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Dialogorientierter BautrÀgerwettbewerb | 11/2024

Wohnraumentwicklung Areal Nordwestbahnhof in Wien - BauplÀtze 4, 5 und 10 (AT)

Visualisierung Wiener Luft

Visualisierung Wiener Luft

Gewinner / 1. Stufe / Bauplatz 10 - Empfehlung Weiterbearbeitung in der 2. Stufe

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EGW - Erste gemeinnĂŒtzige Wohnungsgesellschaft HeimstĂ€tte Gesellschaft m.b.H.

Projektentwicklung, Investor*in

GemeinnĂŒtzige Wohn- und Siedlungsgesellschaft Schönere Zukunft Gesellschaft mbH

Projektentwicklung, Investor*in

ErlÀuterungstext

Wiener Luft
1200 Wien, Nordwestbahnhof

Neben dem Fokus auf Ressourcen, Emissionen und Kreislauf stellt sich die Frage, welche Typen von HĂ€usern wir zukĂŒnftig bauen sollen: Wie schaffen wir, urbane Dichte und DurchlĂŒftung zu kombinieren? Welche Typologien brauchen wir, um mit passiven und robusten Strukturen die richtigen Grundvoraussetzungen fĂŒr Klimawandelanpassung zu schaffen?

„Wiener Luft“ geht einen neuen Weg, der Anleihe nimmt an erprobten Lösungen aus heißeren Weltregionen: KĂŒhlende LĂŒftungen in traditionellen LehmhĂ€usern im Jemen, aber auch zeitgenössische Lösungen im heißen Spanien haben uns bei der Entwicklung von HĂ€usern mit ungewohnten Typologien inspiriert. Es entsteht eine PorositĂ€t innerhalb der tiefen GebĂ€ude, die es ermöglicht, Luft im Inneren so zu nutzen, dass sie im Winter wĂ€rmer, aber vor allem im Sommer kĂŒhler bleiben.

Von allen grĂ¶ĂŸeren Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, sind die Bewohner:innen von WohngebĂ€ude im stĂ€dtischen Raum vor allem von der Erhitzung im Sommer betroffen. „Wiener Luft“ reagiert darauf mit vier elementaren Maßnahmen, die ineinandergreifen, um den Menschen die Anpassung an den Klimawandel zu erleichtern: Den Außenraum klimatisch verbessern sowie die GebĂ€ude beschatten, lĂŒften und klimaneutral kĂŒhlen.

Außenraum klimatisch verbessern
„Wiener Luft“ lĂ€sst den zentralen Bereich des Bauplatzes unbebaut und schafft so einen großen zusammenhĂ€ngenden Freiraum am GrundstĂŒck. Tiny Forests nutzen den Großteil dieser FlĂ€chen, um die BiodiversitĂ€t im Quartier zu erhöhen und Frischluftdepots in Hitzeperioden zu bilden.

Beschatten
Ein vorgelagertes dreidimensionales Klimakleid im SĂŒden und Westen ermöglicht außenliegende Verschattung mit Abstand zur Fassade. Dadurch kann Luft zirkulieren und es entsteht ein geschĂŒtzter Zwischenbereich. Bodengebundene, vertikale BegrĂŒnung, die - im Klimakleid integriert - orthogonal zur Fassade wĂ€chst, mildert seitliche Sonneneinstrahlung und sorgt damit fĂŒr Beschattung und Sichtschutz.

LĂŒften
Die GebĂ€ude selbst sind als poröse Körper geplant. Durch Luftbrunnen und Atrien entsteht fĂŒr alle Wohnungen die Möglichkeit zur QuerlĂŒftung. Der passive KĂŒhleffekt, der durch das QuerlĂŒften entsteht, wird durch ein intelligentes Element der passiven KĂŒhlung, die Klimabrunnen verstĂ€rkt:

Klimaneutral kĂŒhlen

Im Sommer kann die Luft im Erdgeschoß in das GebĂ€ude einströmen und steigt durch den Kamineffekt im Inneren der GebĂ€ude auf. Zusammen mit einer nĂ€chtlich forcierten Luftdurchströmung können die empfundenen Temperaturen im Klimabrunnen tagsĂŒber um bis zu 7 Grad unter denen im Außenraum gehalten werden. 

ÖKOBILANZIERUNG
Schon fĂŒr den Wettbewerb wurde das gesamte Projekt begleitend ökobilanziert. Dabei wurden alle Aufbauten erfasst, alle Massen ermittelt und die Haustechnik und die Außenanlagen mit bewertet. Die Lebenszyklusphasen A (Herstellung und Errichtung, B (Betrieb) und C (RĂŒckbau) wurden betrachtet und analysiert:

CO2 NeutralitÀt in Herstellung und Errichtung
Durch die primĂ€re Verwendung der Materialien Holz, StrohdĂ€mmung und Lehm, mit der Einspeicherung von biogenem Kohlenstoff und mit der weitgehenden Substitution von emissionsintensiven Materialien wie z.B. Stahlbeton, Mineralwolle oder zementgebundenen SchĂŒttungen kann nachweislich CO2 NeutralitĂ€t in der Herstellung und Errichtung des GebĂ€udes erreicht werden.

