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Wettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren zwischen den ersten drei PreistrĂ€gern | 07/2006

Wettbewerb fĂŒr Generalplanungsleistungen Riesentropenhalle Gondwanaland

1. Preis

HPP Architekten GmbH

Architektur

Seelemann Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Vogt Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

INGENIEURBÜRO DR. BINNEWIES Ingenieurgesellschaft mbH

Bauingenieurwesen

ErlÀuterungstext

ARCHITEKTUR

Die Schildkröte hat sich als Urtier ĂŒber Millionen von Jahren auf den Kontinenten Asien, Afrika und SĂŒdamerika behauptet. Sie ist ein verbindendes Element zwischen Wasser und Land. Der Schildkrötenpanzer als schĂŒtzende HĂŒlle diente uns als Leitmotiv zur Entwicklung der Dach- Form und Struktur. Um eine klare Großform zu entwerfen wurden alle notwendigen RĂ€ume, fĂŒr Tiere, Besucher und Technik mit der Landschaft verflochten, getarnt. Das optionale Areal fĂŒr Sonderveranstaltungen wurde ebenfalls in die Großform integriert. Den Nachweis, dass es innerhalb des Budgets ausfĂŒhrbar ist, haben wir in der KostenschĂ€tzung gefĂŒhrt.
So entsteht die gewĂŒnschte Situation, dass es nur zwei Elemente gibt; die Landschaft und darĂŒber das schĂŒtzende Dach der Tropenhalle.

Mit der Situierung der Halle wird die Pfaffendorfer Straße zum Zoo hin rĂ€umlich gefasst.
Das Dach bildet einen Klimapanzer zum Schutz der tropischen Urwaldlandschaft, dem Gondwanaland. Es ist in alle Richtungen gewölbt, und erhĂ€lt hierdurch eine Minimierung der Außenluft berĂŒhrten FlĂ€che. Im Halleninneren entschwindet das Dach hinter der Topographie und den Bepflanzungen. Abgeschnittene Stirnseiten bzw. senkrechte Fassaden wurden vermieden. Die hell gefĂ€rbten Profile der Dachhaut erzeugen durch ihre dreieckige Struktur den Eindruck ĂŒbereinander gewölbter Bambusstangen, die mit der Bepflanzung harmonisch verschmelzen. Das rautenförmige Flechtwerk des Sockels, aus dem die Dachstruktur zu wachsen scheint, erinnert abstrahiert an die verschlungenen Wurzeln im Mangrovenwald.

Durch die Positionierung der Halle parallel zur Pfaffendorfer Straße wurde die maximale Landgewinnung fĂŒr das vorhandene ZoogelĂ€nde erreicht. Das hier geschaffene neue FreigelĂ€nde ist gut proportioniert und ermöglicht eine optimale Vernetzung mit der thematisch gestalteten Zoolandschaft. Die FlĂ€che erzeugt die notwendige Distanz zum Hallendach und ist von den Zoobesuchern gut ĂŒberschaubar. Den entsprechende Abschluss bzw. Übergang zum bereits bestehenden ZoogelĂ€nde bildet die Kulisse der neu mit Kunstfels und Bepflanzung gestalteten „RĂŒckwand“ der denkmalgeschĂŒtzten alten Raubtieranlage. Auf einen Durchbruch in der historischen Felsenanlage wurde bewusst verzichtet.

Die Nord-SĂŒd Ausrichtung ermöglicht eine optimale Besonnung der „Riesentropenhalle Gondwanaland“. Der Platz des Pfahldorfs ist so angeordnet, das alle Versorgungseinrichtungen auf der Nordseite einen RĂŒcken bilden und die Bepflanzungen nicht verschattet werden. Die Freianlage liegt im Westen und erhĂ€lt so eine optimale Besonnung.

Durch die nicht parallel zueinander stehenden LĂ€ngsseiten werden die vorhandenen Fluchten im Stadtraum aufgenommen. Dies hat abgesehen von dem stĂ€dtebaulichen Aspekt den Effekt, das sich die Perspektive, vom Standpunkt des Betrachters auf dem Dorfplatz, optisch verstĂ€rkt und somit den Raum tiefer erscheinen lĂ€sst. In LĂ€ngsrichtung ist die Höhe des Dachs nicht symmetrisch, hierdurch wird ein sanfterer Übergang zur Kongresshalle geschaffen und die VerstĂ€rkung der Perspektive, des ersten Eindrucks im Hallenraum, findet seine Entsprechung im Dach.

Bei der landschaftsgĂ€rtnerischen Gestaltung des GelĂ€ndes wurde das neu zu bebauende GrundstĂŒck als ein Ganzes betrachtet. In der Folge besetzt die Landschaft des Gondwanalandes das gesamte Areal zwischen Parthe und Pfaffendorfer Straße. Die Landschaft innen wie außen lĂ€uft scheinbar hindurch. Als Verbindung zwischen Tropenhalle und Freigehege öffnet sich eine Schlucht, dessen Wasserlauf (mit Glas klimatisch getrennt) die KontinuitĂ€t der Landschaft erahnen lĂ€sst. Ein optionaler Zugang, von der Halle aus in die Freianlagen des Nashorns, ist im Sommer möglich.

