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2. Rang 3 / 3

Kooperatives Gutachterverfahren | 03/2026

Urbane Mitte Leinfelden – Sprung über die Gleise

Isometrie
8

Isometrie

3. Rang

Preisgeld: 10.000 EUR

asp Architekten GmbH

Stadtplanung / Städtebau

TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg

Landschaftsarchitektur

StetePlanung I INOVAPLAN GmbH

Verkehrsplanung

Transsolar Energietechnik GmbH

Energieplanung, Nachhaltigkeitskonzept

Erläuterungstext

//Transformation durch Mischung

In Leinfelden zeigen sich – wie in vielen Städten der Region Stuttgart – deutlich die Auswirkungen der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nach Jahrzehnten des Wachstums markiert sich ein Bruch, der neue räumliche und programmatische Antworten erfordert. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Gewerbegebiete in ihrer heutigen, häufig monofunktionalen Ausprägung den zukünftigen Anforderungen an gerecht werden. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen: Obsolete Orte und untergenutzte Flächen können als Ausgangspunkte einer Transformation dienen, in der Nutzungsmischung, Mehrfachnutzung von Räumen und kurze Wege funktionale Vielfalt mit Angeboten für verschiedene Bevölkerungsgruppen und räumliche Robustheit fördern. Die gut ausgebaute bestehende Anbindung und Infrastruktur bilden dabei das Rückgrat einer vernetzten Entwicklung, entlang derer Verdichtung und stadträumliche Knotenpunkte gebündelt werden. Durch räumliche, funktionale und ökologische Vernetzung kann die bislang monofunktionale Gewerbelandschaft in ein zusammenhängendes System überführt und Übergänge zwischen Gewerbe, Stadt und Freiraum neu organisiert werden. Klimaneutralität bildet dabei ein übergeordnetes Leitprinzip, indem Flächeneffizienz, erneuerbare Energien und klimaangepasste Strukturen als Grundlage der Entwicklung dienen und die schrittweise Umnutzung prägen.
Die Stadt Leinfelden und Unternehmen vor Ort haben die Zeichen erkannt und über erste Leuchtturmprojekte wie den Schelmenacker und das Jugendhaus sowie Entwicklungen rund um bestehende Firmenstandorte neue Handlungsspielräume ausgelotet. Daran und an die entdeckten produktiven Widersprüche gilt es anzuknüpfen und die Potentiale des Ortes über maßstabsübergreifende Strategien, die übergeordnete, strategische Ziele mit individuellen Bedürfnissen der Nutzer:innen in Handlungsräumen vor Ort verbindet, zu entwickeln:

// Gewebe
Ein Gewebe aus Wegen und Plätzen vernetzt die Landschaft, sichert die Erschließung und bildet eine zentrale Infrastruktur für Klimaanpassung und Artenschutz. Durch grüne und blau-grüne Elemente entstehen durchlässige, multifunktionale Freiräume mit ökologischer und räumlicher Verbindungsfunktion. Dadurch werden drei unterschiedliche Bereiche – das größtenteils monofunktional genutzte Gewerbe- und Industriegebiet (einschließlich der Wohnnutzung im Süden), der schmale, fast unbebaute Korridor entlang der S- und U-Bahn, an den öffentliche Nutzungen wie das Alte Rathaus und die Filderhalle andocken, sowie der östliche Rand des Gewerbegebietes, der als Rückseite zu den Fildern bislang keine Stadtkante ausbildet – miteinander vernetzt und qualifiziert.

// Transformationszonen
Das Plangebiet wird in zwei Bereiche gegliedert, die unterschiedliche räumliche und programmatische Schwerpunkte setzen. Drei Transformationszonen – Gemeinwohl und Handel, Hightech und Forschung sowie Kultur und Community – bilden den Motor der städtebaulichen Entwicklung. Sie sind geprägt von einer besonderen Eignung für Nutzungsmischung und ermöglichen durch unterschiedliche Typologien ein enges Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und öffentlichen Angeboten und fördern so die Vielfalt. Daneben stehen flexible Bereiche, die bewusst langfristig und mit großer Offenheit angelegt sind. Sie schaffen räumliche und strukturelle Voraussetzungen für zukünftige Anpassungen und Entwicklungen, ohne bereits heute eine endgültige Nutzung festzuschreiben. Beide Bereiche sichern über ihrer Differenzierung - Offenheit und Flexibilität vs. Begegnungszonen und Austausch die Zukunft des Gewerbequartiers und ermöglichen robust auf zukünftige Bedarfe oder veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren.

