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Bauträgerwettbewerb | 07/2024

Wohnbauprojekt Podhagskygasse IV in Wien (AT)

Teilnahme

Treberspurg & Partner Architekten ZT GmbH

Architektur

Carla Lo Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Architektur
Der Beitrag besticht städtebaulich durch die gelungene Vermittlung zwischen der kleinteiligen Bebauung im Osten und den großvolumigen Wohnbauten im Westen. Fünf seitlich abgeschrägte, kürzere Riegel bilden zusammen mit vier sehr kleinteiligen quadratischen Punkten einen Cluster, der ein sehr eigenständiges Wohnmilieu verspricht. Indem die kleinen Punkte über Brücken mit den Riegeln verbunden sind, kann die Effizienz der Erschließung erhöht werden. Jedoch bildet der dreigeschoßige Riegel im Osten eine gewisse Barriere zur Nachbarschaft; konsequenter wäre eine durchgehend luftige Durchbildung des östlichen Bereichs in Punkten. An dieser Stelle fehlt auch eine stärkere Verbindung zum großen Freiraum im Norden, wodurch dieser etwas abgeschnitten wirkt. Dafür sticht das Projekt durch die luftige Bebauung auf dem südlichen Bauplatz äußerst positiv hervor. Im Erdgeschoß konzentriert sich die Bespielungsenergie beidseits der Podhagskygasse, wo sich der Quartiers-Greissler und eine Fitness-Boutique an der Kreuzung und die partizipativ programmierten Gemeinschaftsräume finden. In den übrigen Bereichen liegen neben den erforderlichen Nebenräumen vor allem Wohnungen im Erdgeschoß, was im Binnenraum durch den Verzicht auf Eigengärten und die Ausbildung von Grünpuffern sehr gut gelöst ist. Lediglich entlang der Straße im Westen scheint die Anordnung von einseitig orientierten, konventionellen Wohnungen im Erdgeschoß nicht passend. Der Bereich des Balkonregals wird als alleiniger Puffer den Verlust an Privatsphäre nicht kompensieren können. Die geteilte Erschließung, mit Stiegenhäusern und Kernen in den größeren Riegeln und Brücken zu den kleineren Punkten, ist gut gelöst. Mitunter wirken die Stichgänge in den Riegeln etwas zu eng und lang, während die Brücken ruhig etwas reduzierter als klare Stege gestaltet sein könnten. Die Wohnungen sind zu einem großen Teil über Eck zweiseitig orientiert und zeigen einen guten Standard. Im Erscheinungsbild wirken die ruhigen Holzfassaden mit abgehängten Balkonen im östlichen Bereich sehr ansprechend und adäquat. Die Fassade entlang der westlichen Straße wird durch das vorgestellte Balkonregal bestimmt, das in der Visualisierung die angekündigte Begrünung etwas vermissen lässt und insbesondere im Erdgeschoß, wie schon angesprochen, eine stärkere Filterwirkung entfalten müsste. Was den Holzbau angeht, bezieht sich das Projekt auf die Möglichkeit einer optimierten Maßanfertigung durch Digitalisierung und verspricht ein „Null-Verschnitt-Haus“. Mit diesem Argument wird auf eine größere Systematisierung verzichtet, was in der Praxis jedoch vermutlich doch mit gewissen Mehrkosten einher gehen würde. Durch den Einsatz von Massivholzwandelementen auch im Inneren der Wohnung wählt das Projekt einen sehr materialintensiven Ansatz, der auch eine künftige Adaptierung der Wohnungen erschwert. Wood Hood überzeugt vor allem auf städtebaulicher Ebene durch die gute Vermittlung mit dem Umfeld. In Bezug auf die Themenstellung des WohnBAUMprogramms kann die Herangehensweise nicht restlos überzeugen und lässt eine gewisse Tiefe in Bezug auf die Herausforderungen des konstruktiven Holzbaus vermissen.

