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Wettbewerblicher Dialog | 06/2025

Umgestaltung Verkehrsanlagen und öffentliche Räume für die Neue Mitte Südost in Erfurt

Lageplan
12

Lageplan

4. Rang

KRP Architektur GmbH

Architektur

VIC | Verkehrs- und Ingenieurbau Consult GmbH

Verkehrsplanung

EiSat GmbH, Engineered Structures

Tragwerksplanung

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Das neue Brückenbauwerk zwischen Wiesenhügel und Herrenberg in Erfurt überwindet nicht nur einen topografischen Einschnitt, sondern schafft eine neue Mitte für zwei bisher getrennte Stadt-quartiere. Die Brücke ist kein bloßes Verkehrsbauwerk, sondern ein begehbarer Freiraum, ein verbindender Ort mit eigenständiger Identität.

1. Neue Wege
Über Stege, Aufzüge und barrierefreie Wege wird der Talraum aktiviert – als Treffpunkt, Aufenthaltszone, Spielort, Aussichtspunkt und grünes Rückgrat. Die Brücke verwebt Stadt und Landschaft, Höhen und Tiefen, Quartiere und Freiräume.
Der „Höhenweg“ wird dabei zum städtebaulichen Zeichen, das weithin sichtbar die neue Mitte markiert. Seine filigrane Fachwerkkonstruktion interpretiert klassische Brückenarchitektur neu – transparent, leicht, durchgrünt. Rankpflanzen verwandeln das Tragwerk in ei-ne begehbare Gartenskulptur.
Zentraler Ort ist ein neuer Stadtplatz, der verschiedene Programme bündelt: Straßenbahn, Café, Sporthalle, Spiel- und Grünflächen.
Die Ebene 01 verbindet rollstuhlgerecht die Promenade vor dem Herrenberg Zentrum
mit dem neuen Stadtplatz.
Der Höhenweg führt von beiden Talseiten direkt zum neuen Stadtplatz.
Die Brücke schafft dabei nicht nur Zugang, sondern Raum.
Aufenthaltsnischen, Balkone mit Aussicht, Spielzonen und sogar eine „hängende Spielterrasse“ über der Sporthalle zeigen das Potenzial vertikaler Freiräume.

Im Zuge der „Neuen Mitte Südost“ wird die bisher autozentrierte Kreuzung Kranichfelder Straße / Haarbergstraße zu einem multimodalen Stadtbaustein umgebaut. Bestehende Rampen- und Brückenelemente werden zurück gebaut, der Straßenraum neu organisiert: Weniger Fahrspuren, mehr Raum für Menschen.
Der Entwurf denkt Freiraum, Infrastruktur und Architektur zusammen. Bestehende Wege und Plätze werden eingebunden, neue Räume wie die „Spielterrasse“ oder der „Wolkenbügel“ erweitern das Angebot mit Rückzugsorten, Bewegungsflächen und Panoramablicken.
Herzstück ist ein neuer Kreisverkehr, der den Kfz-, Rad- und Straßenbahnverkehr effizient verknüpft. Die neue Straßenführung orientiert sich an der Höhe der Straßenbahntrasse, (also auf einer Ebene) was Barrieren reduziert und eine städtebauliche Verzahnung schafft.
Die neue Straßenbahnhaltestelle wird zentral zwischen Kaufland und Stadtplatz positioniert und bietet eine direkte Anbindung an die Brücke vom Platz aus. Sichere Querungen sind inklusive. Begleitend entstehen durchgängige Rad- und Fußwegeverbindungen sowie barrierefreie Haltepunkte für Bus und Schienenersatzverkehr.

Das Ergebnis ist ein übersichtlicher, klar strukturierter Verkehrsraum mit Fokus auf Aufenthaltsqualität, Sicherheit und multimodale Nutzung. Statt reiner Funktion entsteht ein vielfältiges, nutzbares Raumkontinuum – offen, durchlässig, mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Brücke wird zur Adresse, zur Promenade, zum Erfurter Skyline. Ein Ort für Begegnung, Bewegung, Nachbarschaft. Kein Verkehrsweg, sondern ein Stück Stadt.