Die Brutto Treibhausgasemissionen in der Herstellung des GebĂ€udes von 225 kg CO2e /mÂČBGF werden durch den biogenen Kohlenstoff-Speicher in Höhe von 260 kg CO2e /mÂČ BGF kompensiert. Das GebĂ€ude bilanziert (inkl. aller baulichen Maßnahmen und haustechnischen Anlagen) tatsĂ€chlich mit einem Minus von 35 kg CO2e /mÂČ BGF.

net zero in der Errichtung ist möglich, wĂ€hrend eine herkömmliche Stahlbetonbauweise mit VollwĂ€rmeschutz in der Errichtung Treibhausgasemissionen von netto 300 bis 350 kg CO2e /mÂČ BGF verursacht.

CO2 NeutralitÀt im Betrieb
net zero im Betrieb ist möglich, wĂ€hrend herkömmliche vergleichbare Neubauprojekte noch immer jĂ€hrliche Treibhausgasemissionen in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 5 bis 7 kgCO2e /mÂČBGF.a verursachen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Ökonomie
Das Projekt umfasst insgesamt 120 geförderte Wohnungen, davon 116 SMART-Wohnungen, 4 Heimeinheiten und 9 geförderte GeschĂ€ftslokale mit einer NutzflĂ€che von insgesamt 14.119 m2. Die angestrebten Gesamtbaukosten liegen mit € 3.176,- / m2 förderbarer Nfl. inkl. ZuschlĂ€ge geringfĂŒgig unter den Gesamtbaukosten des Mitbewerbers. Die Vorgaben der SMART-Wohnungen werden sowohl ökonomisch (FB € 60,- / m2 WNFl.) als auch der Anzahl nach (100 %) erfĂŒllt.
Die angestrebten Nutzerkonditionen liegen mit € 8,84 / m2 WNFl. nahezu gleichauf mit den Nutzerkonditionen des Mitbewerbers. Die angestrebten Nutzerkonditionen fĂŒr die Heimnutzung liegen mit einem Eigenmittelanteil in der Höhe von € 330,- / m2 WNFl. im Vergleich zum Mitwerber bei mehr als dem Doppelten. Dem gegenĂŒber ist das Nutzungsentgelt in der Höhe von € 9,97 / m2 WNFl. vergleichsweise gĂŒnstig. Bei einer gewichteten Betrachtung der Heimkonditionen ist diese praktisch gleich auf mit den Konditionen des Mitbewerbers.
FĂŒr Lokale gibt es das Angebot keines oder eines gestaffelten Finanzierungsbeitrags zu Stundungszinsen von 2,0 %. Die geplante Finanzierungsstruktur sieht eine Fremdmittelfinanzierung von 3,7 % und Eigenmittelfinanzierung von 0,5 % vor.
GewĂŒrdigt wird das Ausstattungspaket KĂŒchenblock.
Auf Nachfrage bestĂ€tigen die Vertreter*innen des BautrĂ€gers, dass unabhĂ€ngig von den Finanzierungskosten die angestrebten Nutzerkonditionen zukĂŒnftig nur mit dem VPI indexiert werden.
Der BautrĂ€ger wird – wie im Zuge der PrĂ€sentation besprochen – ersucht, die Konsequenzen fĂŒr den 50 % ĂŒbersteigenden Anteile der SMART-Wohnungen zu prĂŒfen, fĂŒr den Fall, dass fĂŒr diesen Anteil keine Förderung gemĂ€ĂŸ § 6a zugesichert wird.

Soziale Nachhaltigkeit
Das Projekt besticht durch ein durchgĂ€ngiges Nachhaltigkeitskonzept, das sich quer durch die Bereiche der 4-QualitĂ€tssĂ€ulen zieht. U.a. wird eine Raumhöhe von 2,80 m in den Obergeschossen einen wertvollen Beitrag zur AlltagsqualitĂ€t liefern. Besonders positiv wird der erhebliche Anteil an E-Typ-Wohnungen fĂŒr grĂ¶ĂŸere Familien hervorgehoben.
Die Einbindung bewĂ€hrter Betreiber*innen fĂŒr das Wohnen fĂŒr Ältere (kolokation) oder auch EG- Nutzungen (Resi-Slow fashion, O*Books, Co-Working Werkstatt etc.) lassen eine sehr hohe LebensqualitĂ€t erwarten.
GrundsĂ€tzliche AnsĂ€tze und Möglichkeiten fĂŒr kulturelle Nutzungen bzw. Inhalte sind durch die zweigeschoßige Werkstatt und die Buchhandlung, in der auch Veranstaltungen stattfinden sollen, gegeben.