Ökonomie
Das Projekt umfasst insgesamt 164 geförderte Wohnungen, davon 81 Normwohnungen ohne Kaufoption, 83 SMART-Wohnungen sowie 15 Heimeinheiten und 3 Geschäftslokale mit einer förderbaren Nutzfläche inkl. Zuschlägen von 13.134 m2. Für die SMART-Wohnungen wird neben der Förderung nach § 3 und § 6 (Superförderung) auch eine Förderung nach § 6a NeubauVO 2007 beansprucht. Die Gesamtbaukosten mit € 3.396,25 /m2 förderbarer Nutzfläche sind günstig. Die Baunebenkosten mit 19,0 % werden als durchschnittlich bewertet. Da die Grundankaufskosten bei allen Projekten mit € 188,- / m2 oberirdischer BGF festgelegt sind, wird die bauliche Ausnutzung, die in der Auslobung als Zielwert von 17.853 m2 BGF bekanntgegeben wurde, vergleichend herangezogen. Die erzielte BGF mit 17.161 m2 liegt etwas unter der Zielvorgabe. Die Vorgaben der SMART-Wohnungen werden sowohl der Anzahl nach (51 %) als auch hinsichtlich des Finanzierungsbeitrages (€ 60,00 / m2 WNFl.) erfüllt. Die Bruttomiete in Höhe von € 7,95 / m2 WNFl. (Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag € 0,30 / m2 WNFl, Superförd. gem. § 6 (2) € 0,35 / m2 WNFl. und gem. § 6 (3) € 0,13 / m2 WNFl., Betriebskosten und Verwaltungskosten-zuschlag € 1,59 /m2 WNFl.) wird als sehr günstig beurteilt und stellen auch die günstigsten SMART-Konditionen im Bewerberfeld dar. Bei den Normwohnungen ohne Kaufoption liegt die monatliche Mietbelastung mit € 8,95 / m2 WNFl. (Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag € 0,30 / m2 WNFl, Superförd. gem. § 6 (2) € 0,35 / m2 WNFl. und gem. §6 (3) € 0,13 / m2 WNFl., Betriebskosten und Verwaltungskostenzuschlag € 1,59 / m2 WNFl.) in Kombination mit dem Finanzierungsbeitrag in der Höhe von € 80,00 / m2 WNFl. (Baukostenbeitrag) im sehr günstigen Bereich. Beim Heim liegt die monatliche Mietbelastung mit € 8,95 / m2 WNFl. (Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag € 0,29 / m2 WNFl., Betriebskosten und Verwaltungskostenzuschlag € 1,50 / m2 WNFl.) in Kombination mit dem Finanzierungsbeitrag in der Höhe von € 80,00 / m2 WNFl. (Baukostenbeitrag) im sehr günstigen Bereich. Die Betriebskosten sind in dieser Höhe wohl schwer zu halten. Die Konditionen für die geförderten Geschäftslokale betragen € 11,95 /m2 Nfl. Bruttomiete ohne Finanzierungsbeitrag. Die Garagenkonditionen mit € 95,00 / Monat ohne Finanzierungsbeitrag werden durchschnittlich bewertet. Die Bauausstattung mit Holz-(Alu-)Fenstern und Holzparkett wird als sehr gut bewertet. Die Nutzerverträge der Urbanbau und der Vindobona werden mit 3 bis 4 Sternen beurteilt. (lt. Bewertung Dr. Pfiel)

Soziale Nachhaltigkeit
Die baulichen Voraussetzungen stellen aus Sicht der sozialen Nachhaltigkeit einen sehr guten Lösungsansatz dar und sind sehr gut geeignet, die Kommunikationskonzepte für das Community Building zu unterstützen. Die Ausstattung mit verschieden nutzbaren Gemeinschaftseinrichtungen wird positiv bewertet. Hervorzuheben ist der vorgesehene Quartiers-Greissler, mit dem über eine Vereinskonstruktion auch eine bauplatzübergreifende Wirkung angeboten wird.

Ökologie
Die gewählte Holzbaukonstruktion (Holzmassivbauweise) im Zusammenhang mit dem hohen Vorfertigungsgrad, den angestrebten Schraubverbindungen und der eingesetzten Bauteil- und Materialdatenbank erfüllt die Anforderungen an die Wiederverwendung und die geringe CO2- Belastung und ist in hohem Maße kreislauffähig. Die gewählte Tragstruktur führt zu einer linearen Lastableitung, die einer soliden Planung entspricht. Es wird empfohlen diese auch in der Garage fortzusetzen, um eine weitere Materialeinsparung zu ermöglichen. Die hocheffiziente Gebäudehülle wird ebenso positiv bewertet. Die Überlegungen zur Energieversorgung mit dem Aufbau eines hocheffizienten, erweiterbaren Niedertemperaturnetzes als Infrastruktur-Angebot für den angrenzenden Bestand als Anreiz zum Ausstieg aus Gas (mit Podhagskygasse 8) und für zukünftige Entwicklungen im Norden und Süden inklusive der Versorgung auf Bauplatzebene mittels Erdsonden, Wärmepumpen und Pufferspeichern wird bei diesem Projekt besonders positiv hervorgehoben. Die Grundlüftung mit schallgedämmten Nachströmöffnungen und Abluftventilatoren ist Standard. Der außenliegende Sonnenschutz und die Temperierung über Flächen- und Zusatzelemente sorgen für Sommertauglichkeit auch in der Zukunft. Der Ansatz, dass ein Anteil der Stromgewinnung durch die PV-Anlage kostenlos den Bewohnern zur Verfügung gestellt wird, wird seitens der Jury gewürdigt. Der klimaaktiv Gebäudestandard Gold rundet die sehr gute ökologische Gesamtqualität sinnvoll ab. Der Freiraum arbeitet mit einer klimasensiblen Gestaltung und greift die wesentlichen Themen zu Reuse und Recycling, Boden- und Wassermanagement sowie Biodiversität auf. Dabei nehmen die biodiversen Pufferflächen zu den Erdgeschosswohnungen einiges an Flächen in Anspruch, versprechen aber bei entsprechender Bepflanzung und Pflege eine angenehme Beschattung und Freiraumatmosphäre. Das Projekt ist räumlich sehr gut organisiert und die allgemeinen Freibereiche sind alltagstauglich und gut nutzbar mit akzentuiert gesetztem Nutzungsangebot. Die Bauplätze werden über die Erschließungswege und die Gestaltung intensiv verknüpft, wobei die starke, serielle Gliederung nicht gänzlich nachvollzogen werden kann. Problematisch erscheinen die zur Straße orientierten Erdgeschossterrassen.