2. Das vielschichtige Stadtraumerlebnis / Verschmelzung von Bebauung und Freiraum

Das Brückenbauwerk wird selbst zu einem wichtigen Freiraum. Aufenthaltsbereiche mit Bänken, Aussichtpunkten, Spiel- und Sportangebote sind in das Bauwerk integriert und lassen so einen multicodierten, dreidimensionalen Freiraum entstehen. Gleichzeitig wird das Brückenbauwerk zu einem mehrgeschossigen, vertikalen Garten. Stark wüchsige Ranker wie Wein oder einjähriger Hopfen nutzen die Konstruktionsstruktur als Rankhilfe und verwandeln das Bauwerk in eine grüne Gartenskulptur.

3. Das Tragwerk: Effizient, nachhaltig, wartungsarm

Das Brückenbauwerk ist als durchgängige Stahlkonstruktion mit einem modularen Raster von 4,40 m konzipiert. Es verbindet Ingenieurbau und architektonische Gestaltung zu einem leichten, funktionalen Tragwerk, das die Topografie effizient überwindet und dabei neue Räume schafft.

Die Tragstruktur basiert auf filigranen Fachwerkrahmen aus Stahlprofilen (S355/S460N), ergänzt durch orthotrope Gehbahnplatten mit integrierter Entwässerung. Die leichte Bau-weise reduziert Eingriffe in den Bestand und ermöglicht große Spannweiten bei geringer Bauhöhe. Die Haupttragelemente werden werkseitig vorgefertigt und vor Ort montage-freundlich zusammengesetzt – kurze Bauzeiten und minimale Verkehrsbeeinträchtigung inklusive. Das Tragwerk ist wartungsarm ausgeführt, mit festem Aussteifungspunkt am zentralen Baukörper (Café/Erschließungskern). Thermische Längenänderungen werden durch gleitende Lagerung an den Widerlagern aufgenommen.

Das Tragwerk ist anpassungsfähig und weist eine hohe Transparenz auf. Dies führt zu einer erhöhten sozialen Sicherheit. Der Rahmen ist gleichzeitig Träger der Rankhilfe und der Beschattungselemente.

4. Materialkonzept

Die gewählten Materialien sind zu 100 % recycelbar. Die Konstruktion ist langlebig, modular rückbaubar und durch geeignete Beschichtungssysteme dauerhaft geschützt. Entwässerung, Oberflächenschutz (besandeter Epoxidbelag) und Begrünung sind in das Gesamtkonzept integriert.

5. Die Positionierung der räumlichen Struktur

Allein durch die Positionierung des Tragwerks bzw. Bauwerks, das wir ohnehin für die Wege benötigen, entstehen neue Raumkanten und eine Neudefinition von Plätzen und Freiräumen. Das Bauwerk strukturiert die Freiräume somit neu.
Orte zum Verweilen, für spontane Begegnungen, für Sport, zum Gärtnern, Orte mit Aussicht.
Sobald man einen Fuß auf das Bauwerk setzt, sei es beim Auftakt am Herrenberg, am Wiesenhügel oder am Stadtplatz, befindet man sich bereits in der Neuen Mitte.

Die Orte, seien es die Neuen Räume am und im Bauwerk, die bestehenden Bauten (STZ + Sporthalle) oder die angebundenen Freiräume, werden gleichermaßen zu einem neu strukturierten Ganzen zusammengeführt.
Die bestehenden Gebäude und Orte werden nicht nur miteinander verbunden, sondern auch aufgewertet und neu inszeniert.

6. Der „offene Garten

Der "Offene Garten" wird durch einen Arkadengang neu eingerahmt. Unter dem Höhen-weg im Bereich des offenen Gartens entstehen Arkaden mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Sitzstufen im Hang bilden eine ideale Tribüne für Veranstaltungen oder ein Sommerkino.