// Nachbarschaften
In den Transformationszonen werden Nachbarschaften als Impulsgeber der Quartiersentwicklung verstanden. Sie fungieren als Orte der Begegnung und des Austauschs und stärken durch gemeinschaftlich nutzbare Räume die soziale Vernetzung. Gleichzeitig tragen sie als identitätsstiftende Elemente zur Ausbildung eines unverwechselbaren Charakters bei und verankern das Quartier im alltäglichen Leben seiner Nutzer:innen.

// Collision Tool Box
Die Collision Tool Box sieht vor, innerhalb der Nachbarschaften unterschiedliche Typologien bewusst und überraschend miteinander zu kombinieren. Durch diese gezielten Überlagerungen entsteht räumliche und programmatische Vielfalt, die neue Nutzungen ermöglicht und innovative Formen des Zusammenlebens, Arbeitens und Produzierens fördert. Zugleich bieten diese programmatischen Schnittstellen großes energetisches Potenzial: Gewerbe, Dienstleistung, Handel und Wohnen haben ganz unterschiedliche Energieprofile, die in der Überlagerung sich gegenseitig versorgen können. Abwärme aus Gewerbe und Supermärkte können beispielsweise Wohnraum beheizen – so spart man an beiden Enden wertvolle Energie.
Räumliche Entwicklungen

// Hightech und Forschung
Die Transformationszone Hightech und Forschung bildet neue Entwicklungsräume. Durch die Stapelung von Pkw-Stellplätzen in einer multifunktional angelegten Quartiersgarage („Mobility Hub“) werden Flächen freigesetzt; gemeinsam mit der Transformation des Bestands entstehen so zusätzliche Entwicklungsflächen für neue Nutzungen. Beginnend am S-Bahn-Haltepunkt entsteht ein hochwertiger Freiraum, der als Schaufenster der Zone fungiert und dessen Aufenthaltsqualität durch eine klimaangepasste Freiraumgestaltung gesteigert wird. Eine neue bauliche Setzung gegenüber dem Quartierseingang bildet im Zusammenspiel mit dem Freiraum ein angemessenes Entrée für den Standort. Darüber hinaus werden bereits räumlich qualifizierte Bereiche des Areals durch eine Öffnung des Werks in das Quartier integriert. Der bislang als Infrastrukturgebäude genutzte Riegel an der Daimlerstraße wird umgebaut und aufgestockt. Weiter östlich entsteht eine neue Nachbarschaft: Ergänzungen der Bestandsgebäude sowie ein neuer, markanter Baustein, der als Global Innovation Hub externe Forschung und Entwicklung anzieht, gruppieren sich um einen Platz, der unterschiedliche Funktionen und Nutzer:innen zusammenführt. Die Fildern reichen in dieser Zone bis an die Gebäude heran und schaffen einen direkten Bezug zum Freiraum. Der Alte Markt wird über den S-Bahnhalt sowie einen langgestreckten Freiraum vor dem Rathaus angebunden. Dieser wird durch eine Aktivierung mit Spiel- und Sportangeboten sowie zusammenhängenden Marktflächen qualifiziert. Rund um das Alte Rathaus entsteht eine Nachbarschaft mit Wohnraum für Senior:innen sowie Kita-Flächen. Jung und Alt beleben dadurch insbesondere tagsüber das Zentrum.

