Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025
Wiederaufbau Bornplatzsynagoge am Joseph-Carlebach-Platz in Hamburg
10
Straßenperspektive
©Filippo Bolognese Images
3. Preis
Preisgeld: 77.000 EUR
Architektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Projektsteuerung
Visualisierung
Brandschutzplanung
sonstige Fachplanung
Erläuterungstext
Freiraum
Der Freiraum des Gebäudeensembles zeichnet sich insbesondere durch den urbanen, adressbildenden Vorplatz und den ruhigen, grünen Gemeindehof aus, die durch einen Pflasterteppich vereint werden.
Der Vorplatz schafft einen Ort der Erinnerung, der Identität sowie des Zusammenkommens. Ein großer Wasserspiegel bildet das zentrale Element und strukturiert den Platz. Er bildet, durch die dunkle Oberfläche aus wiederverwendetem Mosaikpflaster, eine prägnante Form und reflektiert die orthodoxe und die liberale Synagoge als Sinnbild für Alt und Neu. Der Platzrand wird durch Hochbeete mit Sitzeinfassung und Pollern eingefasst und gesichert, Bäume sorgen für Schatten und leiten in den Hof. Dieser wird durch eine geschwungene Grünfläche geprägt, während Rasenfugen und Baumgruppen einen parkähnlichen Charakter schaffen.
Der Freiraum des Gebäudeensembles zeichnet sich insbesondere durch den urbanen, adressbildenden Vorplatz und den ruhigen, grünen Gemeindehof aus, die durch einen Pflasterteppich vereint werden.
Der Vorplatz schafft einen Ort der Erinnerung, der Identität sowie des Zusammenkommens. Ein großer Wasserspiegel bildet das zentrale Element und strukturiert den Platz. Er bildet, durch die dunkle Oberfläche aus wiederverwendetem Mosaikpflaster, eine prägnante Form und reflektiert die orthodoxe und die liberale Synagoge als Sinnbild für Alt und Neu. Der Platzrand wird durch Hochbeete mit Sitzeinfassung und Pollern eingefasst und gesichert, Bäume sorgen für Schatten und leiten in den Hof. Dieser wird durch eine geschwungene Grünfläche geprägt, während Rasenfugen und Baumgruppen einen parkähnlichen Charakter schaffen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfassenden schlagen vor, die im Erdreich vorhandenen historischen Strukturen als Ausgangspunkt und Fundament des neuen jüdischen Zentrums zu nutzen. Alle vorhandenen Steine und Fragmente sollen beim Aufbau der neuen Synagoge verwendet werden und so auch wieder sichtbar werden. Die Jury bewertet diese grundlegende Idee und die Anmutung der orthodoxen Synagoge sehr positiv.
Die neuen Gebäude rahmen die Synagoge mit zwei Gebäuderiegeln auf städtebaulich plausible Weise. Die Reformsynagoge ist Teil des südlichen Gebäuderiegels. Kritisch wird die Höhe des nördlichen Riegels gesehen, vor allem in Bezug zum unter Denkmalschutz stehenden Bildungshaus.
Die äußere Anmutung der beiden Riegel einschließlich der Reformsynagoge wird kontrovers diskutiert. Die Gebäude mit den Verwaltungs- und Wohnnutzungen werden teilweise als sehr unprätentiös, für den Ort und die Nutzung zu unspezifisch bewertet.
Es wird positiv diskutiert, dass das Volumen und die Fassadengestaltung der Reformsynagoge auf den ersten Blick an die Synagoge in der Oberstraße in Hamburg denken lassen. Allerdings unterscheiden sich die beiden Gebäude bei genauerem Hinschauen im Detail und in der Anmutung eklatant voneinander. Während die Synagoge in der Oberstraße im Geist der 20er Jahre und des neuen Bauens vom Städtebau bis ins Detail eine sehr einladende, flächige und in allen Details eher leichte, feine und heitere Anmutung ausstrahlt, erscheint das nun für die Reformsynagoge vorgeschlagene Gebäude sich unglücklicherweise Motiven zu bedienen, die eher ab Mitte der 1930er Jahre in Gebäuden verwendet wurden. Es wird darüber diskutiert, dass das massiv und schwer wirkende Naturstein-Mauerwerk, die Gesimse und die wie Zinnen wirkenden Dachaufbauten festungshaft, abweisend und schwer wirken.
Im Zusammenspiel mit der wiederaufgebauten Synagoge scheint die Reformsynagoge sehr kräftig und monumental, die orthodoxe Synagoge scheint gegenüber dem Neubau eher in den Hintergrund zu treten.
Der Innenraum der orthodoxen Synagoge überzeugt durch die Wiederherstellung der historischen Hülle und die Ergänzung durch zeitgemäße Innenausbauten. Der Innenraum der Reformsynagoge wird etwas kontrovers diskutiert. Die in der Visualisierung dargestellte Durchlässigkeit und Durchsichtigkeit der Etage wird teilweise im Hinblick auf die Nutzung für Gottesdienste kritisch gesehen. Eine visuelle Trennung wäre nötig, würde aber gleichzeitig die Anmutung des Raumgefüges stark negativ beeinflussen.
Insgesamt überzeugt dieser Entwurf vor allem durch die städtebauliche Setzung, die konsequente Verwendung der historischen Elemente und Fundamente und den ebenso konsequenten Wiederaufbau der orthodoxen Synagoge im Innenraum.
Im Gegensatz dazu strahlt der Neubau eine Anmutung aus, die für diese Aufgabe schwierig erscheint.
Der Freiraum ist hochgradig mineralisch und hart, der gesamte Raum wird platzartig gepflastert. Nur Nuancen deuten eine Differenzierung oder das Potential der Flächen an, das aber nicht ausgeschöpft wird. Insbesondere im Bereich zwischen Schule, orthodoxer Synagoge und baumbestandenen Hinterhof im Osten. Bis auf wenige Restflächen sind alle Bereiche des öffentlichen Freiraums unterbaut, mit geringem Aufbau und nicht versickerungsfähig. Mit den frei vom Platz zugänglichen, lang gezogenen Lichtschächten entlang der Seite der Synagoge entstehen unangemessene Vorzonen zum zentralen Bauwerk, die gleichzeitig eine Sicherheitsschwäche darstellen. Sie zu begrünen, hilft nicht. Die zentrale Platzfläche ist zur Straße durch Heckenbänder teilweise mit Bänken kombiniert abgegrenzt. In diesem Prinzip wird auch der Allende-Platz linear gegliedert. Toranlagen können den hinteren Bereich verschließen.
Hofperspektive
©Filippo Bolognese Images
Innenraum
©Filippo Bolognese Images
Innenraum
©Filippo Bolognese Images
Grundriss UG
©ATELIER KEMPE THILL + THÖRNER KACZMAREK
Grundriss EG
©ATELIER KEMPE THILL + THÖRNER KACZMAREK, hochC Landschaftsarchitektur GmbH
Grundriss 1.OG
©ATELIER KEMPE THILL + THÖRNER KACZMAREK
Anischt
©ATELIER KEMPE THILL + THÖRNER KACZMAREK
Schnittperspektive
©ATELIER KEMPE THILL + THÖRNER KACZMAREK
Schnittperspektive
©ATELIER KEMPE THILL + THÖRNER KACZMAREK