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Wettbewerblicher Dialog | 06/2025

Umgestaltung Verkehrsanlagen und öffentliche Räume für die Neue Mitte Südost in Erfurt

Lageplan

Lageplan

Gewinner / Zuschlag

plandrei Landschaftsarchitektur GmbH

Landschaftsarchitektur

iproplan® Planungsgesellschaft mbH

Verkehrsplanung

quaas stadtplaner

Stadtplanung / Städtebau

RenderAtelier

Visualisierung

modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice

Modellbau

Erläuterungstext

Die „Neue Mitte Südost“ präsentiert sich als GRÜNE MITTE. Dabei unterstützt die Topografie die räumliche Wirkung dieses zentralen Stadtraums an der Nahtstelle zwischen Herrenberg, Wiesenhügel und Melchendorf. Vielfältige Blickbeziehungen ermöglichen die Wahrnehmung des großzügigen Grünzugs, welcher sich aus Richtung Paulinzeller Weg(Wiesenhügel), über den zentralen Stadtplatz, bis hin zur Singerstraße(Herrenberg) erstreckt. Ein attraktives Wegenetz ermöglicht das Erleben und die Nutzung dieser grünen Klimaoase inmitten des dicht bebauten Stadtgebiets. Der Übergang zwi-schen den Stadtteilen ist fließend gestaltet. Die Barrierewirkung der topographischen Gegebenheiten sowie der Verkehrsachse im Tal wird stark reduziert.

Der Entwurf berücksichtigt ökologische, ökonomische sowie soziale Aspekte und zielt darauf ab, die Mobilität im Stadtgebiet für alle attraktiver zu machen. Das zentrale Thema ist, die Entwicklung eines möglichst barrierearmen und kompakten Verkehrsraums im Talbereich. Durch die Angleichung des Geländes für den MIV auf das Gleisnievau, werden alle Verkehrsteilnehmer auf eine Ebene gebracht. Dies macht die Verkehrssituation für alle Nutzer übersichtlicher und verringert das Unfallrisiko. Der Straßenraum muss außerdem umverteilt werden. Da in den nächsten Jahren mit einem Rückgang des MIV zu rechnen ist, werden die Fahrspuren in der Kranichfelder Straße(Ecke Blücherstraße bis Kreisverkehr) von zwei, auf eine Spur Stadt ein-/ und auswärts reduziert. Die durch den Wegfall freiwerdende Fläche wird genutzt, um zum einen den Radverkehr mit einer durchgängigen, breiten Spur auf der Straße zu fördern und zum anderen mehr „Grün“(Bäume, Straßenbegleitgrün) in den Straßenraum zu integrieren. Der Grünstreifen wirkt als Pufferzone für den angrenzenden Gehweg und schafft einen räumlichen Abstand zur Kfz-/ sowie Radfahrbahn, was die Nutzung des Gehwegs sicherer macht. Die Verkehrsführung des Kreuzungsbereichs der Kranichfelder Straße, Haarbergstraße und Am Wiesenhügel wird mit einem großzügigen und übersichtlichen Kreisverkehr gelöst. Es entstehen zielgerichtete und barrierefreie Wegeverbindungen zum ÖPNV sowie in die angrenzenden Freiräume, ohne große Umwege und Angsträume.

Der Freiraum der „Grünen Mitte“ präsentiert sich nicht nur als nachhaltiger Transitraum, sondern ist als multifunktionaler Raum mit Angeboten für Erholung und Aktivität zu verstehen. Das Konzept geht aufgrund der Topografie und den angrenzenden, verdichteten Stadtteilen mit seinen vielschichtigen Milieus auf soziale und klimatische Herausforderungen ein. Ziel ist es, einen nachhaltigen, zukunftsfähigen und nutzbaren Freiraum mit Strahlkraft in die umliegenden Wohngebiete zu schaffen, soziale Teilhabe zu fördern und einen Identitätsort zu kreieren.
Das Herzstück der Neuen Mitte Südost, bildet der großzügige Stadtplatz. Es ist ein multicodierter und weitläufig vernetzter Stadtraum, der aus allen Richtungen sehr gut erschlossen werden kann. Die Raumkanten werden durch vorhandene und ergänzende Baumpflanzungen, die bestehende Sporthalle sowie der markanten topografischen Höhenstaffelung am Wiesenhügel gebildet. Im Zentrum des Platzes steht das „Terrassenhaus“ mit seiner transparenten, grünen Gestalt. Mit der integrierten Treppenanlage und dem Aufzug für Fußgänger und Radfahrer, verbindet das Gebäude den „Höhenweg“ mit dem Platz und schafft zugleich eine barrierefreie Anbindung in das Tal. So werden der ÖPNV, gastronomische Angebote sowie Handel und der Friedhof auf kurzem Wege für alle erreichbar. Die Verkehrsachse der Kranichfelder Straße mit Fahrrad- und Kfz-Fahrspur, Bahn- sowie Bushaltestelle verlaufen durch den Platz und treffen dort aufeinander. Durch das Herausarbeiten differenzierter Akzentuierungen mithilfe von Belagswechseln und der bewussten Verortung besonderer Ausstattungselemente (Poller, Sitzbänke) wird die Sicherheit aller Nutzer gewährleistet. Die bewusst neutral gehaltenen Asphaltfahrspuren setzten sich von den qualitativ hochwertigeren Bodenbelägen des Platzes und der Bahnhaltestellen ab. Die Hauptfläche des Platzes sowie die Bahnhaltestelle werden mit verdunstungsfähigen, recycelten Betonpflastersteinen(Natursteinvorsatz) befestigt. Der mit einer Stufe abgesetzte innere Kern des Platzes, wird optisch und qualitativ mit einem Natursteinbelag abgehoben. Neben konisch verlaufenden Betonsitzelementen mit Holzauflage im Randbereich, wird der Platz mit Radstellplätzen unterhalb des „Terrassenhauses“ ausgestattet. Schirme und Sitzgruppen laden auf der Terrasse am Café zum Verweilen ein. Als Highlight wird der Platz durch ein Fontänen-Wasserspiel ergänzt. Einzelbäume schaffen hier zusätzlich Schatten, wenn Kinder in heißen Sommertagen im Wasser spielen. In unregelmäßigen Abständen werden schmalkronige Bäume gepflanzt. Sie bieten an heißen Sommertagen Schatten und unterstützen die räumliche Trennung zum MIV.