Die Atmosphäre des Gartens ist eine Neuinterpretation eines Kreuzgangs mit Kräutergar-ten. Im Gegensatz zum Hauptplatzbereich entsteht hier ein Rückzugsort, eine grüne Oase für Urban Gardening oder Entspannen im Grünen. Der Garten wird durch Bewegungselemente wie Calisthenics oder ein Ninja Parcours zur Entwicklung motorischer Fähigkeiten unter der Brücke gefasst.

7. Stadtplatz

In einem heterogenen Umfeld vermittelt der Platz zwischen Großkubaturen wie dem Kaufland und beschaulichen grünen Räumen wie z.B. dem Friedhof. Der multifunktionelle Ort kombiniert einen straßenübergreifenden Platz, der die Straßenbahnhaltestelle, eine Skater-Insel, ein Café, die Sporthalle, Sitzgelegenheiten, Grüninseln und den Aufgang zum Höhenweg verbindet.

Eine grüne Garteninsel schirmt den Platz von der Straße ab und schafft einen intimeren Bereich für Außengastronomie. Gestufte Stauden- und Gehölzpflanzungen bilden das grüne Volumen der Garteninsel. Ein Betonsitzrand lädt zum kurzen Verweilen auf dem Platz ein. Die Garteninsel bildet den Auftakt eines Promenadenbandes entlang des Friedhofs.

Eine Skateanlage sowie Pflanzinseln mit Stauden und Bäumen begleiten die Kranichfelder Straße, vermitteln im Straßenraum zwischen Friedhof und Straße und leiten zum Platz Am Sibichen über.

8. Das Café

Das Café, das sich klein aber fein präsentiert, ist der kulinarische Treffpunkt der Anlage.

Die Architektur des Cafés lässt sich als eigenständige Interpretation des Genres Gartenpavillon/Orangerie in einem botanischen Garten begreifen. Es dient gleichzeitig als neue Eingangshalle für die bestehende Sporthalle. Somit ist die Sporthalle direkt vom neuen Stadtplatz aus begehbar. Sie kann als Foyer mit gastronomischem Angebot verstanden werden.

Die frei vermietbare Fläche könnte als neuer Standort des ortsansässigen Gartencafés, als Dependance einer der lokalen Röstereien oder einem anderen Nutzungszweck dienen.

9. „Höhenweg“

Die Konstruktion des Höhenwegs fungiert nicht nur als verbindender Steg, sondern stellt einen qualitätvollen Ort an sich dar. Die variierenden Breiten der Stege bieten Platz für Sitzgelegenheiten, die Ausblicke auf verschiedenen Ebenen in Richtung Stadt ermöglichen.

Auffächernde Balkone mit Sitztribünen bieten gezielte Ausblicke über den Sportplatz am Kaufland und in den Grünzug nach Osten. Die vorgesetzte Konstruktion, die an ein Spalier erinnert, dient nicht nur als Absturzsicherung, sondern fungiert auch als Rankhilfe für die Pflanzen, die an das Bauwerk heranwachsen.

Die Kombination der pergolaartigen Verschattungselemente mit den saisonalen Pflanzen macht den Höhenweg im Hochsommer zu einem schattigen und im Winter zu einem sonnendurchfluteten Ort mit hoher Aufenthaltsqualität.

10. Auftakt Herrenberg

Das Stadtviertel Herrenberg wird durch die Brücke auf zwei Ebenen angebunden: Die obere Brückenebene schließt an die Stielerstraße an. Ein kleiner Platz bildet hier den Auftakt. Die untere Ebene der Brücke schließt auf halber Höhe an die Promenade Herren-berg-Zentrum an.

11. Promenade ehemaliges Großes Herrenbergcenter „Aktives Band“

Die Promenade bindet das Herrenbergcenter barrierefrei an den Stadtplatz an und ist ein wichtiger Impulsgeber für eine neue Nutzung des ehemalige Großen Herrenbergcenters. Sie verbindet die Schule und den Kindergarten im Osten mit dem neuen Stadtplatz und dem Sportplatz auf dem Dach von Kaufland. Die Promenade wertet das Große Herrenbergcenter auf und bindet es in das Gesamtkonzept ein. Die Promenade ist mit Sitzgelegenheiten ausgestattet und verfügt über Aktivitätsinseln mit Bewegungselementen.

