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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2015

Vincentius Areal

Blick Schottenplatz

Blick Schottenplatz

1. Preis

Preisgeld: 64.000 EUR

Braun + MĂŒller Architekten BDA

Architektur

w+p Landschaften

Landschaftsarchitektur

Doser+Partner Baugesellschaft mbH

Investor*in

ErlÀuterungstext

Situation

Durch die Verlegung des Vincentius Krankenhauses ergibt sich die aussergewöhnliche Chance das Umfeld des Humboldt Gymnasiums sowie des historischen Vincentius Spitals neu zu ordnen und vergessene stadtrÀumliche QualitÀten wiederzubeleben.

StÀdtebau

Ein prĂ€zise gesetzter quadratischer Baukörper mit Innenhof reagiert selbstverstĂ€ndlich auf die verschiedenen Peripherien und greift historische Raumkanten auf. Innerhalb des Ensembles aus neuem WohncarrĂ©, historischem Spital und Schottenkapelle entstehen spannungsvolle AussenrĂ€ume mit verschiedenen timmungen. Gleichzeitig erhĂ€lt der neue Schottenplatz seine sĂŒdliche Platzkante zurĂŒck und wird wieder zur erkennbaren Platzsituation zwischen Humboldt Gymnasium, Paradies, Niederburg und dem neuen Wohnquartier „Schottengarten“.

Architektur

Im neuen Quartier entstehen insgesamt 84 Wohneinheiten im Neubau und 15 Wohnungen im Altbau. Diese werden in verschiedenen HĂ€usern organisiert und bilden den im Handlungsprogramm Wohnen festgeschriebenen Nutzungsmix. Das historische Vincentius Stift wird zu seniorengerechten Wohnungen umgebaut. Der gemeinschaftliche Wohngarten ist von allen Wohnungen barrierefrei ĂŒber die bestehende Aufzugsanlage erreichbar. Der fĂŒnfgeschossige Neubau besteht aus 6 HĂ€usern, die sich um einen quadratischen Innenhof anordnen. Alle HauszugĂ€nge sind von dort barrierefrei erreichbar. Entlang der Laube werden ĂŒber vier Geschosse der sozial geförderte wie auch der gedĂ€mpfte Wohnungsanteil ausgewiesen. Wohnungsgrössen und –mix entsprechen den Anforderungen förderfĂ€higer Wohnungen. Im Erdgeschoss befinden sich frei einteilbare
GewerbeflĂ€chen, die sich auch im Bereich des Schottenplatzes fortsetzen. Vorstellbar sind hier kleine LĂ€den, ein CafĂ© oder auch FlĂ€chen fĂŒr AnwĂ€lte und andere Freiberufler. Die beiden nord-sĂŒdorientierten WohnhĂ€user beinhalten Geschosswohnungen verschiedener Grössen. Entlang der Schottenstrasse sollen Haus im Haus Modelle,
Maisonettewohnungen und Geschosswohnungen miteinander kombiniert werden. Alle Wohnungen verfĂŒgen ĂŒber Loggien, Dachterrassen sowie GĂ€rten, die sich in der Regel nach Westen oder SĂŒden in ruhige und grĂŒne Bereiche orientieren. In der von
der Laube erschlossenen zweigeschossigen Tiefgarage werden 159 StellplĂ€tze nachgewiesen, die den Stellplatzbedarf der neuen Anwohner und Gewerbetreibenden mit einem SchlĂŒssel von 1,5 grosszĂŒgig decken. Alle erforderlichen Keller und
NebenrĂ€ume befinden sich in den Untergeschossen. Durch plastische Einschnitte und grosszĂŒgige DurchgĂ€nge im Neubau werden die verschiedenen Wohnadressen erkennbar und gleichzeitig durch den Innenhof zu einer Einheit verbunden. Es entsteht ein Quartier, das neben seiner Zonierung in öffentliche, halböffentliche und private Bereiche eine vertrĂ€gliche soziale Durchmischung anbietet. Die verschiedenen Wohnungsangebote erhalten differenzierte Standorte und sind dennoch als ĂŒbergeordnetes Ganzes lesbar. Der neue Stadtbaustein ist einerseits ordnendes Element im stĂ€dtischen GefĂŒge und andererseits Raum fĂŒr stadtnahes Wohnen im GrĂŒnen. Die angebotenen Wohnungen bieten flexible Raumkonzepte, die in unterschiedlicher Weise belegt werden können. Das Angebot reicht von SchaltrĂ€umen, Wohnungskombinationen fĂŒr Mehrgenerationenwohnen sowie familiengerechtes Wohnen in verschiedensten Wohntypologien. Kleinere Wohneinheiten eignen sich sowohl fĂŒr Senioren, Singles, Alleinerziehende und junge Paare. Die barrierefreie Erreichbarkeit der Wohnungen ist auch in den Stadthauskonzepten gesichert.

