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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2024

Umnutzung ehemaliges Lichtspieltheater Gloria-Palast in Weißenfels

Gloria-Platz
8

Gloria-Platz

ein 3. Preis

Heine Mildner Architekten

Architektur, Innenarchitektur

Thomas Rabe Architekt

Architektur

r+b landschaft s architektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

GLORIA – I will survive!

Reinkarnation des ehemaligen Lichtspieltheaters. Schaffung robuster Strukturen in einem Denkmal, damit eine flexible und nachhaltige Nutzungsvielfalt möglich wird.

Nachdem der Filmpalast Gloria keine Filme mehr zeigt, keine tanzenden Menschen beherbergt und viele Jahre dem Verfall ausgesetzt war, sind die Lichter aus, die Wände verblasst und die Türen versperrt. Die imposanten Fassaden wecken ferne Erinnerungen an einen Ort, den die Menschen in Weißenfels vermissen.
Eine nachhaltige Revitalisierung des Gloria ist die Voraussetzung für dessen Zukunft. Nur durch vielfältige, auskömmliche und identitätsstiftende Nutzungen kann ein langfristiger Fortbestand des Gloria in einer ungewissen Zukunft mit dem nötigen gesellschaftlichen und politischen Rückhalt sichergestellt werden. Die angestrebte Umnutzung zum Indoor-Spielplatz wird somit als einer von mehreren Stützpfeilern in einem Gesamtkonzept verstanden. Der Leuchtturm der Weißenfelser Neustadt wird vom Lichtspielhaus zu einem multifunktionalen Treffpunkt erhoben, der Spiel- und Kletterspaß, unterhaltsame Filmvorführungen, diverse In- und Outdoor-Veranstaltungen sowie ein gastronomisches Angebot zu bieten hat. Unter Berücksichtigung des Denkmalstatus werden möglichst viele Nutzungsangebote für alle Alters- und Gesellschaftsschichten im Bestand untergebracht. Die baulichen Interventionen sollen die räumlichen und funktionalen Qualitäten des Bestandes stärken, den Verfall des Gebäudes stoppen und zeitgleich Flexibilität für spätere Umnutzungen herstellen. Durch die Maßnahmen soll das Gloria wieder instandgesetzt und für die Zukunft überlebensfähig gemacht werden, nach dem Motto: „I will survive!“.

Auszug aus dem Protokoll des Preisgerichts:
"Insgesamt wahrt dieser Entwurf mit maßvollen Ergänzungen und reduzierten Eingriffen das historische Erbe, bewahrt die Aura des ehemaligen Lichtspielhauses und bietet vielfältige, sich an ein breites Publikum richtende neue Nutzungsangebote – ein Stück weiterentwickelte Stadtgeschichte und ein guter Möglichkeitsraum zur Belebung des Stadtquartiers."

Entwurfsverfasser: 
HEINE MILDNER ARCHITEKTEN, Dresden
Mitarbeit: Konstantin Heinke, Paul vom Stein
Thomas Rabe Architekt, Berlin
r + b landschaft s architektur, Dresden
Mitarbeit: Adriana Kovacheva

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit ihrem bestandsorientierten Entwurf finden die Verfasser Lösungen, die zur neuen Nutzung des ehem. Filmpalastes mit geringen Eingriffen und wenigen baulichen Zutaten auskommen.

Das imposante Gebäude der klassischen Moderne erhält an der Ostfassade einen eingeschossigen Anbau, der mit moderatem Volumen und großzügiger Verglasung dem Baudenkmal Respekt zollt. Allerdings steht die vertikale Gliederung im Kontrast zur horizontalen Schichtung des Baudenkmals. Funktional geschickt ist die Cafeteria am Übergang zwischen Innen- und Außenraum platziert. Zusammen mit dem Kiosk und variabler Außenmöblierung kann so der östliche Platz zum neuen Wohnzimmer der Weißenfelser Neustadt werden.

Als Pendant zu diesem Anbau gibt der baukonstruktiv ähnliche Gartenpavillon dem Platz eine Fassung im Osten und ist als Bühne vielfältig bespielbar.

Die südliche Zuwegung zum grünen Hof von der Merseburger Straße her erweitert die Zugänglichkeit zu den verschiedenen Bereichen, führt aber auch vom zentralen Eingang an der Nordwestecke weg.

