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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2007

"Weinmarkt" in der Altstadt von Memmingen

Schemata

Schemata

1. Preis

architekturbĂŒro ost

Architektur

Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

stÀdtebau

Der homogene Stadtboden stellt die rĂ€umliche Einheit des RaumgefĂŒges aus Weinmarkt und Rossmarkt wieder her. Die rĂ€umliche QualitĂ€t dieses zentralen Stadtraumes wird wieder erlebbar und die Stellung des Platzes im Stadtgrundriss herausgestellt.
KĂŒnftig wird der Weinmarkt als ungeteilter Raum fĂŒr alle Nutzer gleichermaßen zur VerfĂŒgung stehen. Bisherige Nutzungen bleiben weitestgehend erhalten.
Durch Reduzierung des ruhenden Verkehrs werden wertvolle FlĂ€chen fĂŒr weitere, neue Nutzungen frei. Deren Vielfalt trĂ€gt maßgeblich zur Wiederbelebung des Quartiers und der ganzen Altstadt bei. Die bisherige Verkehrsschneise fĂŒgt sich kĂŒnftig wieder in den Gesamtkontext der herausragenden Platzabfolge der Altstadt mit Marktplatz und FußgĂ€ngerzone ein.


verkehr

Weinmarkt und Rossmarkt werden als verkehrsberuhigter Bereich mit 7 km/h ausgewiesen, um sie so konsequent in den Kernbereich der Altstadt zu integrieren. Somit kann auf Ausweisung einer Fahrbahn verzichtet werden und die gewollte gestalterische Einheit konsequent erreicht werden. EntwĂ€sserungslinien dienen der Orientierung der Autofahrer. Die einseitig angeordneten SchrĂ€gparker-StellplĂ€tze können jeweils von Osten kommend (Weinmarkt) bzw. von Westen (Rossmarkt) bequem angefahren werden. So wird der Parksuchverkehr eingeschrĂ€nkt und der Weinmarkt entlastet. Dazu dient auch die bevorrechtigte Ausfahrt aus dem Weinmarkt Richtung Rossmarkt. Radler und FußgĂ€nger bewegen sich ungehindert ĂŒber die gesamte FlĂ€che. Ihnen sind auch alle Möglichkeiten fĂŒr ungehinderte Querungen der FlĂ€chen gegeben.
Stadt-Busse durchfahren den umgestalteten Bereich ungehindert.


gestaltung

Der Belag aus gut begeh- und befahrbaren, mittelformatigem Natursteinpflaster - verlegt in richtungslosem Verband - erzeugt Geschlossenheit in der baulichen Vielfalt einerseits und hohe Anpassung andererseits. Die Traufen der angrenzenden HĂ€user werden mit einem Streifen aus Platten belegt und definieren so einen schmalen Übergangsbereich der GebĂ€ude zum öffentlichen Raum. Diese gestalterischen Mittel nehmen Bezug auf vorhandene Gestaltung in der Stadt und weisen den Weg zu einem einheitlichen Gestaltbild des Stadtbodens. Daraus und aus dem Verzicht auf spektakulĂ€re Installationen oder aufwĂ€ndige Möblierung ergibt sich eine insgesamt wirtschaftlich gute Realisierbarkeit.


wasser
Mit der Wiedererrichtung eines Brunnens wird die Einbindung in eine Abfolge von BrunnenplÀtzen in der Altstadt erreicht und zugleich die AttraktivitÀt des öffentlichen Raumes erhöht. Am Rossmarkt wird mit der verbesserten Erlebbarkeit des Stadtbaches das zentrale Wasserelement der Altstadt betont.


grĂŒn
Der Charakter der historischen steinernen (Alt-)Stadt wird durch behutsame Baumpflanzung an wenigen Punkten noch betont und aufgewertet. So auch durch das Baumkarree am westlichen Weinmarkt, das einen Raum zum Verweilen bietet. Die Öffnung und Ordnung des Gartens am Fuggerbau macht ihn nutz- und erlebbar. Durch ein Baumtor am westlichen Ende des Schweizerbergs erfĂ€hrt die Altstadt hier ihre rĂ€umliche Definition.


