Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025
Wohnungsbau Am Johannisbrunnen in Krumbach
©Diezinger Architekten
Detail
2. Preis
Preisgeld: 27.500 EUR
Thomas Egger Modellbau | Frässervice
Modellbau
Erläuterungstext
Städtebau
Das nach Osten zum Fluß abfallende Gelände wird - unter Berücksichtigung der Topografie - mit einem Ost-West orientierten `Cluster´ aus insgesamt 12 unterschiedlich großen Häusern belegt. Als Abgrenzung zur Markgrafenstrasse und dem anschliessenden Gewerbegebiet werden die westlichen, viergeschossigen, Gebäude parallel zur Strasse angeordnet. Die übrigen, dreigeschossigen, Wohnhäuser sind Ost-West orientiert und öffnen sich zum Fluss. Die zueinander versetzten Gebäude lassen Durchblicke zum Flussufer frei und ermöglichen eine optimale Durchlüftung des Wohnquartiers. Es entstehen gut proportionierte Quartiersplätze, die vielfältig genutzt werden können. Die westlichen, winkelartig angeordneten, Gebäude stehen erhöht auf dem Parkdeck mit Rampen und Treppenabgängen auf die untere Ebene. Die Höhenstaffelung der Gebäude passt sich dem zum Fluss abfallenden Gelände an. Plätze und Wege im Quartiersinneren sind halböffentlich, Spielplätze und Aufenthaltplätze im östlichen Bereich, entlang des Uferwegs, öffentlich gewidmet.
Erschliessung
Der PKW-Fahrverkehr wird aus dem Wohnquartier gänzlich herausgehalten, was wesentlich zur Optimierung der Wohnqualität innerhalb des Quartiers beiträgt. Fahrrad- und fussläufige Durchwegung vernetzen die Wohnhäuser von allen Seiten im Quartier. Der überwiegende Teil des ruhenden PKW-Verkehrs wird konzentriert in einem Parkdeck am westlichen Grundstücksrand untergebracht. Das eingeschossige Parkdeck nutzt den Höhenverlauf des Grundstücks bestmöglich aus, sodass es zweiseitig natürlich belüftet werden kann. Durch die vorgeschlagene Höhenlage bleiben die Gründungsbereiche des Parkdecks oberhalb der Wasserlinie. Die restlichen Stellplätze werden oberirdisch, entlang der Markgrafenstrasse als Senkrechtparker angeordnet. Feuerwehraufstellflächen sind innerhalb des Quartiers angeordnet und können über die interne Nord-Süd-Erschliessungsstrasse angefahren werden. Die dreigeschossigen Gebäude benötigen keine Feuerwehrumfahrt, die viergeschossigen Gebäude können von der Markgrafenstrasse aus angeleitert werden. Gut anfahrbare Müllabstellbereiche sind an der nördlichen und südlichen Grenze des Grundstücks geplant. Fahrradunterstellbereiche werden sowohl im Parkdeck als auch innerhalb des Quartiers gedeckt und offen angeboten.
Gestaltung
Das Wohnkonzept ist geprägt von gut proportionierten Einzelgebäuden unterschiedlicher Grösse und Ausrichtung, mit dem Ziel ein urbanes Wohnquartier mit hoher Wohnqualität zu gestalten. Das städtebauliche Konzept geht sensibel auf den vorgefundenen Ort mit seinen unterschiedlichen Randbedingungen, wie angrenzendes Gewerbegebiet, attraktive Flusslandschaft und nachbarliche Wohnbebauung, ein. Es entstehen differenzierte Aussenbereiche die auf vielfältigste Weise genutzt werden können. Insbesondere wird auf die Massstäblichkeit des ländlich geprägten Ortes reagiert, weshalb die Höhenentwicklung der Gebäude bewusst auf 3-4 Geschosse begrenzt wird. Die einzelnen Häuser sind oberirdisch als Holzbauten konzipiert, was das gesamte Erscheinungsbild der Fassaden prägt. Allen Wohnungen sind grosszügige, gut besonnte, Loggien vorgeschaltet. Es werden unterschiedliche Wohntypologien angeboten, die sowohl über Laubengänge als auch über Einzeltreppenhäuser erschlossen werden. Grundsätzlich sind alle Wohnungen barrierefrei erschlossen. Platzhalter für Aufzüge werden in allen Häusern angeboten, diese können aber auch nach erforderlichem Bedarf erst später ausgebaut werden. Der Ausbau von Gründächern dient der Verbesserung des Kleinklimas und der Aufnahme der PV-Anlage.
