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Einladungswettbewerb | 07/2025

Weiterentwicklung Zechwald-Areal in Lindau

Perspektive Promenade
12

Perspektive Promenade

2. Preis

Preisgeld: 30.000 EUR

CKRS ARCHITEKTEN

Stadtplanung / Städtebau, Architektur

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Vier Höfe, ein Quartier

In Lindau, nur wenige Schritte vom Bodensee entfernt und in direkter Nachbarschaft zur österreichischen Grenze, wird das ehemalig gewerblich genutzte Zechwald-Areal zu einem zukunftsweisenden urbanen Quartier mit ca. 300 Wohneinheiten und 12.000 Quadratmetern Gewerbefläche weiterentwickelt.

An der stark frequentierten Bregenzer Straße markieren zwei Gebäude mit fünfgeschossigem Sockel und Hochpunkten den städtebaulichen Auftakt des neuen Quartiers. Sie schirmen das dahinterliegende ruhige Wohngebiet vom Lärm der verkehrsreichen Straße ab.

Das neue Wohnquartier ist in vier überschaubare Nachbarschaften gegliedert. Jeweils vier Wohnhäuser mit holzsichtigen begrünten Fassaden gruppieren sich um gemeinschaftlich genutzte Wohnhöfe, die ein nachbarschaftliches Miteinander von hoher Qualität ermöglichen.

Vom zentralen Eingangsplatz an der Bregenzer Straße führt der grüne Quartiersanger mitten durch das Quartier. Er bietet als ruhige grüne Lunge eine hohe Aufenthalts- und Wohnqualität. Am Eingangsplatz befinden sich das zentrale Parkhaus sowie Car- und Bikesharing-Angebote, sodass das übrige Quartier autofrei bleibt.

Östlich schließt das Quartier mit einer baumbestandenen Promenade ab. Hier beleben Geschäfte, Gastronomie und kleinteiliges Gewerbe den Quartiersrand.

Im Westen sind in ruhigerer Lage eine Kindertagesstätte sowie weitere soziale Einrichtungen wie das Ärztehaus vorgesehen. Den Abschluss des Quartiers bildet hier das neu ausgebaute Sportfeld mit einem Aussichtsturm, der einen weiten Blick in die Umgebung und bis zum See ermöglicht. Ein weiterer Panoramapunkt entsteht mit dem Dachcafé über dem Parkhaus.

Die geplante Bebauung kombiniert Geschosswohnungsbau und Reihenhäuser mit drei bis fünf Etagen. Durch flach geneigte Satteldächer fügen sich die Gebäude harmonisch in den bestehenden städtebaulichen Kontext ein. Alle Baukörper entstehen in reiner Holzbauweise als modulare Holzsystembauten.

Im Zentrum des Quartiers befindet sich ein linearer Park mit Naturerfahrungsräumen, Spielmöglichkeiten und ruhigen Rückzugsräumen für die Nachbarschaft.
Eine grüne Fuge, an der auch die Wohnhöfe liegen, verbindet das Quartier mit dem See. Die ausgewogene Verteilung von öffentlichen, gemeinschaftlichen, halböffentlichen und privaten Freiräumen bildet die Grundlage für ein differenziertes Freiraumangebot.

Es entsteht ein beispielhaftes nachhaltiges Quartier der kurzen Wege mit hoher Grün- und Freiraumqualität, in dem auf ein Auto verzichtet werden kann.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit zeichnet sich durch die gute Einbindung des Städtebaus in die Umgebung, die gelungene Zonierung der Nutzungen und der starken Verflechtung der Freiräume aus.

Die gewerbliche Nutzung ist sinnvoll an der Bregenzer Straße konzentriert und schafft gemeinsam mit der Quartiersgarage einen wirksamen Puffer hinsichtlich der Lärmemissionen ohne das Wohnquartier komplett räumlich abzutrennen. Eine starke Verbindung zum See wird über die grüne Fuge als Natur-Promenade gewährleistet, an der sich beiderseits die Wohnhöfe aufspannen und die eine Verbindung zum Landschaftsfinger am Max-Halbe-Weg schafft. Die Bedeutung des vorhandenen Quartiersplatzes an der Kirche (Kopernikusplatz) wird durch die neue Promenade gestärkt, die entlang der Zechwaldstraße die Baumreihe flankiert und damit Abstand schafft zu dem bestehenden Wohnviertel und Fußgänger vom Fahrverkehr trennt.

Die städtebauliche Konfiguration der Wohngebäude, als Mischung aus Geschosswohnungsbau und Reihenhäusern, sammelt sich in guter Maßstäblichkeit um vier Höfe. Dies spiegelt sich auch in der angemessenen Höhenentwicklung der Gebäude wider, die im Wohngebiet zwischen 3 und 5 Geschossen vorgeschlagen werden. Nur an der Ecke Bregenzer/ Zechwaldstr. wird ein markanter Hochpunkt mit 8 Geschossen auf die Quartiersgarage aufgesetzt. Die Jury lobt diesen adressbildenden Auftakt für das neue Quartier, auch wenn sie in ihrer Maßstäblichkeit leider zu wenig auf die Nachbarbebauung eingeht. Ein weiterer gewerblich genutzter Hochpunkt leitet zur grünen Fuge über. Kindergarten und weitere Läden liegen an geeigneter Position im Viertel.