12. Die Spielterrasse

Die Spielterrasse ist eine leichte, nahezu schwebende Konstruktion, die über der Sporthalle angeordnet ist. Sie ist in drei multifunktionale Bereiche unterteilt. Diese sind in das Tragwerk integriert und nutzen die bestehenden versiegelten Flächen doppelt. Die Konstruktion ist robust, raumbildend und flexibel nutzbar. Die Spielterrasse eignet sich für eine Vielzahl von Sportarten wie Fußball, Basketball, Handball, Skateboarding, Klettern und vieles mehr.

13. Auftakt Wiesenhügel

Ein neuer Platz auf dem ehemaligen Wendehammer wird zum Auftakt für die Brücke weiterentwickelt. Die derzeitige Treppe wird hier auch weiterhin erhalten. Die Topografie des Hanges wird genutzt um einen barrierefreien Weg als Alternative zu Brücke und Aufzug anzubieten. Bereits bestehende Wege werden aufgegriffen, saniert und angepasst. Der Weg führt wie aus einer Waldlichtung über die Brücke auf den Stadtplatz zu.

14. Freizeitflächen am Paulinzeller Weg

Am Fuß des Wiesenhügels entsteht ein neuer Spielplatz. Zwischen dem Baumbestand fügt sich eine Spiellandschaft aus EPDM ein. Ein Basketballkorb und Tischtennisplatten bieten hier ein generationsübergreifendes Spiel- und Sportangebot. Eine Sitztribüne wird zum attraktiven Verweilort. Der Spielplatz ist über einen kleinen Platz direkt an die Straßenbahnhaltestelle angebunden.

15. Der hochpunkt

Von weither wird das neue Brückenbauwerk als städtebauliches Zeichen der Neuen Mitte sichtbar sein. Zeichenhaft ist es auch als stadtraumbildendes Element, das Teil der Skyline von Erfurt Ost wird. Der Wolkenbügel/Skybar, ist eine einfach verglaste Aussichtsplatt-form ohne Dach. Die Verglasung dient als Windschutz. Es befindet sich auf der höchsten Ebene der Anlage, ca. 20 Meter über dem Stadtplatz (+261,3 m), und ermöglicht eine Aussicht in alle Himmelsrichtungen.

Die Auskragung Richtung Stadt bietet nicht nur mehr Platz im Bereich der vermeintlich besten Aussicht, sondern vermittelt architektonisch einen Bezug zur Innenstadt und markiert die stadtbildprägende Vertikale.

16. Zusammenfassung

Mit dem „Höhenweg“ schlagen wir nicht nur eine Brücke zwischen zwei Stadtteilen, sondern öffnen einen neuen Raum für Bewegung, Begegnung und Miteinander.
Die Neue Mitte Südost versteht sich nicht als Einzelmaßnahme, sondern als städtebauliches Versprechen: für Verbindung statt Trennung, für gemeinschaftliche Räume statt Restflächen, für eine Stadt, die mitwächst – in die Höhe, in die Tiefe und vor allem: zusammen.
Unser Entwurf ist funktional, nachhaltig und robust. Aber vor allem ist er offen – für Menschen, für Ideen, für Stadtleben.

NEUE WEGE
NEUE ORTE
NEUE MITTE


Beurteilung durch das Preisgericht

Gesamtlösung / Städtebau
Mit seinem linearen orthogonalen Raumgerüst für den Höhenweg setzt die Arbeit ein zentrales bauliches Volumen und definiert damit die neue städtebauliche Mitte des Erfurter Südostens zwischen Wiesenhügel und Herrenberg. Dabei wird die vorhandene Sporthalle durch die Fachwerkkonstruktion autark überspannt und schafft damit neue großzügige Freiraumbereiche für Sport, Spiel, Bewegung und Begegnung über die eigentliche Stadtplatzebene hinaus. Diese Symbiose aus Bestand, neuem Bauvolumen und Freiraum auf der Ebene +1 trägt der Philosophie Rechnung, dass der Höhenweg nicht nur als reines Verkehrsbauwerk wahrgenommen werden soll, sondern als erweiterter öffentlicher Raum.