Konstruktion
Die Wohnhäuser werden in Holzhypridbauweise errichtet: Treppen- und Aufzugskerne als statische Aussteifung in Stahlbeton, Aussenwände in Holzrahmenbau mit Ausfachung, Innenwände in Holzmassivbauweise, Decken in Holz-Beton-Verbundkonstruktion, Fassadenverkleidung aus vorvergrauter Weissdanne. Es wird angestrebt möglichst viele Holzbauteil in Vorfertigung herzustellen, um eine schnelle Bauzeit und günstige Kosten zu garantieren. Das Parkdeck wird als Betonmassivbau mit statischer Bodenplatte hergestellt. Die Belüftung des Parkdecks erfolgt mittels natürlicher Querlüftung durch Einbau eines angehobenen Sockelgeschosses. Die drei mittleren Gebäude erhalten ebenfalls ein wasserfreies Sockelgeschoss, um die Abstellräume für die sechs westlichen Gebäude und die zentrale Gebäudetechnik aufzunehmen. Die drei östlichen Gebäude entlang des Flusses werden nicht unterkellert. Zusätzliche Kellerersatzräume werden in den Aussenanlagen auf dem Parkdeck geschaffen.
Die Baumassnahme kann aufgrund der Einzelgebäude gut in mehreren Bauabschnitten hergestellt werden. Bauabschnitt 1: Westliche Wohnhäuser mit Parkdeck, Bauabschnitt 2: mittlere Häuserreihe, Bauabschnitt 3: östliche Häuser. Weitere Angaben siehe Fassadenschnitt!
Aussenanlagen
Das Wohnquartier erhält außerhalb des Parkdecks eine intensive Durchgrünung mit klimagerechten, schattenspendenden, Großbäumen auf unversiegelten Flächen. Die acht entstehenden Gartenhöfe laden mit unterschiedlichen Themen zur gemeinschaftlichen Nutzung ein. Die westlichen Gartenhöfe auf dem Parkdeck beherbergen urbane Gärten mit Hochbeeten. Die gemeinschaftlichen Grünräume werden mit Schnitthecken von den Mieter- und Vorgärten der Wohnungen abgegrenzt. Vor den Gemeinschaftsräumen im nördlichen Gartenhof wird eine wassergebundene Wegedecke angeboten, die eine Vielzahl von Aktivitäten, wie Boule, Tischtennis, etc. und mobile Sitzgelegenheiten unter Baumdächern ermöglicht. Die beiden mittleren Gartenhöfe sind bespielbare Landschaften mit Liegeflächen, die u. a. Auch zum Rennen und Toben genutzt werden. Blütenwiesen und Staudenflächen bieten zahlreiche Blühaspekte über die gesamte Vegetationsperiode. Die östlichen Gartenhöfe öffnen sich zum Flussbett der Kammel und nehmen die Spielplätze für alle Altersgruppen auf. Die Fallschutzbereiche ergeben großzügige Rieselflächen, die an Kiesbänke bei Flusslandschaft erinnern. Der Grillplatz wird zu einem attraktiven Treffpunkt für sommerliche Feste am Kammelufer.
Anfallendes Niederschlagswasser soll auf vielfältige Weise genutzt werden. Überschüssige Wassermengen werden zurückgehalten, verdunstet und über ein Mulden-Rigolen-System zur Versickerung gebracht. Alle befestigten Flächen werden mit versickerungsfähigen Materialien erstellt. Die PKW-Stellplätze erhalten ein Rasenfugenpflaster mit hohem Rasenanteil. Regenwasserzisternen dienen der Nutzung als Grau- und Gartenwasser. Die Dachflächen werden extensiv begrünt und tragen so zur Niederschlagsrückhaltung, Abkühlung durch Verdunstung und Erhöhung der Biodiversität bei. Bei Starkregenereignissen können die Rasenmulden sowie die, als Mulden erstellten Kiesflächen der Spielplätze kurzzeitig schadlos bis zu 30 cm tief überflutet werden um anschließend das Wasser zu versickern. Die Wegeflächen entwässern in die Baumstandorte. Überschüssiges Wasser wird hier durch höher liegende Abläufe den Rigolen zur Versickerung zugeführt. Die Überdeckung der Tiefgaragen wird mit mindestens 1,0 m große Mengen Niederschlagswasser aufnehmen. Speichermatten erhöhen hier die Wasseraufnahme zusätzlich.
Energetik
Städtebau und Architektur ermöglichen hinsichtlich Struktur und Geometrie eine energieeffiziente Bauweise mit hoher Qualität der thermischen Hüllflächen. Die versetzte Anordnung der kompakten Baukörper stellt außerdem eine sehr gute Tageslichtversorgung sicher und erlaubt die Nutzung passiver solarer Wärmegewinne im Winter. Hinsichtlich der Wärmeversorgung eröffnet die Neuentwicklung des Standorts die Chance eines übergreifenden Quartiersenergiekonzepts. Nach Analyse der in Frage kommenden Energiepotenziale wird hierfür der Betrieb einer zentralen Flusswasser-Wärmepumpe empfohlen, die ein eigenes Wärmenetz speist. Die dafür aus der angrenzenden Kammel zu entnehmende und zurückzuleitende Wassermenge läge bei ca. 40 Litern pro Sekunde, was nur einem sehr kleinen Teil des durchschnittlichen Gewässer-Abflusses entspricht. In Kombination mit Fußbodenheizungen und Frischwasserstationen in den Gebäuden müsste die Vorlauf-Temperatur im Wärmenetz auf max. 50°C angehoben werden, sodass sich ein sehr effizienter Betrieb der Wärmepumpe (JAZ > 4) ergibt, bei gleichzeitiger Reduzierung des Aufwands für trinkwasserhygienische Maßnahmen.
