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Einstufiger, begrenzt offener städtebaulicher Ideenwettbewerb mit hochbaulichem und landschaftsarchitektonischem Realisierungsteil | 04/2008

"Weltquartier" Wilhelmsburg

lageplan

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1. Preis

efs architekten + stadtplaner engelhardt feyerabend sippel partnerschaft mbb

Architektur

ANDRESEN LANDSCHAFTSARCHITEKTEN

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

AUSGANGSSITUATION
Das Weltquartier weist hohe Qualit√§ten und Potentiale auf. Klare und einfache Bauk√∂rper, sensibel in den Stra√üenraum gesetzt, ordnen sich um einen zentralen inneren Gr√ľnzug und entlang des √∂ffentlichen Parks.

Das Quartier hat eine hohe Bewohnerzufriedenheit, die soziale Struktur und Nachbarschaft soll durch die Maßnahmen gestärkt werden und die Identifikation der Bewohner mit dem Quartier erhalten bleiben.

Ziel ist der Erhalt und die Stärkung der vorhandenen Qualitäten. Städtebauliche Defizite in Teilbereichen werden behoben und der bauliche Zustand modernisiert ohne die Identität des Quartiers aufzugeben.

ST√ĄDTEBAU
Wilhelmsburg ist im Bereich zwischen dem Veringskanal und der Georg-Wilhelm-Stra√üe durch Nord-S√ľd verlaufende st√§dtebauliche Zonen gepr√§gt.
Am Kanal zieht sich ein Gewerbeband entlang, das durch die anschließende Wohnbebauung als geschlossener Rand von der Veringstraße abgegrenzt wird.
Zwischen der Veringstraße und der Weimarer Straße befinden sich mehr oder weniger geschlossene Blöcke, die sich im Weltquartier in eine Zeilenstruktur auflösen.
Die √∂stliche Weimarer Stra√üe bildet mit Zeilenbebauungen einen Rand zum anschlie√üenden Gr√ľnbereich, der mit Solit√§rbauten durchsetzt ist.

Ziel der städtebaulichen Interventionen ist eine Stärkung und Reparatur dieser vorgefundenen Struktur.

FREIANLAGEN
Die geschlossene st√§dtebauliche Struktur erzeugt einen zentralen Hofinnenbereich, der als zusammenh√§ngender Raum gestaltet wird. Garteninseln bewegen sich, wie Strandgut kommen sie an den unterschiedlichsten Stellen zu liegen. Diese Inseln k√∂nnen je nach Herkunft und Kulturzugeh√∂rigkeit der jeweiligen Nutzer unterschiedlichste Gartenthemen aufweisen. Jede erz√§hlt ihre eigene Geschichte. Den Gartenhof zwischen Vering- und Weimarer Stra√üe durchzieht zus√§tzlich ein flie√üender M√§ander. Er weitet sich je nach Bedarf und Flie√ügeschwindigkeit aus. Auch hier stranden einige Garteninseln, als Spielpl√§tze oder Aufenthaltsbereiche im Freien, die unter Umst√§nden von Ruhebed√ľrftigen aufgesucht werden.
Kopfbauten als Neubauten im Norden und S√ľden schlie√üen die kleine Oase r√§umlich ab, zeichnen die urspr√ľngliche st√§dtebauliche Figur nach und pr√§zisieren den r√§umlichen Umgriff. Querspangen verbinden das Quartier mit dem Gr√ľnzug im Osten und dem Veringkanal im Westen.

Der Weimarer Platz erh√§lt durch behutsame Zur√ľcknahme der vorhandenen Bebauung im Westen eine v√∂llig neue Orientierung im Quartier. Eine zus√§tzliche Querspange arbeitet seine Bedeutung als Quartierplatz heraus. Seine Proportionen werden behutsam auf das angemessene Ma√ü angepasst. Er wird kein Stadtplatz, sondern soll mehr, einer guten Stube gleich, selbstverst√§ndlicher Lebensmittelpunkt im Quartier werden. Ein neues Stadtm√∂bel bietet vielf√§ltigsten Bet√§tigungen Anreiz. Backgammon, Schach und andere Brettspiele, Information, Cafe und Austausch, Boule und Blumen, Sehen und Treffen, der Schnack um die Ecke oder das Palaver. Vieles wird m√∂glich.