Durch die parallele Anordnung der „Riesentropenhalle Gondwanaland“ zur Pfaffendorfer Straße ist sie im Stadtraum sehr prĂ€sent und selbstbewusst. Die Tropenhalle ist durch ihren abgerundete Baukörper als eine freistehende Großform erlebbar. Hierdurch wird eine starke Werbewirkung erzielt. Das GebĂ€ude wirbt, durch sein unverwechselbares Erscheinungsbild, aus sich selbst heraus.

Die zweiseitige Erschließung, sowohl vom ZoogelĂ€nde als auch von der Pfaffendorfer Straße aus, wird im Norden ĂŒber die kurze Seite der Halle realisiert. Vom Inneren des ZoogelĂ€ndes kommend öffnet sich dem Besucher die Welt des Gondwanalandes an der markanten Treppenanlage ĂŒber der Parthe. Felsformationen begrenzen einen großzĂŒgigen Vorplatz, von wo aus die Zoobesucher durch einen Felsentunnel hindurch das Halleninnere erreichen. Den Nebenweg ĂŒber bzw. durch die denkmalgeschĂŒtzte alte Raubtieranlage empfinden wir dramaturgisch als zu schwach. Durch die Positionierung des Gondwanaland - Zugangs an die ParthenbrĂŒcke verbleibt die historische Raubtieranlage weiterhin im Zoorundgang.
Die Platzierung des neuen Eingangs in der NĂ€he des Nordplatzes, als gegenĂŒber zum Haupteingang, spannt auf dem TeilstĂŒck der Pfaffendorfer Straße eine durch Zoobesucher belebte Promenade auf. Der großzĂŒgige Vorplatz bietet genĂŒgend Stauraum fĂŒr große Besucheransammlungen. Das hier dargestellte Nashorn dient als Platzhalter fĂŒr eine Plastik die durch einen KĂŒnstlerwettbewerb Gestalt finden sollte.

Bei der Entwicklung der Gondwanahalle galt als Grundprinzip die naturnahe Gestaltung. Aus diesem Grund wurde bei der Konzeption bzw. Konstruktion möglichst kein rechter Winkel verwendet.

Um eine ungestörte Versorgung und Pflege der Tiere und Pflanzen zu gewÀhrleisten, legt sich um die Tropenhalle ein Servicegang. Von hier aus können sowohl die Tiere in der Halle als auch in den dazugehörigen Freianlagen versorgt werden. ErgÀnzt durch eine Befahranlage in der Halle werden von hier aus auch die Pflanzen gepflegt.
Die Freigehege sind entlang der zoozugewandten LĂ€ngsseite der Halle angeordnet. Über entsprechende Schieber können die Tiere in die Halle bzw. in die Freigehege geleitet werden.

Die Ver- und Entsorgung von Besucherzentrum, Restaurant, Shop usw. erfolgt ĂŒber einen im Norden angeordneten Wirtschaftshof. Hier können auch ParkplĂ€tze fĂŒr Personal angeordnet werden. Die ParkplĂ€tze könnten auch bei Abendveranstaltungen fĂŒr VIP Verwendung finden. Die Ver- und Entsorgung fĂŒr Tiere und Pflanzen erfolgt auf direktem Wege ĂŒber den vorhandenen Wirtschaftshof. Somit sind diese unterschiedlichen Funktionsbereiche der Anlieferung sinnvoll entflochten, kreuzende Wege werden vermieden.



LANDSCHAFTSARCHITEKTUR

Das landschaftliche Konzept der Riesentropenhalle „Gondwanaland“ basiert auf der Idee einer fremden, komplexen Landschaft, die den Besucher einlĂ€dt, Teil dieser Landschaft zu werden und sie eigenstĂ€ndig zu erkunden. Die Ausdehnung der den Bildern des Tropenwaldes nachempfundenen Landschaft beschrĂ€nkt sich nicht auf die FlĂ€che der Tropenhalle selbst, sondern erstreckt sich fast ĂŒber das gesamte Areal.
Dem Besucher bietet sich schon von der Pfaffendorfer Straße und den FlĂ€chen des Leipziger Zoo ein Neugier weckendes Bild.
Die Halle selbst tritt durch ihre einfache Konstruktion nicht in den Vordergrund. Die Fußpunkte der Hallenkonstruktion verschwinden in einer nach oben gefĂŒhrten GelĂ€ndemodellierung, so dass aus der Perspektive des Besuchers nur die EindrĂŒcke der fremden Landschaft wahrgenommen werden.

