Nichtoffener Wettbewerb | 07/2026
Weiterentwicklung Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne in Schloß Holte-Stukenbrock
9
Neues Eingangsgebäude
©JSWD
2. Preis
Preisgeld: 95.000 EUR
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
Das „Stalag 326 Senne“ war im Zweiten Weltkrieg eines der größten Kriegsgefangenenlager in Deutschland. Die Gedenkstätte in Schloss Holte-Stukenbrock soll zu einem Erinnerungsort mit internationaler Bedeutung ausgebaut werden. Zu diesem Zweck hatte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) einen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, der jetzt entschieden wurde.
Neben dem Neubau eines Eingangsgebäudes und der denkmalgerechten Sanierung der drei Originalbaracken war eine Freiraum- und Ausstellungskonzept gefordert. Vor allem ging es darum, die Funktion als Verteilstation der Internierten für den Arbeitseinsatz architektonisch umzusetzen.
Szenografie - Ausgehend vom Leitnarrativ „Das Lager wurde überall gemacht“ arbeitet die Szenografie mit dem Leitmotiv des Grids (Rasters) als räumlicher und narrativer Struktur. Das Raster verweist einerseits auf die Lagerlogik mit ihren Barackenreihen, Ordnungssystemen und Verwaltungsstrukturen, andererseits auf das weit verzweigte Netzwerk aus Infrastruktur, Arbeit, Kontrolle und gesellschaftlicher Beteiligung, das weit über die Grenzen des Lagers hinausreichte. Als Netzwerk aus Orten, Biografien und Beziehungen bildet das Grid zudem die Grundlage für Erinnerung, Forschung und gesellschaftliche Verantwortung.
Freiraum - Das Gelände zeigt drei Zustände des Erinnerns gleichzeitig: gepflegte Präsenz, langsames Verblassen, stilles Vergessen. Die heimische Magerrasenvegetation der Senne prägt die Außenanlagen, dazu Mosaikmahd in der Heidelandschaft.
Den Vorplatz bildet eine offene Schotterfläche mit ausgelichteten Bestandsbäumen. Zwei Wegeachsen führen von den Parkplätzen unter das Vordach des Eingangsgebäudes. Von der historischen Lagerachse laufen Wege in die Fläche aus, die besonders interessierte Besuchende zum individuellen Erkunden einladen. Sie werden nicht eingefasst, sondern laufen weggehend aus, bis sie in der Landschaft verschwinden. Ein überlagernder Rundweg verbindet alle drei Zonen und ermöglicht geführte wie individuelle Begehung.
Am südlichen Endpunkt der Lagerachse wird die Lagerstraße als Mauer hochgefaltet. Die Achse endet nicht – sie läuft weiter, ohne Ziel.
Eine überdachte Aussichtstreppe ermöglicht einen gezielten Blick nach Osten in Richtung des sowjetischen Ehrenfriedhofs – bewusst ausgerichtet, ohne Einsicht auf das Polizeigelände. Angrenzend liegt ein Garten für Schulklassen als beschatteter, wettergeschützter Lernort im Freien.
Nachhaltigkeit - Der Neubau wird als Nullenergiehaus in konsequenter Low-Tech-Bauweise konzipiert. Durch eine kompakte Kubatur, einen angemessenen Fensterflächenanteil, großzügige Dachüberstände und natürliche Belüftung in Verbindung mit großen thermischen Speichermassen werden Energiebedarf und Betriebskosten bereits durch architektonische Maßnahmen minimiert.
Stampflehmfertigteile und ein Dachtragwerk aus schwarz verkohltem Holz prägen die Identität des Gebäudes und reduzieren gleichzeitig den Einsatz grauer Energie. Die Konstruktion folgt den Prinzipien des zirkulären Bauens und ermöglicht eine lange Nutzungsdauer, Reparaturfähigkeit und spätere Wiederverwertung der eingesetzten Materialien.
Die Energieversorgung erfolgt vollständig regenerativ über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit Photovoltaikflächen und Batteriespeichern.
Die Freianlagen entwickeln die charakteristische Landschaft der Senne weiter und leisten einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Standorts. Große versiegelte Flächen werden zurückgebaut und renaturiert. Heimische, standortgerechte Vegetation, artenreiche Offenlandbereiche und naturnahe Wildniszonen ohne Pflegeeingriffe fördern die Biodiversität und stärken die Resilienz des Landschaftsraums.