Im Projektgebiet Erfurt „Neue Mitte Südost“ besteht großer Handlungsbedarf, um die angrenzenden Stadtteile zukunftssicher zu machen. Der Entwurf für Freiraum, Verkehr und Stadtplanung zeigt, dass eine nachhaltige, lebenswerte und vernetzte Stadtentwicklung unerlässlich ist. Durch gezielte Planung und Integration von Grünflächen sowie effizientem Verkehr kann Lebensqualität gesteigert und die Umwelt geschont werden. Ein ganzheitlicher Ansatz ist notwendig.

Beurteilung durch das Preisgericht

Gesamtlösung / Städtebau
Die städtebauliche Leitidee der Arbeit spiegelt sich in dem Konzept der „Grünen Mitte“ wider, bei der sich der zentrale Platz in einem städtischen Parkensemble wiederfindet. Dabei kommt dem sogenannten Terrassenhaus als hybride Vertikalstruktur die verbindende Funktion zwischen Höhenweg und Stadtplatz zu. Die Setzung dieses städtebaulichen Kristallisationspunktes ist aus Sicht des Preisgerichtes behutsam und dennoch wahrnehmbar gewählt. Durch die transparente Ausformung der Vertikalstruktur sind umlaufende Freiraumbeziehungen möglich, die ein hohes Maß an Identifikation und täglicher Gebrauchsfähigkeit erwarten lassen. Der Treppenturm mit integrierter Aufzugsanlage ist dabei die einzige Verbindung beider Ebenen, wird dabei als „Nadelöhr“ identifiziert, das einer besonderen planerischen Aufmerksamkeit auch im Hinblick auf soziale Kontrolle und Vermeidung von Angsträumen bedarf.

Die polygonale Linienführung des Höhenweges, mit seinen beidseitigen Stadtbalkonen als Auftaktsituation, wird seiner Funktion als Rückgrat der Parklandschaft gerecht. Dabei dienen die beiden Stadtbalkone als überzeugende Auftaktsituationen für die Adressierung des Brückenbauwerks.

Das Freiraumkonzept kommt mit einem notwendigen Mindestmaß an befestigter Fläche aus, was der ökologischen Gesamtbilanz zu gute kommt. Darüber hinaus werden den Themen des Regenwassermanagements und der stadtklimatischen Vegetationstypologie auskömmlich Raum und Fläche gewidmet. Die topographischen Eingriffe in die umgebende Hanglandschaft sind trotz der baulichen Intervention qualitätvoll gelöst und tragen zur selbstverständlich wirkenden Vernetzungsstruktur des öffentlichen Raumes bei.

Eine Integration des vorliegenden Beitrages in die übergeordnete Rahmenplanung ist gewährleistet, wenngleich die städtebauliche Lösung für den nordöstlichen Bereich Fragen aufwirft.

Die Entwurfsansätze, die als Transformationsprozess zur Daseinsvorsorge, zum Mobilitätswandel sowie zur Renaissance des öffentlichen Raumes durch klimaangepasste Freiräume angeboten werden, entsprechen den Zielen des Verfahrens. Insgesamt kann die Arbeit als angemessener und zukunftsgerichteter Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung des Erfurter Südostens überzeugen, der sowohl eine sozialräumliche als auch eine identitätsstiftende Realisierung erwarten lässt.