Materialien

In Anlehnung an die ornamentalen Stuck- und Natursteinfassaden der umgebenden GebĂ€ude erhĂ€lt der Neubau eine Putzfassade mit BĂ€ndern und einer differenzierten Putzstruktur. WĂ€hrend eine warmtonige dunkle Fassade mit Edelkratzputz das Äussere des GebĂ€udes schĂŒtzt und gleichzeitig mit dem GrĂŒn des historischen Baumbestands harmoniert, wird die private Innenhoffassade als Kontrast hell und glatt gestaltet. Raumhohe FenstertĂŒren mit textilem Sonnenschutz erzeugen grosszĂŒgige Ausblicke in die grĂŒne Umgebung. Die kompakten Neubauten erhalten extensive GrĂŒndĂ€cher und energieeffiziente AussenhĂŒllen. Das neue Wohnquartier wird ĂŒber ein zentrales BHKW mit Energie versorgt.

Freiraum

Den FreirĂ€umen des neuen Quartiers werden verschiedene Gartenthemen zugeordnet, die den vorhandenen Baumbestand weitestgehend erhalten. Um das historische Stift wird der bestehende Wohngarten ergĂ€nzt. An der Schottenstrasse entstehen analog zur historischen Einfriedung des Stifts leicht angehobene PrivatgĂ€rten fĂŒr die zweigeschossigen Haus im Haus Modelle. Der Wohnhof wird als ruhiger Ort verstanden, der geschĂŒtzter Aufenthalts- und Spielbereich ist. Durch die Öffnungen zur Schottenkapelle im Norden und zum Stift im SĂŒden entsteht eine selbstverstĂ€ndliche Vernetzung der AussenrĂ€ume. Eine zentrale leicht angehobene RasenflĂ€che mit eingestreuten BĂ€umen ist Spiel- und AufenthaltsflĂ€che. Zu den GewerbeflĂ€chen
entsteht eine rahmende Sitzkante, ĂŒber die die BelĂŒftung der Tiefgarage erfolgt. Die GewerbeflĂ€chen entlang der Laube erhalten eine keilförmige VorflĂ€che, die ihrem historischen Vorbild folgend in den Schottenplatz einleitet. Dieser soll sich kĂŒnftig vom
Humboldt Gymnasium bis zur Neubebauung im SĂŒden spannen. Der Baum- und Heckenbestand wird den BedĂŒrfnissen einer als Gesamtheit wahrnehmbaren PlatzflĂ€che angepasst. Die PlatzflĂ€che erhĂ€lt eine wassergebundene Wegedecke, die mit der
OberflĂ€che des angrenzenden Walzasphalts harmoniert. Die Schottenkapelle wird dabei als Element auf dem Platz wieder erkennbar. Entlang der Neubebauung sind Aussenbestuhlungen der angrenzenden GewerbeflĂ€chen denkbar. Unter den Baumgruppen können im Bereich des eigenen GrundstĂŒcks weitere Spiel- und AufenthaltsflĂ€chen eingestreut werden

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit ĂŒberzeugt das Preisgericht in der Setzung des Baukörpers im Stadtraum.
Er steht selbstverstĂ€ndlich ruhig als weiterer Baustein im historischen Kontext. Auch unter denkmalpflegerischer Sicht ĂŒberzeugt der Entwurf, da der Neubau zu beiden Baudenkmalen genĂŒgend „Luft“ und Raum lĂ€sst, ohne diese unangemessen in AchsbezĂŒge zu setzen. Er bietet fĂŒr beide GebĂ€ude einen ruhigen Hintergrund wie ein passe-par-tout. Wichtig erscheinen uns die Einschnitte in dem Baukörper, wobei die Proportionen von Höhe zu Breite noch im Detail geprĂŒft werden mĂŒsste. Der Baukörper erscheint trotz einer leicht ĂŒberdurchschnittlichen Dichte verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig klein und lĂ€sst dadurch genĂŒgend Abstand zur Straße. Zur Schottenstraße ergeben sich großzĂŒgige VorgĂ€rten.

Der Innenhof ist in seiner grundsĂ€tzlichen Anlage als grĂŒnes Karree ĂŒberzeugend im Zusammenspiel mit der Gesamtfigur. Die angedeuteten BĂ€ume sind ungemein wichtig im Innenhof.

Das Preisgericht kann die Entscheidung der Verfasser gut nachvollziehen, zur Stadt hin einen dunklen Strukturputz und zum Innenraum einen weißen Putz anzubieten. Dadurch wird der Hof lichter und reflektiert die FassadenwĂ€nde und nach außen zur Stadt wirkt der dunkle graue Putz prĂ€gnant. Die Wohnungsgrundrisse sind im Ansatz gut gelöst, die Erschließungstypologien entsprechen den unterschiedlichen Lagen im Stadtraum.
Blick Innenhof

Blick Innenhof

Schwarzplan

Schwarzplan

Lageplan

Lageplan

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

Obergeschoss

Schnitt

Schnitt

Ansicht Schottenplatz

Ansicht Schottenplatz

Ansicht Schottenstraße

Ansicht Schottenstraße

Modell

Modell