Neben dem Neubau eines Eingangsgebäudes und der denkmalgerechten Sanierung der drei Originalbaracken war eine Freiraum- und Ausstellungskonzept gefordert. Vor allem ging es darum, die Funktion als Verteilstation der Internierten für den Arbeitseinsatz architektonisch umzusetzen.
Architektur - In unserem Konzept lenken zwei klar gesetzte Leitwände den Weg der BesucherInnen. Sie führen vom Parkplatz aus in das Foyer und von dort weiter in den Außenraum, hin zur zentralen Lagerstraße. Das prägende gestalterische Element des Neubaus ist aber ein großes, quadratisches Dach, das alle Funktionen des Gebäudes unter sich zusammenfasst und dem Baukörper eine markante und unaufgeregte Identität verleiht. Gleichzeitig verweist das sichtbar belassene Holzraster auf das historische, serielle Ordnungssystem des ehemaligen Lagers.
Im Verlauf des Rundgangs wird das Grid zunehmend fragmentiert, überlagert und aufgebrochen. Seine Brüche machen Leerstellen, Zeitschichten und vor allem: Handlungsspielräume sichtbar. So entsteht eine Erzählung, die das Lager als menschengemachtes System und die Bedeutung individuellen Handelns innerhalb dieses Systems erfahrbar werden lässt. Auf diese Weise entsteht eine Brücke zu Gegenwart und Zukunft: Erinnerung wird nicht als abgeschlossener Zustand verstanden, sondern als Aufforderung, eigene Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten wahrzunehmen.
Den Vorplatz bildet eine offene Schotterfläche mit ausgelichteten Bestandsbäumen. Zwei Wegeachsen führen von den Parkplätzen unter das Vordach des Eingangsgebäudes. Von der historischen Lagerachse laufen Wege in die Fläche aus, die besonders interessierte Besuchende zum individuellen Erkunden einladen. Sie werden nicht eingefasst, sondern laufen weggehend aus, bis sie in der Landschaft verschwinden. Ein überlagernder Rundweg verbindet alle drei Zonen und ermöglicht geführte wie individuelle Begehung.
Am südlichen Endpunkt der Lagerachse wird die Lagerstraße als Mauer hochgefaltet. Die Achse endet nicht – sie läuft weiter, ohne Ziel.
Eine überdachte Aussichtstreppe ermöglicht einen gezielten Blick nach Osten in Richtung des sowjetischen Ehrenfriedhofs – bewusst ausgerichtet, ohne Einsicht auf das Polizeigelände. Angrenzend liegt ein Garten für Schulklassen als beschatteter, wettergeschützter Lernort im Freien.
Im Übergang zwischen Park- und Sukzessionszone liegt der „Hain der Erinnerung“. Eine umlaufende Stahlkante setzt ihn um etwa 40 cm in den Boden ab. Man tritt hinunter, nicht hinauf. Der Hain ist kein Ort der Trauer, sondern der Besinnung und Gegenpol zum Bewegenden der Ausstellungsräume und dem Erleben des Ortes.
Stampflehmfertigteile und ein Dachtragwerk aus schwarz verkohltem Holz prägen die Identität des Gebäudes und reduzieren gleichzeitig den Einsatz grauer Energie. Die Konstruktion folgt den Prinzipien des zirkulären Bauens und ermöglicht eine lange Nutzungsdauer, Reparaturfähigkeit und spätere Wiederverwertung der eingesetzten Materialien.
Die Energieversorgung erfolgt vollständig regenerativ über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit Photovoltaikflächen und Batteriespeichern.
Die Freianlagen entwickeln die charakteristische Landschaft der Senne weiter und leisten einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Standorts. Große versiegelte Flächen werden zurückgebaut und renaturiert. Heimische, standortgerechte Vegetation, artenreiche Offenlandbereiche und naturnahe Wildniszonen ohne Pflegeeingriffe fördern die Biodiversität und stärken die Resilienz des Landschaftsraums.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf entwickelt die Gedenkstätte Stalag 326 als vielschichtigen Erinnerungsort, der wie erhofft Architektur, Landschaftsarchitektur und Szenografie zu einem schlüssigen Gesamtkonzept verbindet. Das Ensemble aus neuem Eingangsgebäude (Prolog), historischen Bestandsgebäuden und Freianlagen schafft eine klare Besucherführung, mit guter Orientierung, barrierearm und mit strenger dramaturgischer Abfolge.