Verkehrslösung
Der Beitrag von Team 05 weist in allen maßgeblichen Details eine ausreichende und damit nachvollziehbare Bearbeitungstiefe aus. Die Haltestelle Kranichfelder Straße wird als Element des Stadtplatzes ausgebildet und weitgehend niveaufrei in diesen eingebettet. Dies führt jedoch zu flächig verteilten Fußgängerströmen über die Kranichfelder Straße. Der Verzicht auf eine Signalisierung der Fußgängerüberwege führt zu deutlichen Abstrichen der Barrierefreiheit für Sehbehinderte und zu zahlreichen Konflikten mit Straßenbahn und Kfz-Verkehr.
Es wird jedoch ohne große Abstriche an gestalterischen Qualitäten für möglich erachtet, diese Lösung entsprechend anzupassen, zumal die städtebauliche Gestaltung des Stadtplatzes und die Ausbildung des Gleiskörpers der Straßenbahn als Rasengleis dies unterstützen bzw. nahelegen.

Die Einordnung der Treppen bzw. des Aufzuges erfolgt in zentraler Lage des Stadtplatzes optimal. Der Kreisverkehr Kranichfelder Straße/Haarbergstraße ist detailliert durchgearbeitet und erscheint funktionsfähig.

Die Anbindung des Wiesenhügels an die Straßenbahnhaltestelle Kranichfelder Straße für den Radverkehr wird durch die Unterbrechung bisheriger Wegeverbindungen erschwert.

Freiraum
Die Vorschläge zur Entwicklung des Freiraumes zeigen eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Spezifik des Ortes. Zudem sind das Zusammenwirken und die Abstimmung zwischen den Disziplinen gut nachvollziehbar.

Das Konzept der „Grünen Mitte“ überzeugt durch seine Einfachheit und Nachvollziehbarkeit. Eine intensive Durchgrünung spannt sich über Fahrbahnen und Gleise hinweg auf das gesamte Plangebiet. Dabei unterstützt die Topografie die räumliche Wirkung des Stadtraumes.

Die Einordnung und Setzung des Terrassenhauses als Merkzeichen und vertikale Verbindung an zentraler Stelle wird positiv reflektiert. Für die Gestaltung des Stadtplatzes entsteht eine angemessene und maßvolle Lösung, die gute Aufenthaltsqualitäten erwarten lässt. Mit Sensibilität wurde der Raum in Bereiche gegliedert, die gut nutzbar sind.

Auch die Ideen und Vorschläge zum Regenwassermanagement sind ein positiver Beitrag mit Sichtbarkeit im Stadtraum.

Der Umgang mit dem Hang zum Wiesenhügel in der angebotenen Terrassierung wird als gute und praktikable Lösung eingeschätzt. Dabei wird die vorgeschlagene teilweise Begrünung als willkommene Aufwertung der Mauern gesehen. Die Gestaltung und Einordnung der Stadtbalkone als Auftaktsituationen zum Höhenweg wird begrüßt.

Ingenieurbau / Höhenweg
Stärken:
  • 2 Brückenstege mit Anbindung an Terrassenhaus,
  • Erschließung des Stadtplatzes zentral über Treppenturm mit Aufzug am Terrassenhaus,
  • Aufenthaltsqualität und Aussichtsbereiche am Terrassenhaus,
  • Stadtbalkone an den Brückenköpfen mit zusätzlichen Freizeitangeboten (Panoramaschaukel),
  • Effekt-Beleuchtung Treppenturm und Terrassen.

Schwächen:
  • Treppenturm trotz Netzhülle möglicher Angstraum,
  • Terrassenhaus möglicherweise erhöhter Angriffspunkt von Vandalismus.

Zentraler Kern des Höhenweges ist das Terrassenhaus, dass sich in guter Erreichbarkeit auf dem neuen Stadtplatz befindet. Über ein Treppenhaus und einen Aufzug werden die beiden Stege erreicht, die jeweils eine kurze Wegeanbindung an den Wiesenhügel und den Herrenberg ermöglichen. Die Gestaltung von Stegen und Terrassenhaus stehen im Einklang mit weiteren Teilen der Freiraumgestaltung und werden durch Begrünungs- und Beleuchtungselemente besonders in Szene gesetzt.
Neue Mitte - ökologische, ökonomische, soziale Aspekte

Neue Mitte - ökologische, ökonomische, soziale Aspekte

Visualisierung Stadtplatz_Terrassenhaus

Visualisierung Stadtplatz_Terrassenhaus

Detail Stadtplatz

Detail Stadtplatz

Detail Kreisverkehr

Detail Kreisverkehr

Straßenquerschnitt

Straßenquerschnitt

Visualisierung Vogelperspektive Höhenweg

Visualisierung Vogelperspektive Höhenweg

Detail Stadtteilbalkon

Detail Stadtteilbalkon