Baugruppenhaus Heimatmole am Baakenhafen in der Hamburger HafenCity
Urbanes Wohnen neu gedacht: zillerplus Architekten und Stadtplaner kombinieren Wohnen, Arbeiten und Freizeit in einem Baugruppenhaus, dessen Architektur die Gemeinschaft stärkt.
Bodentiefe Fenster rhythmisieren die Fassade der Heimatmole zur Straßenseite am Warftplatz. Rücksprünge lockern das leicht geknickte, achtgeschossige Wohnhaus in der Baakenallee 76 auf. Seine schillernde Hülle ist aus kleinen lichtgrauen Glasmosaiksteinen, die das Licht reflektieren. Im Südwesten sind durchgängige Balkone in versetztem Zickzack vor die Fassade gesetzt. Sie öffnen sich auf einen gemeinsam genutzten Garten an der Norderelbe. Die Heimatmole ist ein Wohnungsbau für 16 Hamburger Familien, die Eigentümerinnen und Bauherren sind.
Wohnen in der HafenCity
2017 gewannen zillerplus den eingeladenen Wettbewerb für das Baugruppenhaus auf einer Landzunge im Quartier Baakenhafen in der östlichen HafenCity. Im gesamten Ostteil entstehen derzeit 3.500 Wohnungen und 13.000 Arbeitsplätze. Bis 2030 soll die Gesamtentwicklung der HafenCity abgeschlossen sein. Die Heimatmole wird schon bald Teil eines lebendigen Wohn- und Arbeitsquartiers sein, und doch liegt der Wohnungsbau auch im Grünen. Denn das Architekturkonzept von zillerplus kombiniert urbane Dichte mit der Idee des Wohnens im Grünen, es stärkt die Gemeinschaft, ohne die individuellen Bedürfnisse der Bauherrenfamilien aus dem Auge zu verlieren. „Wir bauen für Menschen, mit Menschen und für die Stadt. Wir entwickeln keine Wohnmaschinen, sondern Lebenskonzepte, die ein qualitätsvolles Leben ermöglichen“, meint Michael Ziller.
Gemeinschaft als Mehrwert
Um den zentralen Erschließungskern des Hauses sind pro Etage zwei Wohnungen gruppiert. Die Grundrisse mit Flächen zwischen 100 und 110 Quadratmetern sind nach den individuellen Wünschen der Bauherrenfamilien gestaltet, wobei sich die gemeinsam genutzten Zonen wie Wohnzimmer und Küche in der Regel auf der Gartenseite und privatere Rückzugsräume auf der Straßenseite befinden. Statt strikter Funktionstrennung sind flexible Nutzungen für die einzelnen Räume vorgesehen, sie werden als Schlafzimmer, Kinder- oder Gästezimmer sowie Homeoffice genutzt und sind für weitere Bestimmungen in der Zukunft offen. Sollte der Raumbedarf einer Familie wachsen, so können „Schalträume“, die sich in jedem Stockwerk am zentralen Aufzugskern befinden, mitgenutzt werden. Teils lassen sich ihre Flächen zu den einzelnen Wohnungen dazuschalten, teils sind sie als separate Einheiten mit eigenen Eingängen erschlossen. Im Dreijahresrhythmus beschließt die Wohneigentumsgemeinschaft die weitere Nutzung und Vergabe der Schalträume. Die begrünte Dachterrasse steht allen als luftiger Freiraum mit Blick über die HafenCity zur Verfügung. Auch der Heimatclub ist Teil der Allmende. Der luftige Raum streckt sich vom Keller ins Erdgeschoss und kann für Geburtstage und Vortragsabende, Familienfeste und viele andere Anlässe genutzt werden. Die Architektur der Heimatmole stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
„Grünes Zimmer“
Die raumhaltige Grünfassade auf der Gartenseite ist mit fassadengebundenen und bodengebundenen Pflanzen bewachsen. Ihre Rankgitter sind über die Zickzack-Balkone vom Erdgeschoss bis in die achte Etage geführt, bewässert werden die Pflanzen mit Regenwasser aus der Zisterne. Bald schon werden die Pflanzen aus den durchgängigen Balkonen einen vertikalen Garten bilden, der als Sonnen- und Windschutz dient und mit Kommunikationszonen die Hausgemeinschaft fördert. Die geschützten Außenbereiche erweitern die Wohnflächen nach draußen wie ein zusätzliches „Grünes Zimmer“. Durch die ungewöhnliche Zickzackform ist der Blick von jedem Zimmer der Gartenseite auf die Norderelbe möglich. „Das Besondere und Schönste an dem Haus ist der räumliche Trick, dass man von jeder Wohnung Blick aufs Wasser hat. So hat man überall das Gefühl, direkt am Wasser zu wohnen“, sagt Nora Thorade, die mit ihrer Familie in der Baakenallee 76 wohnt.
Wohnen mit Blick in die Zukunft
Die Heimatmole nutzt Wärmetauscher und produziert Energie über die hauseigene Photovoltaikanlage auf dem Dach. Das Gebäude ist ein KfW-55-Effizienzhaus und wurde mit dem Platin-Umweltzeichen HafenCity ausgezeichnet. Die Architektur ist auf einen langen Lebenszyklus und auf wandelbare Lebenskonzepte ausgerichtet. Wenn sich der Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner weiterentwickelt und neue Bedürfnisse oder räumliche Anforderungen aufkommen, können sie diese in ihrem Baugruppenhaus umsetzen. „Hier wollen die Menschen leben, nicht nur wohnen! Architektur stellt den Rahmen für ein soziales Miteinander und stärkt die gemeinschaftliche Identität“, so Michael Ziller.
Baugruppenhaus Heimatmole
Adresse: Hamburg HafenCity, Baakenallee 76, 20457 Hamburg
Wettbewerb 2017: 1. Preis und Planung
Architektur: zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH, München
Bauherr: Planungsgemeinschaft HeimatMole GbR, Hamburg
Baugruppenbetreuung: Kiezkompanie Hamburg Part GmbH, Hamburg
Baubegleitung: bicon Generalplanung GmbH, Hamburg
Freianlagen Haus, Wettbewerb und Leitdetails: Burger Landschaftsarchitekten, München
Freianlagenplanung: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung PartGmbB, Hamburg
TGA Wettbewerb: IB Hausladen GmbH, Kirchheim
TGA Ausführung: Averdung Ingenieure & Berater GmbH, Hamburg
Fertigstellung: 2024
Bruttogeschossfläche: 2500 m²
Wohnflächen: 100–110 m²
Balkone: 10–12 m²
Gemeinschaftsräume: Dachterrasse 105 m², Heimatclub 40 m²
Zertifizierung: Umweltzeichen HafenCity Platin, KfW-55-Effizienzhaus
Auszeichnungen
1. Preis „Wohnbauten des Jahres 2025“, Award Callwey Verlag
Hamburger Grüne Bauten 2025, Shortlist