Ein öffentlicher Raum entlang des Lippstädter Weges wird durch zwei linear verlaufende Leitwände zum Ankunfts- und Sammelplatz definiert. Zwischen diesen zueinander versetzten Stampflehmmauern wird das Eingangsgebäude mit seiner gerasterten Dachkonstruktion - als liegende Scheibe aus karbonisiertem Holz - zum markanten Ankunfts- und Begegnungsort für Besucherinnen und Besucher. Es gelingt, durch die im positiven Sinne markante Gestaltung auf den besonderen Charakter der Gedenkstätte einzustimmen, den Eingangsbereich sowohl als Auftakt wie auch als deutliche Adresse auszuformulieren. Dennoch werden Materialwahl und Erscheinungsbild im Preisgericht ambivalent wahrgenommen.
„Funktionale“ Themen wie ruhender Verkehr, Anlieferung und Orientierung zum Eingangsgebäude sind wie selbstverständlich und überzeugend gelöst.
Das Motiv des Rasters wird zum Leitmotiv - als räumliche und narrative Gesamtstruktur für Architektur und Landschaftsarchitektur. Hierbei wird sowohl die konstruktive Dimensionierung als auch die intendierte Logik eines Ordnungssystems, als Netzwerk aus Orten, Biografien, Beziehungen hinsichtlich seiner Verständlichkeit hinterfragt.
Die innere Organisation des Eingangsgebäudes erlaubt eine flexible Bespielung variabler Räume, überzeugt in seinem konsequenten und offenen Architekturkonzept und schafft klare Blickbeziehungen zum Freiraum des Lagergeländes.
Die Ausstellungen im Neubau mit Prolog, offenem Archiv mit Einblicken in die partizipatorische biographische Forschungsarbeit, versprechen zusammen mit den präzisen szenografischen Ansätzen gute räumliche Angebote.
Zusammen mit den Bestandsgebäuden sollen die drei historischen Zeitschichten des Ortes in den Ausstellungen mit einem hohen Anspruch an Perfektion vermittelt werden. Die vorgeschlagenen baulichen Transformationen und Ergänzungen werden teilweise kritisch hinterfragt.
Freiraum
Auf der Grundlage der tragenden Gesamtidee wird ein klares Freiraumkonzept entwickelt, welches die Struktur und Dimension der Anlage gut erfahrbar macht. Das weit nach Norden geschobene Gebäude unterstützt in seiner gut gewählten Lage diesen Ansatz und schafft zudem einen sinnvoll proportionierten Vorbereich.
Im Bereich des Lagers werden eine offene zentrale Zone und eine dicht bewachsene Randzone unterschieden. Dies schafft räumlich sehr unterschiedliche Erfahrungen mit einer deutlichen Rahmung und Fokussierung auf die Spuren der ehemaligen Baracken. Diese werden größtenteils durch einfache Einfassungen dargestellt, ob es darüber hinaus noch die Inszenierung durch ein Raumskelett geben muss, wird kontrovers diskutiert. Neben den Baracken werden weitere Orte in gut dosierter Stärke inszeniert, interessant ist die Aussichtstreppe als eine ideelle Verbindung zum Ehrenfriedhof.
Wichtigstes Erschließungselement ist ein Rundweg, der am inneren Rand der Rahmung wesentliche Fragmente und räumliche Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar macht und sich durch die Materialität der Betonplatten deutlich als neu eingefügtes Element abzeichnet. Auch die Lagerstraße bleibt ein Baustein der Wegestruktur und in ihrer Asphaltoberfläche erhalten, was von der Jury ausdrücklich gewürdigt wird.
Darüber hinaus wird aus dem Raster ein weiteres Wegesystem entwickelt, welches in seiner ruhigen Orthogonalität zwar alle unterschiedlichen räumlichen Bereiche vereint, jedoch auch einen gewissen Schematismus zeigt. Auch wird kritisch gesehen, dass damit die Zonierung der ehemaligen Teillager mit der dazwischenliegenden Grenze nicht mehr erfahrbar ist.
Ausdrücklich gewürdigt wird das Vegetationskonzept, welches in Rasen-, Heide- und Sukzessionszonen gegliedert ist. Damit wird einerseits das räumliche Konzept der Rahmung unterstützt, andererseits ein starker Landschaftsbezug hergestellt. In diesem Ansatz zeigt sich ein nachhaltiges Denken, was sich auch in einer wirtschaftlichen Pflege der Anlagen niederschlagen dürfte.