Die zusätzliche Überhöhung als verglaste Aussichtsplattform wird als künstlich wirkender Topos interpretiert, der ohne belebende Funktion und ohne klimatische Unterstützung in kurzer Zeit seine Anziehungskraft verlieren wird.

Die Fokussierung auf die Überbauung der Sporthalle schafft Raum für Platzflächen und verknüpft die Bestandgebäude in der zweiten Reihe mit Friedhofspark, STZ und Herrenberg Center. Wenngleich das neue Raumgefüge dem Stadtplatz eine markant bespielte Fassade anbietet, vermag das stark versiegelte Platzgefüge davor nicht die Freiraumqualitäten zu erfüllen die zukünftig als Maßstab für den städtebaulichen Transformationsprozess stehen soll.

Das Leitbild dieses konzeptionellen Entwurfsansatzes setzt ein hohes Maß an städtebaulicher und sozialer Akzeptanz seines umgebenden urbanen Raumes und seiner Bevölkerung voraus, was im Preisgericht überwiegend kritisch bewertet wird. Darüber hinaus wird in diesem Zusammenhang der Umgang mit Angsträumen und Vandalismuspotential kritisch erörtert.

Insgesamt kann aus städtebaulicher Sicht der umgebende Freiraum zur Dominanz des Raumgerüstes nicht als äquivalentes Pendant identifiziert werden. Auch im Hinblick auf den Herstellungs- und Unterhaltungsaufwand wird die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt.

Verkehrslösung
Der Entwurf von Team 02 ist hinsichtlich der verkehrlichen Aspekte nur sehr oberflächlich durchgearbeitet. Es werden zahlreiche potenzielle Konfliktpunkte erkannt, die im weiteren wahrscheinlich nur teilweise abstellbar wären. Besonders verkehrlich problematisch (und freiräumlich nur unzureichend begründet) ist der große verkehrsberuhigte Bereich am Stadtplatz über die Kranichfelder Straße hinweg. Durch die fehlenden Sicherungen der Querungen ist ein Mindestmaß der Barrierefreiheit nicht gegeben. Es besteht eine große Gefahr der Behinderung der Straßenbahn und die dargestellte Trassierung der Straßenbahn erscheint fraglich.

Die bestehende Kaufland-Erschließung wird entfernt, ohne eine funktionsfähige Ersatzvariante anzubieten.

Insgesamt erscheint der Entwurf in Bezug auf die zahlreichen Einzelaspekte nicht befriedigend weiterentwickelt werden zu können. Da teilweise unterschiedliche Aussagen und Pläne zu verschiedenen Sachverhalten vorlagen, ist eine abschließende Bewertung schwierig.

Freiraum
Das südlich der Turnhalle vorgesehene Platzangebot ist sehr großzügig dimensioniert. Der Platz zieht sich um die Turnhalle herum, was eine große städtebauliche Geste darstellt und grundsätzlich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten eröffnet.

Diese weitläufige Ausdehnung wird jedoch auch kritisch betrachtet, da sie durch eine „grosse Fuge“ im Straßenraum den Talraum zerschneidet. Die Dimensionen erscheinen überzogen und führen zu einer räumlichen Zergliederung des gesamten Bereichs.

Der nördliche Teil des Areals wird durch das sogenannte „Aktive Band“ aus dem Rahmenplan begrenzt. Diese Setzung wird in ihrer Größe und Ausformulierung als unzureichend ausformuliert wahrgenommen. Auch die reduzierten Ankunftsflächen tragen dazu bei, dass ein klar definierter, einladender Auftakt fehlt. Hinzu kommt, dass große Teile des restlichen Freiraums im Entwurf nicht weitergestaltet wurden, was eine Bewertung ihrer Qualität und Nutzbarkeit erschwert.