Die Landschaft wird als Topographie aus steilen Kunstfelsen gebaut, die sich mit Vegetationsbereichen und WasserflĂ€chen abwechseln. Die Felsen definieren RĂ€ume und schaffen natĂŒrliche Barrieren fĂŒr die Tiergehege.
Das wichtigste Gestaltungselement ist die Vegetation. Wie am Naturstandort bilden sich die drei Stockwerke der Baum-, Strauch- und Bodenschicht. Die Pflanzen sprechen ĂŒber Farben, Struktur und Textur sowie durch DĂŒfte die Wahrnehmung der Besucher an. Besonders eindrucksvoll sind die GroßbĂ€ume mit den aneinander stoßenden Baumkronen, die ein wellenförmiges dichtes BlĂ€tterdach bilden. Die Bodenschicht zeigt sich als lĂŒckenhafte Krautschicht aus niedrigen Pflanzen, breitblĂ€ttrigen GrĂ€sern, Zwergpalmen und kleinen StrĂ€uchern.
Die aus dem Urkontinent Gondwana entstandenen Kontinente Asien, Afrika und SĂŒdamerika werden als charakteristische Einzelbereiche herausgearbeitet, fĂŒr jeden Erdteil werden besonders typische Bilder des tropischen Waldes vermittelt: Ein Bambuswald und tropische Nutzpflanzen fĂŒr Asien, ein Tieflandregenwald mit Orchideen fĂŒr Afrika sowie ein Mangroven- und Nebelwald fĂŒr SĂŒdamerika. Die unterschiedlichen Tropenwaldtypen gehen einher mit verschiedenen Wuchsformen der Pflanzen, so dass eine Abfolge von dichten Bambuspflanzungen, mittelgroßen tropischen BĂ€umen und StrĂ€uchern, RegenwaldbĂ€umen mit Lianen, Wasserpflanzen und Mangrovengehölzen, urtĂŒmlichen Palmfarnen und Palmen entsteht.
Ein prĂ€gendes Erlebnis ist auch das fremde Klima. Hohe Luftfeuchtigkeit und ganzjĂ€hrig hohe Temperaturen lassen den Besucher den Tropenwald direkt spĂŒren.

Die WegefĂŒhrung ist so gelegt, dass sich dem Besucher immer wieder neue Perspektiven eröffnen. Der Verlauf ist abwechselnd vertieft, gelĂ€ndegleich oder als erhöhter Steg gefĂŒhrt. Die Einfriedungen der einzelnen Tiergehege sind soweit möglich mit der kĂŒnstlichen Landschaft kombiniert, so dass sie vom Weg aus nicht wahrgenommen werden können. Der Besucher hat das GefĂŒhl, den Tieren ohne Barrieren gegenĂŒberzustehen.
Das tradierte Schaukastenprinzip wird durch eine direkte Teilnahme der Besucher als Akteure abgelöst. Der Weg fĂŒhrt ĂŒber die stark bewegte Topographie zum Beispiel durch Baumwipfel, zu einem Wasserfall und an Sumpfzonen vorbei. Der Hauptweg variiert in seiner Breite, so dass an interessanten Punkten kleine PlĂ€tze entstehen. Hier können sich Besucher aufhalten, ohne den Personenfluss zu behindern. ZusĂ€tzlich zum Rundweg durchlaufen Nebenwege besondere Themen wie die Baumwipfel hoher Urwaldriesen, das Dickicht des Mangrovenwalds oder einen Unterwasserbereich und laden zum Entdecken ein.
Die im Sommer im Freigehege untergebrachten Großtiere wie das Nashorn können ĂŒber einen nach aussen gefĂŒhrten Weg besichtigt werden.
Als ErgĂ€nzung zum Fußweg kann ĂŒber eine Bootstour die Ebene der WasserflĂ€chen erkundet werden. Diese beginnt mit einer multimedialen Information zum erdgeschichtlichen Hintergrund und zeigt anschließend die Tropenhalle aus einer völlig neuen Ebene. Die Tour bietet die einzige Möglichkeit, die in der Hallenmitte durch die Topographie versteckt liegenden Bereiche zu besuchen, wodurch die Neugier der Besucher geweckt wird.

Der Besucher wird in die völlig eigene Welt einer tropischen Landschaft versetzt, die sich bald als vollkommen selbstverstĂ€ndlich zeigt. Die Gestaltungselemente werden prĂ€zise und zurĂŒckhaltend eingesetzt, damit der Besucher die neuen EindrĂŒcke und das neue Wissen nach und nach selbst entdecken kann.

Beurteilung durch das Preisgericht

Den ersten Preis erhielt das Leipziger BĂŒro HPP International Planungsgesellschaft mbH. Dieses ĂŒberzeugte durch ein hohes Maß an ProfessionalitĂ€t besonders im Hinblick auf die Tragwerkskonstruktion, die landschaftsarchitektonische Gestaltung und die bereits sehr detaillierte Planung. FĂŒr die Tropenhalle sieht HPP eine rechteckige GrundflĂ€che und ein gewölbtes Foliendach mit einer außen liegenden filigranen Stahltragewerkskonstruktion vor.

Dr. Jörg Junhold
Zoodirektor

(Auszug Pressekonferenz 19.07.2006, Bekanntgabe PreistrÀger)