Szenografie
Die Verbindung der Wandelemente im Eingangsgebäude mit dem Rundgang über das Gelände bildet in Zusammenhang mit der Lagerstraße eine schlüssige, übergeordnete Erzählstruktur. Ein Grid bildet das gestalterische Leitmotiv und fungiert als verbindendes und strukturierendes Element – sowohl für die Freifläche des Geländes als auch das weit verzweigte Netzwerk außerhalb des Lagers. Gleichzeitig schafft es eine Verbindung zwischen dem historischen Ort und seiner szenografischen Inszenierung.
Der Prolog bietet eine einführende Orientierung zum historischen Ort und eröffnet den Blick auf das Lagergelände. Die Gestaltung bleibt bewusst zurückhaltend und vermittelt die grundlegenden Informationen mithilfe erklärender Ausstellungselemente. Eine interaktive Deutschlandkarte sowie originale Objekte können in Verbindung mit einem Handheld-Gerät vertiefend erkundet werden.
Die historische Projektion in der Entlausungsbaracke ermöglicht einen emotionalen Einstieg in das Thema des Verlusts von Individualität. Die Lichtinszenierung in der Arrestbaracke, welche die originale Bausubstanz hervorhebt, wurde unterschiedlich bewertet. Auch der Umgang mit der neuen Ebene auf der Fassade, die die Fensterform der Jahre der Kriegszeiten aufgreift und interpretiert, wurde als interessanter gestalterischer Ansatz angesehen.
Die barrierefreien Tastmodelle als zusätzliche Vermittlungsebene an den Points of Interest wurden positiv bewertet. Die Reinterpretation der Barackenkonstruktion wurde hingegen kritisch gesehen. Die Gestaltung wurde als attraktiv für ein breites Publikum beurteilt und bietet einen emotionalen Zugang zu den Inhalten. Gleichzeitig wurde sie als angemessen und respektvoll für eine Gedenkstätte eingeschätzt.
Nachhaltigkeit
Das prägende Gestaltungselement des Daches verwendet zwar einen nachwachsenden Rohstoff, jedoch wird dieser in umfangreichem Ausmaß verwendet. Da bei allen verwendeten Baumaterialien der Suffizienzgedanke vorangestellt werden sollte, erscheint das Dachtragwerk als prägnantes Gestaltungselement dennoch überdimensioniert. Die Verwendung von carbonatisiertem Holz als Tragwerk ist ungewöhnlich, da es normalerweise im nichttragenden Bereich der Fassadenbekleidung eingesetzt wird.
Es wird textlich benannt, dass die Konstruktion den Prinzipien des zirkulären Bauens folgt. Die dargestellten Bauteilaufbauten schließen dies grundsätzlich nicht aus. Zur Verwendung von Sekundärrohstoffen oder wiederverwendeten Baumaterialien wird sich jedoch nicht geäußert.
Für die Wandkonstruktion ist eine gedämmte Stampflehmkonstruktion vorgesehen, die auch im bewitterten Bereich zum Einsatz kommt. Dabei werden Auswaschungen akzeptiert. Das Dachtragwerk erscheint jedoch in seiner Rückbaufähigkeit eingeschränkt, was auch für die Gründung und Sohlplatte gilt. Eine Teilunterkellerung ist vorgesehen, wodurch sich der Einsatz mineralischer Baustoffe erhöht. Die natürliche Belüftung sowie die Nachtauskühlung erfolgen über Fenster und Oberlichter. Die genauen Öffnungen sind den Darstellungen nicht zu entnehmen. Ein Hinweis auf eine zusätzlich mechanische Belüftung ist nicht vorhanden.
Kosteneinschätzung
Der Entwurf 3011 liegt leicht über dem in der Auslobung festgehaltenen Budget. Maßgeblich hierfür sind neben der Teilunterkellerung die hohen Rohbaukosten aufgrund der gewählten Konstruktion der Dachdecken mit großer Aufbauhöhe, sowie Spannweiten und die Stampflehmaußenwände. Ausgeglichen werden diese teilweise durch die kostenseitig günstig bewerteten Außenanlagen.