Die Verfasserin bildet die Wohngebäude mit einem flach geneigten Satteldach aus, was positiv zur Einfügung in den bestehenden Kontext beiträgt und auch als dauerhafte Konstruktion für die Lebenszykluskosten gesehen werden kann.
Kritisch diskutiert wird die Fassadengestaltung, der es an gestalterischer Vielfalt und Plastizität fehlt. Die Grundrissausbildung hat Optimierungsbedarf. Die geforderte Systembauweise scheint realisierbar.

Die funktionalen Anforderungen sind erfüllt, die Anzahl der Wohnungen liegt unter dem Mittel, die gesamte BGF am unteren Ende der Anforderungen. Die Proportionen der Häuser bieten die Möglichkeit für unterschiedliche Wohnungstypologien und Flexibilität. Die Quartiersgarage ist umnutzbar, was befürwortet wird.

Die Holz-Beton-Hybridbauweise bietet die Vorteile für eine treibhausgasreduzierte Bauweise. Konstruktiv und energetisch lassen sich die Gebäude wirtschaftlich erstellen. Positiv wird gesehen, dass keine Untergeschosse angeboten werden.

Da das gesamte Quartier nicht durch Tiefgaragen oder Sockelgeschosse unter- oder überbaut ist, sind die Grünräume gut geeignet das Versickerungspotential und das Regenmanagement zu gewährleisten. Die städtebauliche Anordnung, Bauweise und Freiraumgestaltung erfüllt die Nachhaltigkeitskriterien. Die wirtschaftliche Realisierbarkeit ist durch die bauliche Konzeption voraussichtlich gut gegeben.

Die Kurzzeitparker vor der Gewerbenutzung werden als positiv bewertet, jedoch ist die mittlere Einfahrt verkehrstechnisch schwierig. Der Kindergarten ist mit Kurzzeitparkplätzen gut erschlossen. Das Viertel bleibt weitgehend verkehrsfrei. Der Lösungsansatz für die gewerbliche Anlieferung wird als sehr durchdacht wahrgenommen. Der Entwurf für die Zechwaldstraße wird aus verkehrsplanerischer Sicht begrüßt. Die Angebote des Mobilitätskonzepts bieten gute Ansätze für Verhandlungen bezüglich der zu knapp bemessenen Stellplatzanzahl.

Nachhaltige Bauweisen, Tageslichtversorgung, energetische Effizienz, natürliche Belüftung sind in einer guten Qualität umgesetzt. Insgesamt bietet der Entwurf, von der städtebaulichen Anordnung, Maßstäblichkeit und Ausdruck einen anerkennenswerten Beitrag zur Aufgabenstellung.

Freiraum:
Die städtebaulich-freiraumplanerische Reaktion auf den Landschaftsfinger im Norden und seine Fortsetzung als Naturpromenade mit Retentions- und Biodiversitätszonen bis zur Bregenzer Straße ist eine angemessene Reaktion auf den Kontext und wird positiv bewertet. Die Zechwaldstraße, erweitert um eine Promenade mit Aufenthaltszonen entlang einer belebten Erdgeschosszone, ist eine gelungene Verbindung von der Bregenzer Straße in Richtung Kopernikusplatz und eine attraktive Anbindung der südöstlichen Nachbarschaft.

Im Quartier versprechen vier Höfe ein nachbarschaftliches Miteinander von hoher Qualität. Die Ausgewogenheit an öffentlichen, gemeinschaftlichen, halböffentlichen sowie privaten Freiflächen bietet eine gute Basis für ein differenziertes Freiraumangebot. Jedoch wird der recht hohe Versiegelungsgrad im Bereich der Höfe kritisch hinterfragt.
Perspektive Wohnhof

Perspektive Wohnhof

Lageplan

Lageplan

Piktogramm Zonierung

Piktogramm Zonierung

Piktogramm Wohnhof

Piktogramm Wohnhof

Vertiefungsbereich 1- Grundriss Erdgeschoss

Vertiefungsbereich 1- Grundriss Erdgeschoss

Vertiefungsbereich 1 - Grundriss Regelgeschoss

Vertiefungsbereich 1 - Grundriss Regelgeschoss

Vertiefungsbereich 1 - Schnitt A-A

Vertiefungsbereich 1 - Schnitt A-A

Vertiefungsbereich 1 - Schnitt B-B

Vertiefungsbereich 1 - Schnitt B-B

Vertiefungsbereich 2 -Grundriss Erdgeschoss

Vertiefungsbereich 2 -Grundriss Erdgeschoss

Vertiefungsbereich 2 - Grundriss 1. Obergeschoss

Vertiefungsbereich 2 - Grundriss 1. Obergeschoss

Modellfoto

Modellfoto