Die Idee eines offenen Gartens als verbindendes Element zwischen dem Stadtteilzentrum und der Turnhalle wird grundsätzlich positiv eingeschätzt. Sie stellt ein sinnvolles räumliches Bindeglied dar. Problematisch ist jedoch seine Lage im permanenten Schlagschatten der Turnhalle, was die Aufenthaltsqualität deutlich mindert und das Potenzial dieses Raums einschränkt.

Im südlichen Bereich entlang der Bahngleise sind nur sehr wenige Angebote vorgesehen. Diese geringe Nutzungsdurchmischung wird kritisch bewertet, da hier wertvolles Potenzial für aktivierende und belebende Stadträume nicht ausgeschöpft wird.

Die architektonischen Elemente des Entwurfs zeigen eine deutliche Dominanz, die das Zusammenspiel mit dem öffentlichen Raum stark beeinflusst. Diese bauliche Präsenz überlagert in großen Teilen die Freiraumplanung und steht im Widerspruch zur Idee eines offenen und durchlässigen Stadtraumes mit vielfältigen Platzqualitäten.

Ein besonders schwerwiegender Kritikpunkt betrifft die fehlende Berücksichtigung klimatischer und nachhaltiger Gestaltungsprinzipien. Aspekte wie Beschattung, Regenwassermanagement, klimaangepasste Bepflanzung oder hitzemindernde Materialien sind nicht erkennbar. In einem stark versiegelten, großflächigen Bereich wäre eine klimaresiliente Planung jedoch unabdingbar, um langfristig tragfähige Stadträume zu schaffen.

Ingenieurbau / Höhenweg
Stärken:
  • Verbindungsfunktion zwischen Wiesenhügel und Herrenberg über kurze, sachlich gehaltene Wegeführung im Fachwerkstil,
  • Bündelung von Wegeverbindungen zum Stadtplatz/Verkehrsanbindung und Einordnung von Sport- und Freizeitfunktionen („begehbarer Freiraum“),
  • Verweilmöglichkeiten im Bereich des Verknüpfungsbauwerkes, inkl. höher gelegener Aussichtsplattform,
  • umbaute Turnhalle lässt mehr Raum für Platzfläche.

Schwächen:
  • Brücke nicht als solches im Ganzen wahrnehmbar, eher Stege an Multifunktionsgebäude,
  • Ästhetik tritt hinter Funktionalität zurück,
  • Fachwerkumhüllte Stege wirken eher tunnelartig,
  • Umgang mit Angsträumen und Vandalismus nicht ausreichend beachtet,
  • Schaffung von Aufenthaltsorten, aber teilweise mit wenig Aufenthaltsqualität.

Der Stahlfachwerkbau bildet eine funktionale Verknüpfung der Ziele Herrenberg und Wiesenhügel. Ein zentrales Bauwerk, dass die bestehende Turnhalle umhüllt, bietet eine Vielzahl von Aufenthalts- und Sportaktivitäten und bündelt alle notwendigen Wegebeziehungen zu Stadtbahn und Einkaufszielen. Dies geschieht durch die Nutzung der Turnhallenposition allerdings so dezentral, dass für alle Anknüpfungspunkte lange Wege entstehen. Das zusätzliche Angebot von Sport- und Freizeitmöglichkeiten über der Sporthalle wird im Gremium überwiegend positiv reflektiert.

Die ambitionierte Konzentration von Funktionen wirkt jedoch durch die dominierende Stahlfachwerkbauweise etwas übermotiviert und fördert zudem die Bildung von Angsträumen mit einem erhöhten Potenzial für Vandalismus.
Visualisierung

Visualisierung

Visualisierung Vogelperspektive

Visualisierung Vogelperspektive

Garten

Garten

Spielterrasse

Spielterrasse

Axonometrie

Axonometrie

Ansicht Süd

Ansicht Süd

Ansicht Nord

Ansicht Nord

Querschnitt

Querschnitt

Axonometrie (Detail)

Axonometrie (Detail)

"Lokalspalier"

"Lokalspalier"

Isometrie "Platte"

Isometrie "Platte"