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Einladungswettbewerb | 11/2025

Weiterentwicklung Wohnquartier Bergedorf-West in Hamburg

Lageplan

Lageplan

3. Preis / 1. Stufe

KSP ENGEL

Stadtplanung / Städtebau

nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock

Landschaftsarchitektur

innpeg GmbH

Nachhaltigkeitskonzept, Energieplanung

Weiske und Partner GmbH Beratende Ingenieure VBI

Tragwerksplanung, Brandschutzplanung

Erläuterungstext

Das neue Quartier lässt sich vom Friedrich-Frankbogen aus über mehrere Eingänge flexibel erreichen. Der südliche Zugang führt zur S-Bahnhaltestelle Nettelnburg, während im Norden eine direkte Verbindung vom MobilityHub über einen lebendigen Platz ins Quartiersinnere führt. Der neue Quartiersplatz bildet eine prägnante Adresse und markiert den Auftakt des gesamten Areals. Im Herzen des Quartiers entsteht das „Urbane Wohnzimmer“ – ein lebendiger Ort der zum Verweilen, Austauschen und Gestalten einlädt. Es entsteht ein hochwertiger, nutzungsoffener Raum, der gleichzeitig die erforderlichen Durchfahrtsbreiten für Anlieferung, Rettungs- und Entsorgungsverkehr gewährleistet. Die begrünte Tiefgarage im Bestand wird durch abgetreppte Sitzstufen ergänzt, die sich zum Quartiersplatz hin öffnen. Die TG-Zufahrt wiederum wird auf kürzestem Wege nun von Osten an den Friedrich-Frank-Bogen angeschlossen, so dass dieser in keinen Konflikt mehr mit der Nutzung auf dem Quartiersplatz steht. Westlich des Urbanen Wohnzimmers schließt sich ein großzügiger Grünzug an, der das Quartier mit dem im Westen entstehenden Oberbillwerder landschaftlich verknüpft.
Nördlich und südlich des Grünzugs entstehen halboffene Höfe in Form großzügiger Garten- und Grünflächen, die ein gemeinschaftliches Miteinander fördern. Lichte Baumdächer erzeugen ein Spiel aus Licht und Schatten, während passende Sitzelemente zum Verweilen und zur freien Aneignung der Flächen einladen. Den Erdgeschosswohnungen werden private Grünflächen zugeordnet, die durch halb offene Heckenstrukturen gegliedert sind, um eine Balance zwischen Rückzugsmöglichkeiten und nachbarschaftlicher Vernetzung zu schaffen. Die Nutzung der Erdgeschosszonen der Impuls gebenden Neubauten spiegelt sich im unmittelbaren Außenraum wider und erzeugt so eine einladende Atmosphäre für die Bewohner:innen – etwa für gemeinsame Grillabende oder Kinoveranstaltungen im Freien. Bereits vorhandene Spiel- und Sportmöglichkeiten sind im Entwurf berücksichtigt und werden durch generationsgerechte Angebote wie etwa „Outdoor-Seniorenfit“ ergänzt.
Im Westen bilden gemeinschaftliche Gärten, Pergolen und weitläufige Blühwiesen den grünen Rücken. Die introvertierten grünen Höfe sorgen für einen sanften Übergang der Kleingartenkolonie im Westen bis hin zum urban geprägten Erschließungsraum des Friedrich-Frankbogens im Osten. Der Entwurf sieht einen wirtschaftlichen und sensiblen Umgang mit dem vorhandenen Gelände vor, sodass Anschlusshöhen gewahrt bleiben und ein barrierefreier Zugang zu allen Bereichen gewährleistet wird.
Durch die Anordnung der Plätze, Eingänge und Wegeverbindungen wird der Versiegelungsgrad des Areals möglichst gering gehalten. Es entstehen zahlreiche Rasen- und Vegetationsflächen, teils mit Blühstreifen und Wiesenabschnitten. Der üppige Baumbestand wurde weitestgehend erhalten und wird durch klimaresiliente Stadtbäume ergänzt. Das Stadtgrün und die Retentionsmulden sind wesentliche Bausteine zur Verbesserung des lokalen Mikroklimas. Gründächer, Rasenflächen sowie versickerungsfähige Materialien sorgen für eine Verzögerung des Abflusses von Regenwasser. Die Fassaden- und Dachbegrünung sowie insektenfreundliche Wiesen und artenreiche Hecken- und Baumpflanzungen leisten einen wertvollen stadtökologischen Beitrag und verbessern zudem erheblich die Aufenthaltsqualität.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Frage, wie deutlich und stark man das bestehende Wohnungsbauensemble in Bergdorf-West nachverdichtet, gibt die Arbeit eine „offensive“ Antwort. Der Vorschlag geht von einer nennenswerten Steigerung der baulichen Dichte aus, was die Jury grundsätzlich begrüßt - ist doch nur so eine realistische Weiterentwicklung und bauliche Umsetzung letztlich möglich. Im Wesentlichen erfolgt die bauliche Weiterentwicklung mit zwei Typologien, die die Entwurfsverfasser „Ergänzer“ und „Impulsgeber“ nennen.

Erstere sind, mit einer Ausnahme im südlichen Plangebiet, kürzere riegelartige Anbauten an die Brandwände der Bestandsgebäude. Die Impulsgeber sind quadratische Gebäude unterschiedlicher Höhe, die entweder einzeln oder gekoppelt auftreten. Mit beiden Gebäudetypen soll die bestehende in Teilen indifferente städtebauliche Struktur ablesbarer werden, Räume gefasst und Akzente gesetzt werden. Das gelingt im Grundsatz zwar, führt aber in der Konsequenz an vielen Stellen zu neuer Beengtheit und Beeinträchtigungen des Bestandes, die von der Jury kritisch beurteilt werden - auch, weil das nicht nur an der gewählten Höhe der neuen Gebäude liegt, sondern grundsätzlich an ihrer Positionierung. Die heute großzügigen Freiräume, die die besondere Qualität der Siedlung ausmachen, werden in Teilen zu Resträumen. Der Anspruch, dass von einer Weiterentwicklung des Bestandes eben auch die heutigen Bewohner profitieren müssen, kann die Arbeit deshalb nicht ganz gerecht werden. Die Aussagen zur künftigen Architektur und zum modularen Bauen sind grundsätzlich nachvollziehbar, gehen aber über die übliche Aussagekraft und das gängige Maß nicht hinaus.

Die Anbindung des westlichen neu entstehenden Stadtteils Oberbillwerder erscheint plausibel, der kleine Platz als Auftakt- bzw. Endpunkt dieser neuen Verbindungslinie ist im Grundsatz plausibel.

Die Ausformulierung der beiden Garagenbauwerke bleibt schematisch und im Falle des südlichen Standortes innerhalb der Siedlung auch unwirtschaftlich. der nördliche Standort nimmt wenig Rücksicht auf die städtebauliche Bedeutung der Kreuzungslage und noch weniger auf die vorhandene Schule.

In Summe trägt die Arbeit deutlich zur Diskussion um die Art und das Maß einer städtebaulichen und freiräumlichen Weiterentwicklung von Bergedorf-West bei, formuliert richtige Ansätze, die aber etwas über das Ziel hinausschießen und im Detail nicht die Qualitäten versprechen, die für eine erfolgreiche Umsetzung zwingen erforderlich wären. Der Ansatz, nicht in erster Linie behutsam die bestehende Logik einfach nur fortzusetzen, wir von der Jury durchaus positiv bewertet.
Grundrissplan

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