Im Strassenraum wird die klare st√§dtebauliche Struktur der langgezogenen Bauk√∂rper, die leicht versetzt zueinander einen abwechslungsreichen √∂ffentlichen Stra√üenraum generieren, grunds√§tzlich erhalten. Die G√§rten in den Hausvorfeldern √ľberzeichnen durch Ihre zus√§tzlichen Vers√§tze die r√§umliche Wirkung. Erschlie√üungsfunktionen, aber auch das Leben und Reden, der Austausch √ľber den Gartenzaun sind hier m√∂glich.

VERKEHR
Durch zwei wesentliche Interventionen wird die Erschließung grundsätzlich geändert.
Die Weimarer Stra√üe wird von Norden zur Sackgasse, nur Feuerwehr und M√ľllfahrzeuge d√ľrfen den Weimarer Platz durchfahren. Im S√ľden wird der Verkehr der Weimarer Stra√üe im Kreis durch den neu gestalteten Welt-Gewerbe-Hof gef√ľhrt.
So entsteht ein verkehrsberuhigter Weimarer Platz, und ein offener Gewerbe-Hof.
Ersatz- und Neustellplätze entstehen in der Weimarer Straße durch Senkrechtparker und Parkplätze im Gewerbe-Hof.


KOPFBAU NEUH√ĖFER STRASSE
Die bisherige Bebauung s√ľdlich der Neuh√∂fer Stra√üe mit zwei senkrecht zur Stra√üe liegenden Zeilenbauten √∂ffnen zur Zeit die r√ľckw√§rtige Gr√ľnfl√§che zur Stra√üe. Die Grenzen zwischen √∂ffentlichen und privaten Fl√§chen verschwimmen, es entsteht eine deutliche Schallbelastung des Innenbereiches.

Der Neubau schlie√üt den Innenbereich u-f√∂rmig und erzeugt dabei eine klare Raumkante zur Neuh√∂fer Stra√üe. In seiner H√∂henentwicklung reagiert er auf die unterschiedlichen Bedingungen der einzelnen Situationen: Die Ecke Neuh√∂fer Stra√üe - Veringstra√üe wird √ľber ein Staffelgeschoss betont.
Entlang der Veringstraße staffelt sich das Gebäude auf 3 Geschosse ab.
Entlang der Neuh√∂fer Stra√üe wird das Staffelgeschoss √ľberwiegend weitergef√ľhrt, staffelt sich aber zur Einm√ľndung Weimarer Stra√üe hin auf 4 Geschosse ab.
In der Weimarer Straße vermittelt eine Abstaffelung auf 3 Geschosse zu den vorhandenen Gebäuden.

Entsprechend der √∂ffentlichen Situation der Ecke Neuh√∂fer Stra√üe - Veringstra√üe wird im Eckbereich f√ľr das Erdgeschoss eine kommerzielle Nutzung in Form von kleinen L√§den vorgesehen.
Die Fassadengestaltung nimmt hier mit einem Materialwechsel das in Wilhelmsburg vorgefundene Thema der hell gestalteten Ladenecken an den Blockrändern auf.

Die Gestaltung weist das Gebäude deutlich als neues Element in dem Quartier aus, durch Analogien zu Gestaltungselementen der Sanierung wird aber eine Zusammengehörigkeit zu diesem Baukörper erzeugt.

Das Geb√§ude stellt den \"Eingang\" zum Weltquartier dar und hat daher eine √ľbergeordnete Bedeutung als Signet f√ľr das Quartier.
Ein \"Fenster zum Weltquartier\" markiert deutlich den Auftakt und dient als Ausstellungsm√∂glichkeit f√ľr Themen des Quartiers, wie z.B. der zur Zeit an der gleichen Stelle befindlichen Fotoausstellung.
Hinter dem Fenster befindet sich eine gewerbliche Nutzung wie ein Fitness-Studio oder dergleichen.


WEIMARER PLATZ
Der Weimarer Platz bildet das \"städtische\" Zentrum des Weltquartiers.
Durch die Ausbildung von Sackgassen im n√∂rdlichen und s√ľdlichen Teil der Weimarer Stra√üe wird der Platz verkehrsfrei gestaltet. Lediglich die √úberfahrm√∂glichkeit f√ľr Ver- und Entsorgungsfahrzeuge wird erhalten, um den Platzbedarf f√ľr die Wendem√∂glichkeiten zu minimieren.