Auf allen verfügbaren Dachflächen werden Photovoltaik-Anlagen in Kombination mit extensiver Dachbegrünung installiert, deren jährlichen Stromertrag bei ca. 440 MWh liegt. Für den Betrieb der Flusswasser-Wärmepumpe zur Bereitstellung von Heizwärme und Trinkwarmwasser ergibt sich inkl. Hilfsenergie überschlägig ein jährlicher Strombedarf von ca. 150 MWh. Der Nutzerstrombedarf wird auf ca. 290 MWh pro Jahr geschätzt. Jahresbilanziell erweist sich somit ein klimaneutraler Betrieb des Quartiers als sehr gut möglich. Durch die Ost-West-Orientierung der PV ergibt sich außerdem ein ausgeglichener Tagesgang der Stromerzeugung und damit ein hoher Eigennutzungsgrad, der durch die Integration von Stromspeichern und Energiemanagement optimiert werden kann.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser schlagen entlang der Markgrafenstraße eine viergeschossige Nord-Süd gerichtete Bebauung in drei Baukörpern vor, die jeweils durch dreigeschossige, Ost-West gerichtete Gebäude zur Winkelform erweitert werden. Richtung Kammel wird mit versetzt angeordneten weiteren Baukörpern eine maßstäbliche Fortführung formuliert, die dem Gebiet einen sehr eigenständigen Charakter verleiht.
Das städtebauliche Konzept orientiert sich in seiner Körnung an der südlichen Nachbarschaft, ohne diese kritiklos zu übernehmen. Die Gebäudeabstände zum Fahrradweg entlang der Kammel sind zu knapp und sollten vergrößert werden.
Die Anordnung der Stellplätze in einer belüfteten Tiefgarage ist nachvollziehbar und in der vorgeschlagenen Form kostengünstig umsetzbar.
Durch die versetzte Anordnung der Ost-West gerichteten Baukörper entsteht ein differenziertes Freiflächenangebot, das vielfältige Nutzungen zulässt.
Der Architektonische Ausdruck und die Fassadengestaltung sind einfach und werden als fast zu monoton empfunden.
Der Wohnungsmix wäre ggf. an die Erfordernisse anzupassen, was das architektonische Konzept aber mit vertretbarem Aufwand zulässt.
Alle Wohnungen sind nach Westen, Süden oder Osten orientiert und lassen eine hohe Wohnqualität erwarten. Die differenziert ausgearbeiteten Wohnungsgrundrisse einschließlich der teilweise eingezogenen Balkone überzeugen und garantieren eine hohen Grad an Privatheit.
Die Barrierefreiheit ist nachgewiesen, mit insgesamt zehn Aufzügen in der Gesamtanlage aber auch teuer erkauft.
Die Verfasser schlagen eine Holzbetonverbundkonstruktion vor, was bei den vorgesehen Spannweiten mit Sicherheit möglich und wirtschaftlich umsetzbar ist.
Das vorgeschlagene Energiekonzept mit Nutzung des Flusswassers mit Wärmepumpen ist absolut schlüssig und sollte weiter verfolgt werden.
Die Städtebaulichen Kennwerte bewegen sich im mittleren Bereich und weisen auf eine gute Umsetzbarkeit hin.
Der Wettbewerbsbeitrag überzeugt durch gut positionierte Eingangsbereiche entlang der Straßen und eine effiziente Erschließung, v.a. auch für den ruhenden Verkehr. Die kleinteilige Freiraumstruktur überzeugt mit privaten Vorzonen sowie zahlreichen, räumlich gefassten und gemeinschaftlich nutzbaren Teilräumen, welche eine unterschiedliche funktionale Belegung erlauben. Gerade deshalb ist jedoch die gewählte, einheitliche und streng in Nord-Süd-Achsen gegliederte Nutzungsstruktur nicht abschließend nachvollziehbar. Diese führt z.B. zu langen Wegen zwischen den westlichen Baukörpern und den angebotenen Spielplätzen.
Die Sichtbeziehungen innerhalb des Quartiers und in die Umgebung werden positiv bewertet, lassen aber eine gewisse Variabilität vermissen. Ein Erhalt des Baumbestands gelingt nicht.
Die angedeutete Verzahnung zwischen den Spielplätzen und den Grünflächen entlang der Kammel könnte durch eine Vergrößerung des Abstands zwischen den östlichen Baukörpern und der Uferzone verbessert werden. Insgesamt sind die Freiflächen noch wenig ausdifferenziert in ihrer gestalterischen Aussage.
©Diezinger Architekten
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Plan 1
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Plan 2
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Plan 3
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Plan 4
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Modellfoto