bauten
Die Öffnung der Arkaden am Durchlass zum Rossmarkt und die gestalterische Aufweitung des gegenĂŒberliegenden Durchganges am Bach werten diesen stĂ€dtebaulich sehr sensiblen Punkt sowohl funktional wie auch gestalterisch auf, ohne die stadtrĂ€umliche QualitĂ€t dieser Engstelle zu schmĂ€lern.
Eine Überdachung fĂŒr die einwĂ€rts fahrenden Busse bietet die Möglichkeit, Funktionen wie Warten, Radl abstellen, Schließfach etc. hier zu bĂŒndeln. FĂŒr FahrgĂ€ste Richtung Bahnhof bietet die neu mit Glas ĂŒberdachte Passage Gelegenheit zum ‚aktiven’ Unterstellen mit ‚window-shopping’.

licht
Die bestehende Beleuchtung der Strassen und PlĂ€tze wird fortgesetzt, mit Mastleuchten fĂŒr die auch befahrbaren FlĂ€chen, ansonsten mit Wandleuchten.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die historischen StadtrĂ€ume Memmingens stehen im Zentrum dieses Entwurfs, sie werden unterstrichen und gefördert. Alle eingesetzten Mittel ordnen sich unter, dienen der Platzfolge Weinmarkt – Rossmarkt in Material und ZurĂŒckhaltung, setzen alle Karten auf die starke stĂ€dtebauliche Struktur. DafĂŒr wird auf Ă€ußerste Sparsamkeit der Mittel gesetzt, allein die hohe QualitĂ€t des neuen Stadtbodens (Pflaster und Platten im Randbereich aus Granit) zeugt von einem gewissen – allerdings Ă€ußerst nachhaltigen – qualitativen Luxus. Auch die Details zeigen diese Haltung: Hohe QualitĂ€t, gutes Material, funktional praktisch, keine modischen Spielchen. Ein Laie wĂŒrde glauben, so hĂ€tten Weinmarkt und Rossmarkt schon immer ausgesehen, zumal die Verwandtschaft zu den Gestaltungsmitteln auf dem Markplatz gesucht wird.

Ob bis zu den Lampen und Brunnen etc. hin diese Haltung durch historisierende Elemente unterstrichen muss? Die neutrale vornehme ZurĂŒckhaltung könnte auch auf die Ausstattungselemente ausgedehnt werden.
Sparsam eingesetzte StadtbĂ€ume an plausiblen Orten unterstĂŒtzen den ruhigen unaufgeregten Charakter. Auch der Fuggergarten wird im Sinne des Entwurfs zu einem öffentlichen Ort. GrundsĂ€tzlich sieht das Preisgericht jedoch nicht die Notwendigkeit, die Mauern des Gartens zu schleifen. Der Garten sollte dem Fuggerbau eindeutig zugeordnet bleiben.

Die Zonierung der Platzfolge bis zum Fuß des Schweizerberges ergibt sich selbstverstĂ€ndlich, ab hier gilt Tempo 20 und die Straße tritt in Erscheinung. Dennoch ist die gestalterische Einheit das oberste Ziel, dies wird plausibel vorgetragen. Funktionale PrĂ€gungen finden nicht statt. Es ist die Aufgabe der Stadtgesellschaft, ihre RĂ€ume zu bespielen. In ihrer NeutralitĂ€t bieten diese neuen, alten PlĂ€tze dafĂŒr eine BĂŒhne. Dieser Entwurf versteht sich nicht als eigener Darsteller. Das ist ihm hoch anzurechnen.
Schemata

Schemata

Übersichtsplan

Übersichtsplan

Übersichtsplan

Übersichtsplan

Vertiefungsbereich

Vertiefungsbereich

Vertiefungsbereich

Vertiefungsbereich

Materialdetail

Materialdetail

Materialdetail

Materialdetail

Blick ĂŒber den Weinmarkt

Blick ĂŒber den Weinmarkt

Blick ĂŒber den Weinmarkt

Blick ĂŒber den Weinmarkt

Blick vom Rossmarkt

Blick vom Rossmarkt

Blick vom Rossmarkt

Blick vom Rossmarkt