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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2022

Wohnen am Klinikgelände Feldafing

Lageplan

Lageplan

1. Preis

Breining • Buchmaier Architekten I Stadtplaner I Energieberater

Stadtplanung / Städtebau

GrĂĽnprofil - Peter Wilhelm Landschaftsarchitekt

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Insgesamt neun in freien Formen gestaltete Baukörper werden im Wettbewerbsgebiet locker verteilt. Erst auf den zweiten Blick fällt die geschickte Gruppierung zu zwei Wohnhöfen im Parkgelände und die Ausformung einer zurückhaltenden Platzfolge im Westen auf. Hier entsteht nahe am Dorfkern eine durch ein mit Gemeinschaftsnutzungen programmierten Gebäudes gegliederte Platzfolge. Sie bildet das ortsräumliche Kernstück des Entwurfs. Für die Gemeinde wird so ein wertvoller städtebaulicher und funktionaler Impuls gesetzt und ein hochwertiger Auftakt in die privateren Wohnbereiche im alten Klinikgelände formuliert. Überzeugend ist die räumliche Kompaktheit dieser Lösung, welche der zu erwartenden Nutzungsdichte angemessen erscheint.

 

Trotz seiner Öffnung zu diesem Dorfzentrum bleibt dennoch die Qualität des ersten Wohnhofes als Rückzugsraum für die Bewohner des Geländes durch eine geschickte Gebäudestellung (Umschließung des Raums) gewahrt. Der entstehende Wohnhof weist aus Sicht der Jury eine hohe Aufenthalts- und Nutzungsqualität auf. Die mittig platzierte Grüninsel mit Spielplatz bedeutet nicht nur einen räumlichen Mehrwert, sondern kann als Aussparung in der Parkgarage auch eine Funktion bezüglich Wasserhaushalt oder Verschattung übernehmen, große Baumpflanzungen werden so ebenfalls ermöglicht.

 

Auch die Durchführung von Fußgängern in den östlichen Bereich oder den südlich gelegenen Bürgerpark ist problemlos vorstellbar. Allerdings fehlen in den Wettbewerbsunterlagen Angaben zu genauen Ausformung der Vor-/ Gartenzone der Bauten, die perspektivischen Darstellungen sind in diesem Punkt wenig aussagekräftig. Der mit den gleichen Elementen arbeitende östlich gelegene Wohnhof zur Possenhofener Straße liegt dem Geländesprung folgend auf einem tieferen Niveau und stellt sich recht stark geneigt dar. Hier geht die Konzeption als Gebäudegruppe nicht so gut auf, weil die Adressbildung und die Wegeführung nicht die Stringenz des westlichen Teils aufweisen kann, da Neigung die Nutzbarkeit der Hofes stark einschränkt. Die „eingegrabenen“ beiden Baukörper im Nordwesten des Wohnhofs haben zudem nur eine eingeschränkte Nutzbarkeit im Erdgeschoss. Insgesamt stellt sich die Frage, ob die einheitliche Entwicklung der Bauten als dreigeschossige Elemente hier wirklich zielführend ist, oder ob einzelne Baukörper im Gesamtkonzept durch eine maximal eingeschossige Ausstockung gewinnen würden. Dies muss aber in der weiteren Ausarbeitung überprüft werden. Die oberirdische Erschließung im gesamten Ostteil erscheint uneinheitlich. Sie sollte stärker Prinzipien der Orientierung, sowie die starke topografische Bewegtheit des Geländes reflektieren.

 

Die innere Gliederung der Baukörper ist, wie auch die freie Formgebung, sehr gut nachvollziehbar, für die weitere Bearbeitung entsteht durch die Bauform eine hohe Flexibilität. Allerdings müssen (vornehmlich im Erdgeschossbereich (zum Wohnhof, nach Norden) oder in unteren Hanglagen) die einseitigen Wohntypologien überprüft werden, damit keine minderwertigen Wohnungen entstehen, eventuell können Gebäudetiefen angepasst und damit Flächen gewonnen werden. Einer stärkeren Differenzierung der Baukörper, um präzisere Raumbezüge und bessere Freiraumzugänge der EG-Wohnungen zu schaffen, steht die Jury offen gegenüber. Allgemeinen erlaubt das vorgestellte Quartierkonzept allerdings die Entwicklung einer sehr hohen Wohnqualität ohne defizitäre Wohnlagen im Rückbereich.

 

Das Konzept ist nur mit einem Eingriff in die Landschaft und den Baumbestand umsetzbar, fällt hier allerdings im Vergleich vertretbar aus und erhält maßgebliche Qualitäten des bestehenden Parks, ergänzt durch neue markante Grünelemente (beispielsweise Großbäume auf Quartiersplatz und in Wohnhöfen). Besondere Erwähnung muss die Gestaltung des südlichen Teils der Hügelkuppe finden, wo der Klinikpark in einem charmanten Aufenthaltsbereich mit Spielplatz und als Idee einer kleineren Aussichtplattform weiterlebt. Das Freiraumangebot wird durch mehrere Dachterrassen und erdgeschossige Mietergärten ergänzt. Beide Entwurfsideen müssen allerdings in der weiteren Planung genauer spezifiziert werden um Konkurrenzen mit anderen Nutzungen (z.B. PV-Anlagen auf dem Dach, Wasserrückhalt, private Nutzung gegenüber Parknutzung südlich der Gebäude) abzuwägen.

 

Im Wettbewerbsstand nicht überzeugen können die Überlegungen zur architektonisch-gestalterischen, äußeren Ausformung der Gebäude und deren Bezug zum Freiraum (Gebäude und Wohnungsmaßstab). Die beigelegten Darstellungen hierzu bleiben deutlich hinter der hohen strukturellen Qualität des städtebaulichen Entwurfskonzeptes zurück.

 

Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr guten Beitrag zur Quartiersentwicklung auf dem Klinikgelände dar; sie schafft vergleichsweise viel mit wenigen, sinn- und maßvoll eingesetzten Mitteln und lässt auch in der Realisierung ein überzeugendes Ergebnis erwarten.

Schwarzplan

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Modell

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