// Gemeinwohl und Handel
In der Zone Gemeinwohl und Handel im Norden wird das Rathaus als neue bauliche Setzung auf den Brachflächen östlich der Bahn positioniert. Dadurch überspringt das grüne Band mit Filderhalle und Schulstandorten die Bahntrasse und verknüpft die Transformationszone. Das Rathaus wird über eine Rad- und Fußwegebrücke mit der Filderhalle auf kurzen Wegen verbunden. Gleichzeitig bildet die Setzung einen neuen Auftakt an der Nordtangente in das Quartier. Anschließend entwickeln sich die Flächen der bestehenden Nahversorger und Autohäuser nachhaltig weiter. Die derzeit untergenutzten Areale werden als „Urban Sandwich“ mit gestapelten Nutzungen nachverdichtet: Handelsflächen bleiben im Erdgeschoss erhalten, während in den Obergeschossen neuer Wohnraum entsteht. Ein Sandwich aus Handel, Mobility Hub und Wohnen am Quartierseingang dient zugleich der Bündelung der Stellplätze und der sinnvollen Nutzung und Gestaltung der freiwerdenden Flächen. Der nachbarschaftliche Treffpunkt der Zone liegt an der Schnittstelle zum neu zu entwickelnden Wohngebiet an der Maybachstraße. Ein erster Baustein, die Streuobst Neighborhood, grenzt an den Quartiersplatz an und bildet mit starkem landschaftlichem Bezug, Gärten zur Selbstversorgung und gemeinschaftlichen Einrichtungen den Auftakt für weitere Entwicklungen im Norden.

// Kultur und Community
Im südlichen Gewerbegebiet entwickelt sich aus dem Bestand heraus die Kultur und Community. Neben klassischen Gewerbeimmobilien entsteht rund um die Sammlung Fröhlich und das Jugendhaus ein gemeinsamer Freiraum für die Nachbarschaft. Eine Nachverdichtung in Form eines Hochhauses, das unterschiedliche Wohn- und Arbeitsformen ermöglicht, bringt zusätzliche Frequenz in das Quartier. An den Fildern entsteht ein Erlebnisraum, der den besonderen Landschaftsraum erfahrbar macht. Die Anbindung über den Neuen Markt bleibt bestehen. Auf der westlichen Seite wird die bereits eingeführte Wohnbebauung entlang der Gleise als hybrides Band weitergeführt: Park-and-Ride-Stellplätze befinden sich weiterhin im Erdgeschoss, darüber entsteht gemeinschaftlicher Wohnraum.

// Mobilitätskonzept
Das Mobilitätskonzept setzt auf Nachhaltigkeit und das Zusammenspiel von blau-grün-grauer Infrastruktur. Die heute zum Kfz-Parken mindergenutzten Flächen werden neu belegt und unter klimatischen Aspekten gestaltet. Der ruhende Kfz-Verkehr wird in Quartiersgaragen gebündelt, die weitere Funktionen aufnehmen („Mobility-Hubs“). So konzentrieren sich in den Erdgeschosszonen diverse Sharing-Angebote (Car-, Bike-,Lastenrad-Sharing) und Infrastruktur für KEP-Verkehre (Kurier-,Express-, Paketdienste). Freizeitangebote wie Roof-Bar oder Sportfelder können auf dem Dach – ergänzend zur PV-Infrastruktur – zur Belebung beitragen. Oder die QG wird mit Wohn- und Geschäftsnutzung gezielt kombiniert. Die Wege zwischen Stellplätzen und den Zielen im Quartier (Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Versorgung) beleben den öffentlichen Raum und stärken dessen Aufenthaltsfunktion. Der öffentliche Straßenraum wird von parkenden Fahrzeugen entlastet und die Flächen für blau-grüne Infrastruktur neu genutzt. Nur in wenigen Abschnitten verbleibt straßenbegleitendes Parken, vorzugsweise als Ladezonen.
Das Mobilitätskonzept folgt dem Gedanken der „verwebten“ räumlichen und funktionalen Gebietsentwicklung durch ein dichtes Netz für die aktive Mobilität, den Fuß- und den Radverkehr. So entsteht – teils abseits von Straßen – eine enge Verzahnung von Nutzungen untereinander und Freiräumen, die fußläufig und mit dem Fahrrad attraktiv zu erreichen sind. Die innere Kfz-Erschließung greift das bestehende Straßennetz auf und optimiert die Verkehrsführung. Über 2 Loops im Norden und im Süden werden nahezu alle Grundstücke direkt erschlossen. Die beiden Loops werden im Bedarfsfall über die Max-Lang-Straßen miteinander verbunden.
Der Straßenraum im Bereich der Wohnbebauung im Süden vereint als verkehrsberuhigter Bereich („Spielstraße“) Verkehrs- und Aufenthaltsfunktion mit blau-grüner Infrastruktur.
Die überörtliche Anbindung, insbesondere an die A8 und die B27, erfolgt fokussiert auf die 3 Teilbereiche Nord, Mitte und Süd. Ziel ist es, den Kfz-Verkehr zwischen den Teilgebieten über die Max-Lang-Straße auf ein Minimum zu reduzieren. Auch hierzu werden zum einen bestehende Straßen gezielt genutzt, um die Verkehre ins Leinfelder Gewerbegebiet ohne Umwege zu führen, zum anderen wird durch eine neue Verbindung die Vernetzung zwischen den Gewerbegebieten Leinfelden und Echterdingen gestärkt. Zudem macht die neue Straßenführung die Verkehrsberuhigung des Wohnbereichs im Süden erst möglich.
Die bisher angedachte Verbindung entlang der östlichen Bebauung wird verworfen. Sie trennt das Quartier vom Freiraum der Filderflur und entfaltet ihre erhoffte Wirkung nur im Zusammenhang mit der Weiterführung als Ortsumfahrung von Echterdingen, die aktuell in Frage gestellt ist.