Ein öffentlicher Raum entlang des Lippstädter Weges wird durch zwei linear verlaufende Leitwände zum Ankunfts- und Sammelplatz definiert. Zwischen diesen zueinander versetzten Stampflehmmauern wird das Eingangsgebäude mit seiner gerasterten Dachkonstruktion - als liegende Scheibe aus karbonisiertem Holz - zum markanten Ankunfts- und Begegnungsort für Besucherinnen und Besucher. Es gelingt, durch die im positiven Sinne markante Gestaltung auf den besonderen Charakter der Gedenkstätte einzustimmen, den Eingangsbereich sowohl als Auftakt wie auch als deutliche Adresse auszuformulieren. Dennoch werden Materialwahl und Erscheinungsbild im Preisgericht ambivalent wahrgenommen.
„Funktionale“ Themen wie ruhender Verkehr, Anlieferung und Orientierung zum Eingangsgebäude sind wie selbstverständlich und überzeugend gelöst.
Das Motiv des Rasters wird zum Leitmotiv - als räumliche und narrative Gesamtstruktur für Architektur und Landschaftsarchitektur. Hierbei wird sowohl die konstruktive Dimensionierung als auch die intendierte Logik eines Ordnungssystems, als Netzwerk aus Orten, Biografien, Beziehungen hinsichtlich seiner Verständlichkeit hinterfragt.
Die innere Organisation des Eingangsgebäudes erlaubt eine flexible Bespielung variabler Räume, überzeugt in seinem konsequenten und offenen Architekturkonzept und schafft klare Blickbeziehungen zum Freiraum des Lagergeländes.
Die Ausstellungen im Neubau mit Prolog, offenem Archiv mit Einblicken in die partizipatorische biographische Forschungsarbeit, versprechen zusammen mit den präzisen szenografischen Ansätzen gute räumliche Angebote.
Zusammen mit den Bestandsgebäuden sollen die drei historischen Zeitschichten des Ortes in den Ausstellungen mit einem hohen Anspruch an Perfektion vermittelt werden. Die vorgeschlagenen baulichen Transformationen und Ergänzungen werden teilweise kritisch hinterfragt.
Freiraum
Auf der Grundlage der tragenden Gesamtidee wird ein klares Freiraumkonzept entwickelt, welches die Struktur und Dimension der Anlage gut erfahrbar macht. Das weit nach Norden geschobene Gebäude unterstützt in seiner gut gewählten Lage diesen Ansatz und schafft zudem einen sinnvoll proportionierten Vorbereich.
Im Bereich des Lagers werden eine offene zentrale Zone und eine dicht bewachsene Randzone unterschieden. Dies schafft räumlich sehr unterschiedliche Erfahrungen mit einer deutlichen Rahmung und Fokussierung auf die Spuren der ehemaligen Baracken. Diese werden größtenteils durch einfache Einfassungen dargestellt, ob es darüber hinaus noch die Inszenierung durch ein Raumskelett geben muss, wird kontrovers diskutiert. Neben den Baracken werden weitere Orte in gut dosierter Stärke inszeniert, interessant ist die Aussichtstreppe als eine ideelle Verbindung zum Ehrenfriedhof.
Wichtigstes Erschließungselement ist ein Rundweg, der am inneren Rand der Rahmung wesentliche Fragmente und räumliche Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar macht und sich durch die Materialität der Betonplatten deutlich als neu eingefügtes Element abzeichnet. Auch die Lagerstraße bleibt ein Baustein der Wegestruktur und in ihrer Asphaltoberfläche erhalten, was von der Jury ausdrücklich gewürdigt wird.
Darüber hinaus wird aus dem Raster ein weiteres Wegesystem entwickelt, welches in seiner ruhigen Orthogonalität zwar alle unterschiedlichen räumlichen Bereiche vereint, jedoch auch einen gewissen Schematismus zeigt. Auch wird kritisch gesehen, dass damit die Zonierung der ehemaligen Teillager mit der dazwischenliegenden Grenze nicht mehr erfahrbar ist.
Ausdrücklich gewürdigt wird das Vegetationskonzept, welches in Rasen-, Heide- und Sukzessionszonen gegliedert ist. Damit wird einerseits das räumliche Konzept der Rahmung unterstützt, andererseits ein starker Landschaftsbezug hergestellt. In diesem Ansatz zeigt sich ein nachhaltiges Denken, was sich auch in einer wirtschaftlichen Pflege der Anlagen niederschlagen dürfte.