Die geschlossene S√ľdwestecke wird durch Teilabbruch des Geb√§udes 73-79 ge√∂ffnet. Der fu√ül√§ufige Verkehr in s√ľd- westlicher Richtung aus dem √∂ffentlichen Park wird √ľber den Platz und weiter bis zur Veringstrasse gef√ľhrt. Damit wird der Weimarer Platz zu einem zentralen Wegekreuz innerhalb des Quartiers.

In den 3-4 geschossigen Platzraum wird ein bauchhohes Mauerelement eingef√ľgt, um einen konzentrierten aktiven Nutzungsraum zu schaffen.
Die s√ľdliche Platzkante wird durch die vorhandene Bebauung mit erdgeschossigen L√§den gebildet.
Die Mauer fungiert als \"Filter\" vor den Vorgärten und Balkonen der nördlichen Wohnbebauung. Es entstehen vielfältige öffentliche Nutzungsmöglichkeiten, wie z.B. Sitzgelegenheiten, Tische, Wandzeitung und Schachspiel.
Zur Platzmitte hin geht die Mauer in einen Pavillon √ľber, in dem sich z.B. ein Cafe mit Aussengastronomie f√ľr die weitere Belebung des Bereiches befindet.




ZENTRALER BLOCK VERINGSTRASSE ‚Äď WEIMARER STRASSE
Die Bebauung zwischen Veringstra√üe und Weimarer Stra√üe wird durch die u-f√∂rmige Schlie√üung im Norden und ein Pendant dazu im S√ľden r√§umlich gefasst.
In den Innenbereichen wird vor die Bestandsgebäude ein Wohnregal als Flächenerweiterung gestellt. Es nimmt unterschiedliche Funktionen auf und bildet eine neue thermische Schicht.

Spannungsreich werden die √§u√üeren und inneren Freifl√§chen gestaltet: Die auf die Stra√üenr√§ume ausgerichteten Hausvorfelder werden bedarfsorientiert in variablen Gr√∂√üen einzelnen Wohnungen oder der Hausgemeinschaft zugeordnet. Im Blockinneren schwingt ein zentraler Erschlie√üungsweg als R√ľckgrat durch den Gr√ľnraum, an den Spiel- und Pflanzbereiche f√ľr die Quartiersgemeinschaft angelagert sind. Locker in die Rasenfl√§chen gestreut und an die differenzierten Anbauten der Wohnungen angelehnt bieten ‚ÄěGarteninseln‚Äú die M√∂glichkeit zu differenzierter Gartennutzung. Nutzg√§rten sind hier ebenso denkbar wie famili√§r oder gemeinschaftlich genutzte Sitzpl√§tze. Die Anzahl dieser G√§rten im Gr√ľnraum kann entsprechend der Nachfrage der Bewohner aufgestockt oder reduziert werden, ohne dass die Tragf√§higkeit des Konzepts verloren geht.
Querverbindungen in halböffentlicher Qualität durchziehen das Gebiet.
√úber die √Ėffnung der s√ľd-westlichen Ecke des Weimarer Platzes erfolgt ein Anschluss an den aufgewerteten √∂ffentlichen Platz und eine Verbindung zum Park.
Am S√ľdrand des Blocks wird mit der Schaffung einer weiteren kleinen Platzfl√§che ein Akzent in der Gr√ľnverbindung zwischen IBA und Br√ľcke √ľber den Veringkanal gesetzt.


MODERNISIERUNG
Ziel der Modernisierung ist, die vorhandenen Qualitäten zu erhalten und die Mängel zu beheben.
Pr√§gend f√ľr die Erscheinung der Geb√§ude und des Quartiers sind die Backsteinfassaden. Sie erzeugen einen haptischen, angenehmen Eindruck und machen das Quartier unverwechselbar.
Bei der Modernisierung soll dieser Eindruck erhalten bleiben.
Straßenseitig wird die Backsteinfassade erhalten und durch neue vorgestellte Eingänge sowie kubische Dachaufbauten ergänzt. Die energetische Sanierung wird durch eine zusätzliche mineralische Innendämmung mit harter Silikatplattendeckschicht gewährleistet.
So bleibt das Quartier von außen eindeutig als zusammenhängendes historisches Ensemble erkennbar.