// Klimaschutz- und Energiekonzept
Gewerbegebiete sind traditionell energieintensive Typologien. Klimagerechte Transformation bedarf daher die Aktivierung aller Potenziale. Im Sinne der Nachhaltigkeitsziele gilt es 1. Energie einzusparen durch einen Ressourceneffizienten Gebäudebestand und kühlende Freiräume, 2. durch Vernetzung der Energiequellen und -verbraucher maximale Effizienz zu erreichen und 3. den benötigten Energiebedarf ausschließlich regenerativ und standortnah zu produzieren.
Das städtebauliche Konzept greift alle drei Schritte auf: Die Umnutzung Obsoleter Räume, die sensible Transformation des Bestandes sowie das klimaangepasste Freiraumgewebe ermöglichen suffiziente Lebens- und Arbeitsräume. Das Konzept der durchmischten Transformationszonen und Collision Toolbox ermöglichen die inkrementelle Umsetzung eines Anergienetzes zur Maximierung der energetischen Synergien. Schlüsselräume sind dafür die Quartiersgaragen, die zugleich als Energiezentralen zum Anker der neuen Energieinfrastruktur werden. Durch die Maximierung von Photovoltaik auf Dach- und Freiflächen, sowie die konsequente Aktivierung zugänglicher Böden im Freiraum und der Transformationsareale bietet das Potenzial eines nahezu klimaneutralen Gewerbegebiets der Zukunft. Eine energetische Aktivierung der Fildern zwischen den Gewerbegebieten Leinfelden und Echterdingen haben das Potenzial das Areal zum Netto-0 Quartier zu qualifizieren.

// Klimaanpassungskonzept
Gewerbegebiete sind nicht nur energieintensive, sondern auch klimatische Hot-Spots aufgrund hoher Versiegelungsgrade und Abwärmeproduktion. Das Energiekonzept schafft hier bereits Abhilfe, indem Abwärme durch die Vernetzung effizient genutzt und durch Geothermie gespeichert wird. Während Dachflächen weitgehend zur Energieproduktion aktiviert werden, tragen untere Fassaden- und Freiraumzonen durch eine intensive Begrünung zum Außenraumkomfort bei. Das Freiraumgewebe schafft zudem vernetze Grünräume, die nicht nur für die Erholung im Alltag unabdingbar werden, sondern auch einem nachhaltigen Regenwassermanagement zugutekommen.

// Transformationszonen weiter denken
Über das Gewerbegebiet Leinfelden hinaus bietet die Idee der Transformationszone als Referenz weitere Anknüpfungspunkte, um Gewerbegebiete in der Region zu qualifizieren. In Echterdingen würde sich beispielsweise das Gebiet rund um die Nikolaus-Otto-Straße eignen, ebenso die Flughafenstraßen als Schnittstelle zwischen Messe und Flughafen. Dadurch entsteht eine regionale Gewerbelandschaft, die durch Orte der Identität und Fürsorge Möglichkeitsräume für die Transformation der Wirtschaft ausbildet.