Szenografie
Die Verbindung der Wandelemente im Eingangsgebäude mit dem Rundgang über das Gelände bildet in Zusammenhang mit der Lagerstraße eine schlüssige, übergeordnete Erzählstruktur. Ein Grid bildet das gestalterische Leitmotiv und fungiert als verbindendes und strukturierendes Element – sowohl für die Freifläche des Geländes als auch das weit verzweigte Netzwerk außerhalb des Lagers. Gleichzeitig schafft es eine Verbindung zwischen dem historischen Ort und seiner szenografischen Inszenierung.
Der Prolog bietet eine einführende Orientierung zum historischen Ort und eröffnet den Blick auf das Lagergelände. Die Gestaltung bleibt bewusst zurückhaltend und vermittelt die grundlegenden Informationen mithilfe erklärender Ausstellungselemente. Eine interaktive Deutschlandkarte sowie originale Objekte können in Verbindung mit einem Handheld-Gerät vertiefend erkundet werden.
Die historische Projektion in der Entlausungsbaracke ermöglicht einen emotionalen Einstieg in das Thema des Verlusts von Individualität. Die Lichtinszenierung in der Arrestbaracke, welche die originale Bausubstanz hervorhebt, wurde unterschiedlich bewertet. Auch der Umgang mit der neuen Ebene auf der Fassade, die die Fensterform der Jahre der Kriegszeiten aufgreift und interpretiert, wurde als interessanter gestalterischer Ansatz angesehen.
Die barrierefreien Tastmodelle als zusätzliche Vermittlungsebene an den Points of Interest wurden positiv bewertet. Die Reinterpretation der Barackenkonstruktion wurde hingegen kritisch gesehen. Die Gestaltung wurde als attraktiv für ein breites Publikum beurteilt und bietet einen emotionalen Zugang zu den Inhalten. Gleichzeitig wurde sie als angemessen und respektvoll für eine Gedenkstätte eingeschätzt.
Nachhaltigkeit
Das prägende Gestaltungselement des Daches verwendet zwar einen nachwachsenden Rohstoff, jedoch wird dieser in umfangreichem Ausmaß verwendet. Da bei allen verwendeten Baumaterialien der Suffizienzgedanke vorangestellt werden sollte, erscheint das Dachtragwerk als prägnantes Gestaltungselement dennoch überdimensioniert. Die Verwendung von carbonatisiertem Holz als Tragwerk ist ungewöhnlich, da es normalerweise im nichttragenden Bereich der Fassadenbekleidung eingesetzt wird.
Es wird textlich benannt, dass die Konstruktion den Prinzipien des zirkulären Bauens folgt. Die dargestellten Bauteilaufbauten schließen dies grundsätzlich nicht aus. Zur Verwendung von Sekundärrohstoffen oder wiederverwendeten Baumaterialien wird sich jedoch nicht geäußert.
Für die Wandkonstruktion ist eine gedämmte Stampflehmkonstruktion vorgesehen, die auch im bewitterten Bereich zum Einsatz kommt. Dabei werden Auswaschungen akzeptiert. Das Dachtragwerk erscheint jedoch in seiner Rückbaufähigkeit eingeschränkt, was auch für die Gründung und Sohlplatte gilt. Eine Teilunterkellerung ist vorgesehen, wodurch sich der Einsatz mineralischer Baustoffe erhöht. Die natürliche Belüftung sowie die Nachtauskühlung erfolgen über Fenster und Oberlichter. Die genauen Öffnungen sind den Darstellungen nicht zu entnehmen. Ein Hinweis auf eine zusätzlich mechanische Belüftung ist nicht vorhanden.
Kosteneinschätzung
Der Entwurf 3011 liegt leicht über dem in der Auslobung festgehaltenen Budget. Maßgeblich hierfür sind neben der Teilunterkellerung die hohen Rohbaukosten aufgrund der gewählten Konstruktion der Dachdecken mit großer Aufbauhöhe, sowie Spannweiten und die Stampflehmaußenwände. Ausgeglichen werden diese teilweise durch die kostenseitig günstig bewerteten Außenanlagen.
Leitwand
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Blick aus dem Foyer auf die Gedenkstätte
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Prolog in der Ausstellung
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Resaturierung der historischen Arrestbaracke
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Bestandsbaracken und Freianlagen
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Sozialwerksbaracke
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Lageplan
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Modell
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