Architektur
Drei große und selbstbewusste HĂ€user besetzen den Raum an der Bauplatzgrenze und lassen im Inneren einen großen Raum frei. Durch diese Konzentration der Baumasse entsteht einerseits eine markante PrĂ€senz am öffentlichen Raum von Park und Stichstraße, andererseits aber auch sehr beengend wirkende ZwischenrĂ€ume zwischen den Bauten und zu den NachbarbauplĂ€tzen. Über diese ZwischenrĂ€ume werden auch die GebĂ€ude erschlossen, was zwar gut proportionierte Gewerbe- und GemeinschaftsflĂ€chen an der Esplanade freispielt, aber eine eigentlich unerwĂŒnschte Abwendung der HauseingĂ€nge vom Öffentlichen Gut und eine Verdoppelung der Erschließungsachse parallel zum öffentlichen Raum zur Folge hat.
In den GebÀuden entstehen jeweils um eine attraktive zentrale Eingangssituation mehrseitig ausgerichtete und vielfÀltige Wohnungen.
Die GebĂ€ude sind im Grundriss und in der Dachlandschaft sehr stark gegliedert, eine Beruhigung ist hier wĂŒnschenswert.

Ökologie
Eine tragende Rolle ĂŒbernehmen die NachbarschaftswĂ€ldchen und der bauplatzĂŒbergreifende Nachbarschaftsplatz. Vor allem, die als rasch wachsende WĂ€ldchen (nach Miyawaki-Methode) konzipierten GrĂŒnrĂ€ume, enthalten einen gewissen Freiheitsgrad in der Nutzung und entwickeln eine starke Raumbildung. DarĂŒber hinaus stellen sie einen guten Beitrag zur Klimaverbesserung und zur BiodiversitĂ€t dar.
Das Potential der mittigen DurchgĂ€nge und der vorgelagerten Terrassenzone wurde vernachlĂ€ssigt, stellt jedoch einen wichtigen Bereich fĂŒr die Gemeinschaft dar. Diese ist in weiterer Folge jedenfalls zu verbessern.
Der Entwurf adressiert unterschiedliche Anforderungen des kreislauffĂ€higen Bauens und prĂ€sentiert dafĂŒr sehr gute und teilweise bereits detailliert ausgearbeitete LösungsvorschlĂ€ge: Die Reduktion energieintensiver PrimĂ€rressourcen wird durch den Einsatz nachhaltiger Materialien wie Holz, Stroh und Lehm erreicht.
Neben der KlimaneutralitĂ€t im Betrieb wird auch die KlimaneutralitĂ€t in der Herstellung und Errichtung nachgewiesen. Das Außenwandsystem zeichnet sich durch einen hohen Vorfertigungsgrad aus und stellt eine innovative Lösung dar, die fast ausschließlich aus Holz, Stroh und Lehm besteht.
Zudem wird die Optimierung verschiedener Bauteile bereits durch die Anwendung des Urban Mining Index umgesetzt, was nicht nur zur Erhöhung der KreislauffÀhigkeit beitrÀgt, sondern ebenso Emissionen reduziert.
Besonders begrĂŒĂŸt wird der Einsatz von SekundĂ€rbaustoffen – eine sichtbare und gut vermittelbare Maßnahme zum zirkulĂ€ren Bauen, die konsequent weiterverfolgt und ĂŒber die vorgeschlagenen Materialien (Glasbausteine, Klinker) hinaus umgesetzt werden sollte.
Das Projekt konzentriert sich auf eine umfassende natĂŒrliche BelĂŒftung und Belichtung der Wohnungen durch den Einsatz von Luftkaminen und Klimabrunnen. ZusĂ€tzlich wird das Mikroklima durch eine gezielte topographische Gestaltung des Innenhofs optimiert. Insgesamt wird dieser integrale und auf passive Maßnahmen fokussierte Ansatz sehr positiv bewertet.
Die aktiven sowie quartiersbezogenen Maßnahmen werden ebenso in sehr guten AnsĂ€tzen konzeptuell dargestellt.
Erdgeschoß Wiener Luft

Erdgeschoß Wiener Luft

Regelgeschoß Wiener Luft

Regelgeschoß Wiener Luft

Klimawandelanpassung

Klimawandelanpassung

Leben im Haus

Leben im Haus

CO2 NeutralitÀt

CO2 NeutralitÀt

Prozess Wiener Luft

Prozess Wiener Luft

Modell Wiener Luft

Modell Wiener Luft