>> Gesamtkonzept
Die öffentliche Bespielung der Achse der Daimlerstraße bildet als „rue extérieure“ das zentrale Element der städtebaulichen Struktur. Als aufgewerteter öffentlicher Raum durchzieht sie das gesamte Gebiet in West-Ost-Richtung und wirkt identitätsstiftend für das gesamte Quartier. Ausgehend vom alten Marktplatz, über eine fahrradtaugliche Ertüchtigung der Unterführung, das südliche Anlagern des Rathauses jenseits der Gleisanlagen bis hin zur großzügigen Öffnung des Bosch Campus, entfaltet die Achse eine belebende städtebauliche Kraft, die das Quartier nachhaltig aktiviert.
Das Erfolgsrezept des Vorschlags liegt in der konsequenten Transformation des Campus in einen realen, öffentlich nutzbaren Stadtraum. Vor dem Hintergrund einer konsequenten Öffnung des zentralen Campusgedankens würde eine Platzierung des Rathauses – sei es als Neubau oder durch Umnutzung – innerhalb dieser räumlichen Konfiguration als folgerichtige und städtebaulich stringente Lösung erscheinen. Verbesserungsbedarf besteht im Übergang zum westlich gelegenen Landschaftsraum, der als räumlicher Schlusspunkt der Achse von besonderer Bedeutung ist.
Die im südöstlichen sowie nordwestlichen Randbereich angesiedelten urbanen Misch- und Wohnnutzungen führen bestehende Strukturen konsequent fort. Sie ergänzen und bereichern das städtebauliche Gesamtkonzept, ohne den Charakter des Gewerbegebietes grundsätzlich in Frage zu stellen.
Der gleisnahen Bebauung entlang der S-Bahntrasse fehlt es an einer stärkeren Verbindung zum jeweiligen Hinterland. Eine Überarbeitung scheint notwendig, die dann auf einen tatsächlichen Standort für das neue Rathaus reagieren kann.
>> Freiraum
Die Arbeit entwickelt ein tragfähiges Grundgerüst aus unterschiedlichen Freiraumtypologien, auch wenn die Freiraumstrukturen auf Gebietsebene konzeptionell noch klarer hätten herausgearbeitet werden können. Positiv hervorgehoben wird insbesondere die durchgängige Grünverbindung entlang der Gleise, die aus freiraumplanerischer Sicht eine wesentliche Bedeutung für den Fuß- und Radverkehr besitzt.
Ebenfalls positiv bewertet werden die verspringenden grünen Fugen („rue interieure“) als verbindende Elemente zwischen den ost-west-verlaufenden Haupt-Erschließungsachsen, welche die Durchlässigkeit und Vernetzung des Quartiers stärken. Als „Zwillinge“ bezeichnete Gebäude-Gruppen aus Mobility Hub und quartiersdienlichen Nutzungen markieren die Kreuzungspunkte sinnfällig. Kritisch diskutiert wird hingegen die Ausgestaltung des östlichen Gebietsrandes. In Kombination mit der mäandrierenden Erschließungsstraße besteht hier die Gefahr, dass die angestrebte Verzahnungsthematik nicht überzeugend gelingt. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die hydrologische Funktionsweise des südlichen Grabens, die – analog zum nördlichen Bereich – stärker in das Freiraumkonzept integriert werden sollte, um das Leitbild der verzahnenden Filderlandschaft zu schärfen.
Die zentrale „rue extérieure“ ist in ihrer Grundidee schlüssig und hat ein großes Potenzial inne. Die vorgeschlagene Dimensionierung setzt jedoch eine ausreichende öffentliche Belebung voraus und ist in enger Abhängigkeit zu den vorgesehenen Nutzungen sowie hinsichtlich des Versiegelungsgrades kritisch zu überprüfen.
Hervorzuheben sind die in den Darstellungen erzeugten Atmosphären. Die naturnahen und gemeinschaftsfördernden Szenarien bilden starke identitätsstiftende Elemente, deren konsequente Weiterentwicklung empfohlen wird.
>> Mobilität
Die vorgeschlagene Erschließung für den Kfz-Verkehr über eine durchgehende Nord-Süd- Verbindung im Osten des Plangebiets mit daran angehängten Erschließungsloops im Norden und Süden überzeugt durch ihre hohe Funktionalität, Robustheit und Flexibilität. Gleichzeitig kann dadurch eine deutliche Aufwertung der Daimlerstraße („rue exterieure“) und der Eingangssituation am östlichen Bahnhofszugang erreicht werden. Besonderen Wert entwickelt das Konzept, weil das gesamte Gewerbegebiet so von Norden an die A 8 angebunden wird und mithilfe eines LKW-Durchfahrtsverbots von Süden kommend eine wirksame Entlastung der Ortslagen von Echterdingen denkbar scheint.
Rad- und Fußverkehr sind umfassend berücksichtigt, die dargestellte Rampenlösung für eine barrierearme Querung der Bahngleise im Bahnhofsbereich stellt eine deutliche Aufwertung dieser wichtigen Ost-West-Verbindung dar, auch wenn für eine gute städtebauliche Einbindung noch vertiefende Überlegungen erforderlich erscheinen. Die Mobilitätshubs zur Unterbringung des ruhenden Kfz-Verkehrs sind gut angeordnet. Die Konzeption, diese Hubs jeweils mit angrenzenden Gebäuden mit öffentlichen Nutzungen zu kombinieren („Zwillinge“), überzeugt grundsätzlich, allerdings könnte eine solche Integration ggf. auch innerhalb eines Baukörpers erfolgen.