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Einladungswettbewerb | 07/2025

Weiterentwicklung Zechwald-Areal in Lindau

6

1. Preis

Preisgeld: 45.000 EUR

schneider+schumacher

Stadtplanung / Städtebau, Architektur

Carla Lo Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

THIRD

Visualisierung

Erläuterungstext

Das etwa 3,6 ha große Wettbewerbsgebiet im Stadtteil Zech markiert eine Schlüsselstelle für die Transformation eines ehemals gewerblich geprägten Bereichs hin zu einem urbanen, gemischt genutzten Quartier. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Stadtteilmitte für Lindau-Zech, die Wohnen, Arbeiten, soziale Infrastruktur und öffentlichen Raum in einem klimaangepassten Gesamtkonzept zusammenführt.
Die Bebauung folgt dem Prinzip modular aufgebauter Hoftypologien mit innenliegender gemeinschaftlicher Erschließung. Über offene Laubengänge und zentrale Treppenhäuser, die teilweise über Brücken miteinander verbunden sind, werden die Wohnungen erschlossen. Die Hofräume bieten Raum für gemeinschaftliche Nutzungen wie Fahrradabstellplätze, Sitzgelegenheiten und Aufenthaltszonen unter ein bis zwei schattenspendenden Bäumen. Diese Höfe sind kommunikative, lebendige Orte – funktionale Schnittstellen zwischen privatem Wohnen und öffentlichem Quartier.
Die privaten Gärten und Terrassen sind nach außen orientiert, wodurch eine klare funktionale Trennung und eine hohe Aufenthaltsqualität gewährleistet wird. Die Orientierung zum Landschaftsfinger und angrenzenden Grünstrukturen ermöglicht Privatheit, Ausblick und eine enge Verbindung zur Umgebung.
Vorgesehen ist ein ausgewogenes Verhältnis von Wohnen (ca. 300 WE), kleinteiligem Gewerbe, sozialer Infrastruktur und quartiersbezogener Nahversorgung. Die Erdgeschosszonen werden gezielt für nichtstörende gewerbliche Nutzungen aktiviert. Gemeinschaftsräume, ein Quartierscafé sowie Flächen für soziale Einrichtungen ergänzen das Programm. Diese Mischung fördert die soziale Durchmischung, sichert die Versorgung im Quartier und stärkt das Miteinander im Stadtteil.

Beurteilung durch das Preisgericht

Entlang der Bregenzer Straße bilden drei kraftvolle Baukörper, v.a. die markante Kubatur der Garage im Westen, den Auftakt in das neue Quartier. Ohne Beliebigkeit und mit hoher Qualität schließt an diese überwiegend gewerblich genutzten Gebäude die Wohnbebauung in Richtung des Bestandes an. Diese ist um 5 Höfe angeordnet, wobei sich die Gebäude teilweise aus der Blockstruktur lösen und um den Hof herum freispielen. So wird der Hof zu Vermittler zwischen öffentlichem und privatem Freiraum. Der Freiraum ist netzförmig organisiert und spannt gut proportionierte Plätze auf von hoher Aufenthaltsqualität auf. An der Flanke zur Zechwaldstrasse gelingt die Öffnung und Anbindung über die sich eindrehenden Baukörper hin zur kleinteiligen Nachbarbebauung sehr gut.

Ebenso positiv bewertet wird die Öffnung zum Kopernikusplatz mit Gastronomie und Treffpunkt zur Belebung. Daran anschließend ist die neue Positionierung des Ersatzwohnungsbaus gut gewählt. In diesem Bereich erfolgt eine enorme Aufwertung des bestehenden Quartiers. Auch im Westen erfolgt eine gute Anbindung an die Freiflächen. Hier ist die Kita so positioniert, dass der Außenbereich der Spielflächen sinnhaft an die Sport- und Freizeitflächen der Stadt anschließen.

Während die Wohnflächen insgesamt den Anforderungen entsprechen, ist die Arbeit im Nachweis von Gewerbeflächen eher zurückhaltend. Ebenso ist der Nachweis für die vorgesehenen Flächen für PKW- und Fahrradstellplätzen in Bezug auf die vorgesehene Dichte vage und unvollständig und müsste nachjustiert werden.