Positiv bewertet wird der Erhalt des großen Ahornbaumes und die Einbeziehung in die Freianlagengestaltung. Trotz weiterer Baumpflanzungen erscheint der Anteil an unverschatteten Freiflächen mit Blick auf die sommerliche Nutzung relativ groß. Mit der Wahl versickerungsfähiger Oberflächen und Beläge bedenkt der Entwurf die Rückhaltung des anfallende Regenwassers auf dem Grundstück. Das Angebot an Spielmöglichkeiten am Hang zum Bahndamm ist vielfältig und richtet sich vorwiegend an die Altersgruppe der Kinder. Der Sicherheit des Areals wird durch eine Einfriedung Rechnung getragen, die möglichem Vandalismus außerhalb der Öffnungs- und Betriebszeiten des Gebäudes vorbeugt.

Im Gebäudeinneren schlagen die Verfasser vielfältige Angebote für Kinder, Jugendliche und deren Eltern vor, die sich in einem großen Parcour über alle Ebenen erleben lassen. Besonderes Augenmerk gilt den Sichtbeziehungen zwischen den Ebenen, die dem Miteinander, der Orientierung und der sozialen Kontrolle dienen. Über das um eine neue Kasse und Aufzug ergänzte historische Vestibül gelangt man in den Kinoraum, der durch den Verzicht auf größere Eingriffe oder Einbauten in seiner großartigen Raumwirkung erlebbar bleibt. Das Erdgeschoss bietet variabel nutzbare Flächen für kreative Tätigkeit und ermöglicht eine auf künftige Nutzeransprüche ausgerichtete Qualifizierung des Konzeptes in der weiteren Planung. Auffällig ist die als Kletter- und Höhlenlandschaft entworfene Terrassierung zur ehem. Bühne, die vorrangig kleineren Kindern Anreize bieten wird, dabei aber in der Überformung und mit der großen Öffnung der Ostfassade nicht in Gänze überzeugt.

Auf den Rängen finden sich Angebote für verschiedenen Altersgruppen, wobei die vorgeschlagenen Doppelnutzungen (z.B. tagsüber Chill-out-Bereich, abends Rangkino) Flexibilität und Belebung rund um die Uhr versprechen. Eine bereichernde Idee ist das Spiel-Café im 1. OG, wo von Jung und Alt Gesellschaftsspiele ausgeliehen werden können.

Der Vorschlag von Vereinsräumen im Kellergeschoss wird aufgrund der Lage und eingeschränkten Belichtung kritisch gesehen. Die für eine autarke Nutzung vorgesehene Außentreppe mit geschosshohem Graben an der Merseburger Straße ist in der Erscheinung und als potentiell vermüllter Ort inakzeptabel. Auch die Verlegung der inneren Kellertreppe in die Logen des EG stellt einen Eingriff in die historische Fassung dar, wenngleich den sinnvoll im Keller gebündelten Nebenfunktionen (Sanitär, Garderobe, Personalräume, Technik) eine gute Zuwegung gebührt.

Die Barrierefreiheit ist für alle öffentlich zugänglichen Räume dank neuem Aufzug in alle Ebenen und Halbebenen gegeben. Das Brandschutzkonzept berücksichtigt die notwendigen Rettungswege und sieht an der Nordostecke eine entsprechende neue Treppenanlage vor. Nur der 2. Rettungsweg aus den Büro- und Personalräumen im 3. OG bedarf noch einer Lösung.

Sinnvoll platziert wurden im Low-Tech-Energiekonzept Räume für die Haustechnik – sowohl in den zusätzlich gewonnenen Räumen des Kellers als auch im Bereich der Dachräume. Dank kompakter Form und moderater Eingriffe ist eine vergleichsweise wirtschaftliche Lösung zu erwarten.

Insgesamt wahrt dieser Entwurf mit maßvollen Ergänzungen und reduzierten Eingriffen das historische Erbe, bewahrt die Aura des ehemaligen Lichtspielhauses und bietet vielfältige, sich an ein breites Publikum richtende neue Nutzungsangebote – ein Stück weiterentwickelte Stadtgeschichte und ein guter Möglichkeitsraum zur Belebung des Stadtquartiers.
Lageplan Freianlagen

Lageplan Freianlagen

Isometrie

Isometrie

Ansicht Ost

Ansicht Ost

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Schnittperspektive

Schnittperspektive

Piktogramm

Piktogramm

Hauptsaal

Hauptsaal