Beurteilung durch das Preisgericht

>> Gesamtkonzept
Das Team erkennt die Potentiale der Achse, die vom alten Marktplatz über den S-Bahnhof und den Bosch Campus zum Freiraum zwischen Leinfelden und Echterdingen führt. Diese Achse soll verkehrsberuhigt, begrünt und baulich aufgewertet werden. Verschiedene An- und Neubauten mit Werkstätten, Showrooms, einem Start-Up-Center und Fablabs aktivieren und öffnen diesen Raum. Ein spektakulärer „Global-Innovation-Hub“ auf den seitherigen Parkplatzflächen der Firma Bosch mit dem „Power-Tower“ wird zum weithin sichtbaren Zeichen. Ein Freiraum mit Wasserfläche bildet hier den Übergang zum landwirtschaftlich genutzten Filderäckern. Die Anordnung eines großen Solitärs als Neubebauung des Parkplatzes erscheint als städtebauliche Geste überzogen.

Zwei weitere thematisch hergeleitete Achsen zwischen Bahn im Westen und Landschaft im Osten bilden das Ordnungsschema des Konzeptes: Im Norden aus den dort bereits vorhandenen Dienstleistungsnutzungen und der Platzierung sowie Ausrichtung des neuen Rathauses, im Süden aus kulturellen Einrichtungen motiviert.

Die Beschäftigung mit Energie- und Wasserkreisläufen, der Versuch diese zu einem Leitmotiv der Entwicklung zu machen, wird gewürdigt, die Empfehlungskommission bezweifelt allerdings, ob eine Freiflächen-Photovoltaikanlage am attraktiven Übergang zum Freiraum eine richtige Antwort ist.

Das zentrale Feld der Transformation trennt darüber hinaus die nördlich und südlich angrenzenden Entwicklungsgebiete stark. Dieser Effekt wird durch getrennte Erschließungs-Loops für die im Norden und Süden gelegenen Teilgebiete des Gewerbegebietes auf die Spitze getrieben. Das südliche Feld soll über eine ost-west-verlaufende neue Straße mit dem Gewerbegebiet in Echterdingen verbunden werden. Diese Erschließung wird kritisch diskutiert und ist auch ein starker Eingriff in den Freiraum. Die großen Parkierungsflächen im Gebiet werden als Entwicklungspotentiale erkannt. Den ruhenden Verkehr bündeln drei Mobilitäts- Hubs, die auch der Energieerzeugung dienen und mit weiteren Funktionen angereichert werden. Freie oder untergenutzte Flächen sollen verdichtet und mit weiteren Funktionen – teilweise auch durch Wohnen ergänzt werden.

Diese situative Strategie ist angemessen, sie fügt sich aber nicht zu einem plausiblen Gesamtbild. Die neuen Stadtbausteine bleiben fremd und verknüpfen sich zu wenig über den Freiraum mit dem Kontext.

Die Bebauung der Säume entlang der Stadt- und S-Bahn reduziert die Ost-West-Zäsur, aktiviert Brachflächen und stärkt die Urbanität. Der Vorschlag, das neue Rathaus im Norden anzusiedeln, schafft im Plan zusammen mit der Filderhalle einen öffentlichen Ort, Topografie und Verkehrsinfrastruktur sind aber zu große Hindernisse. Überdies schmälert die Distanz zum Knoten des öffentlichen Verkehrs seine Attraktivität als Treffpunkt für die ganze Kommune. Zusätzlich wäre die Entwicklung eines nach Norden orientierten Rathauses an diesem Standort stark abhängig von der Umsetzung der weiteren Entwicklungsbausteine dieser Achse.

Das Projekt reagiert sorgfältig und differenziert auf die unterschiedlichen räumlichen Angebote, urbanen Brüche und Übergänge, es gelingt ihm aber nicht, ein überzeugendes Narrativ für den Transformationsprozess zu entwerfen. Einige der vorgeschlagenen Maßnahmen entwickeln sich zu wenig aus den Begabungen des Ortes und wirken überzogen.