In den Innenbereichen wird der vorhandenen Außenwand eine zweite thermische und räumliche Schicht vorgestellt.
Dieses ‚ÄěWohnregal‚Äú stellt sich mit einem Stahlblock auf die vorhandene Konstruktion, und ist an der Kellerdecke r√ľckverankert. Es wirkt als Pufferzone und kann Zimmererweiterungen, Abstellr√§ume und Winterg√§rten aufnehmen. Es ist vollfl√§chig verglast und l√§sst so die dahinter liegenden Bestands-Au√üenw√§nde weiter erkennbar.
F√ľr die Nutzer ist diese Wohnraumerweiterung zu unterschiedlichen Jahreszeiten vielf√§ltig nutzbar. Das Geb√§ude erh√§lt ein \"Gesicht\" zum Garten. Durch die unterschiedliche Nutzung wird die Fassade belebt. Ein differenzierter √úbergang von √∂ffentlich zu privat erm√∂glicht vielf√§ltige Kommunikationsm√∂glichkeiten.
Die energetische Sanierung wird mit einer Kellerdeckendämmung, einer grundsätzlichen Überarbeitung des Daches, und neuer Haus- und Heiztechnik abgerundet.

Die Wohnungen werden neu strukturiert. Sie erhalten größere Bäder und zum Teil separate WCs.
Als Angebot kann in einem Teil der Wohnungen durch eine interne T√ľr der Bad-Schlaf-Bereich vom WC-Wohn-Bereich getrennt werden. So kann einem kulturell bedingten Wunsch nach separierten M√§nner-Frauen-Bereichen Rechnung getragen werden.
Soweit durch die alte Struktur m√∂glich, kann die Essk√ľche √ľber eine Schiebet√ľr optional mit dem Wohnraum verbunden werden.


ENERGIEKONZEPT
Es wird davon ausgegangen, dass die W√§rme-Energie-Versorgung f√ľr die Heizung und Brauchwassererw√§rmung √ľber ein Nahw√§rmenetz erfolgt. Die W√§rme wird im Energiebunker mittels Kraft-W√§rme-Kopplung auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen und √ľber eine Unterst√ľtzung mit Solarkollektoren erzeugt.

MODERNISIERUNG
Die energetische Sanierung erreicht mit verbesserten U-Werten der Bauteile ein Ergebnis zur ENEV von ‚Äď30%.
Mit konsequent au√üen liegender W√§rmed√§mmebene wird eine hermetische H√ľlle erzeugt. Zur Strasse mittels eines W√§rmed√§mmverbundsystems, zum Hofbereich √ľber ein vorgestelltes ged√§mmtes Bauteil mit Holzrahmenbau-Fertigteil-Fassadenelementen.
Das Dach wird bis zur Kehlbalkenlage gedämmt, die Kellerdeckendämmung und eine einbindende Sockeldämmung schließen den Dämmmantel. Die Fenster werden mit einer guten 2-fach Verglasung vorgesehen. Bei weiter relativ fallenden Preisen kommt auch eine 3-fach Verglasung in Betracht.
Es wird eine konsequent luftdichte Abklebung aller Bauteile erreicht, die mit einem Blower-Door-Test gepr√ľft wird.
Eine kontrollierte L√ľftungsanlage mit der Zentrale im Dach und √úberstr√∂m√∂ffnungen in den Fenstern stellt den notwendigen Luftwechsel her. Auf eine W√§rmer√ľckgewinnung wird auf Grund des engen Kostenrahmens verzichtet (Faktor 2).
Die Leitungsverluste werden mittels sehr guter Dämmung reduziert. Wasser sparende Armaturen werden eingebaut.
Kochgas statt Elektroherd stellt eine Einsparung mit Faktor 3 dar. Winddichte Elektrodosen und Kabeldurchf√ľhrungen sorgen f√ľr ein gutes Blower-Door-Ergebnis, Netzfreischalter und abgeschirmte Kabel reduzieren die Magnetfeldbelastung der Bewohner.

NEUBAU
Kompakte Gebäude reduzieren Außenwandflächen und erzeugen einen guten Volumen-Flächen-Faktor.
Der KfW 40 Standard wird durch eine verbesserte Wärmedämmung der einzelnen Bauteile erreicht.
Alle bei der Modernisierung genannten Maßnahmen werden auch hier ergriffen.





lageplan

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neubau

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modernisierung

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fassadendetail

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weimarer platz

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