Die Lage des Parkhauses erscheint an der richtigen Stelle. Die Hauptanbindungen über die westliche Stichstraße und die Zechwaldstraße ergeben eine einfache und sinnvolle Erschließungssituation. Ebenerdige Kurzzeitparkplätze im Bereich Bregenzer Straße befriedigen die Ansprüche an die gewerblichen Nutzungen inkl. Kita. Zeichnerisch dargestellt ist die
tatsächliche Ausbildung der Anlieferung, ihre Funktionalität bleibt jedoch unklar.

Mit der Gestaltung der öffentlichen und privaten Bebauung schaffen die Verfasser eine insgesamt hohe räumliche Qualitäten und gute Atmosphäre für das neue Wohnquartier.
Die Typologie der Laubengänge schafft eine weitere halböffentliche Belebung der Innenbereiche der Wohnhöfe, die privaten Außenbereiche der Wohnungen sind jeweils in den Stadtraum orientiert und beleben diesen damit. Klare durchgesteckte Wohnungsgrundrisse ermöglichen die effektive natürliche Belichtung und Belüftung. Die konsequenten Erschließungsstrukturen außerhalb der thermischen Hülle, sowohl über Laubengänge als auch in den Solitären über eine 2-Spännerstruktur, reduzieren das beheizte Volumen und tragen damit aus der Architektur hinaus zur Effizienzsteigerung der Entwurfes bei. Das stringente Umsetzen dieser Typologie im gesamten Quartier wird kontrovers diskutiert.

Konstruktiv sind alle Baukörper konsequent in Holz-Hybridbauweise bis ins Erdgeschoss vorgeschlagen, damit bieten sie ein hohes Potential zur Umsetzung im Holz-Systembau. Auch die vorgestellten Balkone und Laubengänge folgen dieser Logik. Mit der Maximierung der Holzbauweise sowie der Vermeidung von Untergeschossen gelingt eine ökologische Bauweise mit gleichzeitig geringer Versiegelung.

Der Entwurf birgt einen hohen Wiederholungsfaktor in der Gebäudekonstruktion und bietet damit eine ökonomische Umsetzbarkeit als Systembau. Alle Fassaden sind mit hohem energetischen Standard ausgeführt, der eine gute Energieeffizienz erwarten lässt. Durchgesteckte Wohnungen bieten eine gute Grundlage zum Verzicht auf technische Anlagen und damit eine hohe Langlebigkeit. Im Bereich der Energieversorgung ist das Konzept nachvollziehbar, die Umsetzung von Erdsonden zur Nutzung von Geothermie kann im Freiraum umgesetzt werden.

Insgesamt überzeugt der Entwurf durch eine sehr hohe städtebauliche Qualität mit robusten Baukörpern und einem großen Potential in der gut gestalteten Umsetzung des Holz-Systembaus.

Freiraum:
Die städtebauliche Setzung der einzelnen Cluster lässt unterschiedlich große Freiräume entstehen. Diese erlauben ein differenziertes Angebot an Nutzungsmöglichkeiten und versprechen eine hohe Flexibilität für die weitere Ausarbeitung. Die Arbeit bietet eine hohe Durchlässigkeit und gute Vernetzung mit seiner Umgebung: Die Freifläche der Kita orientiert sich richtigerweise zu den westlich angrenzenden Sportflächen, entlang der Zechwaldstraße vermittelt ein grünes Fragment zwischen dem Zechwald-Areal und seinen östlichen Nachbarn. Der Vorplatz an der Bregenzer Straße bietet einen urbanen Auftakt ins Quartier und findet sein nachbarschaftliches Pendant in dem nördlich in Richtung Kopernikusplatz orientierten Treffpunkt mit Gastronomie. Die Wohnhöfe innerhalb der Cluster versprechen eine hohe Freiraumqualität für ein nachbarschaftliches Miteinander, jedoch wird der recht hohe Versiegelungsgrad kritisch hinterfragt.

Hinsichtlich Klimaanpassung und Nachhaltigkeit bietet der Entwurf mit seinem hohen Grünanteil, schattenspendenden Bäumen, Biodiversitäts- und Retentionsflächen lobenswerte Ansätze.
Lageplan

Lageplan

Grundriss

Grundriss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Regelgeschoss

Grundriss Regelgeschoss