>> Freiraum
Die Arbeit verfolgt konsequent die Ausarbeitung der Anbindung an den westlich der Bahngleise gelegenen Stadtraum. Die Auseinandersetzung mit Ankerpunkten und anschließenden urbanen Achsen mit differenzierter Programmierung ist aus freiraumplanerischer Sicht grundsätzlich gut nachvollziehbar und fördert langfristig eine stärkere Urbanität, Verzahnung und Adressbildung des Gebiets. Im Detail werden einzelne Maßnahmen jedoch kontrovers diskutiert, beispielsweise die notwendige Fahrradrampe im Norden oder die Anbindung an den Neuen Markt.

Darüber hinaus wird die Ausarbeitung eines durchgängigen blau-grünen Netzes vermisst, das dem insgesamt hohen Versiegelungsgrad – insbesondere im Inneren des Areals – entgegenwirken sollte. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Freiraumfuge entfaltet bislang nur eine geringe Kraft und lässt keinen Platz für blaugrüne Themen. Die freiräumliche Ausformulierung der Ostkante erscheint noch unentschlossen, obgleich ihr ein erhebliches Potenzial zugesprochen wird. Auch klarere Aussagen zur Führung und Ableitung des Regenwassers, insbesondere hinsichtlich der Anbindung an die übergeordneten Entwässerungsgräben, wären wünschenswert gewesen. Der Grünraum vor dem Global Innovation Hub mit der Ausbildung eines Gewässers wirkt in seiner Gestaltung wenig einladend und bleibt hinter seinem Potenzial als prägnanter Endpunkt der zentralen Achse zurück.

>> Mobilität
Beim Thema Mobilität und Verkehr zeigt die Arbeit eine ausgearbeitete Planung der Netze für den Fuß- und Radverkehr und die Organisation des ruhenden Kfz-Verkehrs (einschließlich Standorte der Mobilitätshubs). Die neue Brücke über die Bahngleise für den Fuß- und Radverkehr zwischen Filderhalle und dem vorgeschlagenen neuen Rathausstandort kann ein attraktives zusätzliches Angebot darstellen. Allerdings sind die Realisierungsperspektiven ungewiss, weshalb auch eine Verbesserung der bestehenden Querung im Bereich des Bahnhofs vor allem für den Radverkehr hätte berücksichtigt werden sollen. Bei der Realisierung der Nordspange würde die Brücke auch in Konkurrenz zu einer neuen ebenerdigen Querung stehen.

Für die äußere und innere Erschließung für den Kfz-Verkehr einschließlich Wirtschaftsverkehr werden zwei unabhängige Loops im Norden und Süden des Planungsgebiets zwischen Bahntrasse und Fildern vorgeschlagen. Während der nördliche Loop über bestehende Verbindungen mit dem übergeordneten Straßennetz verknüpft wird, wird zur Anbindung des südlichen Loops eine zusätzliche Ost-West-Verbindung nach Echterdingen vorgeschlagen mit dem Ziel, u. a. den südlichen Abschnitt der Max-Lang-Straße zu entlasten und dort Spielräume für eine aufenthaltsorientiertere Gestaltung zu gewinnen.

Die Empfehlungskommission bewertet die Realisierungsoptionen für diese neue Straße und den erreichbaren Mehrwert skeptisch. Grundsätzlich würde das Konzept auch ohne die neue Verbindung funktionieren, allerdings wären die erwähnten Umgestaltungspotenziale dann nicht mehr vollständig realisierbar. Außerdem berücksichtigt das Konzept mit zwei separaten Loops zu wenig die Bedarfe, besonders im Hinblick auf die Orientierung für gewerbliche Verkehre innerhalb des Planungsgebiets zwischen dem nördlichen und dem südlichen Bereich.
Lageplan

Lageplan

Perspektive Ankommen Bahnhof

Perspektive Ankommen Bahnhof

Perspektive Sprung über die Gleise

Perspektive Sprung über die Gleise

Lageplan 500

Lageplan 500

Schnitte

Schnitte

Perspektive Filderkante

Perspektive Filderkante

Perspektive Global Innovation Hub

Perspektive Global Innovation Hub

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