B├Ąume im Platzbereich reicht hier nicht aus.