Einladungswettbewerb | 07/2025
Weiterentwicklung Zechwald-Areal in Lindau
5
Perspektive
©UTA
3. Preis
Preisgeld: 13.000 EUR
Erläuterungstext
Das neue Zechwaldareal entsteht in einer stadträumlich besonderen Lage: Es bildet einerseits den Auftakt an der Bregenzer Straße, andererseits bindet es sich Richtung Nordosten nahtlos in den bestehenden Ort stadträumlich ein. Rund um die neue Wegverbindung entwickelt sich eine Abfolge von Plätzen. Diese Abfolge bildet das Rückgrat einer zentralen Slow-Mobility-Achse, die dem Fuß- und Radverkehr gewidmet ist. Die Hochpunkte mit ihren öffentlichen Erdgeschossnutzungen und den gemeinschaftlichen Dachterrassen akzentuieren den neuen Zechplatz. Sie bieten nicht nur attraktive Aufenthaltsbereiche für Alle, sondern eröffnen eindrucksvolle Ausblicke – auf den Bodensee, in die Weite der Landschaft und zu den umliegenden Bergen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser:innen entscheiden sich für eine Baustruktur mit drei dichten, eher geschlossenen Blöcken zur Bregenzer Straße und lockeren Strukturen im hinteren Teil des Grundstücks. So entsteht ein sensibler Umgang mit den unterschiedlichen Umgebungsbedingungen. Zur Zechwaldstraße nimmt die Dichte der Bebauung richtigerweise ab, so entsteht eine willkommene Vernetzung in die Umgebung. Die ‚Frequenz’ wird im vorderen Bereich sehr gut abgefangen, hier entsteht eine urbane neue Mitte mit einer klaren Adressbildung.
Das Erschließungskonzept funktioniert grundsätzlich, es gibt jedoch auch Fragen und ungelöste Anforderungen. So werden die vier Anbindungen an die Bregenzer Straße kritisch gesehen, vor allem weil hierfür Bäume entfallen müssen, was nicht vorstellbar ist. Die Quartiersgarage liegt an der richtigen Stelle, auch die Anlieferung über die Höfe ist vorstellbar und könnte möglichst störungsfrei im Alltag funktionieren. Es gibt keine Tiefgaragen, was aus ökologischen und ökonomischen Gründen sehr befürwortet wird. Wie mit Kurzzeitparken und Fahrradabstellflächen umgegangen wird, bleibt ebenso offen wie die Frage nach der Anzahl der Stellplätze die defizitär erscheint.
Die Wegeverbindungen innerhalb des Quartiers und zum Kopernikusplatz sind gut gewählt. Eine Vernetzung zwischen Bestand und Neubau gelingt, allerdings wird die Grundstücksgrenze zur GWG nicht eingehalten. Geschickt gewählt ist die Lage des Kindergartens, allerdings bleibt die Erschließung in diesem Bereich etwas unklar.
Die kräftigen Gebäude an der Bregenzer Straße schaffen zwar Identität und eine klare Adressbildung; ihre Volumetrie wird aber auch kontrovers diskutiert. Die starke Dichte im südlichen Teil des Grundstückes bringt Nachteile in der Grundrissgestaltung mit sich. Die sehr tiefen Baukörper bedingen wenig belichtete Zonen, die Grundrisse finden hier keine passenden Antworten.
Ein gastronomisches Angebot belebt den Quartiersplatz und schafft einen gelungen Übergang zum Wohnen. Allerdings wird die Tragfähigkeit einer gastronomischen Nutzung an dieser „introvertierten“ Stelle diskutiert. Eine Flexibilität hinsichtlich der Nutzungsverteilungen im Quartier ist jedoch gegeben. Vier Wohnhöfe bilden jeweils eigene kleine Nachbarschaften. Die Grundrisse der Wohngebäude lassen Fragen hinsichtlich der Erschließung, der Orientierung und Privatheit offen. Lange Erschließungsbrücken werden kritisch gesehen.
Nutzungsflexibilität ist durch ein erhöhtes Erdgeschoss in den gewerblich genutzten Bereichen grundsätzlich gegeben, allerdings erscheint die Höhe hier als zu gering gewählt. Die Gebäudekörper der Wohngebäude lassen eine flexible Grundrissgestaltung und unterschiedliche Wohnungsgrößen zu. Gemeinschaftlich genutzte Dachterrassen erhöhen die Wohnqualität.
Die Konzeption der Bebauung liefert grundsätzlich Voraussetzungen für eine serielle Holzbauweise, auch wenn Fragen offen bleiben. Der Entwurf sowie die Holzhybridbauweise bieten gute Voraussetzungen für eine wirtschaftlich tragfähige Umsetzung.Kontrovers diskutiert wird die Farbgebung und Fassadengestaltung, die etwas stereotyp wirkt. Zum Energiekonzept werden nachvollziehbar Aussagen getroffen, die aber nicht vertieft werden.
Dem Entwurf gelingt es, ein urbanes Zentrum für den Stadtteil mit klarer Adressbildung zu schaffen. Besonders hervorzuheben ist die städtebaulich sehr sensible Vernetzung mit der Umgebung sowie die gelungene städtebauliche und freiraumplanerische Setzung am Kopernikusplatz mit dem gelungenen Gegenüber zur ortsbildprägenden Kirche. So entsteht nicht nur ein neues, lebenswertes Quartier in Lindau auf dem Zechwald-Areal, sondern auch die gewünschte Aufwertung für den Stadtteil in der Verbindung zwischen Alt und Neu.
Freiraum:
Die Gliederung der Freiflächen in öffentliche, halböffentliche und private Bereiche ist gut gelungen. Die Wegeführung und räumliche Vernetzung mit der Nachbarschaft östlich der Zechwaldstraße, dem Kopernikusplatz und dem Grünzug werden überzeugend gelöst und versprechen eine gute Verankerung des Quartiers im stadt- und freiräumlichen Umfeld. Der Verzicht auf die Unterbauung der Freibereiche mit Tiefgaragen verspricht eine qualitätsvolle Durchgrünung des zukünftigen Zechwald-Areals und eine gute Umsetzbarkeit bei der Versickerung des Regenwassers. Eine klimaangepasste, biodiverse Begrünung und Umsetzung des Schwammstadtprinzips wären grundsätzlich denkbar, sind aber in den Freiflächen nicht überall ablesbar.
Lageplan
©UTA x Hannes Hörr
Schnitt / Ansicht
©UTA
Picto
©UTA
Modellfoto
©UTA