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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026

Umgestaltung und Aufwertung Burgberg und Umfeld Burg Klopp in Bingen

Perspektive
6

Perspektive

3. Preis

SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Landschaftsarchitektur

landstrich – zeichnung & visualisierung

Visualisierung

Erläuterungstext

Viele Orte werden eins: Eine Runde um die Burg

Die Wein- und Obsthänge am Burgberg werden zum verbindenden, sinnlichen Motiv der behutsamen (Weiter-)Entwicklung der Freiräume. Mit der neuen, barrierearmen „Weinschleife“ entsteht ein auf den Bestand abgestimmtes Wegenetz, das durch abwechslungsreiche Vegetationsräume zu neuen Spiel- und Aufenthaltsorten führt, mit immer wieder eindrucksvollen Aussichten über Bingen bis in den Rheingau und das Mittelrheintal.


Der Burghof als zentraler Ort der Anlage wird mit einem durchgehenden, hellen Pflasterbelag und einer großen, zentralen Rasenfläche beruhigt.
Unterhalb des Burghof wird die Burgspange zwischen dem abgesenkten Bereich an der Kapelle im Norden und der Riedel Ruhe neu strukturiert. Es entsteht ein Band ganz unterschiedlicher Sitzplätze und Ausblicke, eingebettet in ruhige Pflanzbereiche.
Der neue „Weinbergspielplatz“ greift das Thema spielerisch auf. Überdimensionale Weinreben, Trauben, Holzfässer und Dauben bilden vielfältige Spielobjekte.
Von repräsentativen Rosenpflanzungen im Burghof, die an Hildegard von Bingen erinnern, über charaktervolle Schattenstauden im Burggraben bis zu artenreichen Wiesenmischungen unter dem Streuobst am sonnigen Südhang spiegelt die Vegetation die vielfältigen Atmosphären der Orte am Burgberg.

Verfasser: AW Faust, Jakob Trzebitzky
Mitarbeit: Maria Horn, Kristof Wesenberg, Hanna Winkler, Hong Yu, Carol Zaki, Zixi Zhao

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser:innen formulieren ein klares Raumkonzept. Der Burghof wird von einem Ring lichterer Vegetation eingefasst, der an den offenen Charakter der Bestandsvegetation anknüpft. Die anschließenden Böschungen gliedern sich in den Weinberg im Süd-Süd-Westen und ein frei gesetzte Streuobstwiese im nördlichen Teil, die in den Spielbereich übergeht. Der atmosphärische Wechsel erfolgt an der bestehenden und weitgehend zurückgebauten Treppe und greift damit plausibel historische Bezüge auf. Die Wiederherstellung der Wege im Burggraben wird grundsätzlich positiv bewertet. Die Aufweitung der Terrasse im nördlichen Teil des Grabens wird dagegen in Frage gestellt und kann auch mit der vorgeschlagenen Möblierung nicht überzeugen. Der Burghof als Kern des Areals hat eine nachvollziehbare Aufteilung und verschränkt befestigte und unbefestigte Bereiche in einem ausgewogenen Maß. Der Spielbereich überzeugt in seiner Lage zum Burggraben orientiert und eingebunden in die lockere Baumstellung. Auch das Ausnutzen der starken Topografie für den Spielwert wird positiv gesehen. Um tatsächlich eine überregionale Anziehungskraft zu entfalten wird die Maßstäblichkeit allerdings als zu klein eingeschätzt. Die titeltragende Erzählung des „Spielplatzes am Weinberg“ wirkt angesichts der klaren räumlichen Zuordnung und dem Weinberg, gerade auf der anderen Seite der Burg, wenig überzeugend. Die Übergänge in den städtischen Kontext werden nicht durch weitere Zugänge ergänzt. Trotzdem gelingt der Arbeit durch die „Winzerterrasse“, im Übergang zum Franz-Neff-Platz, eine spürbare Aufwertung der Schnittstelle zwischen Burgumfeld und Stadt. Als wichtigster Zugang zur Burg ist die Aufweitung eine starke Setzung, die im Alltag und bei Veranstaltungen, einen deutlichen Mehrwert bietet, wenngleich die Ausformulierung nicht in allen Details überzeugt. Der Friedrich-Ebert-Platz als grüner Stadtplatz wird in seiner Geste kritisch diskutiert. Die Aufenthaltsqualität und Spielangebote, die unmittelbar an den Parkplatz anschließen, wirken im Vergleich zu den Qualitäten des Burgareals als zu schwach um einen eigenständigen Charakter zu etablieren. Das Thema der Barrierefreiheit oder Barrierearmut wird durch die Entwurfsverfasser*innen zu wenig gewürdigt. Das Restaurant ist vom Parkplatz Mariahilf-Straße nicht barrierefrei erreichbar, der Spielbereich und das Umfeld sind nicht barrierearm zu erreichen. Um Ausgrenzung von Menschen mit eingeschränkter Mobilität Teilhabe an öffentlichem Raum zu ermöglichen, bietet die Arbeit zu wenig Perspektiven. Der Auftakt am Parkplatz Maria-Hilf-Straße zoniert sinnvoll in einen befahrbaren Bereich und einen Auftakt, der für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gedacht ist. Die Maßstäblichkeit des Platzes ist angemessen. Die erforderliche Anzahl an Stellplätzen wird nachgewiesen. Die Kosten bewegen sich im vorgegebenen Rahmen. Die Arbeit stellt sowohl gesamthaft als auch in einigen Teilbereichen einen wertvollen Beitrag für die gestellte Aufgabe dar.
Lageplan M 1:500

Lageplan M 1:500

Lageplan M 1:500 Nord

Lageplan M 1:500 Nord

Lageplan M 1:500 Süd

Lageplan M 1:500 Süd

Schnitt 1

Schnitt 1

Schnitt 2

Schnitt 2